Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist, die oft von weiteren belastenden Symptomen begleitet werden. Obwohl Migräne oft als "Frauenkrankheit" angesehen wird, leiden auch viele Männer darunter. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne bei Männern.
Was ist Migräne?
Per Definition ist Migräne eine nicht ansteckende Krankheit mit sehr starken Kopfschmerzen. Diese Schmerzen treten in Anfällen (Attacken) auf. Meist betreffen die Schmerzen nur eine Seite des Kopfes oder den Hinterkopf. Betroffene beschreiben sie als pulsierend, hämmernd oder bohrend. Bei körperlicher Anstrengung verstärken sie sich. Oft werden die Migränekopfschmerzen von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen begleitet.
Im Akutfall beeinträchtigen die Beschwerden die Betroffenen in ihrem Alltag erheblich, besonders bei schweren Migräne-Anfällen. Die Dauer einer einzelnen Attacke beträgt zwischen vier und 72 Stunden. Sie kann sich - ebenso wie die Intensität der Beschwerden - von Attacke zu Attacke unterscheiden. Auch die Häufigkeit der Migräne-Anfälle und die zeitlichen Abstände dazwischen können variieren.
Je nach dem Grad der Ausprägung ist die Migräne durchaus einschränkend. In manchen Fällen ist es sogar möglich, wegen Migräne einen Antrag auf Behinderung zu stellen. Das ist allerdings von der individuellen Stärke und Beeinträchtigung im Alltag durch die Migräne abhängig. Nicht bei allen Betroffenen stellt die Migräne eine Behinderung dar.
Manche Patientinnen und Patienten leiden unter Migräne, die nachts auftritt. Dann beeinträchtigt die Migräne zusätzlich den Schlaf und verursacht Müdigkeit am nächsten Tag. Ob die Migräne tagsüber oder nachts auftritt, ändert nichts an der Behandlung oder Prophylaxe.
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Migräne stellt nach dem Spannungskopfschmerz die zweithäufigste Form von Kopfschmerzen dar. Weltweit leiden jeden Tag knapp 16 Prozent aller Menschen unter Kopfschmerzen, und vor allem die Häufigkeit von Migräne scheint immer weiter zuzunehmen. In Deutschland ist Migräne sogar die häufigste neurologische Erkrankung.
Unterschiede zwischen Migräne bei Männern und Frauen
Obwohl die Symptome im Wesentlichen gleich sind, gibt es einige Unterschiede zwischen Migräne bei Männern und Frauen:
- Häufigkeit: Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer. Ungefähr 14 Prozent der Frauen und etwa 7 Prozent der Männer haben wiederkehrende Migräneanfälle.
- Dauer und Intensität: Die Dauer und Intensität einer Migräneattacke ist bei Männern oftmals nicht so lang und stark wie bei Frauen.
- Begleitsymptome: Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit treten seltener bei Männern auf.
- Aura: Männer leiden häufiger als Frauen unter sogenannten Aura-Symptomen. Möglich sind auch Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein.
- Hilfesuche: Männer suchen seltener und später Hilfe als Frauen und versuchen häufiger, einen Migräneanfall selbst zu behandeln oder den Schmerz auszuhalten.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung (Prädisposition) - nicht selten tritt Migräne familiär gehäuft auf. Auf Basis dieser genetischen Neigung scheint es im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) zu den Migräne-Attacken zu kommen.
Genetische Veranlagung
Migräne ist vererbbar - diese Art des Kopfschmerzes kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Oft handelt es sich um ähnliche Formen der Migräne, aber nicht immer. Es kann also sein, dass die Migräne bei Kindern mit Übelkeit, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit einhergeht, die ebenfalls betroffenen Eltern oder Großeltern aber keine dieser zusätzlichen Symptome aufweisen.
Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt.
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Andere Genveränderungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Konzentration von aggressiven, zellschädigenden Sauerstoffverbindungen. Über welche biologischen Mechanismen diese Genmutationen genau eine Migräne begünstigen, ist bislang aber noch nicht geklärt.
Auslöser (Trigger)
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:
- Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Es gibt kein bestimmtes „Migräne-Wetter“, das Attacken verursacht. Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen wiederum löst Kälte Migräne-Attacken aus. Warum das so ist, konnte man noch nicht klären.
