Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan bietet eine Vielzahl von Übungsreihen, die gezielt für bestimmte Lebensthemen eingesetzt werden können. Diese Praxis, die auf der Erweckung der Kundalini-Energie basiert, kann helfen, das Nervensystem zu stärken, die Willenskraft zu fördern und einen positiven Neustart im Leben zu ermöglichen.
Einführung in Kundalini Yoga und seine Prinzipien
Kundalini Yoga, auch bekannt als "Yoga des Bewusstseins", ist eine tiefgründige und transformierende Praxis, die darauf abzielt, die schlummernde Kundalini-Energie in uns zu erwecken. Kundalini, oft als eine schlafende Energie an der Basis der Wirbelsäule beschrieben, ist eine kraftvolle Kraft, die, wenn sie geweckt wird, eine tiefgreifende spirituelle Erleuchtung hervorrufen kann. Kundalini Yoga umfasst körperliche und geistige Übungen, Pranayama (Atemübungen), Meditation und das Singen von Mantras, um die Energiezentren des Körpers, die sogenannten Chakren, aktivieren zu können.
Die Wurzeln des Kundalini Yoga reichen zurück zu alten yogischen Schriften und Traditionen. Der Begriff "Kundalini" stammt aus dem Sanskrit und kann als "die Aufgerollte" übersetzt werden. Die frühesten Hinweise auf Kundalini finden sich in den Upanishaden, alten indischen Texten, die zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr. entstanden sind. Diese Texte sind Teil der Veden, der ältesten Schriften des Hinduismus. Kundalini Yoga ist tief in der tantrischen Tradition verwurzelt, die eine Reihe von spirituellen Praktiken und Ritualen umfasst. Tantra befasst sich mit der Erweiterung des Bewusstseins und dem Erreichen spiritueller Erleuchtung durch verschiedene Techniken, die die Aktivierung der "Kundalini-Energie" einschließt. In der yogischen Philosophie wird die Kundalini-Energie als die primäre Lebenskraft oder Shakti angesehen, die, einmal erweckt, durch die sieben Chakren (Energiezentren entlang der Wirbelsäule) aufsteigen kann, was zu höheren Bewusstseinszuständen führen kann.
In der modernen Welt wird Kundalini Yoga oft als eine Praxis angesehen, die sowohl körperliche als auch geistige Gesundheit fördern kann. Die Praxis umfasst Asanas (Yoga-Körperhaltungen), Pranayama (Atemtechniken), Meditation und das Singen von Mantras. Heutige Kundalini Yoga Kurse konzentrieren sich auf das mögliche Erreichen eines Gleichgewichts zwischen Körper und Geist, die mögliche Stärkung des Nervensystems, die Erhöhung der Bewusstheit und die Förderung der spirituellen Entwicklung. Obwohl Kundalini Yoga auch eine körperliche Perspektive hat, liegt der Schwerpunkt immer noch auf der spirituellen Erweckung. Die Praxis wird oft als Weg zur Erleuchtung und zur Verwirklichung des wahren Selbst angesehen.
Da die Erweckung der sog. "Kundalini-Energie" intensiv erlebt werden kann und transformativ sein kann, wird empfohlen, diese Praxis unter der Anleitung eines erfahrenen Lehrers zu beginnen. Kundalini Yoga wird oft mit anderen Yoga-Formen und Meditationspraktiken kombiniert, um ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen. Es bietet einen möglichen Weg, tiefe innere Veränderungen zu erleben und ggf. Wertvolle Aspekte für Körper und Geist zu entwickeln. Kundalini Yoga zielt darauf ab, die sog. Kundalini-Energie zu wecken, eine ruhende Kraft an der Basis der Wirbelsäule.
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Unterschiede zu anderen Yoga-Arten
Während viele Yoga Arten hauptsächlich auf physischen Asanas basieren, legt Kundalini Yoga großen Wert auf das Wecken und Lenken der inneren Energie durch Atemübungen, Mantras, Mudras und Meditation. Kundalini Yoga beinhaltet oft dynamische und manchmal auch intensive Körperübungen, die sich von den langsameren, statischeren Haltungen in anderen Yoga-Stilen unterscheiden. Der Gebrauch von Mantras und Klang ist ein zentrales Element in Kundalini Yoga, um den Geist zu fokussieren und die spirituelle Energie zu steigern. Kundalini Yoga betrachtet die Praxis als ganzheitlichen Prozess, der körperliche wie auch mentale und spirituelle Aspekte integriert, um somit eine umfassende mögliche Transformation zu erreichen. Kundalini Yoga wird oft als tiefer und spiritueller angesehen im Vergleich zu einigen anderen Formen des Yoga, die sich vor allem stärker auf die körperliche Fitness und Flexibilität konzentrieren.
