Inklusion im Kindergarten: Eine Sammlung von Kindergeschichten über Epilepsie, Anderssein und Akzeptanz

Einführung

Eine inklusive Gesellschaft sollte im Kindergarten beginnen. Mit einer Auswahl an Büchern für kleinere (Kindergarten) und größere Kinder (bis 12 Jahre) soll Inklusion gefördert und zum Nachdenken angeregt werden. Die Bücher sind nach Alter geordnet.

Bücherkiste für den Kindergarten: Inklusion und Vielfalt im Fokus

Die Bücherkiste enthält eine Sammlung von Kindergeschichten, die sich mit Themen wie Epilepsie, Behinderung, Anderssein und Akzeptanz auseinandersetzen. Sie soll dazu beitragen, das Verständnis für Vielfalt zu fördern und Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mit unterschiedlichen Lebensrealitäten auseinanderzusetzen.

Geschichten über Behinderung und Inklusion

  • ❤️Matthias Sodtke: Bist du krank, Rolli-Tom?
  • Patricia Mennen, Susanne Szesny: Mutig, stark und selbstbewußt.
  • Tom Belz u.a.: Kleiner Löwe, großer Mut.
  • Quentin Blake: Freddy und die fantastischen fünf.
  • ❤️Barbara Tschirren u.a. Janet Tashjian: Tage mit Eddi.
  • Moritz Gleitzmann: Quasselstrippe.
  • Raquel J. Katya Balen, Mein Bruder und ich und das ganze Universum.
  • Peter Steinbach; Benni Sprachlos.

Diese Bücher erzählen Geschichten von Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen und zeigen, wie sie ihren Alltag meistern und Herausforderungen überwinden. Sie vermitteln Mut, Stärke und Selbstbewusstsein und fördern das Verständnis für die Lebensrealitäten von Kindern mit Behinderung.

Ein Comic im Pixiformat mit dem Titel Kennst du schon Ayla, Ben, Max und Sara? handelt von Inklusion in der Gesellschaft. Die vier Protagonisten sind ein gutes Beispiel für Inklusion: Ayla, die Café-Besitzerin, gibt dem lernbehinderten Ben ein Praktikum. Max, der Physiotherapeut in der Ausbildung, wohnt in einer WG mit Sara, die im Rollstuhl sitzt und auf Lehramt studiert.

Selina Stummfisch: Überwindung von selektivem Mutismus

Selina Stummfisch, Karen-S. ist ein Bilderbuch über Selina, die mit selektivem Mutismus kämpft. Zuhause redet Selina mit ihrer kleinen Schwester Nellie manchmal wie ein Wasserfall. Aber vor Fremden kommt kein Wort über ihre Lippen. Eines Tages gehen die Schwestern zu einer Autorenlesung von Selinas Lieblingsbuch. Selina will unbedingt ein Autogramm vom Autor. Ob sie das ohne zu reden schafft? Das Buch wird für Kinder ab 4 Jahren empfohlen.

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Nina und das Rollstuhlskaten: Mut und Selbstbewusstsein

Die 13-jährige Nina ist nach einem Reitunfall gezwungen, in einem Rollstuhl zu sitzen. Sie muss eine neue, barrierefreie Schule besuchen, wo ihr die Mitschüler Fabian und Max das Leben schwer machen. Doch Nina ist sportlich und hat Armkraft und ein gutes Gleichgewicht entwickelt. Beeindruckt von Ninas Fitness, nimmt Fabian sie mit zum Skaten in den Skatepark. Ohne das Wissen ihrer ängstlichen Eltern beginnt Nina mit dem Rollstuhlskaten. Mit den ersten erfolgreichen Manövern wächst Ninas Selbstbewusstsein. Das Buch ist ein Mutmacher für junge, sportliche Menschen, die im Rollstuhl sitzen müssen.

Skateparks gibt es fast überall, das Rollstuhlskaten gibt es seit ca 10 Jahren. Durch die voranschreitende Technik werden die Sportrollies immer sicherer und besser. David Lebuser, ein professioneller Rollstuhlskater, machte den Sport richtig populär. In Hamburg gibt es z.B. den Verein Sit'n Skate.

He Duda: Die Suche nach der Identität

He Duda ist ein handliches Pappbilderbuch, das auch für kleine Kinder geeignet ist. Der Protagonist, ein kleines Kaninchen, ist unsicher, wer er eigentlich ist. Erst als er dem Langen Lula begegnet, wird ihm einiges klar.

Davids Bruder: Einblicke in das Leben mit Autismus

In Davids Bruder erzählt Davids Bruder über David, der Autist ist. Mit kindlicher Ehrlichkeit schildert er, was David mag und was nicht. Er beschreibt die eigenen Schwierigkeiten mit David, der eine "andere Sprache" spricht. Auch sein Fühlen und Denken, seine Empfindlichkeit, alles ist anders bei David als bei ihm selbst oder seinen Eltern. Er wünscht sich sehr, David besser zu verstehen und auch von ihm verstanden zu werden. Das Buch gibt einen Eindruck vom komplizierten Leben mit Autismus.