- Tyraminhaltige Lebensmittel: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Das ist ein Abbauprodukt von Eiweißbausteinen (Aminosäuren), das unter anderem die Ausschüttung des Botenstoffes Noradrenalin anregt. Dieser wirkt stark gefäßverengend - auch lokal im Gehirn. Dies könnte der Grund für eine Migräne-Attacke nach dem Genuss von tyraminhaltigen Lebensmitteln sein.
- Unregelmäßige Mahlzeiten: Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen. Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. So sind im Kindesalter Mädchen und Jungen noch etwa gleich häufig betroffen. Mit der Pubertät verschiebt sich das Verhältnis: Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer. Einige Forschungen haben gezeigt, dass bei Männern, die unter Migräne leiden, der Östrogenspiegel erhöht ist und das Testosteron reduziert. Die genauen Zusammenhänge müssen aber noch genauer erforscht werden.
Symptome von Migräne
Kennzeichnend für einen Migräne-Anfall sind plötzlich auftretende, oft einseitige Kopfschmerzen. Auf einen Blick Migräne unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen: Der Schmerz ist oft einseitig und stärker. Manche Menschen mit Migräne reagieren während eines Anfalls empfindlicher auf Geräusche und Licht. Manche nehmen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls auch Lichtblitze oder ungewöhnliche Strukturen wahr. Ohne Behandlung dauert ein Migräne-Anfall in der Regel zwischen 4 Stunden und 3 Tagen an.
Menschen mit Migräne beschreiben die typischen, meist einseitig auftretenden Kopfschmerzen in der Regel als pochenden oder pulsierenden Schmerz. Bei vielen steigert körperliche Anstrengung diesen Schmerz noch einmal deutlich - manchmal reichen hierfür bereits einfache Bewegungen. Manche Menschen haben eine Migräne mit sogenannter Aura. Diese Patientinnen und Patienten sehen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls beispielsweise Lichtblitze, ungewöhnliche Formen oder nehmen ihre Umgebung plötzlich verschwommen oder verzerrt wahr. Auch vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen, zeitweilige Lähmungserscheinungen und Missempfindungen wie ein Kribbeln können einen unmittelbar bevorstehenden Migräne-Anfall ankündigen.
Eine solche Aura lässt nach etwa einer Stunde nach und bleibt in der Regel ohne anhaltende Folgen. Unmittelbar danach stellen sich die für Migräne typischen Kopfschmerzen ein. Wichtig zu wissen: Auch Kinder können Migräne bekommen. Bei ihnen können die migränetypischen Kopfschmerzen mitunter fehlen.
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Formen von Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Dazu gehören:
Migräne ohne Aura, mit drei Unterformen:
- Rein menstruelle Migräne ohne Aura
- Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura
- Nicht-menstruelle Migräne ohne Aura
Migräne mit Aura, mit verschiedenen Unterformen:
- Migräne mit typischer Aura (Unterformen: Typische Aura mit Kopfschmerzen, typische Aura ohne Kopfschmerzen)
- Migräne mit Hirnstammaura (früher: basiläre Migräne)
- Hemiplegische Migräne
- Retinale Migräne
- Rein menstruelle Migräne mit Aura
- Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura
- Nicht-menstruelle Migräne mit Aura
Chronische Migräne
Migränekomplikationen, zum Beispiel:
- Status migraenosus
- Migränöser Infarkt
- Epileptischer Anfall, durch Aura getriggert
Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura
Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können, zum Beispiel:
- Wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne)
- Vestibuläre Migräne
Stille Migräne
Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.
Betroffene müssen nicht immer an der gleichen Form von Migräne leiden. Haben sie beispielsweise häufig Migräne-Attacken mit Aura, kann trotzdem einmal Migräne ohne die typischen Symptome einer Aura entstehen.
Migräne ohne Aura
Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form von Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen) und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Migräne mit Aura
Die Migräne mit Aura ist seltener als die Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können.
Die Symptome der Aura setzen schleichend ein und zeigen sich auf einer Kopfseite. Sie können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen. Sie sind vorübergehend und verursachen keine bleibenden Schäden.
Ein CT oder MRT kann helfen, eine Migräne mit Aura von einem Schlaganfall zu unterscheiden. Motorische Symptome und Netzhautsymptome fehlen dagegen.
Symptome der Hirnstammaura können sein:
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Schwindel (keine Benommenheit!)
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Hörminderung
- Doppelbilder (kein Verschwommensehen!)
