Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Leiden, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können. Viele Betroffene suchen nach Wegen, ihre Beschwerden zu lindern, und stoßen dabei auf vielfältige Therapieansätze, darunter auch den Besuch einer Sauna. Die Frage, ob Saunieren bei Migräne hilfreich ist oder eher schadet, ist jedoch komplex und bedarf einer differenzierten Betrachtung. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Vor- und Nachteile von Saunabesuchen bei Migräne, um Betroffenen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Die Sauna: Mehr als nur Entspannung
Ein Saunabesuch wird oft als reine Entspannung angesehen, kann aber auch therapeutische Effekte auf den Körper haben. Die Hitze in der Sauna führt zu einer Reihe von physiologischen Reaktionen, die sich potenziell positiv auf Kopfschmerzen und Migräne auswirken können.
Bessere Durchblutung und Muskelentspannung
Die Wärme in der Sauna fördert die Durchblutung im gesamten Körper. Dies kann insbesondere bei Spannungskopfschmerzen von Vorteil sein, da die Wärme die Muskeln entspannt und Verspannungen löst, die oft zu Kopfschmerzen führen. Die Weitung der Blutgefäße und die gesteigerte Durchblutung betreffen auch Muskeln, Bänder und Sehnen. Unter den hohen Temperaturen entspannen sich die Muskeln. Das starke Schwitzen soll den Abbau von Laktaten unterstützen - diese sind für Muskelkater verantwortlich.
Stressabbau und die Ausschüttung von Glückshormonen
Stress ist ein bekannter Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne. Die ruhige Atmosphäre und die körperliche Entspannung in der Sauna können helfen, Stress abzubauen und das Nervensystem zu beruhigen. Die Hitze soll die Produktion von Glückshormonen ankurbeln und so die Stimmung positiv beeinflussen. Andere wichtige Punkte auf dem Weg zu mehr Wohlergehen im Alltag sind die Entspannung von Körper und Geist, Stressreduktion und die Möglichkeit zur Erholung. Vor allem eine eigene Heimsauna kann hierfür den Grundstein legen.
Positive Beeinflussung des vegetativen Nervensystems
Eine der wichtigsten, aber oft übersehenen Wirkungsweisen von Thermenanwendungen bei Migräne liegt in der positiven Beeinflussung des vegetativen Nervensystems, auch autonomes Nervensystem genannt. Dieses steuert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und auch die Regulation der Blutgefäße. Es besteht aus zwei Gegenspielern: dem Sympathikus, der für Aktivierung und Stressreaktionen zuständig ist, und dem Parasympathikus, der für Erholung und Regeneration sorgt. Bei vielen Migränepatienten ist dieses System aus dem Gleichgewicht geraten, mit einem überaktiven Sympathikus und einem unteraktiven Parasympathikus. Chronischer Stress, ein Hauptauslöser für Migräne, führt zu einer dauerhaften Aktivierung des Sympathikus. Dies äußert sich in erhöhter Herzfrequenz, flacher Atmung, Muskelverspannungen und einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit. Die Blutgefäße sind dauerhaft in einem Zustand erhöhter Anspannung, was die Grundlage für Migräneanfälle schaffen kann. Regelmäßige Hydrotherapie-Anwendungen können hier gezielt regulierend eingreifen. Die Temperaturreize, insbesondere Wechselanwendungen, trainieren das autonome Nervensystem in seiner Anpassungsfähigkeit. Der Körper lernt, flexibler zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln, was die vegetative Stabilität erhöht. Die Förderung der parasympathischen