Insgesamt bietet Kundalini Yoga eine einzigartige Kombination aus körperlicher Aktivität, Atemtechniken und meditativen Praktiken, die darauf abzielen, das Bewusstsein zu erweitern und eine tiefe innere Transformation zu ermöglichen.
Was Sie für Kundalini Yoga benötigen:
- Bequeme Kleidung: Tragen Sie möglichst lockere, bequeme Kleidung, die Bewegungsfreiheit erlaubt.
- Yogamatte: Eine Yogamatte sorgt für Komfort, Wärme und Rutschfestigkeit während der Übungen.
- Meditationskissen oder -decke: Ein Kissen oder eine gefaltete Decke kann helfen, während der Meditation bequem zu sitzen.
- Ruhiger Raum: Wählen Sie einen ruhigen, ungestörten Platz für Ihre Praxis.
- Wasserflasche: Halten Sie Wasser bereit, um hydratisiert zu bleiben.
Anleitung zur Ausführung von Kundalini Yoga:
- Einstimmung: Beginnen Sie Ihre Kundalini Yoga Praxis mit dem Chanten des Adi Mantras „Ong Namo Guru Dev Namo“ dreimal. Dieses Mantra bedeutet „Ich verneige mich vor der göttlichen Weisheit, ich verneige mich vor der göttlichen Lehrkraft in mir“ und hilft, sich auf die Praxis einzustimmen.
- Aufwärmübungen: Starten Sie am besten mit leichten Aufwärm-Übungen, um den Körper zu lockern und auf die Praxis vorzubereiten. Dies kann einfaches Strecken, sanfte Wirbelsäulenflexionen oder leichte Körperbewegungen umfassen.
- Kriyas: Kriyas sind spezifische Übungsreihen in Kundalini Yoga, die Körperhaltungen (Asanas), Atemtechniken (Pranayama), Mantras und Meditation miteinander kombinieren. Jedes Kriya hat einen bestimmten Fokus und Zweck, wie z.B. das Stärken des Nervensystems oder das Öffnen der Herzchakren.
- Entspannung: Nach den Kriyas ist es wichtig, eine Entspannungsphase einzulegen, um dem Körper zu erlauben, die Energie zu integrieren und sich zu regenerieren. Dies kann eine Rückenlage (Savasana) mit tiefer Atmung für einige Minuten sein.
- Meditation: Kundalini Yoga schließt oft mit einer Meditation ab, die helfen kann, den Geist zu beruhigen, das Bewusstsein zu erweitern und innere Ruhe zu fördern.
Worauf Sie achten sollten beim Kundalini Yoga:
- Körperliche Grenzen respektieren: Hören Sie auf Ihren Körper und überschreiten Sie nicht Ihre Grenzen.
- Regelmäßige Praxis: Kundalini Yoga ist am wirksamsten, wenn es regelmäßig praktiziert wird.
- Lehrer finden: Für Anfänger ist es ratsam, mit einem erfahrenen Lehrer zu beginnen, um korrekte Anleitungen und Unterstützung zu bekommen.
- Achtsamkeit: Seien Sie während der Übungen achtsam und konzentriert.
- Persönliche Reaktionen beachten: Kundalini Yoga kann starke emotionale und energetische Reaktionen hervorrufen. Seien Sie darauf vorbereitet, diese Erfahrungen bewusst und sanft zu verarbeiten.
Kundalini Yoga bietet eine reiche und tiefgehende Erfahrung für alle, die sowohl ihre körperliche Fitness als auch ihre spirituelle Entwicklung erweitern möchten.
Kriya für den Neustart: Eine bauchkräftigende Sequenz
Die folgende Kriya, entworfen von den Kundalini-Lehrern Kia Miller und Tommy Rosen, ist eine kraftvolle Sequenz, um Willenskraft und Energie zu fördern. Sie hilft, ungute Angewohnheiten aus eigener Kraft zu überwinden und einen Neustart zu wagen.
Wichtiger Hinweis: Hören Sie auf Ihren Körper und passen Sie die Übungen an Ihre individuellen Bedürfnisse an. Bei gesundheitlichen Bedenken konsultieren Sie vorab einen Arzt oder qualifizierten Yoga-Lehrer.