Irgendwie Anders: Akzeptanz des Andersseins

Der kleine Irgendwie Anders wird von anderen Bewohnern ausgegrenzt. Da klopft es eines Tages an seine Tür und ein Etwas steht davor. Etwas fühlt sich- genau wie Irgendwie Anders- nicht dazugehörig und ist nun glücklich, einen Freund gefunden zu haben. Ein wundervolles Buch über die Akzeptanz des Anders-Seins mit sehr ansprechenden Graphiken.

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Paula: Leben mit Zerebralparese

Paula ist ein aufgewecktes Kindergartenkind. Sie erzählt, dass die Ärzte sagen, sie habe eine gute und eine schlechte Seite. Sie selbst findet ihre beiden Seiten prima, weil die Hände ja einander helfen. Mehr Sorgen machen ihr ihre Beine, die nicht gut laufen können. Aber sie erzählt auch, was sie dagegen macht, um irgendwann so schnell laufen zu können wie ihr kleiner Bruder Pavo. Sie geht zu einer Physio und sie trägt Orthesen. Am Buchende gibt es noch reichlich Hintergrundinformation zur Zerebralparese.

Kathrin spricht mit den Augen: Das Leben eines behinderten Kindes

Kathrin spricht mit den Augen. Wie ein behindertes Kind lebt. Zusammen mit Stefan Gemmel beschreibt Kathrin ihr eigenes Leben, das sich durch ihre Infantile Celebralpantese deutlich von anderen Kindern unterscheidet: Sie sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen und auch die Arme und Hände kann sie nicht gebrauchen. Aber mit den Augen kann sie kommunizieren. Begleitet von Fotos beschreibt Kathrin sehr genau und verständlich, wie sie ihren Alltag meistert. Nachdenklich macht allerdings eine Bemerkung Kathrins am Ende ihres Buches: "Die Kinder meiner Klasse kann ich nachmittags nicht treffen, denn sie kommen alle von sehr weit her. Und die Kinder in unserer Nachbarschaft spielen nicht mit mir…. Deshalb fühle ich mich einsam. Das ist überhaupt das Schlimmste: nicht, dass ich nicht laufen kann; nicht, dass ich nicht sprechen kann; sondern, dass ich keine Freundin habe." Im Nachwort erfährt man dann, dass Kathrin inzwischen ihr Abitur gemacht hat und Erziehungswissenschaften studiert.

Rogi: Ein Mutmach-Buch nach Querschnittslähmung

Mit einer Behinderung auf die Welt zu kommen, ist eine Sache. Durch einen Unfall querschnittsgelähmt zu werden und dann für den Rest des Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, ist eine große Herausforderung. Aber dazu muss Rogi viele Dinge neu lernen. Das Buch basiert auf der eigenen Geschichte des Autors Igor Pohl und ist ein Mutmach-Buch.

Die Kindergarten Igel-Gruppe in der Villa Herbstgold: Ein Ausflug ins Altenheim

Die Kindergarten Igel-Gruppe plant mit ihren Erzieherinnen einen Ausflug in die Villa Herbstgold, einem Altenheim, um das Stück Hänsel und Gretel aufzuführen. Der Besuchstag wird lustig beschrieben, wobei es zu überraschenden Erkenntnissen kommt.

Max: Leben mit einem autistischen Bruder

Max lässt Frank erzählen, wie sich das Leben der Familie mit dem autistischen Max abspielt: Die Mutter kann nicht mehr arbeiten, man muss ständig Rücksicht auf Max nehmen, weil alles zu laut, zu bunt, zu viel für ihn ist. Am Ende rastet der Kleine dennoch regelmäßig aus, wofür sich Frank vor seinen Klassenkameraden schämt. Das Faszinierende an diesem Buch ist, dass es der Autorin gelingt, den Lesenden fast zu einem Familienmitglied dieser besonderen Familie werden zu lassen.

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Als Ela das All eroberte: Träume und Realität im Rollstuhl

Als Ela das All eroberte erzählt die Geschichte von Ela, einer Grundschülerin im Rollstuhl, die davon träumt, Astronautin zu werden. Gemeinsam mit ihrem Freund Ben überlegt sie, wie sie für den Eignungstest üben könnte. Als Ela bei einer Schwerelos-Übung im Schwimmbad an ihre Grenzen stößt, muss sie erkennen, dass sie vielleicht andere Wege einschlagen muss, um ihrem Traumziel näher zu kommen, aber keinesfalls einfach aufgeben!

