Die Spinalkanalstenose, auch bekannt als Wirbelkanalverengung, ist eine Erkrankung, bei der sich der Raum innerhalb der Wirbelsäule, der den Spinalkanal bildet, verengt. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben, was zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche führen kann. Die Computertomographie (CT) spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose dieser Erkrankung, insbesondere bei Patienten mit Platzangst, da CT-Geräte oft weniger beengend sind als Magnetresonanztomographie (MRT)-Geräte.
Was ist eine CT?
Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Bei einer CT-Untersuchung rotiert ein Röntgenröhren-Detektor-System um den Patienten, während dieser auf einer Liege liegt, die sich in einen etwa 70 cm breiten Ring hinein bewegt. Die gewonnenen Daten werden anschließend computergestützt zu präzisen Schnittbildern in allen Körperachsen rekonstruiert.
In vielen Fällen ist es notwendig, den Patienten für die Untersuchung jodhaltiges Kontrastmittel in eine Armvene zu spritzen, um die Organe besser analysieren zu können. Vor einer solchen Kontrastmittelgabe ist es wichtig, den Nierenwert (Kreatinin-Wert) und den Schilddrüsenwert (TSH-Wert) des Patienten zu kennen, um mögliche Risiken zu minimieren. In einigen Fällen kann es auch erforderlich sein, dass der Patient Kontrastmittel trinkt, insbesondere bei Bauchuntersuchungen zur Kontrastierung des Magen-Darm-Trakts.
Wann ist eine CT der Wirbelsäule indiziert?
Eine CT der Wirbelsäule kann aus verschiedenen Gründen indiziert sein, darunter:
- Beurteilung von Wirbelbrüchen: Nach schweren Traumata kann eine CT die Beurteilung von Knochenbrüchen und deren Stellung unterstützen, was bei komplexen Verletzungen hilfreich sein kann.
- Wirbelgleiten: Bei Wirbelgleiten kann die CT die Bruchstelle im Wirbelbogen, die Spondylolyse, gut darstellen.
- Spinalkanalstenose: Eine CT kann zusätzliche Informationen bei Wirbelbrüchen liefern, z.B. über die Stellung der Wirbelkörperhinterkante und Knochenstücke im Spinalkanal. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist zwar die Methode der Wahl zur Diagnosesicherung bei Verdacht auf Spinalkanalstenose, aber die CT kann eine sinnvolle Alternative sein, insbesondere bei Patienten mit Kontraindikationen für eine MRT (z.B. Herzschrittmacher, Platzangst).
- Tumor-/Metastasendiagnostik: Die CT kann zur Abklärung von Mehrspeicherungen in der Skelettszintigrafie eingesetzt werden.
- Unfallverletzungen: Insbesondere bei der Beurteilung von knöchernen Strukturen kann die CT eine konkrete Diagnostik von Unfallverletzungen der Halswirbelsäule ermöglichen.
- Chronische Schmerzen: Bei chronischen Schmerzen bzw. Beschwerden an der Halswirbelsäule kann die CT eine diagnostische Fragestellung beantworten.
Eine Computertomographie der Bandscheiben ist nur indiziert, wenn bei dem Patienten aufgrund von Herzschrittmacher oder anderen Gründen eine MRT-Untersuchung nicht durchgeführt werden kann. Ansonsten ist für die Beurteilung der Bandscheiben eine MRT der Wirbelsäule deutlich besser.
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Die Rolle der CT bei Spinalkanalstenose
Die CT bietet eine überlegene Darstellung knöcherner Strukturen im Vergleich zur MRT und erlaubt eine sehr präzise Beurteilung knöchern bedingter Spinalkanal-, Recessus- und Foraminalstenosen. Sie kann auch bei unklaren oder fraglichen knöchernen Engen in der MRT, bei Verdacht auf ausgeprägte Osteophyten (Knochenausziehungen), knöcherne Spangen (Knochenbrücken), Wirbelbogenanomalien (Wirbelbogenabweichungen) oder komplexe degenerative Stenosen indiziert sein.
In Kombination mit Funktionsaufnahmen (z. B. Myelo-CT) kann die CT eine hochauflösende Darstellung der Kontur des Duralsacks (Rückenmarkshülle), der Nervenwurzelmanschetten (Ummantelung der Nervenwurzel) und knöchern bedingter Engen ermöglichen.