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1. Wechselseitiges Beinheben in Rückenlage
- Ausführung: Legen Sie sich auf den Rücken. Um den unteren Rücken zu schützen, legen Sie beide Hände unter das Becken. Alternativ bleiben die Arme dicht neben dem Körper. Atmen Sie ein, ziehen Sie den unteren Bauch nach innen und heben Sie das linke Bein senkrecht nach oben, wobei die Zehen zur Decke zeigen. Atmen Sie aus und senken Sie das Bein langsam wieder ab. Wechseln Sie mit jedem Atemzug zwischen rechtem und linkem Bein.
- Dauer: Steigern Sie sich allmählich auf bis zu 3 Minuten.
- Wirkung: Diese Übung entfacht die Energie am Nabel-Chakra.
2. Knie-Ellenbogen-Wechsel in Rückenlage
- Ausführung: Bleiben Sie auf dem Rücken liegen, die Arme längs des Körpers. Atmen Sie ein, ziehen Sie gleichzeitig das linke Knie zur Brust und führen Sie den rechten Arm hinter den Kopf. Atmen Sie aus und legen Sie Bein und Arm wieder gestreckt ab.
- Dauer: Wechseln Sie mit jedem langsamen, tiefen Atemzug die Seite und steigern Sie sich allmählich auf bis zu 3 Minuten.
3. Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana)
- Ausführung: Stellen Sie sich auf Hände und Füße. Die Daumen berühren sich, und die Hände sind leicht nach außen gedreht (bei Schulterverletzungen üben Sie die klassische Form mit schulterbreit voneinander entfernten Händen). Die Füße stehen in einem hüftbreiten Abstand. Aktivieren Sie die Bauchmuskeln, um das Becken nach oben und hinten zu bewegen und Gewicht von den Händen zu nehmen.
- Dauer: Atmen Sie langsam und tief und steigern Sie sich allmählich bis auf 3 Minuten.
4. Kobra (Bhujangasana)
- Ausführung: Legen Sie sich auf den Bauch und setzen Sie die Hände unter die Schultern. Die Finger sind gespreizt, dann verwurzeln Sie Ihr Schambein und Ihre Zehen am Boden, aktivieren die Beine und strecken das Steißbein Richtung Füße. Atmen Sie ein und heben Sie Kopf und Brust. Die Ellenbogen bleiben gebeugt, die Brust ist geweitet, und die Schultern sind entspannt.
- Dauer: Atmen Sie tief und steigern Sie sich allmählich bis auf 2 Minuten in der Kobra.
5. Dynamische Bauchmuskelübung in Rückenlage
- Ausführung: Legen Sie sich mit hüftbreit angestellten Füßen auf den Rücken. Verschränken Sie die Hände hinter dem Kopf und ziehen Sie die Ellenbogen nach außen. Zählen Sie während einer Ausatmung auf sechs, heben Sie dabei Kopf und Brust und ziehen Sie den unteren Bauch nach innen. Einatmend zählen Sie wieder auf sechs und lassen den Kopf dabei langsam sinken.
- Dauer: Üben Sie im Atemrhythmus weiter und steigern Sie sich bis auf 2 Minuten.
6. Halbe Bootshaltung (Ardha Navasana)
- Ausführung: Legen Sie dann Beine und Arme in Rückenlage wieder ab. Strecken Sie den Nacken lang, heben Sie Kopf, Brust und Arme und ziehen Sie das Kinn zur Brust. Finger und Blick sind zu den Zehen hin ausgerichtet. Der untere Rücken bleibt am Boden, wenn Sie nun die Beine mit nach vorn gestreckten Zehen einige Zentimeter anheben.
- Dauer: Halten Sie die Position bis zu 2 Minuten lang.
7. Wechselseitige Beinbewegung zur Brust in Rückenlage
- Ausführung: Ziehen Sie in Rückenlage beide Beine zur Brust. Die Arme liegen längs des Körpers, und die Handflächen sind in die Unterlage geschoben (zur Unterstützung des unteren Rückens können Sie die Hände auch unter das Becken legen). Mit einer Einatmung stoßen Sie das linke Bein gestreckt nach vorn, so dass der Fuß einige Zentimeter über dem Boden schwebt. Ausatmend ziehen Sie das Knie wieder zur Brust.
- Dauer: Üben Sie diese kolbenartige Bewegung der Beine im Wechsel bis zu 2 Minuten lang.
