Kribbeln im Ohr: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Kribbeln im Ohr kann ein irritierendes und beunruhigendes Gefühl sein. Es kann viele verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Auslösern wie übermäßiger Ohrenreinigung bis hin zu komplexeren medizinischen Problemen. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Ursachen von Kribbeln im Ohr, die damit verbundenen Symptome und die verfügbaren Behandlungen.

Ursachen von Kribbeln im Ohr

Ein Kribbeln im Ohr, oft als Parästhesie bezeichnet, ist ein ungewöhnliches Gefühl, das von Taubheit bis zu einem Kitzeln reichen kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Gefühl selbst kein Krankheit ist, sondern ein Symptom, das auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hindeuten kann.

Häufige Ursachen

  • Übermäßige Ohrenreinigung: Eine übertriebene Ohrenhygiene kann den natürlichen Schutzmechanismus des Ohrs stören. Dies kann zu trockener, rissiger Haut, Entzündungen und Infektionen führen, was wiederum Juckreiz und Kribbeln verursachen kann.
  • Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, oft durch bakterielle oder Pilzinfektionen verursacht, kann zu Juckreiz, Schmerzen, Rötung und einem Kribbeln im Ohr führen. Besonders häufig tritt dies auf, wenn Wasser oder Schmutz im Ohr zurückbleiben, beispielsweise nach dem Schwimmen.
  • Hauterkrankungen: Chronische Hauterkrankungen wie Ekzeme, Psoriasis oder Neurodermitis können sich auch im oder am Ohr manifestieren und Juckreiz und Kribbeln verursachen.
  • Allergische Reaktionen: Allergien gegen bestimmte Kosmetika wie Shampoos oder Haarsprays, aber auch gegen Schmuck (z. B. Ohrringe, insbesondere solche aus Nickel) können Juckreiz und Kribbeln im oder am Ohr auslösen.
  • Fremdkörper oder ständige Reizungen: Das Tragen von Hörgeräten, Ohrenstöpseln oder Kopfhörern über längere Zeit kann die empfindliche Haut im Ohr reizen und zu Kribbeln führen.
  • Ohrenschmalzpfropf: Eine Ansammlung von Ohrenschmalz im Gehörgang kann einen Pfropf bilden, der Juckreiz und eine Hörverminderung verursachen kann.
  • Erkältung und Schleimhautentzündungen: Eine Erkältung kann die Schleimhäute reizen, was in einigen Fällen zu einer Ausweitung der Reizung auf die Ohren und somit zu Juckreiz oder einem dumpfen Gefühl im Ohr führen kann.

Weniger häufige Ursachen

  • Oromandibuläre Dysfunktion (CMD): Eine gestörte Funktion des Kiefergelenks kann Schmerzen in und vor dem Ohr, Knackgeräusche beim Kauen, Zähneknirschen, eingeschränkte Kieferbewegungen, Kopf- oder Nackenschmerzen und Ohrgeräusche (Tinnitus) verursachen.
  • Okzipitalisneuralgie: Funktionsstörungen des Okzipitalnervs, z. B. aufgrund einer früheren Gürtelrose oder einer Erkrankung der Halswirbelsäule, können anfallsweise auftretende, stechende Nervenschmerzen am Hinterkopf und/oder in den Ohren verursachen.
  • Ohrspeicheldrüsenentzündung: Eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse kann Schmerzen vor und im Ohr mit Schwellung der Wange verursachen.
  • Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen im Ohr können zu einem dumpfen Gefühl und Taubheit führen.
  • Migräne: In manchen Fällen können Migräneattacken von Taubheitsgefühlen an der Wange oder am Ohr begleitet sein.
  • Diabetes mellitus: Bei Diabetikern kann eine bestimmte Form der peripheren Neuropathie auftreten, die ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht und in den Ohren verursachen kann.
  • Psychische Faktoren: Stress, innere Unruhe oder emotionale Anspannung können sich körperlich äußern und Juckreiz im Ohr verursachen (psychogener Juckreiz). Angst-/Panikattacken und Angststörungen können ebenfalls von Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen begleitet sein.

Seltene aber ernste Ursachen

  • Schlaganfall: Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite können auf einen Schlaganfall hinweisen und erfordern sofortige medizinische Hilfe.
  • Hörsturz: Ein Hörsturz kann mit einem dumpfen, pelzigen Gefühl im Ohr einhergehen, ähnlich wie wenn Watte darin stecken würde.

Symptome im Zusammenhang mit Kribbeln im Ohr

Das Kribbeln im Ohr kann von einer Vielzahl anderer Symptome begleitet sein, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören:

  • Juckreiz: Ein häufiges Symptom, das oft mit Kribbeln im Ohr einhergeht.
  • Ohrenschmerzen: Können stechend, pulsierend oder klopfend sein, je nach Ursache.
  • Druckgefühl: Ein Gefühl von Völle oder Verstopfung im Ohr.
  • Hörverlust: Schwierigkeiten beim Hören von Geräuschen.
  • Ohrgeräusche (Tinnitus): Klingeln, Summen oder Rauschen im Ohr.
  • Schwindel: Das Gefühl, sich zu drehen oder das Gleichgewicht zu verlieren.
  • Ausfluss aus dem Ohr: Flüssigkeit, die aus dem Ohr austritt, kann klar, eitrig oder blutig sein.
  • Rötung und Schwellung: An der Ohrmuschel oder im Gehörgang.
  • Kopfschmerzen: Insbesondere bei CMD oder Migräne.
  • Nackenschmerzen: Können auf CMD oder Okzipitalisneuralgie hindeuten.
  • Fieber: Kann bei Infektionen auftreten.
  • Taubheitsgefühle: In anderen Bereichen des Gesichts oder Körpers.

