Dopamin ist ein zentraler Neurotransmitter im Gehirn, der eine Schlüsselrolle für Motivation, Antrieb, Lustempfinden und Lernfähigkeit spielt. Ein Ungleichgewicht dieses Botenstoffs kann sich vielfältig äußern, von Antriebslosigkeit über Reizbarkeit bis hin zu depressiven Symptomen.
Dopamin: Ein wichtiger Neurotransmitter
Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine und ist eine chemische Botenstoffverbindung, die Informationen zwischen Nervenzellen überträgt. Es wird stark von Lebensstil, Ernährung, Hormonlage und Stress beeinflusst.
Möglichkeiten zur Beeinflussung des Dopaminspiegels
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Dopaminspiegel gezielt zu beeinflussen:
- Eiweißreiche Ernährung mit Tyrosin und Phenylalanin
- Intensive, aber nicht überfordernde Belastung
- L-Tyrosin als Nahrungsergänzung (Vorsicht bei Dopamin-Wirkstoffen: Nur unter ärztlicher Begleitung)
- Testosteron fördert die Sensitivität und Produktion von Dopamin
Dopamin ist der Treibstoff für mentalen Fokus, Lust, Motivation und Lebensfreude, besonders für Männer, die sich selbst fordern und aktiv gestalten wollen.
Parkinson und Dopaminmangel
Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, bei der Dopamin-produzierende Gehirnzellen absterben. In Deutschland sind schätzungsweise 300.000 Menschen betroffen, mit jährlich bis zu 20.000 Neuerkrankungen. Parkinson wird oft im Alter von 40-50 Jahren diagnostiziert, kann aber auch viel früher auftreten.
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Auswirkungen von Parkinson auf den Harntrakt
Im Verlauf der Erkrankung entwickeln viele Parkinson-Patienten Störungen der Harnblasen- und Mastdarmfunktion. Zwei häufige Blasenzustände sind Dranginkontinenz (überaktive Blase) und Nykturie (nächtliches Wasserlassen). Diese können durch Signalprobleme zwischen Gehirn und Blase verursacht werden.
- Dranginkontinenz: Unerwünschte Blasenkontraktionen, die schwer zu kontrollieren sind, führen zu einem plötzlichen Harndrang ohne Vorwarnung.
- Nykturie: Die Notwendigkeit, mehrmals in der Nacht Wasser lassen zu müssen, unterbricht den Schlaf oder führt zu Bettnässen.
Parkinson kann auch die Fähigkeit beeinträchtigen, Nahrung gut zu kauen und zu schlucken, was die Stuhlkonsistenz beeinflusst und zu Verstopfung führen kann. Medikamente gegen Parkinson und Antidepressiva können die Verstopfung verschlimmern.
Blasenfunktionsstörungen bei Parkinson
Infolge eines Parkinsons tritt sehr häufig auch eine nervlich bedingte Blasenfunktionsstörung ein. Das Gehirn als zentrale Steuer- und Kontrolleinheit für die korrekte Blasenentleerung ist in seinen Aufgaben beeinträchtigt. Ein gesteigerter Drang, Wasser zu lassen, ist eine typische Folge einer Parkinson-Erkrankung. Die Aktivität des Blasenentleerungsmuskels (Detrusor) ist durch den Ausfall der hemmenden Wirkung des Gehirns erhöht, was zu Harndrang und Dranginkontinenz führt.
Urologische Aspekte bei Parkinson
Bestimmte urologische Aspekte können dem Arzt Hinweise darauf geben, dass zusätzlich aus der PD resultierende urologische Probleme vorliegen:
- Signifikanter ungewollter Urinverlust
- Unfähigkeit, bei voller Blase willkürlich Wasser zu lassen
- Ungewöhnlich hohe Miktionsfrequenz
- Mit der Miktion verbundene Schmerzen
- Schwächung der Muskulatur auch im unteren Harntrakt, wodurch es zur Restharnbildung (RH) kommen kann
Behandlung von Blasenfunktionsstörungen bei Parkinson
Die Therapie der Parkinson-bedingten Blasenfunktionsstörungen stellt für den behandelnden Arzt eine besondere Herausforderung dar, da sich die klassischen Medikamente zur Behandlung von Harndrang und Inkontinenz eventuell nicht mit der Parkinson-Medikation vertragen oder zur Zunahme der Parkinson-Symptome führen können. Die Neuro-Urologie bietet daher eine individuelle Beratung zu Therapiemöglichkeiten und -alternativen bei Blasenfunktionsstörung infolge einer Parkinson-Erkrankung an.
