Kryolipolyse: Fettreduktion durch Kälte – Ein umfassender Überblick

Viele Menschen kämpfen mit hartnäckigen Fettpolstern, die sich trotz Diät und Sport nicht reduzieren lassen. Die Kryolipolyse bietet eine nicht-invasive Methode, um diese Problemzonen gezielt zu behandeln. In diesem Artikel werden die Grundlagen, die Anwendung, die Risiken und die Ergebnisse der Kryolipolyse detailliert erläutert.

Was ist Kryolipolyse?

Der Begriff Kryolipolyse stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich "Fettauflösung durch Kälte" (kryos = „Frost, Eis“, λίπα lipa = „fett“ und λύσις lysis = „Lösung, Auflösung“). Es handelt sich um ein Verfahren, bei dem Fettzellen durch gezielte Kälteeinwirkung reduziert werden, ohne dabei das umliegende Gewebe zu schädigen. Die Kryolipolyse wird in den USA bereits seit Jahren erfolgreich in der Ästhetik und bei führenden Dermatologen eingesetzt.

Wie funktioniert die Kryolipolyse?

Die Kryolipolyse basiert auf dem Prinzip, dass Fettzellen empfindlicher auf Kälte reagieren als andere Gewebearten wie Haut, Nerven und Muskeln.

  1. Applikation: Ein spezieller Applikator wird auf die zu behandelnde Körperstelle aufgesetzt.
  2. Kühlung: Der Applikator saugt das Fettgewebe durch einen Vakuumsog an und kühlt es auf Temperaturen zwischen 3 und -11 Grad Celsius herunter. Bei neueren Geräten wird das Fettgewebe in eine kleine Mulde gesaugt. Um Erfrierungen der Haut zu vermeiden, wird ein Kälteschutzmembran (meist ein Gel mit einem dünnen Tuch) zwischen Haut und Applikator aufgelegt.
  3. Apoptose: Durch die Kälteexposition wird in den Fettzellen eine Apoptose (programmierter Zelltod) ausgelöst.
  4. Abtransport: In den folgenden Wochen und Monaten werden die abgestorbenen Fettzellen vom Körper über das Lymphsystem abgebaut und ausgeschieden, ähnlich wie Nahrungsfette. Entzündungszellen bauen die betroffenen Fettzellen stufenweise ab. Lipide werden langsam aus den Fettzellen freigesetzt und vom Lymphsystem zur Verarbeitung abtransportiert.

Anwendungsbereiche der Kryolipolyse

Die Kryolipolyse kann an verschiedenen Körperstellen eingesetzt werden, um lokale Fettpolster zu reduzieren. Zu den häufigsten Anwendungsbereichen gehören:

  • Ober- und Unterbauch
  • Hüften (Lovehandles)
  • Rücken
  • Flanken (Engelsflügel)
  • Oberschenkel (Innen- und Außenseiten)
  • Oberarme (Winkeärmchen)
  • Männliche Brust (Pseudogynäkomastie)
  • Doppelkinn

Unterschiedlich große Vakuum-Applikatoren erlauben den Einsatz an verschiedenen Körperarealen. Bei Männern ist die Schmälerung der Männerbrust beliebt.

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Exkurs zur Männerbrust (Pseudogynäkomastie)

Die Pseudogynäkomastie beschreibt die Vergrößerung der männlichen Brust durch Einlagerung von Fettgewebe ("Fettbrust"). Typischerweise entsteht sie durch eine Gewichtszunahme oder bei Adipositas. Die Pseudogynäkomastie bedarf aus medizinischer Sicht keiner Behandlung, kann jedoch starke subjektive Beschwerden hervorrufen, das Selbstvertrauen stören und zur psychischen Belastung werden. Zur Behandlung des Fettgewebes im Bereich der männlichen Brust werden spezielle Behandlungsaufsätze eingesetzt. Voraussetzung für die Behandlung der männlichen Brust ist eine medizinische Diagnose, um eine „echte“ Gynäkomastie auszuschließen. Denn während bei der Pseudogynäkomastie Fettgewebe eingelagert wird, handelt es sich bei der Gynäkomastie um eine Brustvergrößerung durch vermehrtes Wachstum von Brustdrüsengewebe.