CT-Untersuchung der verschiedenen Wirbelsäulenabschnitte
Mithilfe der Computertomographie lassen sich die verschiedenen Wirbelsäulenabschnitte wie die Hals-, Lenden-, und die Brustwirbelsäule im Weichteil- und Knochenkontrast abbilden. Dies ermöglicht die Beurteilung von:
- Wurzelkompressionssyndromen wie Bandscheibenvorfall oder knöcherne Stenose
- Abnutzung der Bandscheibenfächer
- Arthrosen der Wirbelgelenke
- Einengung des Spinalkanals
- Spina bifida (Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks/offener Rücken) - Ausschluss
- Fraktur
- Wirbelgleiten des oben liegenden Wirbelkörpers im Verhältnis zu dem darunter liegenden. Dieser kann sowohl nach vorne, als auch nach hinten gleiten.
Halswirbelsäule (HWS)
Ein MRT der HWS kann bei verschiedenen Beschwerden oder Erkrankungen indiziert sein, wie z.B.:
- Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, Arthrose oder andere degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule
- Schmerzen in Nacken, Schultern oder Armen
- Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Händen
- Bestimmten Muskelverspannungen im Nacken
- Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme
- Anhaltende oder wiederkehrende Kopfschmerzen
- Verletzungen oder Traumata der Halswirbelsäule, z.B.
Die Computertomographie der Halswirbelsäule ermöglicht eine konkrete Diagnostik von Unfallverletzungen, insbesondere bei der Beurteilung von knöchernen Strukturen. Häufig können Mediziner bei chronischen Schmerzen bzw. Beschwerden an der Halswirbelsäule ebenso durch die CT eine diagnostische Fragestellung beantworten.
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Lendenwirbelsäule (LWS)
Die weit verbreitete erworbene Spinalkanalstenose ist eine typische Erscheinung des 5. bis 9. Lebensjahrzehntes. Sie tritt außerordentlich häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule aus. Typisch für Menschen, die an der lumbal degenerativen Spinalkanalstenose erkrankt sind, ist, dass sie nur noch kürzere Strecken bewältigen können. Es kommt beim Gehen ein Schweregefühl, Taubheitsgefühl, oder Schmerzgefühl auf. Sie neigen dazu, sich nach vorne zu bücken, da dies den Spinalkanal entlastet.
Vorbereitung und Durchführung einer CT-Untersuchung
Vor einer CT-Untersuchung wird in der Arztpraxis ein ausführlicher Anamnesebogen ausgefüllt, um den Aufenthalt des Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu gehört u.a. die Berücksichtigung persönlicher Gegebenheiten (Platzangst, Metallteile oder Implantate, Vor-OP, Herzschrittmacher, farbige Tätowierungen/Schminke mit Metallanteilen, Kontrastmittelunverträglichkeiten o. Ä.).
Bei Gabe von Kontrastmitteln erfolgt eine Aufklärung über mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Hier werden Risikofaktoren wie Allergien oder Nierenprobleme im Vorhinein abgeklärt. Direkt vor der Untersuchung müssen alle metallischen oder elektrischen Gegenstände wie Uhren, Schmuck, Kreditkarten, Smartphones etc. abgelegt werden.
Während der Untersuchung liegt der Patient auf einer Liege, die elektrisch durch eine Art Ring gefahren wird. Entscheidend für verwertbare Aufnahmen ist, dass der Patient möglichst still liegt, um Verwackelungen zu vermeiden. Bei bestimmten Indikationen oder Fragestellungen - oder bei vorheriger Operation an der zu untersuchenden Stelle - kommen spezielle CT-Kontrastmittel zum Einsatz.
CT bei Platzangst
Durch die bauliche Beschaffenheit des CT (es gleicht einem “Donut”, durch den der Patient hindurchfährt, statt einer “Röhre”), kann ein CT eine Alternative bei Platzangst sein. Zudem können die Mitarbeiter den Patienten vom Wartebereich bis in das Gerät begleiten und ihn zu jeder Zeit betreuen. Während der Untersuchung ist der Patient durch die Scheibe unter ständiger Beobachtung. Besteht Platzangst, so kann zuvor ein Beruhigungsmittel verabreicht werden.
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Risiken und Nebenwirkungen
Die Computertomographie nutzt dosierte Röntgenstrahlen, um das Innere des menschlichen Körpers sichtbar zu machen. Das Körpergewebe schwächt die Strahlung ab und wird dadurch sichtbar. Gewebe mit hoher Dichte, wie etwa Knochen, erscheinen auf den Aufnahmen hell, Gewebe mit niedriger Dichte erscheint dunkel.
