Das Gehirn einschalten: Eine Reise zur mentalen Energie und bewussten Veränderung

Das menschliche Gehirn ist ein faszinierendes Organ, dessen Funktionsweise uns immer wieder aufs Neue überrascht. In der heutigen Zeit, in der Informationen im Überfluss vorhanden sind und die Anforderungen an unsere geistige Leistungsfähigkeit stetig steigen, ist es wichtiger denn je, das eigene Gehirn optimal zu nutzen und zu verstehen. Dieser Artikel beleuchtet die Inhalte des Buches "Das Gehirn einschalten", das sich mit der Funktionsweise unserer Denksysteme, der Bedeutung mentaler Energie und den Möglichkeiten zur Steigerung unserer geistigen Leistungsfähigkeit auseinandersetzt.

Die duale Natur des Denkens: System I und System II

Unser Gehirn bedient sich zweier unterschiedlicher Denksysteme: System I, das schnelle Denken, und System II, das langsame Denken. System I ermöglicht es uns, erlernte Verhaltensweisen automatisch abzurufen und schnell auf Umweltreize zu reagieren. Es ist unser "Zombie-Modus", der uns in Alltagssituationen effizient agieren lässt. Allerdings neigen wir mit System I zu Fehlern, insbesondere wenn wir mit neuartigen Situationen konfrontiert werden.

System II hingegen erfordert bewusstes Nachdenken und Auseinandersetzung mit komplexen Problemen. Es ist anstrengend und verbraucht viel mentale Energie, weshalb unser Gehirn es nur bei Bedarf aktiviert. Für die Entdeckung dieser beiden komplementären Denksysteme wurde Daniel Kahnemann und Vernon L. Smith im Jahr 2002 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.

Francis Crick und Christof Koch beschrieben diese Systeme wie folgt: „Viele Handlungen als Reaktion auf Sinneseindrücke sind schnell, flüchtig, stereotyp und unbewusst. Man könnte sie als kortikale Reflexe bezeichnen. Das Bewusstsein [hingegen] befasst sich langsamer mit umfassenderen, weniger stereotypen Aspekten der Sinneseindrücke (oder deren Widerspiegelung in Bildern) und braucht Zeit, um über angemessene Gedanken und Reaktionen zu entscheiden. […] Es scheint ein großer evolutionärer Vorteil zu sein, Zombie-Modi zu haben, die schnell und stereotyp reagieren [sprich System I], und ein etwas langsameres System, das Zeit zum Denken und zur Planung komplexerer Verhaltensweisen lässt [sprich System II].“

Die Suche nach der Quelle mentaler Energie

Bis vor kurzem war unklar, woraus die mentale Energie besteht, die System II benötigt, wo sie gespeichert wird, was sie limitiert und wie sie sich regeneriert. Diese Fragen sind jedoch von entscheidender Bedeutung, da ein Mangel an mentaler Energie unsere Fähigkeit beeinträchtigt, bewusst zu denken, Entscheidungen zu treffen und uns an veränderte Situationen anzupassen.

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Die Theorie, die in "Das erschöpfte Gehirn" vorgestellt wird, besagt, dass der Hippocampus, unser episodischer Gedächtnisspeicher, eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung mentaler Energie spielt. Der Hippocampus ist auf eine "Tagesladung" an Informationsspeicherung limitiert, weil er sich im nächtlichen Tiefschlaf regenerieren muss. Diese und einige weitere Kriterien machen den Hippocampus zum derzeit besten Kandidaten für den „Frontalhirn-Akku“, wie man den Speicherort der System-II-Energie bezeichnen kann.

Die Nutzung von System II erfordert ein schnelles und effizientes Abspeichern unserer Gedanken, wofür der Hippocampus zuständig ist. Es ist zu vermuten, dass eine intensive Nutzung von System II den Speicherplatz des Hippocampus an seine Grenzen bringt, schließlich ist seine Aufnahmekapazität limitiert. Je größer sein Volumen, desto mehr Kapazität besitzt sein Speicher. Ist der hippocampale Gedankenspeicher voll, ist System II nur noch nutzbar, wenn vorherige Erinnerungen überschrieben werden, was natürlich nicht sinnvoll ist, weshalb dies molekulare Mechanismen weitgehend verhindern. Dazu passt auch die Erkenntnis, dass bei Ego-Depletion die Fähigkeit, über das episodisch-emotionale Gedächtnis, also mithilfe des Hippocampus, spezifische Erinnerungen abzurufen, deutlich reduziert ist. System-I-Verhalten ist durch Ego-Depletion infolge einer hippocampalen Speicherlimitierung jedoch nicht beeinträchtigt.

Wenn es sich beim Hippocampus tatsächlich um den gesuchten Frontalhirn-Akku handelt, wie postuliert wird, dann besteht seine Energie aus den zur Speicherung unserer System-II-Gedanken noch freien hippocampalen Synapsen. Diese sind direkt über einen „Informations-Highway“, die superschnellen, sogenannten Von-Economo-Neurone (VENs), mit dem Frontalhirn verbunden. VENs besitzen übrigens auch alle sozial höher entwickelten Säugetiere (Wale, höhere Primaten und Elefanten), die vermutlich System-II-fähig sind.