Ablauf einer Kryolipolyse-Behandlung

Eine typische Kryolipolyse-Behandlung umfasst die folgenden Schritte:

  1. Beratungsgespräch: Im Vorfeld findet ein ausführliches Beratungsgespräch statt, in dem die Erwartungen des Patienten, die geeigneten Behandlungsareale und mögliche Kontraindikationen besprochen werden. Im Anamnesegespräch wird auf alle Punkte eingegangen. Wichtig ist zu beachten, dass eine Diätempfehlung nicht dazu gehört.
  2. Eignungsfeststellung: Nach der Eignungsfeststellung im Arztgespräch und einer Aufklärung über Risiken, Möglichkeiten und Alternativen wird der Behandlungstermin vereinbart.
  3. Vorbereitung: Der Patient wird bequem auf einer Behandlungsliege positioniert. Das zu behandelnde Areal wird fotografiert und vermessen. Eine Woche vor der Kryolipolyse sollten keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden.
  4. Applikation: Eine gelartige Kälteschutzmembran wird auf die Hautzone aufgelegt, um diese vor Erfrierungen zu schützen. Der Applikator wird aufgesetzt und saugt das Gewebe an.
  5. Kühlung: Die Kühlung beginnt, oft begleitet von einer Art Vibrationsmassage, um das Gewebe an das Vakuum zu gewöhnen. Eine konstante Minus-Temperatur-Kühlung setzt ein, die auf dem Display live verfolgt werden kann; mit gleichbleibendem Vakuum. In den letzten Minuten wird nochmals eine Vakuum-Massagefunktion dazu geschaltet.
  6. Behandlungsdauer: Eine Einzelsitzung dauert in der Regel 60-70 Minuten bei einer Temperatur der Applikatoren von -8 Grad und einer Fettzelltemperatur von 3-4 Grad.
  7. Massage: Nach der Behandlung wird der Applikator entfernt und das gekühlte Hautareal ist zunächst steif und rot-blau verfärbt. Diese Wulst muss nach der Behandlung wieder einmassiert werden, bis die Durchblutung wieder einsetzt.
  8. Nachsorge: Unmittelbar nach der Sitzung ist die Hautzone leicht gerötet. Es können auch kleine Blutergüsse durch das Vakuum auftreten. Diese Rötung oder Blutergüsse verschwinden in der Regel nach wenigen Stunden oder Tagen, nur in seltenen Fällen hält ein Taubheitsgefühl mehrere Wochen an. Die durch die Kälte in Mitleidenschaft gezogenen Nervenzellen brauchen Zeit zum Regenerieren. Auch die Schwellung bleibt noch ein paar Tage zu sehen. In den folgenden Tagen und Wochen ist Geduld gefragt. In Folge der starken Unterkühlung entwickelt der Körper eine Pannikulitis, eine Entzündung des Unterhautfettgewebes. Das aktiviert die Immunabwehr des Körpers, Abwehrzellen transportieren die toten Fettzellen ab.

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

Folgendes ist nach der Behandlung für die Dauer von 3 Monaten zu beachten:

  • Keine Einnahme entzündungshemmender Medikamente (NSAR). Zu deren bekanntesten Vertreter gehören z.B. Kortison oder Ibuprofen.
  • (Maximaler) Alkoholverzicht, da die Fettzellen lymphatisch verstoffwechselt werden.
  • Mindestens 48 Stunden nach der Behandlung sollten Sie auf Sport und Sauna verzichten und danach sehr langsam wieder damit beginnen.
  • Für 14 Tage sollten Sie die behandelten Areale nicht direkter UV-Strahlung aussetzen, da es sonst zu Verfärbungen kommen kann.
  • Komme Sie gut gestärkt in die Praxis, damit Ihr Kreislauf stabil ist.

Ergebnisse der Kryolipolyse

Erste Ergebnisse sind in der Regel nach 4-6 Wochen sichtbar, das endgültige Ergebnis nach etwa 2-4 Monaten. Klinische Studien legen nahe, dass das Kälteverfahren bei fachgerechter Anwendung mit einem hochwertigen, namenhaften Markengerät innerhalb von drei Monaten nach der Behandlung zu einer deutlichen, messbaren Fettreduktion führen kann. Allgemein sagt man, dass in einer Kryolipolyse-Sitzung bis zu 30 Prozent der Fettzellen in dem behandelten Hautareal von der Kälte beeinflusst und durch Zelltod beseitigt werden. Um den Therapieerfolg zu maximieren, sollten 2-3 Einzelsitzungen durchgeführt werden. Die 2. Behandlung sollte nach ca. 6 Wochen stattfinden, wenn der Körper sich bereits durch die 1. Sitzung im Fettabbaumodus befindet. Die 2. Behandlung ist dann noch effektiver, da die Fresszellen, die das Fett aus den getöteten Fettzellen abtransportieren, schon nach der 1.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein Kryolipolyse-Ergebnis immer auch ein Stoffwechsel-Ergebnis ist. D.h., dass alles förderlich ist, was den Stoffwechsel anregt.

