Kribbeln im Gehirn kann ein beunruhigendes Gefühl sein, das viele Ursachen haben kann. In einigen Fällen steht es im Zusammenhang mit neurologischen Störungen wie Multipler Sklerose oder Migräne. In anderen Fällen kann es ein Symptom für Sprechstörungen wie Stottern sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Kribbeln im Gehirn im Zusammenhang mit Stottern und anderen neurologischen Erkrankungen.
Sprechstörungen (Dysarthrie)
Unter der Bezeichnung Sprechstörung (Dysarthrie) versteht man Störungen der Lautbildung, des Satzrhythmus und der Satzmelodie. Treten solche Symptome unvermittelt und ohne Einfluss von Alkohol oder Drogen auf, ist Vorsicht geboten: Dann steckt möglicherweise eine kurzfristige Durchblutungsstörung des Gehirns oder sogar ein Schlaganfall dahinter - insbesondere dann, wenn Lähmungen dazukommen. Auch eine beginnende Migräne oder verschiedene Medikamente verursachen plötzliche Sprechstörungen. Langsam zunehmende Störungen sind dagegen eher Folge entzündlicher oder degenerativer Hirn-, Nerven- oder Muskelerkrankungen. Dabei gibt die Art der Störung oft Hinweise auf ihren Ursprungsort: Verwaschene Sprache lässt z. B. schließen auf Erkrankungen in Großhirn oder Hirnstamm, stockende Sprache auf Probleme im Kleinhirn.
Mögliche Symptome einer Sprechstörung sind:
- Plötzliches Auftreten von verwaschener, stockender oder verlangsamter Sprache
- Zunehmend verwaschene Sprache
- Nebenlaute beim Sprechen, z. B. Schnalzen, Schmatzen, Ausrufe
- Oft Grimassieren
- Näselnde Sprache
Einige Ursachen für Sprechstörungen sind:
- Verengung in der Nasenhöhle, z. B. durch Polypen, Nasenscheidewand-Verbiegung, Fremdkörper in der Nase
- Gespaltener Gaumen ("Wolfsrachen")
- Krankhafte Muskelschwäche
- Im Kleinkindalter: Normale Phase beim Spracherwerb
- Im späteren Alter: Genetische Veranlagung, emotionale Belastung, z. B. Bei Gelegenheit zum Kinder- bzw.
- Transitorische ischämische Attacke ("Schlägelchen"), Schlaganfall
- Hirnvenenthrombose oder Hirnsinusthrombose
- Alkoholrausch, Drogenrausch
- Nebenwirkung oder Überdosierung verschiedener Medikamente, z. B.
- Multiple Sklerose
- Amyotrophe Lateralsklerose
- Krankhafte Muskelschwäche, z. B.
- Parkinson-Krankheit (Symptomatisches)
- Parkinson-Syndrom
- Medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom, z. B.
- Multiple Sklerose
- Alkoholabhängigkeit
- Kleinhirnerkrankungen, z. B.
- Gehirntumoren, Kleinhirnentzündung (z. B.
Stottern und seine neurologischen Ursachen
Stottern ist eine Redeflussstörung, die durch unfreiwillige Wiederholungen, Verlängerungen oder Blockaden von Lauten, Silben oder Wörtern gekennzeichnet ist. Die Ursachen für Stottern sind vielfältig und komplex, aber neurologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle.
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Neurologische Unterschiede bei Stotternden
Moderne bildgebende Verfahren des Gehirns haben gezeigt, dass bei stotternden Menschen Unterschiede in der Gehirnstruktur und -funktion bestehen. Insbesondere die linke Hirnhälfte, die normalerweise für die Sprachsteuerung zuständig ist, scheint bei Stotternden weniger aktiv zu sein. Stattdessen werden verstärkt Bereiche der rechten Hirnhälfte aktiviert, was möglicherweise eine Kompensationsstrategie darstellt.