8. Bogenhaltung (Dhanurasana)
- Ausführung: Beugen Sie in Bauchlage die Beine und greifen Sie mit den Händen nach Fußgelenken oder -rücken. Mit einer Einatmung schieben Sie die Schienbeine nach hinten und heben zugleich Oberschenkel und Brust. Der Nacken bleibt dabei entspannt.
- Dauer: Halten Sie die Position bis zu 2 Minuten lang. Dann kehren Sie mit einer Ausatmung in eine entspannte Bauchlage zurück.
9. Kamelhaltung (Ustrasana)
- Ausführung: Stellen Sie sich dafür auf Knie und Unterschenkel und richten Sie den Rumpf auf. Legen Sie beide Hände ans Kreuzbein und ziehen Sie den unteren Bauch aktiv nach innen, um den unteren Rücken zu stützen. Lassen Sie die Schulterblätter sinken und schieben Sie sie sanft gegen den Rücken. Mit einer Einatmung heben Sie anschließend die Brust. Nur wenn es keine Spannungen in unterem Rücken und Nacken verursacht, lösen Sie nun die Hände nacheinander vom Kreuzbein und legen Sie sie auf die Fersen. Zudem können Sie den Kopf vorsichtig nach hinten sinken lassen.
- Dauer: Nach maximal 1 bis 2 Minuten legen Sie die Hände wieder ans Kreuzbein und richten Sie sich behutsam auf.
10. Stellung des Kindes (Balasana)
- Ausführung: Das Gesäß liegt jetzt auf den Fersen und die Stirn am Boden. Nun ziehen Sie die Arme nach hinten und legen Sie sie längs des Körpers ab.
11. Tiefenentspannung (Savasana)
- Ausführung: Legen Sie sich schließlich zur Tiefenentspannung Savasana auf den Rücken. Dabei zeigen die Handflächen möglichst nach oben, Beine und Füße sinken locker nach außen.
- Dauer: Bleiben Sie 5 bis 7 Minuten lang liegen, um die Energie der Praxis vollständig zu integrieren und das Nervensystem zurückzusetzen.
Zusätzliche Kriyas für das Nervensystem
Neben der oben beschriebenen Kriya gibt es weitere Übungsreihen im Kundalini Yoga, die speziell auf die Stärkung des Nervensystems abzielen. Hier sind einige Beispiele:
1. Kriya zur Reinigung und Lösung von Anspannung
Diese Kriya ist eine vollständige Vorbereitung, um Anspannung und Nervosität loszulassen. Sie arbeitet außerdem am oberen Chakren-Dreieck und regt die Balance von Schilddrüse und Nebenschilddrüse an.
- Übung 1: Fersensitz, verschränkte Finger im Venusschloss, Arme parallel zum Boden nach vorn. Tief einatmen, Atem halten, Arme schnell gerade nach oben und wieder senken (3x). Ausatmen. 1-2 Min. Dann Arme mit gleicher Bewegung zehn Mal pro Einatmung pumpen. 1-2 Min.
- Übung 2: Rückenlage, verschränkte Finger im Venusschloss im Nacken. Einatmen, linkes Bein ca. 60 cm hoch (gestreckt, Zehenspitzen). 1-2 Min. Beinwechsel. 1-2 Min.
- Übung 3: Einfache Haltung. Rechtes Nasenloch verschließen, lange tiefe Atemzüge durchs linke Nasenloch. 1-2 Min. Dann linkes Nasenloch verschließen, lange tiefe Atemzüge durchs rechte Nasenloch. 1-2 Min. U-Handhaltung, abwechselnd Nasenlöcher zuhalten, durch rechtes ein- und durch linkes ausatmen. 1-2 Min. Mit dieser Handhaltung Feueratem. Durch linkes Nasenloch ein-, durch rechtes ausatmen. Handwechsel, Feueratem, rechts ein-, links ausatmen. 1-2 Min. Tief durch beide Nasenlöcher einatmen.
- Wirkung: Diese Serie von Atemübungen (Pranayama) öffnet die Lungen und leitet das Nervensystem zu einem koordinierten Zusammenspiel der linken und rechten Gehirnhälfte an.
2. Streckhaltung
- Ausführung: Rückenlage, Beine zusammen. Fersen sowie Kopf und Schultern 20 cm vom Boden heben, Blick auf die Zehen. Arme geradeaus in Richtung Zehen strecken. 1-3 Min. mit Feueratem. Einatmen, Atem kurz halten. Ausatmen. Einatmen. Vollständig ausatmen und Mulbandh ziehen.