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Vorteile der Kryolipolyse

  • Nicht-invasiv: Keine Operation, keine Narben.
  • Schmerzarm: Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich. Die Kryolipolyse gilt als äußerst schmerzarmes Verfahren. Grundsätzlich ist das Schmerzempfinden jedes Einzelnen jedoch unterschiedlich, was eine genaue Prognose unmöglich macht. Während der ersten 10 bis 30 Minuten kommt es in der Regel nicht oder nur mäßig zu Schmerzen während des Herunterkühlens, da Ihre Nerven auf den Temperaturabfall reagieren. Sind Sie heruntergekühlt, empfinden Sie nichts, da die Nerven betäubt sind. Erst beim Ende der Behandlung, wenn die Applikationen entfernt werden und das Gewebe massiert wird, können stärkere Schmerzen auftreten. Rund einem Drittel der Patienten tut die Kryolipolyse nicht weh. Für ein weiteres Drittel sind die Schmerzen gut erträglich. Bei rund einem Drittel sind die Schmerzen, wenn die Durchblutung wieder einsetzt, stark.
  • Geringe Ausfallzeit: Patienten können in der Regel direkt nach der Behandlung ihren normalen Aktivitäten nachgehen. Sie können die Praxis verlassen und Ihrem Alltag ohne Einschränkungen nachgehen.
  • Dauerhafte Fettreduktion: Die zerstörten Fettzellen werden dauerhaft entfernt. Die durch die Kryolipolyse abgestorbenen Fettzellen werden vom Körper auf natürliche Weise abtransportiert und können an behandelten Bereichen nicht mehr nachwachsen. Die behandelten Fettzellen sind zerstört und kommen nicht wieder. Wenn Sie zunehmen, bilden sich Fettdepots an anderen Körperstellen.
  • Vielseitig: Geeignet für verschiedene Körperbereiche. Die Kryolipolyse ist für Problemzonen am ganzen Körper geeignet. Die Kryolipolyse lässt sich bei Fettansammlungen am ganzen Körper einsetzen.

Risiken und Nebenwirkungen der Kryolipolyse

Die Kryolipolyse gilt als risikoarmes Verfahren, insbesondere bei Verwendung hochwertiger Geräte und fachgerechter Anwendung. Dennoch können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten:

  • Rötungen, Schwellungen, Blutergüsse: Diese sind in der Regel vorübergehend und klingen innerhalb weniger Tage ab. Unmittelbar nach der Sitzung ist die Hautzone leicht gerötet. Es können auch kleine Blutergüsse durch das Vakuum auftreten. Diese Rötung oder Blutergüsse verschwinden in der Regel nach wenigen Stunden oder Tagen.
  • Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl im behandelten Bereich kann einige Wochen anhalten. Für rund vier Wochen besteht eine Gefühlsstörung im behandelten Bereich, wodurch sich das Gewebe taub anfühlt.
  • Schmerzen: Schmerzen während und nach der Behandlung sind möglich, aber meist mild.
  • Paradoxe Hyperplasie: In sehr seltenen Fällen (ca. 1 von 4.000 Behandlungen) kann es zu einer paradoxen Fettgewebsvermehrung kommen, bei der sich das Fettgewebe im behandelten Bereich vergrößert statt verkleinert. Dies tritt meist erst nach einigen Monaten auf. Bei der von uns verwendeten Technik kommt es laut einer Studie bei einem von 16.000 Fällen zu einer solchen, sehr seltenen Nebenwirkung. Weiterhin könne eine paradoxe Fettgewebsvermehrung als Nebenwirkung auftreten. Statt weniger wird das Fettgewebe in diesem Fall mehr - allerdings erst nach sechs bis acht Monaten. Studien zu langfristigen Effekten der Kryolipolyse liegen noch nicht vor.
  • Hängende Haut: Wenn die Kryolipolyse auf sehr weichem Gewebe wie einem Bauch nach mehreren Schwangerschaften durchgeführt wird, kann es zu hängender Haut kommen, da die Kryolipolyse keinerlei straffende Eigenschaften hat. Zudem können sich Dellen bilden.