Eine Studie von Dr. Nicole Neef und Prof. Dr. Martin Sommer zeigte, dass bei Stotternden die Regulierung der Erregbarkeit in den Bereichen des Gehirns, die die Zungenbewegung steuern, gestört ist. Diese Modulation fehlt bei Stotternden, abhängig von der Stotterschwere. Dies deutet darauf hin, dass die Ausführung des Sprechvorgangs gestört ist.
Die Rolle der Hirnhälften
Das Sprechen wird überwiegend von der linken Hirnhälfte aus gesteuert. Die Muskeln beider Seiten werden von der gegenüberliegenden linken Gehirnhälfte gesteuert. Bei Stotternden scheint die Sprechvorbereitung in beiden Hirnhälften gesteuert zu werden, was möglicherweise zu einem Konflikt und somit zu den beobachteten Sprachblockaden führt.
Multiple Sklerose (MS) und neurologische Symptome
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das gesamte Gehirn und Rückenmark betreffen kann. In Deutschland sind ca. 250.000 Menschen an MS erkrankt. Die Erkrankung tritt zumeist im jungen Erwachsenenalter auf.
Hauptsymptome von MS
Die Symptome von MS sind vielfältig und können Gefühlsstörungen, Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen sowie Müdigkeit (Fatigue) umfassen. Ein häufiges Symptom ist auch das sogenannte Ameisenkribbeln oder Taubheitsgefühle, ähnlich wie bei einem eingeschlafenen Arm oder Bein.
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Diagnose von MS
Die Diagnose von MS basiert auf dem Nachweis unterschiedlich alter Entzündungsherde an mehreren Stellen im Gehirn oder Rückenmark. Dies geschieht in der Regel mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Weitere wichtige Untersuchungen sind die Untersuchung des Nervenwassers mittels einer Lumbalpunktion sowie Messungen von Sehnerven (VEP) und Nervenbahnen (SEP).
Behandlung von MS
Die Therapie von MS zielt darauf ab, die Beschwerden bei einem Schub schneller abklingen zu lassen und den Langzeitverlauf der Erkrankung zu beeinflussen. Zur Schubbehandlung wird häufig Cortison eingesetzt. Zur Beeinflussung des Langzeitverlaufs kommen Immuntherapien zum Einsatz, die das fehlgesteuerte Immunsystem verändern oder dämpfen.
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Eine Transitorische Ischämische Attacke (TIA) ist eine kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns, bei der ein Teil des Gehirns für kurze Zeit nicht mit Blut versorgt wird. Eine TIA ist häufig Vorbote eines größeren Schlaganfalls.
Symptome einer TIA
Die Symptome einer TIA sind ähnlich denen eines Schlaganfalls und können Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprach- und Sprechstörungen, Schwindel, vorübergehendes Doppeltsehen oder einseitige Erblindung umfassen. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Beschwerden bei einer TIA nach spätestens 24 Stunden wieder abklingen.
Behandlung einer TIA
Eine TIA ist ein medizinischer Notfall und sollte umgehend in einem Krankenhaus untersucht und behandelt werden. Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache der Durchblutungsstörung zu finden und das Risiko eines Schlaganfalls zu verringern. Dazu gehört die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Vorhofflimmern.
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Aphasie: Sprachstörung nach Hirnschädigung
Aphasie ist eine Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns ausgelöst wird. Ursache ist in 80 Prozent der Fälle ein Schlaganfall. Betroffene haben Schwierigkeiten damit, Wörter und Sätze zu codieren.
Formen der Aphasie
Es gibt verschiedene Formen der Aphasie, die sich in ihren Symptomen und Schweregraden unterscheiden:
- Amnestische Aphasie: Wortfindungsstörungen
- Broca-Aphasie: Langsamer, angestrengter Sprachfluss, kurze Sätze
- Wernicke-Aphasie: Störung des Sprachverständnisses, lange, verschachtelte Sätze
- Globale Aphasie: Schwerste Form, massive Störung von Sprachverständnis und eigener Sprache
Therapie der Aphasie
Die Therapie einer Aphasie ist Aufgabe von Logopäden oder Patholinguisten. Wesentliche Ziele sind die Reorganisation und Kompensation der Hirnareale. Technische Entwicklungen wie Sprachapps und Computerprogramme erleichtern die Behandlung.
