Kribbeln im Gehirn, oft begleitet von Taubheitsgefühlen, ist eine Empfindungsstörung, die viele Menschen beunruhigt. Diese Missempfindungen können vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Auslösern wie einer falschen Körperhaltung bis hin zu ernsthaften Erkrankungen des Nervensystems. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Kribbeln im Gehirn, die diagnostischen Möglichkeiten und die verfügbaren Behandlungsansätze.
Was ist Kribbeln und wie entsteht es?
Kribbeln ist eine meist unangenehme subjektive Empfindung, die oft als Brennen, Stechen, Ziehen, Ameisenlaufen oder elektrisierendes Gefühl beschrieben wird. Es zählt zu den sogenannten Parästhesien, also Missempfindungen, die spontan oder bei sanften Berührungsreizen auftreten können. Im Gegensatz dazu stehen Taubheitsgefühle, die auf eine verminderte Aktivität der Nerven hindeuten.
Die Haut ist mit Nervenzellen ausgestattet, die Sinnesreize wie Berührung oder Druck aufnehmen und über die Nervenbahnen zum Gehirn weiterleiten. Beim Kribbeln sind diese Nerven aktiv, ohne dass ein äußerer Reiz erkennbar ist. Es kommt also zu einer "falschen" Nervenaktivität.
Häufige Ursachen von Kribbeln im Gehirn
Die Ursachen für Kribbeln im Gehirn sind vielfältig und reichen von harmlosen bis hin zu behandlungsbedürftigen Erkrankungen.
Nervenschädigungen (Polyneuropathie)
Die häufigste Krankheitsursache für Kribbeln und andere Missempfindungen wie Brennen oder Taubheitsgefühle ist eine Schädigung peripherer Nerven, die sogenannte Polyneuropathie. Hierbei sind die Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden, geschädigt, was zu einer gestörten Informationsweiterleitung führt.
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Ursachen der Polyneuropathie
- Diabetes mellitus: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann die Nerven schädigen und zu einer diabetischen Polyneuropathie führen.
- Alkoholmissbrauch: Langjähriger, hoher Alkoholkonsum kann ebenfalls Nervenschäden verursachen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Pantothensäure kann zu Nervenschädigungen führen.
- Vergiftungen: Schwermetalle oder andere giftige Substanzen können die Nerven schädigen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Borreliose, Diphtherie oder Gürtelrose können Entzündungen verursachen, die die Nerven angreifen.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder rheumatoide Arthritis können das Immunsystem dazu veranlassen, die Nerven anzugreifen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Nervenschäden verursachen.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome einer Polyneuropathie können je nach betroffenen Nerven variieren. Häufige Symptome sind:
- Kribbeln, Brennen, Jucken oder Taubheitsgefühle, vor allem in Füßen und Händen.
- Vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden.
- Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe.
- Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktes Schwitzen.
Karpaltunnelsyndrom
Eine Verengung im Karpaltunnel an der Handwurzel kann den mittleren Armnerv (Nervus medianus) abdrücken. Dies verursacht meist ein kribbelndes Gefühl am Daumen, Zeigefinger und zum Teil auch am Mittelfinger sowie kribbelnde Hände. Dieses Gefühl kann bis in den Unterarm ausstrahlen.
Thoracic-outlet-Syndrom (TOS)
Der Begriff umfasst alle Beschwerdebilder, bei denen Druck im oberen Brustkorb Nerven oder Blutgefäße schädigt oder beeinträchtigt. Mögliche Anzeichen des TOS sind zum Beispiel wechselnde Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl an der Außenseite der Schulter, oft auch an Arm und Hand. Bestimmte Bewegungen und Haltungen wie Drehen des Kopfes oder Überkopfaktivitäten können die Beschwerden auslösen.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Dieses Syndrom ist auch unter dem Begriff "unruhige Beine" bekannt. Vor allem abends und nachts in Ruhe treten die Symptome auf: ein oft schmerzhaftes Kribbeln, Ziehen oder Brennen in den Beinen. Die Ursache ist meist unbekannt, als Folgen können ausgeprägte Schlafstörungen auftreten.
Multiple Sklerose (MS)
MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören das Gehirn und Rückenmark. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter. Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen zählen zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS).
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Migräne
Kribbeln und Taubheitsgefühle können eine Migräne-Attacke ankündigen. Die Missempfindungen treten zumeist im Gesicht auf oder einseitig an Armen oder Beinen.
Schlaganfall
Ein halbseitiges Taubheitsgefühl, Kribbeln in einem Arm oder Bein, eventuell begleitet von Lähmungen kann auf einen Schlaganfall hindeuten. Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet. Häufig passiert das durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft, seltener durch eine Hirnblutung. Kribbeln und Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in Arm, Bein oder Gesicht können auf einen Schlaganfall hinweisen - vor allem, wenn sie nur eine Körperseite betreffen.