Ich bin MARI: Leben mit Epilepsie und Angelman-Syndrom

Ich bin MARI erzählt die Geschichte von Mari, die mit ihren 3 Geschwistern, 2 Hunden und ihren Eltern zusammenlebt. Mari hat Epilepsie und das Angelman-Syndrom. Dadurch unterscheidet sich ihr Leben in manchen Punkten von gleichaltrigen Kindern. Maris Besonderheiten werden sensibel und kindgerecht erklärt, um Empathie aufzubauen und mögliche Berührungsängste abzubauen. Mari liebt Süßigkeiten und geht wie jedes Kind in die Schule, allerdings in eine besondere Schule. Maris eigene Wörter/Laute fließen immer wieder in den Text mit ein.

Das Märchen von Prinz Seltsam: Vielfalt und Inklusion im Bildungswesen

Das Märchen von Prinz Seltsam greift humorvoll das deutsche Bildungswesen an, das die Kinder nach körperlichen und kognitiven Eigenschaften sortiert und beschult. Im Märchen geraten alle Schulschiffe in die Hände von Piraten und alle Kinder werden zusammen in einem Turm eigesperrt. Gemeinsam und gerade wegen ihrer Verschiedenheit schaffen die Kinder es, ein Schiff zu finden, ihre Lehrer zu befreien und heim zu segeln.

Das war der Hirbel: Ausgrenzung und Anderssein

Das war der Hirbel erzählt die Geschichte von Hirbel, der 9 Jahre alt ist, aber aussieht wie ein 6jähriger. Keiner mag ihn wirklich gern.

Epilepsie in der Literatur: Eine historische Perspektive

Epilepsie ist ein Thema, das in der Literatur verschiedener Epochen immer wieder aufgegriffen wurde. Die Gründe für diese Präsenz sind vielfältig: die Häufigkeit der Krankheit, die beeindruckende Symptomatik des großen Anfalls, das Fehlen wirksamer Heilmethoden in früheren Jahrhunderten und die Verbindung der Krankheit mit höheren Mächten.

Epilepsie in der Antike und im Mittelalter

Hinweise auf Epilepsie finden sich bereits in schriftlichen Zeugnissen aus vorchristlichen Jahrhunderten, so z. B. im Alten Testament. In der antiken Literatur wird Epilepsie beispielsweise bei Plautus, Xenophon von Ephesos und Apuleius von Madaura erwähnt. Auch in der mittelalterlichen Literatur ist das Epilepsiemotiv gelegentlich zu finden, so z. B. in der alt-französischen Liebesgeschichte von Aucassin und Nicolette und in Dantes Göttlicher Komödie.

Epilepsie in der Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts

Während das Epilepsiemotiv in Antike, Mittelalter und beginnender Neuzeit in der nicht-medizinischen Literatur selten anzutreffen ist, stößt man in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten vergleichsweise häufig auf diese Thematik. Dabei wird erkennbar, dass für die Autoren nicht allein die Häufigkeit und Dramatik epileptischen Geschehens Gründe für die Einbeziehung der Krankheit in das literarische Schaffen war, sondern zunehmend die psychosozialen Auswirkungen, die die Epilepsie für die Betroffenen und ihre Angehörigen hatte. Dies wird nicht zuletzt in der literarischen Darstellung epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher deutlich.

Bedeutende Autoren, die das Epilepsiemotiv in ihren Werken verarbeitet haben, sind u. a. Fjodor M. Dostojewskij, Thomas Mann, Franz Werfel, Christa Wolf, Arnold Stadler, Tomas Bernhard, Umberto Eco und Janet Frame.

Dostojewskij und die Epilepsie

Fjodor M. Dostojewskij, der selbst an Epilepsie litt, hat manchen seiner Romanfiguren eine Epilepsie verliehen. In seinen Romanen thematisiert er die Krankheit ausführlich und beschreibt die Symptome und Auswirkungen auf die Betroffenen.

Die Selbsterfahrungsliteratur

In der Selbsterfahrungsliteratur beschreiben Autorinnen und Autoren entweder die Epilepsie eines Familienangehörigen oder das eigene Krankheitserleben. Die Motivation zum Schreiben resultiert in der Regel weniger aus einem literarischen Anspruch heraus als viel mehr aus dem bewussten oder auch unbewussten Wunsch nach Krankheitsbewältigung.

Comic-Camp für junge Selbsthilfeaktive

Die BAG SELBSTHILFE veranstaltet im Sommer ein Comic-Camp für junge Selbsthilfeaktive unter 35 Jahre. Fachlich angeleitet wird das Comic-Camp von dem Comiczeichner Aike Arndt und der Autorin Jessika Knauer. Die Teilnahme am Comic-Camp ist kostenlos.

tags: #kurzgeschichte #epilepsie #kindergarten