Kümmel, ein Gewürz mit langer Tradition, wird nicht nur in der Küche, sondern auch in der Naturheilkunde geschätzt. Studien deuten darauf hin, dass Kümmel beruhigende Eigenschaften besitzt und bei verschiedenen Beschwerden Linderung verschaffen kann. Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse und traditionellen Anwendungen von Kümmel im Zusammenhang mit Nerven und Gesundheit.
Gewürze: Eine Prise Heilkraft für das Wohlbefinden
Gewürze sind mehr als nur Geschmacksverstärker. Sie verleihen Speisen nicht nur ein unverwechselbares Aroma, sondern können auch einen positiven Beitrag zur Gesundheit leisten. Zimt, Kurkuma, Anis, Fenchel, Kümmel und Ingwer sind nur einige Beispiele für Gewürze, die seit Jahrhunderten für ihre heilenden Eigenschaften bekannt sind.
Anis, Fenchel und Kümmel: Ein Trio für Magen und Darm
Anis, Fenchel und Kümmel sind drei Klassiker, die traditionell bei Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt werden. Anis wirkt schleimlösend und kann bei Erkältungen helfen, während Fenchel harntreibend und antibakteriell wirkt und bei Hustenbeschwerden eine gute Wahl ist. Kümmel ist besonders für seine verdauungsfördernde Wirkung bekannt. In Kombination als Tee entfalten diese drei Pflanzen ihre positiven Eigenschaften und sorgen für Entspannung und Wohlgefühl, insbesondere bei Krämpfen und Blähungen.
Kümmel: Ein altes Gewürz mit vielfältigen Wirkungen
Kümmel zählt zu den ältesten Gewürzen der Welt. Archäologen fanden Spuren davon in jungsteinzeitlichen Siedlungen. Vermutlich wusste man damals schon um die verdauungsfördernde Wirkung seiner würzig-aromatischen Früchte, die das ätherische Öl Carvol in sich tragen. Der deutsche Name Kümmel ist abgeleitet von dem lateinischen Wort cuminum. Die Römer bezeichneten damit den im Mittelmeerraum verbreiteten Kreuzkümmel (Cuminum cyminum). Der Name wurde schließlich auch für den in Deutschland heimischen Kümmel, auch Wiesenkümmel genannt, verwendet. Der Gattungsname Carum geht auf das Griechische karon zurück, was ebenfalls ursprünglich den Kreuzkümmel bezeichnete. Der Kümmel gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). In Europa wie auch im asiatischen Raum weit verbreitet, zählt er in Deutschland zu den häufig vorkommenden Wildpflanzen. Gerne wächst er auf Wiesen, Weiden oder auch an Wegrändern. Seiner spindelförmigen Pfahlwurzel entspringt ein 30-100 cm langer, aufrechter und verästelter, kantiger Stängel. Die Blüten haben 8-16 Doldenstrahlen mit weißlich bis rötlich gefärbten Einzelblüten. Die Früchte werden geerntet, sobald sie beginnen braun zu werden, etwa im Zeitraum Juli bis September.
Traditionelle und historische Anwendungen des Kümmels
Der Einsatz des Kümmels bei Verdauungsbeschwerden ist erst seit dem Mittelalter belegt. Er scheint damals als Gewürz zum Kochen, Backen, zur Herstellung von Arzneimitteln oder Likören weit verbreitet gewesen zu sein. Der Kümmel wurde den mittelalterlichen Quellen zufolge innerlich gegen alle möglichen Verdauungsbeschwerden eingesetzt: Blähungen, Meteorismus und Übelkeit, sowie zur Verdauungsförderung und Stärkung der Verdauungsorgane; äußerlich außerdem als mit dem Kümmelaufguss getränkte Auflage. Seine krampflösende Wirkung sowie die Anregung der Milchsekretion belegen auch seine breite Verwendung in der Frauenheilkunde. Zudem ist ein früherer Einsatz als Diuretikum, bei Atemwegserkrankungen und Hautleiden belegt. Bis heute werden der Kümmel und Kreuzkümmel in verschiedenen Kulturen bei zahlreichen unterschiedlichen Indikationen eingesetzt.
