Das Kantonsspital Aarau (KSA) hat sich als ein führendes Zentrum für neurologische Behandlungen etabliert. Mit einem breiten Spektrum an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bietet die Abteilung Neurologie eine umfassende Versorgung für Patienten mit unterschiedlichsten neurologischen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die Schwerpunkte und Innovationen der neurologischen Abteilung am KSA Aarau.
Beförderung von Dr. med. Tobias Piroth zum Oberarzt mbF
Ein wichtiger Schritt zur Stärkung der neurologischen Abteilung war die Beförderung von Dr. med. Tobias Piroth zum Oberarzt mbF (mit besonderer Funktion) am 1. August 2023. Dr. Piroth studierte Humanmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und begann seine Karriere als Assistenzarzt in der Abteilung Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am Uniklinikum Freiburg im Breisgau. Seine neurologische Facharztausbildung absolvierte er ebenfalls als Assistenzarzt in der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie der Uniklinik Freiburg im Breisgau. Während seiner Weiterbildung verbrachte er ein Jahr in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Bereits während seiner Promotion beschäftigte er sich intensiv mit der Parkinson-Erkrankung. In seiner Tätigkeit am Uniklinikum Freiburg spezialisierte sich Dr. Piroth auf die Diagnose und Behandlung neurodegenerativer Bewegungsstörungen, darunter viele seltene Krankheiten. Besonderes Augenmerk legte er auf die Versorgung von Patienten mit komplexen Bewegungsstörungen mittels Tiefer Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen. Seit August 2019 ist Dr. Piroth als Oberarzt Neurologie am KSA Aarau tätig. Einer seiner Schwerpunkte dort ist die Leitung und Weiterentwicklung der Sprechstunde für Bewegungsstörungen und Kognition. Darüber hinaus ist er oberärztlicher Leiter der Memory Clinic Sprechstunde. Gemeinsam mit dem interdisziplinären Team der Station 142 in Zofingen hat er ein stationäres Behandlungsprogramm für Patienten mit Parkinson und anderen neurologischen Bewegungsstörungen aufgebaut. In Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Basel hat er die Tiefe Hirnstimulation am KSA erweitert.
Schwerpunkte von Dr. Piroth am KSA Aarau
Dr. Piroths Expertise umfasst insbesondere:
- Leitung und Weiterentwicklung der Sprechstunde für Bewegungsstörungen und Kognition: Hier werden Patienten mit Erkrankungen wie Parkinson und anderen Bewegungsstörungen sowie kognitiven Beeinträchtigungen umfassend betreut.
- Oberärztliche Leitung der Memory Clinic Sprechstunde: Diese Sprechstunde widmet sich der Diagnose und Behandlung von Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen.
- Aufbau eines stationären Behandlungsprogramms für Parkinson und andere neurologische Bewegungsstörungen: In Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Team der Station 142 in Zofingen wurde ein spezialisiertes Programm entwickelt.
- Erweiterung der Tiefen Hirnstimulation am KSA: In Kooperation mit dem Universitätsspital Basel wird diese innovative Behandlungsmethode weiter ausgebaut.
Innovative Behandlungsmethoden in der Neurologie
Die Neurologie am KSA Aarau setzt auf innovative Behandlungsmethoden, um die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören unter anderem:
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert werden, um neurologische oder psychiatrische Erkrankungen zu behandeln. Sie wird häufig bei Parkinson-Patienten eingesetzt, um Symptome wie Tremor, Rigor und Akinese zu lindern. Durch die Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Basel konnte das KSA Aarau dieses Verfahren weiter ausbauen und somit noch mehr Patienten zugänglich machen.
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Medikamentenpumpen
Medikamentenpumpen ermöglichen eine kontinuierliche und präzise Verabreichung von Medikamenten, was besonders bei komplexen Bewegungsstörungen von Vorteil ist. Sie können beispielsweise bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden, um den Wirkstoff Levodopa kontinuierlich zu verabreichen und somit Schwankungen in der Symptomkontrolle zu reduzieren.
Neurophysiologische Diagnostik
Das KSA Aarau verfügt über ein hochmodernes neurophysiologisches Labor, in dem verschiedene Untersuchungen zur Diagnose neurologischer Erkrankungen durchgeführt werden. Dazu gehören:
- Elektroenzephalographie (EEG): Zur Messung der Hirnaktivität, insbesondere bei Epilepsie und anderen neurologischen Störungen.
- Langzeit-EEG und Telemetrie: Zur kontinuierlichen Überwachung der Hirnaktivität über längere Zeiträume.
- Evozierte Potenziale: Zur Messung der Reaktion des Nervensystems auf bestimmte Reize, beispielsweise bei Multipler Sklerose oder Rückenmarkerkrankungen.
