Künstler und die Parkinson-Krankheit: Kreativität trotz Zittern

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Zu den Hauptsymptomen gehören Zittern (Tremor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Haltungsinstabilität. Obwohl Parkinson unheilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Interessanterweise erfahren viele Menschen mit Parkinson im Laufe ihrer Erkrankung eine neue oder verstärkte kreative Phase. Dieser Artikel beleuchtet die Verbindung zwischen Kunst, Kreativität und Parkinson, indem er berühmte Künstler vorstellt, die an Parkinson erkrankt waren, die therapeutische Wirkung von Kunst und die Initiativen, die Kunst und Parkinson verbinden.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Die Parkinson-Krankheit ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren, absterben. Dopamin ist entscheidend für die Steuerung von Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Parkinson-Symptomen. Die Krankheit beginnt in der Regel nach dem 50. Lebensjahr und betrifft schätzungsweise ein bis zwei von 1.000 Menschen in Deutschland.

Typische Symptome:

  • Zittern (Tremor): Oftmals ein Ruhetremor, der vor allem in den Händen auftritt.
  • Bewegungsverlangsamung (Bradykinese): Schwierigkeiten, Bewegungen zu initiieren und auszuführen.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Erhöhter Muskeltonus, der zu Steifheit und Schmerzen führen kann.
  • Haltungsinstabilität: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, was zu Stürzen führen kann.

Berühmte Künstler mit Parkinson

Einige bekannte Persönlichkeiten aus der Kunstwelt litten ebenfalls an Parkinson. Ihre Geschichten zeigen, dass die Krankheit die Kreativität nicht unbedingt einschränken muss, sondern sie sogar beflügeln kann.

Salvador Dalí (1904-1989)

Salvador Dalí, der bedeutendste Vertreter des Surrealismus, war bekannt für seine exzentrische Persönlichkeit und seine traumhaften, oft schockierenden Kunstwerke. Seine Werke sind geprägt von kräftigen Farben, plastischen Figuren und einer Welt des Irrationalen und Unterbewussten. Dalí inszenierte sich selbst als Provokateur und Tabubrecher und kokettierte intellektuell mit dem Faschismus.

Im Jahr 1981 erkrankte Dalí an Parkinson. Trotz des starken Tremors schuf er weiterhin Kunstwerke, darunter sein letztes Gemälde "Der Schwalbenschwanz" im Jahr 1983. Dalí starb 1989 an Herzversagen und wurde in der Krypta seines Museums in Figueras beigesetzt. Trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit und der Trivialisierung seines Werks bleibt Dalí einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

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Henry Matisse (1869-1954)

Der französische Künstler Henry Matisse, bekannt für seine farbenfrohen und ausdrucksstarken Gemälde und Collagen, erlebte im Laufe seines Lebens einen Bruch in seinem künstlerischen Stil. Nach einer Operation im Jahr 1941 war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotz seiner körperlichen Einschränkungen entwickelte Matisse eine neue künstlerische Technik, bei der er Papierbögen bemalte, zuschnitt und zu Collagen zusammenfügte. Diese Technik ermöglichte es ihm, weiterhin ausdrucksstarke Werke in leuchtenden Farben zu schaffen. Es wird vermutet, dass Matisse ebenfalls an Parkinson litt, was sich möglicherweise in einem Tremor äußerte, der in seinen Skizzen erkennbar ist.

Igor Shurov (*1958)

Igor Shurov ist ein ukrainischer Schriftsteller, Musiker und Maler, der ebenfalls an Parkinson erkrankt ist. Trotz seiner Erkrankung ist Shurov weiterhin künstlerisch aktiv und stellt seine Werke aus. Seine Kunstwerke, die er selbst als "Antidepressiva" bezeichnet, sind geprägt von einer naiven und wilden Ästhetik und sollen Spaß machen, Freude bringen und wohltuend auf die Gesundheit wirken.

Kunst als Therapie bei Parkinson

Die Kunsttherapie kann für Menschen mit Parkinson eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen medizinischen Behandlung sein. Kreative Aktivitäten wie Malen, Zeichnen, Musik machen oder Schreiben können dazu beitragen, die Symptome der Krankheit zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Vorteile der Kunsttherapie:

  • Verbesserung der motorischen Fähigkeiten: Künstlerische Aktivitäten können dazu beitragen, die Feinmotorik, Hand-Auge-Koordination und Beweglichkeit zu verbessern. Beispielsweise hat eine Studie der Universität Fukuoka gezeigt, dass Tischtennisspielen bei Parkinson-Patienten signifikante Verbesserungen beim Sprechen, Schreiben, Anziehen, Aufstehen und Gehen sowie in Bezug auf Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Steifheit, Langsamkeit der Bewegung und Handzittern bewirken kann.
  • Reduktion von Stress und Angst: Kreative Tätigkeiten können helfen, Stress abzubauen, Ängste zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
  • Förderung der Selbstexpression: Kunst bietet eine Möglichkeit, Gefühle und Gedanken auszudrücken, die möglicherweise schwer in Worte zu fassen sind.
  • Steigerung des Selbstwertgefühls: Das Schaffen von Kunstwerken kann das Selbstwertgefühl stärken und ein Gefühl der Erfüllung vermitteln.
  • Soziale Interaktion: Kunsttherapie-Gruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und soziale Kontakte zu knüpfen.

Initiativen und Projekte

Es gibt zahlreiche Initiativen und Projekte, die Kunst und Parkinson verbinden und Betroffenen die Möglichkeit bieten, ihre Kreativität auszuleben und sich mit anderen auszutauschen.

Die Parkinson Stiftung

Die Parkinson Stiftung engagiert sich für die Förderung von Kunst und Kultur im Zusammenhang mit Parkinson. Sie organisiert Kunstausstellungen, Vernissagen und andere Veranstaltungen, um die kreative Energie von Menschen mit Parkinson sichtbar zu machen und den kulturellen Austausch in einem gesundheitspolitischen Kontext zu fördern.

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The Quiver

"The Quiver" ist eine Online-Plattform, die Kunst, Literatur und Poesie von Menschen mit Parkinson präsentiert. Die Webseite bietet Künstlern einen Raum, um ihre Werke auszustellen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Kunstausstellungen in Kliniken und Reha-Einrichtungen

Einige Kliniken und Reha-Einrichtungen, die auf die Behandlung von Parkinson spezialisiert sind, organisieren Kunstausstellungen, um die Werke von Patienten zu präsentieren und die therapeutische Wirkung von Kunst zu fördern. Beispielsweise stellt die Parkinson-Station St. Elisabeth regelmäßig Bilder von Parkinsonpatienten aus.

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