Myoklonisch-astatische Epilepsie (Doose-Syndrom): Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die myoklonisch-astatische Epilepsie, auch bekannt als Doose-Syndrom oder myoklonisch-atone Epilepsie, ist eine idiopathische, generalisierte Form der Epilepsie, die typischerweise im Kindesalter beginnt. In diesem Artikel werden die Ursachen, Diagnose und Behandlung des Doose-Syndroms beleuchtet, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu ermöglichen.

Einführung in das Doose-Syndrom

Das Doose-Syndrom manifestiert sich in der Regel ab dem zweiten Lebensjahr, wobei keine eindeutige Ursache für die Erkrankung ermittelt werden kann. Anfänglich leiden die betroffenen Kinder unter generalisierten tonisch-klonischen Anfällen. Im weiteren Verlauf treten dann unvermittelt myoklonisch-astatische Anfälle auf, bei denen die Kinder kurzzeitig in sich zusammensacken. Zusätzlich können kurze myoklonische Zuckungen, atypische Absencen oder nächtliche Anfälle auftreten. Die Behandlung gestaltet sich oft schwierig, jedoch ist die Prognose bei erfolgreicher Anfallskontrolle durch medikamentöse Therapie in der Regel gut.

Ursachen des Doose-Syndroms

Obwohl das Doose-Syndrom als idiopathische Epilepsie gilt, was bedeutet, dass die genaue Ursache unbekannt ist, spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren wurden mehrere Gene identifiziert, die mit verschiedenen Epilepsieformen in Verbindung stehen. Mutationen in diesen Genen können die neuronale Erregbarkeit beeinflussen und somit die Entstehung von Anfällen begünstigen.

Einige der Gene, die mit Epilepsie in Verbindung gebracht werden und möglicherweise auch beim Doose-Syndrom eine Rolle spielen, sind:

  • SCN1A: Mutationen in diesem Gen sind häufig mit einem breiten Spektrum von Epilepsiesyndromen assoziiert, darunter das Dravet-Syndrom und generalisierte Epilepsie mit Fieberkrämpfen plus (GEFS+). Weniger häufig beobachtete Phänotypen sind die myoklonische astatische Epilepsie, das Lennox-Gastaut-Syndrom, infantile Spasmen sowie die Epilepsie mit fokalen Anfällen.
  • KCNQ2: Mutationen in diesem Gen können zu einer benignen familiären neonatalen Epilepsie oder einer neonatalen epileptischen Enzephalopathie führen.
  • GRIN2A: Veränderungen in diesem Gen sind bei unterschiedlichen neurokognitiven Erkrankungen beschrieben, spielen jedoch eine bedeutende Rolle bei Epilepsien, die mit einer Störung der Sprachentwicklung einhergehen.
  • STXBP1: Mutationen in diesem Gen können zu einer früh einsetzenden Enzephalopathie mit Epilepsie führen, die durch eine mittlere bis schwere geistige Entwicklungsstörung, refraktäre Anfälle und anhaltende epileptiforme Aktivität gekennzeichnet ist.
  • CHD2: Mutationen in diesem Gen sind mit einer früh einsetzenden epileptischen Enzephalopathie der Kindheit assoziiert, die durch refraktäre Anfälle und kognitive Verlangsamung oder Regression gekennzeichnet ist.
  • SYNGAP1: Mutationen in diesem Gen können zu einer geistigen Entwicklungsstörung, generalisierter Epilepsie und Autismus-Spektrum-Störung führen. Bei einigen Patienten kann auch eine myoklonische astatische Epilepsie (Doose-Syndrom) oder eine Epilepsie mit myoklonischen Absencen auftreten.
  • DEPDC5: Mutationen in diesem Gen sind mit einer Reihe von Epilepsiesyndromen assoziiert, die fast alle durch fokale Anfälle gekennzeichnet sind.
  • SCN8A: Mutationen in diesem Gen können zu einer Epilepsie mit Enzephalopathie führen, die durch Entwicklungsverzögerung, Anfallsbeginn in den ersten 18 Lebensmonaten und schwer einstellbare Epilepsie gekennzeichnet ist.
  • SLC12A5: Mutationen in diesem Gen sind mit einer Epilepsie im Säuglingsalter mit wandernden fokalen Anfällen assoziiert.
  • KCNT1: Mutationen in diesem Gen sind am häufigsten mit zwei Phänotypen assoziiert, der Epilepsie des Säuglingsalters mit wandernden fokalen Anfällen (EIMFS) und der autosomal-dominanten nächtlichen Frontallappenepilepsie (ADNFLE).

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Kinder mit Doose-Syndrom eine identifizierbare genetische Mutation aufweisen. In vielen Fällen bleibt die genetische Ursache unbekannt.