Neurophysiologische Diagnostik: Veränderungen und Anforderungen
Die Aufgaben der Fachperson für neurophysiologische Diagnostik (FND) haben sich in den letzten Jahren verändert. Dies geht zum einen mit den erweiterten Diagnostikmöglichkeiten und zum anderen mit dem gestiegenen Versorgungsbedarf von Menschen mit neurologisch relevanten Gesundheitsproblemen einher. Die Arbeit der FND setzt in den verschiedenen Einsatzorten jedoch unterschiedliche Kompetenzlevels voraus. Daraus erwachsen verschiedene Konsequenzen für die Ausbildung und den Praxiseinsatz von FND.
Berufsbegleitende Ausbildung zur FND am KSA Aarau
Das Kantonsspital Aarau bietet eine herausragende Arbeitsumgebung für Fachkräfte in der neurophysiologischen Diagnostik. Mit einem starken Fokus auf Weiterbildung und persönlicher Entwicklung, unterstützt das KSA seine Mitarbeiter bei der Absolvierung von berufsbegleitenden Ausbildungen und fördert eine Kultur der Zusammenarbeit und Innovation. Zudem profitieren Sie von flexiblen Arbeitszeitmodellen und einem engagierten Team, das sich für exzellente Patientenversorgung einsetzt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Spezialsprechstunden
Die neurologische Abteilung am KSA Aarau legt großen Wert auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, um eine umfassende Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören unter anderem die Neurochirurgie, die Psychiatrie, die Radiologie und die Rehabilitation.
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Sprechstunde für Bewegungsstörungen und Kognition
Unter der Leitung von Dr. Piroth bietet das KSA Aarau eine spezialisierte Sprechstunde für Patienten mit Bewegungsstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen an. Hier werden Patienten mit Erkrankungen wie Parkinson, Chorea Huntington, Dystonie und anderen seltenen Bewegungsstörungen umfassend diagnostiziert und behandelt.
Memory Clinic Sprechstunde
Die Memory Clinic Sprechstunde ist ein weiteres wichtiges Angebot der neurologischen Abteilung. Hier werden Patienten mit Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen untersucht und behandelt. Ziel ist es, die Ursache der Gedächtnisstörung zu identifizieren und eine individuelle Therapie zu entwickeln, um die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu verbessern.
Hyperthermie in Kombination mit Strahlentherapie
Ein weiterer innovativer Ansatz in der Krebsbehandlung, der auch für neurologische Fragestellungen relevant sein kann, ist die Hyperthermie in Kombination mit Strahlentherapie. Bei bestimmten Krebsformen, so auch bei lokalisierten Brustkrebs-Rückfällen, ermöglicht ein altes, aber neu entdecktes bzw. heute wissenschaftlich belegbares Verfahren eine deutliche Verbesserung der Therapieeffektivität: Hyperthermie (Wärmebehandlung) macht die Krebszellen empfindlicher für die Strahlentherapie und erhöht so deren Wirksamkeit.
Biologisch-physiologischer Effekt der Hyperthermie
Der biologisch-physiologische Effekt der Hyperthermie besteht darin [2, 3], dass sie Tumorzellen empfindlicher macht hinsichtlich der eigentlichen Krebsbehandlung - sowohl Bestrahlung als auch Medikamenten. Der Sensibilisierung der Tumorzellen durch Hyperthermie liegen verschiedene Mechanismen zugrunde: Zum einen werden zelluläre Reparatursysteme gehemmt, zum anderen bilden Tumorzellen verstärkt sogenannte Hitzeschockproteine, die wiederum ein Signal für das körpereigene Immunsystem („natürliche Killerzellen“) darstellen, die nun geschwächten Krebszellen zu zerstören. Als drittes bewirkt Hyperthermie eine Zunahme der Durchblutung im überwärmten Tumorbereich, wodurch zum einen mehr Immunzellen oder auch Chemotherapeutika in den Tumor gelangen und zum anderen die Sauerstoffversorgung der Krebszellen verbessert wird.
Durchführung der Hyperthermie
Die praktische Durchführung einer Hyperthermie ist zeitintensiv (mit Vorbereitungszeit ca. 1,5 Stunden 1-2mal wöchentlich über 3-6 Wochen) und muss in räumlicher Nähe der Strahlentherapie-Einrichtung stattfinden, damit die Thermo- und Radiotherapie ohne unnötigen Zeitabstand erfolgen können. Der nach einer vorherigen CT-gestützten 3D-Planung definierte Tumorbereich wird für eine Stunde durch elektromagnetische Wellen (über ein mit Wasser gefülltes Silikonkissen) kontrolliert auf eine Temperatur von 41,5 bis 43°C erwärmt.
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