Epilepsie: "Gewitter im Kopf"
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Die Anfälle entstehen durch eine abrupte und exzessive synchrone Entladung der Nervenzellen im Gehirn, ein regelrechtes „Gewitter im Kopf“.
Arten von Epilepsie
Es gibt verschiedene Arten von Epilepsie, die sich in der Art der Anfälle und den betroffenen Hirnarealen unterscheiden:
- Generalisierte Epilepsien: Anfälle, die sich auf das gesamte Gehirn erstrecken
- Fokale Epilepsien: Anfälle, die sich auf ein begrenztes Hirnareal beschränken
Was tun bei einem epileptischen Anfall?
Normalerweise enden epileptische Anfälle nach ein paar Sekunden bis zu einigen Minuten. In diesen Fällen sollten Begleitpersonen darauf achten, dass der Betroffene sich nicht verletzt, beruhigend auf ihn einwirken und das Abklingen der Symptome verfolgen. In schwereren Fällen, also wenn ein Anfall länger fünf Minuten dauert, muss umgehend ein Notfallmedikament verabreicht und der Notarzt benachrichtigt werden.
Parkinson: Abbau von Nervenzellen im Gehirn
Parkinson ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung der Nervenzellen in dem Teil des Gehirns, der für die Kontrolle der Bewegungen zuständig ist. Die betroffenen Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin.
Symptome von Parkinson
Die klassischen Symptome von Parkinson sind Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), die Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese) sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität).
Ursachen von Parkinson
Die genaue Ursache für den Abbau der Nervenzellen im Gehirn ist bis heute ungeklärt. Es wird vermutet, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren das Auftreten der Erkrankung begünstigen kann, darunter Alter, genetische Ursachen, Giftstoffe und Kopfverletzungen.
Diagnose und Behandlung von Parkinson
Einen speziellen Parkinson-Test gibt es nicht. Die Diagnose wird anhand der Symptome und des Ansprechens auf Medikamente gestellt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
Wahrnehmungs- und Denkstörungen durch Verspannungen
In der Pohltherapie® werden Wahrnehmungs- und Denkstörungen oft durch Verspannung der Kopf- und Nackenmuskeln bzw. -sehnen und des Kopf- und Nackenbindegewebes verursacht. Deshalb können sie wie andere sensomotorische Störungen behandelt werden.
Behandlung von Denkstörungen
Bei formalen und inhaltlichen Denkstörungen hilft im Allgemeinen das Bearbeiten der Hinterkopf- und Nackenregion mit der Pohltherapie®. Manchmal muss man auch den ganzen Kopf behandeln, wobei die Patienten uns Therapeuten führen können, da sie an den entsprechenden Stellen eine schwer beschreibbare Missempfindung oder einen diffusen Druck wahrnehmen. Auch die Stirn kommt als Brutstätte depressiver oder wahnhafter Gedanken in Frage und kann mit der Pohltherapie® erfolgreich behandelt werden.
Behandlung von Wahrnehmungsstörungen
Bei Derealisationsgefühlen („Alles, was ich sehe, wirkt so unwirklich“) und Glasscheibengefühlen („Ich nehme alles wie hinter einer Glasscheibe wahr“) behandelt man in der Pohltherapie® zur besseren Durchblutung der ganzen Kopfregion den behaarten Kopf (und hier vor allem dem Hinterkopf) von außen. Zusätzlich wird auch die Augenpartie behandelt, da die Missempfindungen bei Derealisationsgefühlen und Glasscheibengefühlen von den Betroffenen gewöhnlich dort angesiedelt werden.