Regeneration ist ein zentraler Mechanismus, durch den Thermenanwendungen bei Migräne wirken. Warme Bäder, sanfte Massagen und Entspannungsübungen aktivieren den Vagusnerv, den Hauptnerv des Parasympathikus. Der Vagusnerv sendet beruhigende Signale an alle Organe: Die Herzfrequenz verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Atmung wird tiefer, und die Verdauung wird angeregt. Diese parasympathische Aktivierung ist das Gegenteil des Stresszustands und schafft die Voraussetzungen für Heilung und Regeneration. Studien haben gezeigt, dass eine höhere vagale Aktivität mit einer geringeren Migränehäufigkeit einhergeht. Menschen, die regelmäßig entspannungsfördernde Aktivitäten praktizieren, haben messbar mehr vagale Aktivität und damit ein robusteres autonomes Nervensystem. Der Stressabbau durch Thermenanwendungen wirkt auf mehreren Ebenen migränepräventiv. Psychologischer Stress ist einer der häufigsten Migränetrigger, und alles, was Stress reduziert, kann die Migränehäufigkeit verringern. Die Auszeit vom Alltag während eines Thermenbesuchs, die ruhige Atmosphäre, die körperliche Entspannung und die Fokussierung auf das eigene Wohlbefinden schaffen einen Raum, in dem das überreizte Nervensystem zur Ruhe kommen kann. Dieser Effekt ist nicht nur kurzfristig spürbar, sondern kann bei regelmäßigen Besuchen zu einer dauerhaften Erhöhung der Stressresilienz führen.
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Sauna als Gefäßtraining
Die Hitze der Sauna stimuliert das vegetative Nervensystem, während kaltes Wasser in der Abkühlphase dazu führt, dass sich die Blutgefäße wieder zusammenziehen. Der Kältereiz bewirkt, dass sich die erweiterten Blutgefäße plötzlich zusammenziehen, um einen weiteren Wärmeverlust zu verhindern. Dies "trainiert" Ihre Blutgefäße in hohem Maße - insbesondere Ihre Venen, die sonst nicht viele Möglichkeiten für solche Übungen haben. Studien, die an der Charité in Berlin durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass die regelmäßige Anwendung eines SANARIUM® dazu beitragen kann, den Blutdruck zu senken, und dass die regelmäßige Nutzung einer Sauna dazu beitragen kann, Ihr Gefäßsystem zu stabilisieren. Einige Patienten konnten sogar ihre blutdrucksenkenden Medikamente absetzen. Bitte beachten Sie jedoch, dass Sie vor der Nutzung einer Sauna immer zuerst Ihren Hausarzt konsultieren sollten, wenn Sie Medikamente jeglicher Art einnehmen. Betablocker beispielsweise, die gegen hohen Blutdruck verschrieben werden, können verhindern, dass sich Ihre Herzfrequenz beschleunigt, was wiederum den Abkühlungsprozess in Ihren Blutgefäßen behindert.
Mögliche Risiken und Auslöser für Migräne
Trotz der potenziellen Vorteile birgt ein Saunabesuch auch Risiken für Migränepatienten.
Dehydratation
Durch das starke Schwitzen in der Sauna verliert der Körper viel Flüssigkeit. Dehydratation ist ein bekannter Auslöser für Migräneattacken. Um Dehydratation und folglich Kopfschmerzen zu vermeiden, ist es essenziell, vor dem Saunabesuch ausreichend zu trinken.
Blutdruckschwankungen
Die Hitze in der Sauna kann zu Blutdruckschwankungen führen, die bei manchen Menschen Migräne auslösen können. Es ist wichtig, den Kreislauf nicht unnötig zu belasten.
Überlastung des Körpers
Kopfschmerzen nach der Sauna sind meist ein Zeichen dafür, dass der Körper überlastet wurde. Ein Saunabesuch sollte nicht als Leistungssport betrachtet werden, sondern als Möglichkeit zur Entspannung.