- Wirkung: Diese Übung aktiviert und gleicht das dritte Chakra aus, setzt den Nabelpunkt und unterstützt die Verdauung.
3. Kriya zur Aktivierung der Chakren
- Bleiben Sie auf dem Rücken liegen, winkle die Beine an und ziehen Sie mit den Händen die Knie eng zur Brust. Heben Sie den Kopf und bringen Sie die Nase zwischen die Knie. Kommen Sie gleich hoch zum Sitzen, mit gestreckten Beinen. Fassen Sie mit jeder Hand jeweils den großen Zeh, indem Sie den Zeigefinger um den Zeh schlingen und den Daumen gegen den Zehennagel drücken. (Wenn Sie die Zehen nicht erreichen, fassen Sie die Knöchel.) Beugen Sie sich vor, ziehen Sie die Ellbogen zum Boden und den Kopf zu den Knien. 1-3 Min. mit langem tiefem Atem.
- Legen Sie sich mit gestreckten Beinen auf den Rücken und heben Sie den Kopf 40 cm. Strecken Sie die Arme parallel zum Boden nach vorne. Konzentrieren Sie sich auf das dritte Auge. 1-3 Min. mit Feueratem.
4. Sat Kriya
Sat Kriya ist eine kurze, aber effektive Yogaübung aus dem Kundalini Yoga. Sie ist eine transformative Yogatechnik, die ohne Hilfsmittel an jedem Ort ausgeführt werden kann, wo man laut chanten kann.
- Ausführung: Sitzen Sie im Fersensitz (Vajrasana) mit geradem Rücken. Wenn dies unbequem ist, legen Sie eine gerollte Decke oder ein Kissen zwischen Ihre Fersen und Ihr Wurzelchakra. Strecken Sie beide Arme gestreckt nach oben, an den Ohren vorbei. Verschränken Sie alle Finger zum Venusschloss und strecken Sie beide Zeigefinger nach oben über Ihrem Scheitelchakra aus. Der rechte Daumen kreuzt den linken Daumen, wenn Sie ein männlicher Yogi sind, und umgekehrt, wenn Sie eine Yogini sind. Atmen Sie ein und chanten Sie laut und kurz "SAT", wobei Sie mit der Zunge an den Gaumen stoßen und den Nabelpunkt nach innen zur Wirbelsäule ziehen. Fahren Sie fort in einem rhythmischen Ton: "Sat Naaam Sat Naaam…" Nabel rein und dann lösen und wieder entspannen.
- Dauer: Beginnen Sie mit 3 Minuten, entspannen Sie dann immer 6 Minuten in der Totenhaltung (Savasana). Mit der Zeit können Sie die Übung auf 6, 11 oder 31 Minuten erweitern.
- Wirkung: Sat Kriya stärkt das Nervensystem, harmonisiert die Chakren und fördert innere Ruhe.
Zweckgebundene Meditationen im Kundalini Yoga
Kundalini Yoga bietet eine große Reihe an zweckgebundenen Meditationen. Kundalini Yoga wurde von Yogi Bhajan in den 1960er-Jahren in den Westen gebracht und gilt als die Yogaform mit dem größten Heilungspotenzial. Es basiert auf der Kundalini-Energie, die als heilende und energetisierende Kraft an der Basis der Wirbelsäule schläft und durch geeignete Atem- und Körperübungen zum Fließen gebracht wird. Bei den meisten Meditationen handelt es sich um uralte Überlieferungen, denn einst war Kundalini Yoga eine Geheimwissenschaft, die nur vom Lehrer an den Schüler weitergegeben wurde.
Meditation zur Veränderung des Überbewusstseins
Diese Meditation verändert das Überbewusstsein, das in jedem Alltagsbewusstsein gegenwärtig ist. Mit dieser Meditation machen Sie die Erfahrung einer außerordentlichen Kraft.
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- Ausführung: Bringen Sie die gespreizten Hände vor der Brust zusammen. Drücken Sie die Fingerspitzen bis auf die Daumen aneinander, sodass sie ein Dach bilden. Die Daumen berühren einander gar nicht, Zeige- und Mittelfinger leicht und Ringfinger und kleiner Finger sehr stark. Atmen Sie nun sehr langsam, sehr lang und sehr tief ein und aus. Verleihen Sie dem Atem ein Rauschen, ein Meeresrauschen, indem Sie den Atem am Gaumen kontrolliert entlangführen. Atmen Sie einmal tief ein und strecken Sie die Arme dann hoch über den Kopf. Halten Sie den Atem an und strecken Sie sie, so sehr Sie können, nach oben. Atmen Sie aus und lassen Sie die Hände oben. Atmen Sie wieder ein, halten Sie den Atem und strecken Sie sich noch mehr.