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Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Kümmel
Es gibt zahlreiche Studien, die sich im Wesentlichen auf den Einfluss des Kümmels auf den Verdauungstrakt konzentrieren. Am besten erforscht ist seine Anwendung bei funktioneller Dyspepsie, auch Reizmagen genannt. Unter diesem Begriff ist ein großes Spektrum an Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit nach dem Essen, Schmerzen im Oberbauch, Aufstoßen oder Blähungen zusammengefasst. Die funktionelle Dyspepsie ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, das heißt die Beschwerden sind nicht auf organische Funktionsstörungen oder Schäden zurückzuführen. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass der Einsatz des Kümmelöls bei Reizmagen dosisabhängig zu einer Hemmung der glatten Muskulatur in Speiseröhre, Magen, Gallenblase und Dünndarm führt. Im weiteren Sinne kann der Kümmel bei Beschwerdebildern eingesetzt werden, die Symptome funktioneller Herzbeschwerden verursachen. Beim sogenannten Roemheld-Syndrom treten unterschiedlich stark ausgeprägte Herzbeschwerden bis hin zu Angina pectoris-Symptomen auf. Ursache ist ein übermäßig geblähter Darm, der das Zwerchfell nach oben drückt, welches dann wiederum Druck auf das Herz ausübt. Die therapeutische Wirkung des Kümmels auf den Verdauungstrakt reicht jedoch weit über funktionelle Störungen hinaus. Auch zahlreiche pathogene Darmbakterien inklusive Helicobacter pylori konnten Studien zufolge durch Kümmelöl reduziert werden, ohne dass der physiologische Anteil der Darmflora dadurch beeinträchtigt wurde. Das in vitro nachgewiesene Potenzial des Kümmels gegen Magengeschwüre wird vor allem dem hohen Gehalt an Flavonoiden mit ihrer antioxidativen Tendenz zugeschrieben. Ferner werden antidiabetische, harntreibende, immunmodulierende, schmerzstillende und antiosteoporotische Wirkungen untersucht. Offenbar unterstützt Kümmel zudem die Aufnahme anderer Arzneistoffe im Körper. Im Zusammenhang mit leberschützenden Aspekten des Kümmels werden auch der Einsatz gegen Übergewicht, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen untersucht. Außerdem konnten antimikrobielle und entzündungshemmende Effekte belegt werden. Andere Studien beschäftigen sich mit Einsatzmöglichkeiten in der Onkologie: Die Ausprägung und Folgen von Dickdarmkrebs bei Ratten konnten durch Gabe von Kümmel gelindert werden, was auch auf die antioxidativen Wirkungen zurückgeführt wurde.
Inhaltsstoffe und anerkannte medizinische Anwendungen
Kümmel enthält ätherisches Öl (davon 45-65% D-Carvon für das typische Kümmel-Aroma), fettes Öl, Proteine, Kohlenhydrate und Flavonoide. Die Kommission E empfiehlt Kümmel und Kümmelöl bei dyspeptischen Beschwerden wie leichten, krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Verwendet werden die reifen Kümmelfrüchte (Carvi fructus) oder das ätherische Kümmelöl (Carvi aetheroleum). Aufgrund langjähriger Anwendung wird auch die äußere Anwendung von Kümmelöl im Bauchbereich in Zubereitungen wie Salben positiv erwähnt.