Kontraindikationen

Es gibt bestimmte Personengruppen, für die eine Kryolipolyse-Behandlung nicht geeignet ist. Zu den Kontraindikationen gehören:

  • Unverträglichkeit von Kältetherapie (Kryotherapie)
  • Raynaud-Syndrom (Erblassen der Finger und Zehen aufgrund von Gefäßverengung)
  • Nesselausschlag aufgrund intensiver Kälteeinwirkung (Urtikaria)
  • Kryoglobulinämie (Gefäßentzündung)
  • Kälte-Hypoproteinämie (Verringerung der Eiweißkonzentration)
  • Funktionales Organversagen (schwere Lebererkrankung, Herzversagen, Nierenversagen etc.)
  • Schlecht eingestellter Diabetes (Zuckerkrankheit) mit sekundären Diabetes-Komplikationen
  • Fieber
  • Infektiöser Prozess
  • Chronisch-infektiöse Prozesse mit assoziierter Morbidität (HIV, HCV etc.)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Systemische Erkrankungen, bei denen die Haut betroffen ist: systemischer Lupus erythematodes, Dermatomyositis (Muskelentzündung mit Hautbeteiligung), Sklerodermie (Bindegewebsverhärtung)
  • Akute Hautverletzungen in dem zu behandelnden Bereich
  • Varikosis (Krampfadern), Phlebitis und Thrombophlebitis (Venenentzündungen)
  • Neoplasie (Gewebeneubildung)
  • Fettgewebserkrankungen und damit assoziierte Grunderkrankungen.
  • Blutgerinnungs- oder Durchblutungsstörungen
  • Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten

Worauf sollte man bei der Wahl eines Anbieters achten?

Bei der Wahl eines Anbieters für Kryolipolyse-Behandlungen sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Qualifikation des Personals: Die Behandlung sollte von qualifiziertem und geschultem Personal durchgeführt werden, idealerweise von Ärzten oder medizinisch ausgebildeten Fachkräften.
  • Hochwertige Geräte: Es sollten zertifizierte Medizingeräte verwendet werden, die den erforderlichen Sicherheitsstandards entsprechen.
  • Beratungsgespräch: Ein ausführliches Beratungsgespräch im Vorfeld ist wichtig, um die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen zu besprechen und mögliche Risiken abzuklären.
  • Hygienestandards: Auf eine saubere und hygienische Umgebung ist zu achten.
  • Transparente Preisgestaltung: Die Kosten für die Behandlung sollten transparent und nachvollziehbar sein.

Kryolipolyse vs. andere Methoden zur Fettreduktion

Die Kryolipolyse ist nur eine von vielen Methoden zur Fettreduktion. Im Vergleich zu anderen Verfahren wie Fettabsaugung (Liposuktion) oder invasiven Methoden bietet sie einige Vorteile, aber auch Nachteile:

MethodeVorteileNachteile
KryolipolyseNicht-invasiv, schmerzarm, geringe Ausfallzeit, dauerhafte FettreduktionErgebnisse weniger ausgeprägt als bei Fettabsaugung, mehrere Sitzungen notwendig, Risiko paradoxer Hyperplasie
FettabsaugungDeutliche Fettreduktion in einer Sitzung, präzise Formung möglichInvasiver Eingriff, Narkose erforderlich, längere Ausfallzeit, Risiken wie Blutungen, Infektionen, Narbenbildung
FettwegspritzeGeeignet für kleinere Fettansammlungen, minimalinvasiv, ambulant durchführbarMehrere Behandlungen notwendig, Ergebnis weniger ausgeprägt als bei Kryolipolyse oder Fettabsaugung, Schwellungen, Rötungen, Blutergüsse möglich
Radiofrequenz/UltraschallNicht-invasivErgebnisse können variieren, mehrere Sitzungen notwendig, Risiko von Verbrennungen oder Hautreizungen

Verglichen mit einer Fettabsaugung ist die Kältemethode allerdings weniger effizient. Während Ärzte und Ärztinnen bei einer Liposuktion bis zu 75 Prozent des Fetts entfernen, sind bei der Kryolipolyse eher 25 Prozent die Regel.

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Kosten einer Kryolipolyse-Behandlung

Die Kosten für eine Kryolipolyse-Behandlung variieren je nach Anbieter, Region und Anzahl der zu behandelnden Areale. Eine Sitzung kostet in der Regel zwischen 250 und 600 Euro. Oft sind mehrere Sitzungen notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

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