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Medikamentöse Therapie
An erster Stelle steht die Behandlung des Dopaminmangels aufgrund der verringerten Dopaminproduktion. Levodopa kann die Aktivierung der D2-Rezeptoren verstärken, was zu einer verschlechterten Blasenfunktion führen kann. Dopaminagonisten können hingegen zu einer Verringerung der Nykturie und einer Vergrößerung der Blasenkapazität führen.
Wegen dieser notwendigen Medikation ist die urologische Evaluation wichtig. Anhand dieser können dann Medikamente für den Miktionsdrang bzw. die -frequenz verordnet werden. Für den Fall des Harnverhalts sollte der Patient den Selbstkatheterismus erlernen. Einige Medikamente können die kognitive Funktion weiter einschränken. In den letzten Jahren sind die Optionen der Behandlung mit Beta-3-Adrenozeptoragonisten ergänzt worden, die ein besseres Nebenwirkungsprofil haben.
OnabotulinumtoxinA
Seit 2011 ist für die schwer zu behandelnde neurogene Harnblasenentleerungsstörung auch OnabotulinumtoxinA zur Injektion in die Harnblasenwand zugelassen, welche auch im ambulanten Setting durchgeführt werden kann. Empfohlen wird hier die niedrige Dosierung von 100IU, um die Wahrscheinlichkeit des Harnverhalts zu reduzieren, weshalb die Injektion ca. alle 6 Monate wiederholt werden muss.
Hirn- oder Nervenstimulation
Eine weitere Möglichkeit stellt die Tiefenhirnstimulation (DBS) dar, die für PD etabliert ist. Anhand von Studien konnte belegt werden, dass es zu einer signifikanten Verbesserung der Nykturie und einer Reduzierung der OAB-Symptome kommt. Die Effektivität ist vergleichbar mit der durch eine Apomorphinpumpe.
In diesem Rahmen kann auch die perkutane Stimulation des Nervus tibialis (PTNS) ausprobiert werden. Durch dieses Therapieverfahren kann die Detrusorüberaktivität reduziert werden. Dies verbessert die Blasenkapazität, was sich sogar urodynamisch belegen lässt. Dennoch ist die Evidenz der Studienlandschaft zur Behandlung der neurogenen LUTD bisher sehr gering. In jüngster Zeit wurde auch die Möglichkeit der chronischen tibialen Nervenmodulation (CTNM) überprüft. Es gibt erste Anhaltspunkte dafür, dass dadurch für diese Patienten eine deutliche Befundverbesserung erzielt werden kann. Mit einem Dauerimplantat kann der Patient die CTNM zu Hause selbst durchführen und wird unabhängiger. Dies trägt ganz wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität bei.
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Da es nur wenige Patienten gibt, bei denen die sakrale Neuromodulation (SNM) angewendet worden ist, reicht die Datenlage nicht aus, um eine entsprechende Aussage treffen zu können.
Erkrankungen der Prostata
Bei prostataspezifischen Erkrankungen des Mannes (benigne Prostatahyperplasie, BPH) können Alphablocker eingesetzt werden. Der Einsatz von OnabotulinumtoxinA ist nach aktueller Datenlage nicht indiziert, da nicht effektiv.
Die transurethrale Prostataresektion (TURP) und verwandte Verfahren sind heute nicht mehr kontraindiziert. Es ist darauf hinzuweisen, dass vor einem Eingriff die MSA ausgeschlossen werden soll, da ansonsten die Gefahr einer nachfolgenden Harninkontinenz deutlich steigt. Zusätzlich bieten sich auch neue minimal invasive Therapiemöglichkeiten an. Ob sich diese auch für MSA-Patienten eignen, muss noch evaluiert werden.
