Die Meningokokken-Impfung in Ebersberg rückte in den Fokus, nachdem im Landkreis mehrere Fälle von Hirnhautentzündung (Meningitis) auftraten, die zum Teil schwere Verläufe nahmen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die ergriffenen Maßnahmen, die Empfehlungen des Gesundheitsamtes und gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Meningokokken-Erkrankung.
Hintergrund: Meningokokken-Fälle im Landkreis Ebersberg
Im Zeitraum von März bis August wurden im südlichen Landkreis Ebersberg drei junge Menschen mit schweren Verlaufsformen einer Meningokokken-Sepsis diagnostiziert. Darüber hinaus erkrankte eine 56-jährige Kontaktperson des ersten Erkrankungsfalles. Bei allen Erkrankten wurde der gleiche Meningokokken C-Erregerstamm nachgewiesen. Dies beweist, dass der Erreger weiterhin im südlichen Landkreis Ebersberg zirkuliert.
Die aufgetretenen Krankheitsverläufe gaben Anlass zur Sorge, weil alle Patienten kritische Zustände durchmachen mussten und teils erhebliche, bleibende Schäden davontrugen.
Im Oktober erreichte die gefährliche Hirnhautentzündung, ausgelöst durch Meningokokken, den Landkreis München. Ein 13-jähriges Mädchen erkrankte. Es wird vermutet, dass sich das Mädchen bei einer Feier mit Ebersbergern auf einer Berghütte angesteckt hat. Es handelt sich um denselben Erregertyp wie bei den anderen Erkrankungen im Landkreis Ebersberg.
Ein weiterer Fall einer Erkrankung an schwerer Hirnhautentzündung (Meningokokken) ist im Landkreis Ebersberg aufgetreten. Eine 21-jähriger junger Mann aus dem südlichen Kreisgebiet wird derzeit in einer Münchener Klinik behandelt. Wie in den vorangegangenen drei Fällen wurde durch ein Fachlabor wiederum der Serotyp C identifiziert.
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Reaktion des Gesundheitsamtes Ebersberg: Impfaktion und Empfehlungen
Wegen der aktuellen Erkrankungsfälle hatte das Gesundheitsamt Ebersberg bereits am 22. August 2019 die Impfung gegen Meningokokken C empfohlen. In enger Abstimmung mit den Fachbehörden erfolgte nun ergänzend eine Impfaktion für alle 15- bis 24-Jährigen im südlichen Landkreis Ebersberg.
Diese Impfaktion richtete sich an alle Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren, die in der Region südlicher Landkreis Ebersberg (Aßling, Baiern, Bruck, Ebersberg, Egmating, Emmering, Frauenneuharting, Glonn, Grafing, Kirchseeon, Moosach, Oberpframmern, Steinhöring) und Hohenlinden gemeldet sind. Darüber hinaus waren auch alle Personen dieser Altersgruppe angesprochen, die in dieser Region einer Tätigkeit nachgingen.
Für diesen Personenkreis entstanden keine Impf-Kosten, da für ihn der Freistaat Bayern die Kosten übernahm, soweit sie nicht aufgrund der Schutzimpfungs-Richtlinie von der jeweiligen Krankenkasse übernommen werden. Bislang waren die Kosten nicht von allen Kassen übernommen worden, was in der Bevölkerung für deutliche Kritik und Unverständnis sorgte.
Das Gesundheitsamt Ebersberg hatte die Impfaktion verlängert, nachdem ein neuer Fall bekannt wurde: ein 13-jähriges Mädchen aus dem Landkreis München, das Kontakt zu Erkrankten aus Ebersberg hatte.
Das Gesundheitsamt Ebersberg empfiehlt deshalb allen, die im südlichen Landkreis wohnen, arbeiten oder häufigen nahen Kontakt zur dortigen Bevölkerung haben, sich bei ihrem Hausarzt impfen zu lassen.
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Erfolg der Impfaktion
Die Meningokokken Impfaktion des Gesundheitsamtes in Ebersberg war ein voller Erfolg. Wohl 1.000 Menschen der besonders gefährdeten Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren ließen sich im Gesundheitsamt kostenlos impfen. Dies zeigt auch die große Teilnahme an der Impfaktion des Gesundheitsamtes.