Psychische Ursachen
Angstzustände, Panikattacken oder chronischer Stress können ebenfalls Kribbeln im Kopf verursachen. In Stresssituationen oder während einer Panikattacke kann es zu hektischem Ein- und Ausatmen kommen (Hyperventilationssyndrom). In der Folge atmet man mehr Kohlendioxid aus, wodurch die Menge an Kohlendioxid im Blut abnimmt. Das führt dazu, dass die Nerven und Muskeln kurzfristig zu stark erregt werden.
Weitere mögliche Ursachen
- Raynaud-Syndrom: Durchblutungsstörungen, oft durch Kälte oder Stress ausgelöst, können Missempfindungen vor allem in den Fingern oder Zehen verursachen.
- Tumore: In seltenen Fällen kann ein Tumor am Gehör- oder Gleichgewichtsnerv der betroffenen Seite Gefühlsstörungen im Gesicht verursachen.
- Epileptischer Anfall: Sogenannte einfach-fokale Anfälle können Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln und "Ameisenlaufen" auslösen.
- Fibromyalgie: Diese chronische Schmerzerkrankung äußert sich durch tiefen Muskelschmerz, häufig begleitet von Steifigkeit, Brennen, Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl.
- HWS-Syndrom: Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Grundsätzlich sollten Missempfindungen, die ohne erkennbare Ursache auftreten oder länger anhalten, ärztlich abgeklärt werden. In folgenden Fällen ist ein Arztbesuch ratsam:
- Neu auftretendes Kribbeln ohne erkennbaren Grund.
- Anhaltendes, häufig wiederkehrendes oder sich verschlimmerndes Kribbeln.
- Kribbeln, das von weiteren Beschwerden begleitet wird (z.B. von Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche oder Lähmungen).
- Plötzlich auftretende Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite (Verdacht auf Schlaganfall - Notruf 112 wählen!).
Diagnose von Kribbeln im Gehirn
Um die Ursache für das Kribbeln im Gehirn zu finden, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, also Fragen zur Krankengeschichte stellen. Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen:
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- Körperliche Untersuchung: Hierbei werden Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft geprüft.
- Blutuntersuchungen: Sie können Hinweise auf Vitaminmangel, Entzündungen oder andere Stoffwechselstörungen geben.
- Orthopädische Untersuchung: Bei Verdacht auf Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Bandscheibenvorfall oder Spinalstenose.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT (Kernspintomografie) oder CT (Computertomografie) können bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall, Spinalstenose oder andere strukturelle Veränderungen eingesetzt werden.
- Neurologische Tests: Sie dienen der Überprüfung der Funktion und Leitungsgeschwindigkeit von Nervenbahnen.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG): Hierbei wird gemessen, wie schnell periphere Nerven Informationen weiterleiten.
- Messung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Sie gibt Aufschluss über die Funktion der Muskeln.
- Messung der Hirnströme (Elektroenzephalografie, EEG): Bei Verdacht auf epileptische Anfälle.
- Allergietest: Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie.
- Quantitative Sensorische Testung (QST): Hierbei werden verschiedene Gefühlstests an der Haut durchgeführt, um festzustellen, welche Nervenfasern geschädigt sind.
- Hautbiopsie: Bei Verdacht auf Small-Fiber-Neuropathie kann eine Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop untersucht werden.
Behandlung von Kribbeln im Gehirn
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Kribbelns.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Polyneuropathie ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln, z.B. Diabetes, Alkoholkrankheit oder Vitaminmangel.
- Schmerztherapie: Gegen die Schmerzen können Antidepressiva, Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) oder Capsaicin-Pflaster eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Gleichgewichtstraining und andere physiotherapeutische Maßnahmen können bei Gangunsicherheit helfen.
- Ergotherapie: Sie unterstützt bei ungünstigen Bewegungsabläufen oder Gleichgewichtsstörungen sowie bei der Regeneration akuter Polyneuropathien.
- Elektrotherapie (TENS): Durch elektrische Impulse werden die Nerven so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren.
- Manuelle Therapie: Massagen und andere manuelle Techniken können Verspannungen lösen und die Durchblutung verbessern.
- Stoßwellentherapie: Sie kann Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt auflösen sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduzieren.
- Entspannungstechniken: Bei stressbedingtem Kribbeln können Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation helfen.
- Operation: In seltenen Fällen, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall, kann eine Operation notwendig sein.
Was kann man selbst tun?
Neben der ärztlichen Behandlung können Betroffene auch selbst einiges tun, um das Kribbeln im Gehirn zu lindern:
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Nervenfunktion.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und kann Verspannungen lösen.
- Stress vermeiden: Stress kann die Symptome verstärken. Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen.
- Alkohol und Nikotin meiden: Alkohol und Nikotin können die Nerven schädigen.
- Wärmeanwendungen: Wärme kann verspannte Muskeln lösen und die Durchblutung fördern.
- Magnesium: Bei Magnesiummangel kann die Einnahme von Magnesiumpräparaten sinnvoll sein.
- Hausmittel bei Herpes: Wenn ein Brennen oder Kribbeln an den Lippen Herpesbläschen ankündigt, können Hausmittel wie Rotwein oder Eichenrindentee helfen.
- Inhalation bei Schnupfen: Bei beginnendem Schnupfen mit Kribbeln in der Nase kann eine Inhalation mit Kamille und Salbei helfen.
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