Für den Fall der Diagnose eines Prostatakarzinoms (PCa) stellt im Allgemeinen die radikale Prostatektomie eine Option dar, obwohl die Datenlage recht schwach ist. Es ist aber zu bedenken, dass besonders bei dieser Patientengruppe eine Strahlentherapie des PCa zu schwer zu behandelnden Nebenwirkungen führen kann.
Dopaminmangel und weitere Ursachen für häufiges Wasserlassen
Häufiges Wasserlassen, kaum zu unterdrückender Harndrang oder unkontrollierter Urinverlust: Die Beschwerden bei Blasenfunktionsstörungen sind für die Betroffenen sehr belastend.
Dopaminmangel als Ursache
Bei Dopaminmangel fehlt es dem Körper an einem wichtigen Botenstoff. Typische Symptome dafür sind Müdigkeit und Antriebslosigkeit, bei Dopaminmangel im Rahmen von Parkinson auch Zittern (Tremor) und Bewegungsstörungen.
Ein Dopaminmangel liegt vor, wenn die Dopamin-Konzentration im Körper oder Gehirn unter dem normalen Bereich liegt. Dopamin hat vielfältige Aufgaben: Im Gehirn ist es als Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) wesentlich an der Regulierung von Emotionen, Motivation, Belohnungsgefühlen und der Bewegungskoordination beteiligt (zentrales Dopamin). Im restlichen Körper trägt Dopamin beispielsweise zur Blutdruckregulierung bei (peripheres Dopamin).
Ein Dopaminmangel kann unterschiedlichste Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Eine Rolle dabei spielt, wo im Körper der Mangel auftritt und wie schwerwiegend er ist.
Allgemeine Symptome von Dopaminmangel
Allgemeine Symptome, die bei Dopaminmangel auftreten können, sind zum Beispiel:
- Müdigkeit
- Nervosität, Unruhe
- Schlafstörungen
- Interessen-, Motivationsmangel
Gravierende Auswirkungen zeigen sich bei der Parkinson-Krankheit - der bekanntesten Erkrankung im Zusammenhang mit Dopaminmangel. Aus noch ungeklärter Ursache sterben hier fortschreitend Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn ab. Der resultierende Dopaminmangel ruft typische Parkinson-Symptome hervor wie:
- unwillkürliches Zittern (Tremor), etwa der Hände
- Muskelsteife (Rigor)
- verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) bis hin zu Bewegungslosigkeit (Akinesie)
- Gangstörungen
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
Behandlung von Dopaminmangel
Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen. Einige Beispiele:
- Parkinson-Krankheit: Medikamentöse Behandlungen zielen darauf ab, den bestehenden Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Betroffene erhalten dafür oft Levodopa - eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Ebenfalls eingesetzt werden Dopaminagonisten (ahmen die Dopamin-Wirkung nach) sowie MAO-B- und COMT-Inhibitoren (hemmen den Dopamin-Abbau). In fortgeschrittenen Fällen kommt eine tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) in Betracht. Untersuchungen zufolge kann sie die Dopamin-Wirkung imitieren.
Was Sie selbst tun können
Bei einem leichten Dopaminmangel hilft möglicherweise auch eine Lebensstil-Anpassung:
- Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln (z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch) versorgt den Körper mit wichtigen Aminosäuren, die zur Dopaminproduktion benötigt werden.
- In ärztlicher Absprache kann zum Ausgleich eines Dopaminmangels die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, etwa mit L-Tyrosin (Ausgangsstoff von Dopamin) oder Vitamin D (beeinflusst die Dopaminbildung).
- Regelmäßige Bewegung fördert die Freisetzung von Dopamin und verbessert die Rezeptorfunktion. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag sind empfehlenswert.
- Stressreduktion kann ebenfalls helfen, einem Dopaminmangel entgegenzuwirken. Techniken wie Meditation, Yoga, Achtsamkeits- und Atemübungen können den Stresspegel senken und die Dopaminproduktion positiv beeinflussen.
- Ausreichend Schlaf unterstützt die Regulierung der Dopaminspiegel und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und sieben bis acht Stunden guten Schlafes pro Nacht.
- Positive soziale Interaktionen fördern die Freisetzung von Dopamin und verbessern die Stimmung. Treffen sie sich beispielsweise regelmäßig mit guten Freunden.
- Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen wie Malen, Musik hören oder Aufenthalte in der Natur. Das kann ebenfalls die Dopaminausschüttung unterstützen.
- Verzichten Sie auf illegale Drogen und Alkohol, um die (Dopamin-produzierenden) Hirnzellen zu schützen und den Botenstoff-Haushalt im Gehirn in der Balance zu halten.
Medikamenteninduzierter Harnverhalt
Im folgenden Fall führte die Einnahme und Aufdosierung von Mirtazapin in Kombination mit Risperidon bei vorbestehender Solifenacin-Therapie aufgrund einer überaktiven Blase bei einer Patientin fortgeschrittenen Alters zu dieser schweren unerwünschten Arzneimittelwirkung. Mirtazapin gilt als eines der Standardmedikamente in der Behandlung der Depression, eine nur gering ausgeprägte anticholinerge Wirkung lässt einen akuten Harnverhalt zunächst eher unwahrscheinlich erscheinen.
Fallbeispiel
Die Aufnahme der Patientin auf die akutpsychiatrische Station erfolgte unter der Diagnose einer akut polymorphen psychotischen Störung ohne Symptome einer Schizophrenie. Aufgrund einer überaktiven Blase nahm die Patientin seit Jahren Solifenacin ein.
Nach Abklingen der psychotischen Symptome stand nun eine depressive Symptomatik im Vordergrund. Die Behandler verordneten Mirtazapin. Nach Einnahme der erstmaligen Dosis von 45 mg klagte die Patientin wenige Stunden später über ausgeprägten Harndrang mit Schmerzen. Trotz mehrfacher Versuche gelang es der Patientin nicht, Wasser zu lassen. Nach Anlage eines Katheters wurden 900 ml Urin abgelassen.
Risikofaktoren für Harnverhalt
Ein akuter Harnverhalt tritt ungleich häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Die Diskrepanz erklärt sich durch den Hauptrisikofaktor eines Harnverhalts: eine Obstruktion der ableitenden Harnwege aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) bei Männern. Weitere Risikofaktoren sind ein fortgeschrittenes Patientenalter (gekoppelt an das Auftreten der BPH), weitere chronische Ursachen einer Obstruktion wie eine Urethrastriktur oder Neoplasien der Harnwege und der benachbarten Organe, Diabetes mellitus, Verstopfung, Bewegungsarmut, neurologische Erkrankungen, chirurgische Eingriffe oder Medikamente.
Medikamente und Harnverhalt
Medikamenteninduzierter Harnverhalt erscheint insgesamt selten. Neben Antidepressiva und Antipsychotika werden auch Anästhetika, Opioide, Benzodiazepine, Anticholinergika, Calciumkanalblocker und nichtsteroidale Antirheumatika als häufigste Auslöser genannt.
Eine Vielzahl an Medikamenten zeigt eine anticholinerge Wirkkomponente, dies kann sich klinisch unter anderem als Blockade des parasympathischen Teils des vegetativen Nervensystems zeigen. Die Kontrolle der Miktion ist komplex, der Parasympathikus spielt bei der Ausführung der Miktion eine wichtige Rolle.
Zusammenwirken von Medikamenten
Für diesen Fall von großer Bedeutung ist die schon seit Jahren vorbestehende Einnahme von Solifenacin, einem oral wirksamen Muscarinrezeptor-(M3-)Antagonisten, der zur Behandlung der sogenannten Reizblase oder überaktiven Blase eingesetzt wird. Anticholinergika sind bei diesem Krankheitsbild eine erprobte und zuverlässige Therapie.
Somit zeigt sich bei diesem Fall ein erhöhtes Risiko für einen Harnverhalt durch das fortgeschrittene Alter und die anticholinerge Medikation.
Die serotonerge Aktivität des Mirtazapins in Kombination mit der von Risperidon vermittelten Dopamin-D2-Rezeptor-Blockade kann offensichtlich einen Harnverhalt begünstigen. Es ist anzunehmen, dass die Patientin ein Grundrisiko für einen Harnverhalt durch die anticholinerge Medikation mitbrachte, welches sich durch Risperidon erhöhte und sich schließlich bei der Gabe von 45 mg/Tag Mirtazapin durch eine akut auftretende Symptomatik klinisch manifestierte.
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