Anwendung von Kümmel im Alltag
Kümmel kann als Tee, ätherisches Öl, in alkoholischen Auszügen oder weiteren Extrakten verwendet werden. Für einen Kümmel-Tee übergießt man 1-5 g getrocknete Kümmelfrüchte mit kochendem Wasser, lässt den Tee 15 Minuten zugedeckt ziehen und seiht ihn anschließend ab. Kümmelfrüchte sollten vor dem Auszug im Mörser angestoßen oder pulverisiert werden, um die Wirksamkeit zu verbessern. Ätherisches Öl kann mit maximal 3-5 Tropfen täglich eingenommen werden, etwa auf einem Stück Zucker oder in Wasser. Für die äußerliche Anwendung mischt man 10% Kümmelöl in einem fetten Öl wie Olivenöl. Neben der bekannten Verwendung als Gewürz, etwa in Kartoffel- oder Kohlgerichten, kommt der Kümmel therapeutisch auch als klassische Kombination in der sogenannten 4-Winde-Mischung zum Einsatz.
Die 4-Winde-Mischung
Die 4-Winde-Mischung besteht zu gleichen Teilen aus Fenchelfrüchten, Anisfrüchten, Kümmelfrüchten (alternativ Kreuzkümmel) und Korianderfrüchten. Diese vier Doldenblütler bilden bei einfachen Verdauungsproblemen ein starkes Team. Fenchel wirkt beruhigend und entspannend, Anis hat antimikrobielle Eigenschaften, Kümmel wirkt stark blähungswidrig und krampflösend, und Koriander wirkt entgiftend und schmerzstillend. Für einen 4-Winde-Tee mörsert man 1 gestrichenen TL der Mischung pro Tasse, übergießt ihn mit 250 ml siedendem Wasser und lässt ihn 15 Minuten zugedeckt ziehen. Der Tee wird heiß getrunken. Dreimal täglich eine Tasse trinken, solange die Beschwerden anhalten. Für ein 4-Winde-Öl mörsert man 4 EL der Mischung, legt sie für 4 Wochen in 200 ml Oliven- oder Sonnenblumenöl ein und seiht sie dann ab. Das Öl kann mehrmals täglich im Bauchbereich einmassiert werden, insgesamt kann dafür bis zu 1 EL des Öls verwendet werden. Nicht länger als 1-2 Wochen anwenden. Das Öl ist auch ein Klassiker für die äußerliche Behandlung von Dreimonatskoliken bei Säuglingen. Es wird vorsichtig in den Bauch einmassiert.
Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung von Kümmel
Bei bekannten Allergien gegen Doldenblütler sollten Kümmel und Kümmelzubereitungen gemieden werden. Bei Leber- oder Gallenbeschwerden dürfen Kümmel und Kümmelzubereitungen ebenfalls nicht angewendet werden. Die langfristige Anwendung von Kümmelöl kann im schlimmsten Fall zu Leber- oder Nierenschäden führen. Daher sollte es nur nach Rücksprache mit einem Arzt bzw. Heilpraktiker angewendet werden. Da für die Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren keine Untersuchungen vorliegen, sollten Kümmel und Kümmelzubereitungen in diesen Fällen nicht eingesetzt werden. Kümmelöl sollte unter 18 Jahren nicht eingenommen werden. Zu Wechselwirkungen gibt es keine Erkenntnisse.