- Wirkung: Wenn der Atem kontrolliert wird, wirkt das auf den zentralen Energiekanal in der Wirbelsäule und auf die Hypophyse, die langsamer zu pulsieren beginnt. Wenn Sie Druck auf Sonnenfinger (Ringfinger) und Merkurfinger (kleiner Finger) ausüben, werden das parasympathische Nervensystem sowie die im Unterbewusstsein liegenden Instinkte ins Gleichgewicht gebracht.
Meditation gegen geistige Müdigkeit
- Ausführung: Winkel Sie die Ellbogen an und halten Sie Hände und Unterarme gerade nach vorn, parallel zum Boden. Die rechte Hand zeigt nach oben, die linke nach unten. Die Oberarme liegen am Brustkorb. Atmen Sie durch die Nase in acht Teilen ein und in acht Teilen aus. Bewegen Sie dabei die Hände mit jedem Atemabschnitt abwechselnd nach oben und unten - eine Hand geht nach oben und die andere gleichzeitig nach unten. Es ist eine kleine Bewegung, als würden Sie einen Ball prellen. Tu dies für drei Minuten. Wechseln Sie die Handhaltung: Die linke Hand zeigt nun nach oben, die rechte nach unten. Fahren Sie mit dem achtteiligen Atem und der Prellbewegung für weitere drei Minuten fort. Wechseln Sie in die Ausgangsposition zurück und atmen und prellen Sie weitere drei Minuten. Die Hände bleiben in der Position. Atmen Sie noch einmal tief ein, halten Sie den Atem an, ballen Sie die Hände zu Fäusten und pressen Sie sie fünfzehn Sekunden lang stark gegen die Brust. Atmen Sie dann aus und wieder ein, halten Sie den Atem an und pressen Sie die Fäuste fünfzehn Sekunden lang gegen den Nabel. Noch einmal tief einatmen, dann halten Sie wieder fünfzehn Sekunden lang die Luft an, heben dabei die Fäuste auf Schulterhöhe und pressen die Oberarme an den Brustkorb.
- Wirkung: Diese Meditation entspannt das Zwerchfell und wirkt gegen geistige Müdigkeit - auch vorbeugend. Sie frischt die Blutzufuhr zum Gehirn auf und bewegt die Spinalflüssigkeit in der Wirbelsäule. Auch Leber, Milz und Lymphsystem profitieren davon.
Kriya Yoga und Kundalini Yoga: Eine Verbindung
Kriya Yoga ist ein Teil des Kundalini Yogas. Kombinierte Energie-Erweckungs-Übungen werden auch als Kriyas bezeichnet. Man kann sogar sagen, dass Kriya Yoga und Kundalini Yoga das gleiche ist. Im Hatha-Yoga sind Kriyas Reinigungsübungen. Kriya heißt wörtlich „Handlung“ bedeutet. Eine Kundalini-Yoga-Kriya wäre beispielsweise Folgendes: „Rolle die Zunge nach hinten. Drehe die Augen leicht nach oben. Stelle dir vor, dass beim Einatmen Energie an der Vorderseite des Körpers von oben nach vorne unten fließt. Wiederhole dabei das Mantra So. Beim Ausatmen ziehe die Beckenbodenmuskeln zusammen (Mula-Bandha), stelle dir vor, dass die Energie beim Ausatmen als Licht durch die Wirbelsäule nach oben zum Scheitel fließt, und wiederhole dabei das Mantra Ham.“ Diese Form des kreisförmigen Atems wäre eine sehr wirkungsvolle Kriya, um das Prana in Bewegung zu bringen. In diesem Sinne ist der Kriya-Yoga der Tradition von Swami Yogananda eine Form des Kundalini-Yoga, wobei die Techniken dann über ein Einweihungsritual noch besonders aufgeladen sind. So ist auch das Phänomen „Kriyavati“ zu verstehen, welches bei Kundalini-Erweckungen entstehen kann: Der Körper nimmt von sich aus bestimmte Positionen ein, Atemübungen, spezielle Zungenhaltungen und sogar Mantras geschehen von selbst.