Aufgrund dieser Theorie können wir nun erklären, was passiert, wenn sich der Frontalhirn-Akku durch Denken „entlädt“: Die freien hippocampalen Synapsen werden durch die gespeicherten Gedanken besetzt. Es ist nun aber auch verständlich, wie er sich im Tiefschlaf wieder „auflädt“ bzw. sich regeneriert, nämlich indem die hippocampal zwischengespeicherten Gedanken auf die neokortikale „Festplatte“ übertragen werden, wodurch die hippocampalen Synapsen wieder frei sind für neue System-II-Gedanken. Damit ist nun auch klar, was seine Speicherkapazität limitiert, also weshalb unser Ego im Tagesverlauf depletiert. Ist die Speicherkapazität jedoch chronisch reduziert, bleibt das menschliche Denken auf System I beschränkt. Man ist dann nur noch in der Lage, im „Zombie-Modus“ zu denken.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils für die Gehirnfunktion

Unsere moderne Lebensweise steht oft im Widerspruch zu den Bedürfnissen unseres Gehirns. Mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung, Schlafmangel, Stress und soziale Isolation können die Funktion des Hippocampus beeinträchtigen und zu einer Verringerung der mentalen Energie führen.

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Unzählige Studien zeigen, dass wir das genetische Potenzial besitzen, die Speicherkapazität des Hippocampus lebenslang zu steigern. Tatsächlich verfügt er als einzige Hirnregion über die Fähigkeit, bis ins hohe Alter täglich Tausende neuer Hirnzellen zu produzieren. Dieser als adulte hippocampale Neurogenese bezeichnete Vorgang ist von weitreichender Bedeutung, sowohl für uns als Individuen als auch für die Menschheit als Ganzes. Mit lebenslang wachsendem Frontalhirn-Akku verfügt der Mensch stets über ausreichend mentale Energie.

Die Aktivierung des hippocampalen „Kapazitätssteigerungsprogramms“ beruht auf evolutionsgeschichtlicher Logik. Unter den Lebensbedingungen in der sehr langen altsteinzeitlichen Phase als Fischer und Sammler entwickelte das Gehirn des Homo sapiens, also des weisen Menschen, seine vermutlich höchste Leistungsfähigkeit. Hoher sozialer Selektionsdruck, kombiniert mit einer für das Hirnwachstum optimalen Ernährung, erwirkte letztendlich eine genetische Anpassung an diese geistfördernden Lebensumstände: Über Jahrzehntausende wurden pescetarische Ernährung, körperliche Aktivität, soziales Miteinander und einige andere Bedingungen letztendlich zu Notwendigkeiten, die auch heute noch erfüllt sein müssen, damit sich unser Frontalhirn-Akku optimal entwickeln und lebenslang weiter seine Kapazität steigern kann.

Allerdings weicht unsere moderne Lebensweise in allen Lebensbereichen in erheblichem Maß von dem ab, was unser Gehirn zur Entfaltung und Aufrechterhaltung dieser Funktionen benötigt. Dazu gehört ein verbreiteter Mangel an essenziellen Nährstoffen, an körperlicher Aktivität, an ausreichend Tiefschlaf, an sozialen Interaktionen und sogar an Lebenssinn. Hinzu kommt oft ein Zuviel an Stress (Disstress) und an gehirnschädigenden Giftstoffen wie Alkohol, Feinstaub, ungesunden Fetten, Zucker etc.

Die Konsequenzen eines erschöpften Gehirns

Infolge einer mittlerweile nahezu völlig artfremden Lebensweise erreicht der Frontalhirn-Akku schon in der Kindheit nicht mehr seine genetisch mögliche Kapazität. Durch die verminderte adulte hippocampale Neurogenese bei gleichzeitig erhöhter Neurodegeneration verliert der Frontalhirn-Akku beim „normalen“ Erwachsenen im Durchschnitt 0,8 bis 1,4 % pro Jahr an Volumen und somit an Speichervermögen bzw.

Die Neurodegeneration unter Stress sowie eine gestörte adulte hippocampale Neurogenese können nahezu vollständig verhindern, dass wir in Situationen, in denen es eigentlich lebenswichtig wäre, System II einschalten. Eine von vornherein unterentwickelte und sich im Laufe des Lebens immer weiter abbauende Speicherkapazität des Frontalhirn-Akkus könnte somit die Ursache einer chronischen Ego-Depletion in der breiten Bevölkerung sein - mit dem Resultat einer dauererschöpften Gesellschaft. Eine System-I- bzw. Zombie-Gesellschaft akzeptiert die zunehmende, durch industrielle Interessen vorangetriebene Veränderung unserer Lebensweise.

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Wege zur Steigerung der Gehirnleistung und bewussten Veränderung

Die gute Nachricht ist, dass wir aktiv etwas für die Gesundheit unseres Gehirns tun können. Durch eine bewusste Lebensweise, die auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, erholsamen Schlaf, soziale Interaktion und Stressreduktion setzt, können wir die Funktion des Hippocampus verbessern und unsere mentale Energie steigern.

"Schalte dein Gehirn an" zeigt uns die Prinzipien der Wissenschaft und der Bibel, die hinter der erstaunlichen, gottgegebenen Kraft stehen, die wir in unserem Geist haben. Der 21 tägige Gehirn-Detox-Plan im Praxisteil führt Schritt für Schritt durch den Prozess, bei dem toxische Gedanken durch gesunde ersetzt werden.

Die hier vorgestellte These über die Natur des Frontalhirn-Akkus und der mentalen Energie, die das System-II-Denken benötigt, liefert eine Erklärung dafür, weshalb so viele Menschen daran scheitern, ihre Lebensweise zu ändern, selbst wenn sie wissen, dass dies für ihre eigene Gesundheit und die Zukunft ihrer Kinder lebenswichtig wäre.

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