Diagnose von Kribbeln im Ohr

Um die Ursache für das Kribbeln im Ohr zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen.

Anamnese

Der Arzt wird Fragen stellen zu:

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  • Dauer und Art des Kribbelns
  • Begleitenden Symptomen
  • Vorerkrankungen (z. B. Allergien, Hauterkrankungen, Diabetes)
  • Medikamenteneinnahme
  • Ohrenpflegegewohnheiten
  • Möglichen Auslösern (z. B. Schwimmen, Tragen von Ohrstöpseln)

Körperliche Untersuchung

Der Arzt wird die Ohren sorgfältig untersuchen, um Anzeichen von Entzündungen, Infektionen, Hauterkrankungen, Ohrenschmalzpfropfen oder anderen Anomalien zu erkennen. Dies geschieht in der Regel mit einem Otoskop, einem speziellen Instrument zur Betrachtung des Gehörgangs und des Trommelfells.

Weitere Untersuchungen

Je nach Verdacht des Arztes können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z. B.:

  • Hörtest (Audiometrie): Um das Ausmaß eines möglichen Hörverlusts zu bestimmen.
  • Tympanometrie: Um die Funktion des Mittelohrs zu beurteilen.
  • Abstrich aus dem Ohr: Zur Identifizierung von Bakterien oder Pilzen bei Verdacht auf eine Infektion.
  • Allergietest: Um mögliche Allergieauslöser zu identifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Um Grunderkrankungen wie Diabetes oder Entzündungen auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren (z. B. CT oder MRT): In seltenen Fällen, um andere Ursachen auszuschließen.

Behandlung von Kribbeln im Ohr

Die Behandlung von Kribbeln im Ohr richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Medikamentöse Behandlung

  • Ohrentropfen: Bei Gehörgangsentzündungen können Ohrentropfen mit Antibiotika, Antimykotika oder Kortikosteroiden verschrieben werden.
  • Salben: Bei Hauterkrankungen können Salben mit Kortikosteroiden oder anderen Wirkstoffen zur Linderung von Juckreiz und Entzündungen eingesetzt werden.
  • Antihistaminika: Bei allergischen Reaktionen können Antihistaminika helfen, Juckreiz und andere Symptome zu lindern.
  • Schmerzmittel: Bei Ohrenschmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden.
  • Nasensprays: Abschwellende oder antiallergische Nasensprays können bei Erkältungen oder Allergien helfen, die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern und den Juckreiz zu reduzieren.
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika erforderlich sein.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Ohrenreinigung: Bei einem Ohrenschmalzpfropf kann der Arzt diesen professionell entfernen.
  • Wärme: Ein warmes Zwiebelsäckchen oder eine Wärmflasche kann bei Ohrenschmerzen lindernd wirken.
  • Entspannungsübungen: Bei CMD oder psychogenem Juckreiz können Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation helfen, Stress abzubauen.
  • Kühlende Umschläge: Bei Juckreiz können kühlende Umschläge Linderung verschaffen.
  • Vermeidung von Auslösern: Wenn eine Allergie oder Unverträglichkeit die Ursache ist, sollten die entsprechenden Auslöser vermieden werden.

Hausmittel

  • Zwiebelsäckchen: Ein bewährtes Hausmittel bei Ohrenschmerzen ist die Zwiebel. Ihre Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend und heilungsfördernd.
  • Inhalation und Nasenspülungen: Bei Erkältungen können Inhalationen und Nasenspülungen mit Salz- oder Kamillenlösung helfen, die Schleimhäute abzuschwellen und die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern.
  • Richtige Ohrhygiene: Vermeiden Sie übermäßige Ohrenreinigung und die Verwendung von Wattestäbchen im Gehörgang. Reinigen Sie die Ohrmuschel regelmäßig mit einem feuchten Waschlappen oder Wattepad.
  • Olivenöl: Ein paar Tropfen Olivenöl können helfen, Ohrenschmalz aufzuweichen und die Selbstreinigung des Ohrs zu unterstützen.

Vorbeugung von Kribbeln im Ohr

Einige Maßnahmen können helfen, Kribbeln im Ohr vorzubeugen:

  • Vermeiden Sie übermäßige Ohrenreinigung: Reinigen Sie die Ohren nur bei Bedarf und verwenden Sie keine Wattestäbchen im Gehörgang.
  • Schützen Sie Ihre Ohren vor Wasser: Tragen Sie beim Schwimmen oder Baden Ohrstöpsel, um das Eindringen von Wasser in den Gehörgang zu verhindern.
  • Vermeiden Sie Reizstoffe: Vermeiden Sie den Kontakt mit Kosmetika oder anderen Substanzen, die Ihre Ohren reizen könnten.
  • Reinigen Sie Ihre Hörgeräte regelmäßig: Wenn Sie Hörgeräte tragen, reinigen Sie diese regelmäßig gemäß den Anweisungen des Herstellers.
  • Reduzieren Sie Stress: Stress kann sich auf verschiedene Körperfunktionen auswirken, einschließlich der Ohren. Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem: Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können helfen, Ihr Immunsystem zu stärken und Infektionen vorzubeugen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

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  • Das Kribbeln im Ohr länger als ein paar Tage anhält.
  • Das Kribbeln von anderen Symptomen wie Ohrenschmerzen, Hörverlust, Schwindel oder Ausfluss aus dem Ohr begleitet wird.
  • Sie den Verdacht haben, dass eine Infektion vorliegt.
  • Sie an einer Grunderkrankung wie Diabetes oder einer Hauterkrankung leiden.
  • Sie sich Sorgen um Ihre Ohren machen.
  • Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite auftreten.

Ein Arzt kann die Ursache für das Kribbeln im Ohr diagnostizieren und eine geeignete Behandlung einleiten.

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