Zuerst war die Impfaktion auf drei Tage veranschlagt, aber nach den vielen Anmeldungen entschied sich der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Büchner zu einer Verlängerung. Die aber wurde diese Woche am 7. und 8. Oktober noch einmal erweitert. Denn es gab so viele Anmeldungen, dass jetzt mittlerweile, um die 900 junge Menschen geimpft wurden. Am Ende des letzten Tages, so schätzt Büchner, wird die Zahl wohl auf 1.000 geimpfte steigen. „Die Impfaktion war überraschend gut, ich habe wirklich nicht mit diesem Ergebnis gerechnet“, so Büchner hocherfreut. Am Dienstag gab es immer noch 200 Anmeldungen, so dass überlegt wird, noch einmal einen Impftag anzubieten. „Und im Moment sind auch noch viele mit einer Erkältung erkrankt, die wollen sich auch zu einem späteren Zeitpunkt erst impfen lassen.“ Wann dieser Tag der Nachimpfungen sein wird, ist noch nicht festgelegt, aber sicher wird es zeitnah zu den jetzigen Tagen sein.
Insgesamt wurden mehr als 1200 Impfungen verabreicht. Die Beunruhigung nach vier schweren Erkrankungen im Landkreis Ebersberg sei durchaus groß, sagt Büchner. Mit einem derart großen Zuspruch bei der Impfaktion hätte er aber dennoch nicht gerechnet.
Meningokokken: Übertragung, Symptome und Risikogruppen
Meningokokken-Erkrankungen können dem LGL zufolge innerhalb von Stunden lebensbedrohlich werden. Experten zufolge zählt dann tatsächlich jede Minute. Die Krankheitserreger, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden, können zu einer Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen.
Gefährdet sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) vor allem Kleinkinder und Jugendliche. „Erfahrungsgemäß gibt es zwei Krankheitsgipfel“, sagt dazu Dr. Hierl. Die meisten Erkrankungen träten in der Altersgruppe der Ein- bis Zweijährigen auf sowie im Alter zwischen 15 und 19 Jahren.
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Typisch für eine Meningokokken-Infektion ist ein sehr schneller Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteife, Übelkeit und Erbrechen. Bei etwa jedem zweiten Betroffenen treten punktförmige Blutungen unter der Haut auf. Auch eine Meningokokken-Meningitis beginnt meist ohne Vorankündigung mit plötzlichem hohem Fieber, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, Erbrechen, Nackensteife und Bewusstseinsstörungen. Es wird sogar empfohlen, dass Personen, die mit Erkranken engen Kontakt hatten, mit Antibiotoka vorbeugend behandelt werden.
Die Bedeutung der Impfung
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wirbt dafür, Kinder frühzeitig gegen Meningokokken C impfen zu lassen. Das LGL verweist darauf, dass in diesem Jahr mehrere Meningokokken-C-Fälle in Oberbayern bekannt geworden sind. Vor diesem Hintergrund betont Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL: „Es ist wichtig, dass Eltern den Impfstatus bei ihren Kindern überprüfen lassen. Bei Kindern und Jugendlichen, die noch nicht gegen Meningokokken C geimpft sind, sollte dies umgehend nachgeholt werden. Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich, sondern auch andere Menschen“.
Seit 2006 wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder möglichst früh im 2. Lebensjahr empfohlen. In der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Kosten für Versicherte bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres übernommen.
Der LGL-Präsident erläutert: "Die Impfquoten sind zwar in den vergangenen Jahren erfreulicherweise angestiegen. Aber es sollten alle Kinder eine Impfung gegen Meningokokken C erhalten. Die Impfbuchkontrollen bei der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2017/2018 haben ergeben, dass die Impfquote gegen Meningokokken C in Bayern seinerzeit bei 85,1 Prozent lag."
Noch immer ist nicht geklärt, wie sich die bisher Betroffenen angesteckt haben.