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Diagnose des Doose-Syndroms

Die Diagnose des Doose-Syndroms basiert auf der klinischen Präsentation und den Ergebnissen verschiedener diagnostischer Tests. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Anamnese: Eine sorgfältige Erhebung der Anamnese ist entscheidend, um die Art und Häufigkeit der Anfälle zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.
  • Neurologische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung hilft, andere neurologische Erkrankungen auszuschließen und mögliche Entwicklungsverzögerungen zu erkennen.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG ist ein wichtiges diagnostisches Instrument, um die elektrische Aktivität des Gehirns zu messen und epileptiforme Entladungen zu identifizieren. Bei Kindern mit Doose-Syndrom zeigt das EEG typischerweise generalisierte Spike-Wave-Entladungen oder Polyspike-Wave-Entladungen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ein kraniales MRT wird in der Regel durchgeführt, um strukturelle Hirnveränderungen auszuschließen. Bei Kindern mit Doose-Syndrom ist das MRT typischerweise normal, kann aber in einigen Fällen eine leichte generalisierte Atrophie zeigen.
  • Gentests: Gentests können durchgeführt werden, um Mutationen in Genen zu identifizieren, die mit Epilepsie in Verbindung stehen. Dies kann helfen, die Diagnose zu bestätigen und Informationen über die Prognose und Behandlung zu liefern.
  • Hirnwasseruntersuchung: Bei einigen PatientInnen liegt ein GLUT1-Defekt vor. Mit einer Hirnwasseruntersuchung kann der Defekt festgestellt werden.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, das Doose-Syndrom von anderen Epilepsiesyndromen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Zu den wichtigsten Differentialdiagnosen gehören:

  • Dravet-Syndrom: Das Dravet-Syndrom beginnt in der Regel früher als das Doose-Syndrom und ist oft mit schwereren Entwicklungsstörungen verbunden. Zudem treten beim Dravet-Syndrom häufig Fieberkrämpfe auf.
  • Lennox-Gastaut-Syndrom: Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist durch verschiedene Anfallstypen gekennzeichnet, darunter tonische Anfälle, atypische Absencen und Sturzanfälle. Das EEG zeigt typischerweise langsame Spike-Wave-Entladungen.
  • West-Syndrom: Das West-Syndrom ist eine seltene, sehr ernstzunehmende Säuglings-Epilepsie. Sie beginnt im Alter von 2 bis 8 Monaten und ist durch Salaam-Krämpfe, BNS-Anfälle und Hypsarrhythmie im EEG gekennzeichnet.
  • Epilepsie mit myoklonischen Absencen: Diese Epilepsieform ist durch myoklonische Zuckungen in Verbindung mit Absencen gekennzeichnet.

Behandlung des Doose-Syndroms

Die Behandlung des Doose-Syndroms zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Entwicklung des Kindes zu fördern. Zu den wichtigsten Behandlungsstrategien gehören:

  • Antiepileptische Medikamente (AEDs): AEDs sind die Eckpfeiler der Behandlung des Doose-Syndroms. Es gibt eine Vielzahl von AEDs, die zur Verfügung stehen, und die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Anfälle, dem Alter des Kindes und anderen individuellen Faktoren ab. Häufig verwendete AEDs beim Doose-Syndrom sind Valproinsäure, Ethosuximid, Levetiracetam und Topiramat.
  • Ketogene Diät: Bei einigen PatientInnen liegt ein GLUT1-Defekt vor. Das bedeutet, dass Zucker nicht wie gewohnt in die Gehirnzellen gelangen kann, diese „hungern“ dadurch. Diese hungrigen Zellen lösen Anfälle aus. Mit einer ketogenen Diät können Ketonkörper in die Gehirnzellen aufgenommen werden und liefern Energie. Die Gehirnzellen hungern nicht mehr und es treten keine Anfälle mehr auf.
  • Vermeidung von Auslösern: Bei einigen Kindern mit Doose-Syndrom können bestimmte Faktoren wie Fieber, Schlafmangel oder Stress Anfälle auslösen. Die Vermeidung dieser Auslöser kann dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
  • Unterstützende Therapien: Viele Kinder mit Doose-Syndrom benötigen zusätzliche Unterstützung, um ihre Entwicklung zu fördern. Dazu können Physio-, Ergotherapie und Logopädie gehören.

Mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten

Es ist wichtig zu beachten, dass AEDs Nebenwirkungen haben können. Einige häufige Nebenwirkungen sind:

  • Levetiracetam: Kann zu psychischen Veränderungen führen. Kinder können sich aggressiv verhalten oder sich niedergeschlagen fühlen und sich zurückziehen.
  • Topiramat: Kann zu Appetitlosigkeit führen und Schwitzen verhindern. Betroffene sollten viel Trinken und starke Sonne vermeiden, um nicht zu überhitzen.

Prognose des Doose-Syndroms

Die Prognose des Doose-Syndroms ist variabel. Bei einigen Kindern können die Anfälle durch medikamentöse Therapie vollständig kontrolliert werden, während andere weiterhin Anfälle haben. Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder können Entwicklungsverzögerungen entwickeln, ein Teil davon ist nur leicht betroffen. Besonders oft sind das Gehen und die Sprache betroffen. Es ist wichtig, dass Kinder mit Doose-Syndrom frühzeitig eine umfassende Behandlung erhalten, um ihre Entwicklung zu fördern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

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Leben mit dem Doose-Syndrom

Das Leben mit dem Doose-Syndrom kann für Kinder und ihre Familien eine Herausforderung sein. Es ist wichtig, ein starkes Unterstützungssystem aufzubauen, das aus Ärzten, Therapeuten, Familienmitgliedern und Freunden besteht. Es gibt auch viele Selbsthilfegruppen und Online-Communities, die Unterstützung und Informationen bieten können.

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