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Stress und Magenschmerzen: Ein Teufelskreis
Stress kann sich negativ auf den Magen-Darm-Trakt auswirken und zu Magenschmerzen, Übelkeit oder Durchfall führen. Der Verdauungstrakt ist eng mit dem Gehirn und den körpereigenen Hormonsystemen verbunden, sodass Stressreaktionen auch im Magen ausgelöst werden können. Dies betrifft die Muskelarbeit des Magens (Motilität) ebenso wie die Absonderung von Verdauungssäften und die Empfindlichkeit. Alltagsstress kann Magenschmerzen ohne erkennbare Schädigung auslösen; die Ursachen der Beschwerden sind hier vielmehr harmlose, aber lästige Funktionsstörungen wie Verkrampfungen der Muskulatur. Nicht-organische Magenschmerzen infolge von Alltagsstress können durch ein gezieltes Stressmanagement verhindert oder zumindest abgemildert werden. Das bedeutet, dass Stresssituationen möglichst von vornherein vermieden werden sollten. Dies betrifft ganz banale Faktoren des Lebensstils, wie ausreichend Schlaf, Verzicht auf Rauchen, nur mäßig Alkohol, rechtzeitiges Aufstehen und Sich-auf-den-Arbeitsweg-machen, regelmäßige und ausreichende Mahlzeiten ohne Hetze und Einteilen der Arbeitsbelastung in einer Weise, die aus dem lästigen „negativen“ Distress einen positiven Eustress macht. Darüber hinaus ist es für viele Betroffene sehr lohnend, sich mit Entspannungsverfahren, Stressmanagement-Programmen und ähnlichen Möglichkeiten zu beschäftigen, die nach anfänglicher Anleitung dann eigenständig durchgeführt werden können und die oft sehr erfolgreich sind.
Was tun bei akuten Magenschmerzen durch Stress?
In der Akutsituation sind meist Entspannung und ein geruhsam genossener warmer Tee, unterstützt durch feucht-warme Kompressen oder eine Wärmflasche auf dem Oberbauch hilfreich. Im Anschluss hilft bei vielen Patienten dann auch ein gemächlicher Spaziergang für 15-30 Minuten, der die Situation meist stabilisiert. Treten die Beschwerden vor allem bei leerem Magen auf, wirkt oft eine leichte und „kleine“ Mahlzeit lindernd. Umgekehrt sollte bei Beschwerdezunahme nach dem Essen am besten eine längere Essenspause eingelegt werden, in der lediglich warme, nicht-reizende Getränke wie Magentee zugeführt werden. Generell empfehlenswert sind eine leichte Kost, kleine Mahlzeiten, gutes Kauen, ausreichend Zeit für die Mahlzeiten und das Meiden extremer Temperaturen (zu kalt oder zu heiß) sowie Verzicht auf Kohlensäure, Alkohol und starken Kaffee.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Alle chronischen Magenbeschwerden, egal, in welchem Alter sie auftreten, sind spätestens nach einigen Wochen ein Grund, den Magen einmal medizinisch zu untersuchen. Dies erfolgt typischerweise durch eine Magenspiegelung, die heutzutage ambulant und tatsächlich „stressfrei“ durchgeführt werden kann. Nur hierdurch gewinnt der Betroffene ebenso wie der Arzt Sicherheit und ist eben nicht nur auf eine Vermutung angewiesen. Er erfährt so womöglich, dass es sich wirklich um nicht-organische Stressbeschwerden und nicht etwa um eine ernsthafte Magenerkrankung handelt, wie zum Beispiel ein Magengeschwür oder gar einen Tumor.
Heilpflanzen für Nerven und Schlaf
Nervöse Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen gehen oft Hand in Hand. Heilpflanzen können Betroffenen wieder zu mehr Ausgeglichenheit und Ruhe verhelfen. Dafür eignen sich zum Beispiel Melisse, Baldrian, Hopfen und Johanniskraut. Die Heilpflanzen werden innerlich etwa in Form von Tee oder Kapseln angewendet oder äußerlich zum Beispiel für ein Vollbad. Ein gesunder Schlaf ist sehr wichtig für Körper, Geist und Seele: Er ermöglicht zum Beispiel volle Leistungsfähigkeit im Wachzustand, hilft beim Erlernen und Verarbeiten von Erlebnissen des vorangegangenen Tages (über die Träume) und ist auch für die Bildung von Antikörpern wichtig. Wer zu wenig schläft, wird etwa schnell reizbar und nervös. Umgekehrt kann Nervosität (zum Beispiel bei Stress) auch der Auslöser von Schlafstörungen sein. So können etwa Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume nervöse Unruhe und Ein- und Durchschlafprobleme lindern.
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