- Störung der Bewegungskoordination (Ataxie)
- Bewusstseinsstörung
Die Migräne mit Hirnstammaura wurde früher basiläre Migräne, Basilarismigräne, Migräne vom Basilaristyp oder Basilararterienmigräne genannt. Hintergrund war die Annahme, dass hier die Basilararterie (eine wichtige Hirnarterie) an der Entstehung der Attacken beteiligt ist. Das gilt mittlerweile aber als unwahrscheinlich, weshalb man heute den Begriff „Migräne mit Hirnstammaura“ bevorzugt.
Hemiplegische Migräne
Ebenfalls eine Form von „Migräne mit Aura“ ist die hemiplegische Migräne (auch „komplizierte Migräne“ genannt). Charakteristisch ist hier eine motorische Schwäche. Zusätzlich treten Symptome im Bereich des Sehens, der Sensibilität und/oder der Sprache bzw. des Sprechens auf.
Die motorische Schwäche bei einer hemiplegischen Migräne-Attacke bildet sich meist vor Ablauf von 72 Stunden vollständig zurück. Manchmal kann sie aber auch wochenlang bestehen bleiben.
Der Begriff „Hemiplegie“ bezeichnet eigentlich die vollständige Lähmung einer Körperhälfte. Bei den meisten Attacken einer hemiplegischen Migräne tritt aber keine solche Lähmung, sondern nur eine motorische Schwäche auf.
Eine sporadische hemiplegische Migräne (SHM) liegt bei Patientinnen und Patienten vor, bei denen kein Verwandter ersten oder zweiten Grades (z. B. Mutter, Kind, Großvater, Bruder) ebenfalls unter dieser Migräneform leidet.
Wenn dagegen mindestens zwei Verwandte ersten oder zweiten Grades Migräne-Auren mit motorischer Schwäche aufweisen, diagnostizieren Ärzte eine familiäre hemiplegische Migräne (FHM). Migräne mit Fieber ist eine seltene Form der FMH-Attacke. Normalerweise tritt Fieber bei Migräne nicht unbedingt auf.
Selten treten während einer FHM-Attacke noch andere Symptome als die bekannten auf: Bewusstseinsstörungen (bis hin zum Koma), Verwirrung und eine erhöhte Zellzahl in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquorpleozytose). Zudem kommt es in etwa der Hälfte aller Familien mit FHM unabhängig von den Migräne-Attacken zu einer chronischen progressiven zerebellären Ataxie (chronische fortschreitende Störung der Bewegungskoordination), deren Ursache im Kleinhirn liegt.
Retinale Migräne
Die retinale Migräne (Netzhautmigräne) ist selten. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte Anfälle von einseitigen Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfall (Skotom) oder - ganz selten - vorübergehender Blindheit. Zusätzlich ist bei dieser Migräne der Augen mindestens eines der folgenden drei Kriterien erfüllt:
- Die Symptome entwickeln sich allmählich über fünf oder mehr Minuten hinweg.
- Sie halten fünf Minuten bis eine Stunde lang an.
- Begleitend oder innerhalb von 60 Minuten treten auch Migränekopfschmerzen auf.
Die retinale Migräne ist nicht zwangsläufig mit Migränekopfschmerzen verbunden - es können auch nur die beschriebenen Sehstörungen auftreten.
Chronische Migräne
Wer an mindestens 15 Tagen pro Monat, und das über mehr als drei Monate hinweg, an Kopfschmerzen* leidet, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen, ist von chronischer Migräne betroffen. Sie kann sich aus einer Migräne ohne Aura und/oder einer Migräne mit Aura entwickeln.
Diagnose von Migräne
Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
Behandlung von Migräne
Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe. Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden.
Akutbehandlung
Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung.
Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.
Neben Triptanen können auch einfache Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen.
Migräneprophylaxe
Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern.
Zusätzlich können Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement) und Biofeedback-Therapie eingesetzt werden.
Was hilft bei akuter Migräne?
Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Was hilft bei akuter Migräne? Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:
- Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
- Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
- Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen. Die oben genannten Tipps können zusätzlich für Besserung sorgen.
Migräne verstehen und den Alltag gestalten
Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz - sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung. Doch mit dem richtigen Wissen über Auslöser, einer passenden Behandlung und gesunden Gewohnheiten können Sie Ihren Alltag trotz Migräne positiv gestalten. Es lohnt sich also, Ihre Migräne zu verstehen. Hören Sie ihr jetzt zu, bevor sie laut wird.