Meningokokken-Impfung: Persönliche Erfahrungen
Birgit Augé schildert ihre Erfahrungen mit Meningokokken. Dem schnellen Beginn der Therapie hat es Birgit Augé (46) aus München zu verdanken, dass ihre vier Monate alte Tochter eine schwere Meningokokken-Sepsis überlebte. Mittlerweile geht es der heute 15-Jährigen gut. Sie hatte Glück im Unglück und trug keine Folgeschäden davon. Trotzdem ist es ihrer Mutter ein Anliegen, über die Erkrankung und die Schutzmöglichkeiten zu sprechen, damit kein Elternteil erleben muss, was sie durchgemacht hat.
Frau Augé, welche Symptome hatte Ihre Tochter? Nach einem ganz normalen Tag wurde Leonie in der Nacht plötzlich unruhig, zog ihre Beine an, krampfte und spuckte. Im Krankenhaus sorgte sich die Ärztin, weil es meinem Baby allgemein nicht gut ging, sie gräuliche Lippen hatte und ihre Haut wie marmoriert wirkte. Sowohl das erste als auch das zweite Blutbild ergaben jedoch keinerlei Hinweise. Erst als die Ärztin mich nach roten Pünktchen fragte, gab es eine konkrete Vermutung. Ich hatte sie für einen sommerlichen Hitzeausschlag gehalten, weil sie im Bereich der Windel lagen. Es waren jedoch bereits Einblutungen unter der Haut.
Wie wurde Leonie behandelt? Leonie bekam sofort ein Antibiotikum - nur zwei Stunden später wäre es vermutlich zu spät gewesen. Im weiteren Verlauf hatte meine Tochter Hauteinblutungen von Kopf bis Fuß und sie erlitt einen septischen Schock mit Herz-Kreislauf-Versagen. Ihre Organe waren auch schon angegriffen. Die Ärzte mussten 24 Stunden um ihr Leben kämpfen. Die eigentliche Diagnose einer Meningokokken-Erkrankung folgte erst später. Wir waren insgesamt 14 Tage im Krankenhaus. Es dauerte mehrere Wochen, bis Leonie sich von der Meningokokken-Sepsis, der Blutvergiftung, erholte. Danach brauchte es noch Jahre, bis ihr Immunsystem wieder so stark war wie das von anderen Kindern.
Wussten Sie, dass es Schutzimpfungen gibt? War Ihre Tochter geimpft? Ich hatte bis dahin keine Ahnung, dass es Meningokokken gibt und dass sie insbesondere für Babys gefährlich sein können. Als Leonie mit vier Monaten erkrankte, gab es erst eine Schutzimpfung, die jedoch noch nicht standardmäßig für alle Kinder empfohlen wurde. Sie kam erst zwei Jahre später in den offiziellen Impfkalender. Aber auch die hätte Leonie nicht schützen können, da es mehrere Erregergruppen gibt und die bis heute empfohlene Impfung nur gegen eine davon schützen kann. Meine Tochter erkrankte jedoch an einer anderen Meningokokken-Gruppe.
Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert? Leonie hatte überlebt, darüber waren wir heilfroh. Als wir erfuhren, dass nach Meningokokken-Erkrankungen Hörverlust, Schädigungen des Gehirns, Lernschwächen oder Hautvernarbungen zurückbleiben können oder in manchen Fällen Gliedmaßen amputiert werden, mussten wir dennoch schwer schlucken. Als sich später herausstellte, dass Leonie keine Folgeschäden davongetragen hat, waren wir zusätzlich erleichtert. Heute ist meine Tochter 15 Jahre alt und kerngesund. Ich hätte nicht gedacht, dass sie diese schwere Erkrankung so gut überlebt hat, geschweige denn so gesund. Ich bin dankbarer geworden, für vieles.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Dass alle Eltern sich bei ihrem Kinder- und Jugendarzt informieren. Heutzutage gibt es Impfungen gegen die fünf häufigsten Meningokokken-Gruppen in Deutschland. Ich bitte wirklich jeden, sein Kind bestmöglich schützen zu lassen.
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