Es ist wichtig zu beachten, dass Röntgenstrahlen dem Gewebe schaden und Krebs auslösen können. Moderne CT-Geräte sind jedoch recht schnell, die Strahlenbelastung bleibt deshalb gering. Trotzdem sollte eine CT-Untersuchung nur dann durchgeführt werden, wenn sie medizinisch notwendig ist.
Bei der Verwendung von Kontrastmitteln können allergische Reaktionen auftreten. Patienten mit bekannten Allergien oder Nierenproblemen sollten dies vor der Untersuchung dem Arzt mitteilen.
Alternative Diagnoseverfahren
Neben der CT gibt es auch andere bildgebende Verfahren, die zur Diagnose von Spinalkanalstenose eingesetzt werden können:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist die Methode der Wahl zur Diagnosesicherung bei Verdacht auf Spinalkanalstenose. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Rückenmarks, der Nervenwurzeln und der Bandscheiben.
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule können zur Beurteilung des knöchernen Alignments, zum Nachweis von Wirbelgleiten, Skoliose und fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen eingesetzt werden.
- Myelographie: Bei dieser Untersuchungsmethode wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert, um Nerven, Rückenmarkshäute und Bandscheiben sichtbar zu machen. Myelographien werden in der Regel in Kombination mit Röntgen- und/oder CT-Untersuchungen durchgeführt.
Behandlung der Spinalkanalstenose
Die Behandlung der Spinalkanalstenose hängt von der Schwere der Symptome und dem Ausmaß der Verengung ab. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.
Konservative Therapie
Viele Spinalkanalverengungen sind, besonders im frühen Stadium, ohne Operation behandelbar. Dabei wird über Physiotherapie, manuelle Therapie, Osteopathie oder physikalische Therapie, ggf. unter Einsatz dosierter Schmerzmedikation, gezielt die Muskulatur aufgebaut, sodass die Schmerzen gelindert und damit die Nervenbahnen befreit werden.
Die konservative Behandlung kann zwangsläufig die Ursache der Beschwerden, d.h. die Einengung des Spinalkanals, nicht beseitigen. Sie beabsichtigt die Schmerzen, die durch die degenerativen Prozesse der Wirbelsäule ausgelöst werden, durch Medikamente, wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen und andere, zu lindern. Zusätzlich können physiotherapeutische Maßnahmen die schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur reduzieren und ein rückengerechtes Verhalten fördern.
Die PRT mit denen ein örtliches Betäubungsmittel und Cortison in die Nähe der betroffenen Nervenwurzeln zugeführt werden, können in Einzelfällen sehr wirksam sein. Diese Medikamente können auch in den Spinalkanal in unmittelbarer Nähe des Rückenmarksackes eingespritzt werden und über mehrere Monate eine Linderung der Beschwerden bewirken. Die konservative Behandlung ist immer dann sinnvoll, wenn die Symptome noch geringfügig sind oder wenn der Allgemeinzustand des Patienten eine operative Behandlung nicht zulässt.
Operative Therapie
Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Spinalkanal zu erweitern und den Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln zu reduzieren.
Im Bereich der Halswirbelsäule wir von vorne operiert, d.h. durch den Hals, führen vorgegebene »anatomische Straßen« zur Halswirbelsäule. Eine oder mehrere Bandscheiben sowie ein oder mehrere Wirbelkörper mit den entsprechenden Knochenspornen, die gegen das Rückenmark drücken, werden entfernt und durch Implantate ersetzt.
Die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kann durch so genannte minimal-invasive Verfahren behoben werden. Über einen etwa 25 mm langen Hautschnitt wird über einen einseitigen Zugang der Wirbelkanla auf beiden Seiten erweitert. Dieser Eingriff kann bis zu 4 Höhen durchgeführt werden. Der Vorteil dieser schonenden Operationstechnik besteht darin, dass sich auch betagte Patienten den Eingriff unterziehen können. Bereits am Tag nach dem Eingriff verzeichnen sich üblicherweise eine Verlängerung ihrer Gehstrecke.
Wenn die Spinalkanalstenose Folge eines Wirbelgleitens ist, werden in einem Eingriff sowohl die Enge des Spinalkanales behoben als auch die Stabilität der Wirbelsäule wieder hergestellt. Dies wird durch das Einbringen von Titan-Schrauben in die entsprechenden Wirbelkörper und einer Fixierung mittels Titan-Stäben erreicht. Zusätzlich wird die Bandscheibe ausgeräumt und durch ein mit Knochen befülltes künstliches Implantat ersetzt.
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