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Individuelle Reaktionen
Jeder Mensch reagiert anders auf die extrem warmen und kalten Temperaturen und hat persönliche Vorlieben - und Grenzen. Der eine liebt die trocken-heiße finnische Sauna bei bis zu 100 °C. Der andere bevorzugt ein niedriger temperiertes Dampfbad mit einer höheren Luftfeuchtigkeit um die 30%. Wer unter Vorerkrankungen leidet oder sich fragt, ob Saunabesuche ein gesundheitliches Risiko für ihn darstellen, sollte unbedingt medizinischen Rat einholen. Das gilt insbesondere, wenn Probleme mit dem Blutdruck und dem Herz-Kreislauf-System bekannt sind oder vermutet werden. Ein Gespräch mit dem Arzt ist der richtige Weg, um mögliche Risiken zu vermeiden.
Tipps für einen sicheren Saunabesuch bei Migräne
Um die Vorteile eines Saunabesuchs zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren, sollten Migränepatienten folgende Tipps beachten:
- Ärztliche Beratung: Klären Sie vor dem ersten Saunabesuch mit Ihrem Arzt, ob dieser für Sie geeignet ist.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie vor, während und nach dem Saunabesuch ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, um Dehydratation vorzubeugen.
- Mäßige Nutzung: Beginnen Sie mit kurzen Saunagängen und steigern Sie die Dauer allmählich.
- Auf den Körper hören: Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und verlassen Sie die Sauna, wenn Sie sich unwohl fühlen.
- Abkühlung: Kühlen Sie sich nach dem Saunagang langsam ab, um den Kreislauf nicht zu überlasten.
- Regelmäßigkeit: Regelmäßige Saunabesuche können helfen, den Körper an die Wärme zu gewöhnen und die positiven Effekte zu verstärken.
- Geeignete Sauna wählen: Mildere Saunabäder mit höherer Luftfeuchte eignen sich bei Atemwegsbeschwerden oft besser als die trocken-heiße finnische Sauna. Die Schleimhäute können so leichter feucht gehalten werden.
- Atemtechnik: Atmen Sie tief und ruhig ein, um Ihre Lunge bestmöglich zu unterstützen.
Die richtige Abkühlung
Während der Abkühlphase erhöht ein warmes Fußbad die Wirkung der Sauna deutlich. Wir empfehlen Ihnen, mit einem Kneipp-Gang oder einem kalten Fußbad zu beginnen, um die Wärme abzuleiten, die sich während Ihres Aufenthalts in der Sauna auf der Körperoberfläche angesammelt hat. Anschließend ein warmes Fußbad nehmen. Dadurch erweitern sich Ihre Blutgefäße und das Blut kann besser in der Haut Ihrer Füße und in Ihrem ganzen Körper zirkulieren. Die Ankurbelung Ihres Kreislaufs erleichtert es, die zusätzliche Wärme aus dem Körperinneren (Ihre Innentemperatur ist in der Sauna um 1-2 °C gestiegen) an die Oberfläche zu transportieren, wo sie über die Haut abgegeben werden kann.
Saunaarten und ihre Eignung bei Migräne
Es gibt verschiedene Arten von Saunen, die sich in Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterscheiden. Nicht jede Sauna ist für Migränepatienten gleich gut geeignet.
- Finnische Sauna: Die klassische finnische Sauna ist sehr heiß und trocken. Dies kann für manche Migränepatienten zu belastend sein.
- Dampfbad: Das Dampfbad ist weniger heiß als die finnische Sauna und hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Dies kann für Menschen mit Atemwegsbeschwerden angenehmer sein.
- Biosauna: Die Biosauna ist eine schonendere Alternative zur finnischen Sauna mit niedrigeren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit.
- Infrarotsauna: Infrarotsaunen erreichen maximal etwa 60 °C, während traditionelle Saunen oft über 100 °C erreichen.
Thermenanwendungen als Alternative oder Ergänzung
Neben der Sauna gibt es auch andere Thermenanwendungen, die bei Migräne hilfreich sein können. Dazu gehören beispielsweise Thermalbäder, Massagen und Entspannungsübungen. Diese Anwendungen können die Durchblutung fördern, Muskelverspannungen lösen und Stress abbauen.
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