Levodopa: Wirkung, Anwendung und Bedeutung bei der Behandlung von Parkinson

Einführung

Levodopa, auch bekannt als L-Dopa, ist ein Medikament, das eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Morbus Parkinson und dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) spielt. Seit seiner Einführung in den frühen 1960er Jahren hat es sich als Goldstandard in der Parkinson-Therapie etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Levodopa, seine Anwendungsgebiete, Dosierung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und gibt einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse.

Morbus Parkinson und Dopaminmangel

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust dopaminerger Neuronen in den Basalganglien gekennzeichnet ist. Dieser Verlust führt zu einem Dopaminmangel im Gehirn, was wiederum die motorischen Funktionen beeinträchtigt. Die typischen Symptome von Parkinson umfassen Muskelsteifheit (Rigor), Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) oder Bewegungslosigkeit (Akinese) und Zittern (Tremor).

Die Rolle von Levodopa als Dopamin-Vorstufe

Dopamin selbst kann nicht direkt als Medikament verabreicht werden, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Levodopa hingegen ist eine Vorstufe von Dopamin, die diese Schranke passieren kann. Im Gehirn wird Levodopa durch das Enzym Dopa-Decarboxylase in Dopamin umgewandelt und kann so den Dopaminmangel ausgleichen und die motorischen Symptome lindern.

Kombinationstherapie zur Wirkungsoptimierung

Ohne zusätzliche Medikamente würden jedoch etwa 95 Prozent des Levodopa bereits in der Körperperipherie abgebaut, bevor es das Gehirn erreicht. Um dies zu verhindern, wird Levodopa in der Regel in Kombination mit einem Decarboxylase-Hemmer wie Carbidopa oder Benserazid verabreicht. Diese Hemmer blockieren die Umwandlung von Levodopa in Dopamin außerhalb des Gehirns, wodurch eine höhere Menge des Wirkstoffs ins Gehirn gelangt. Eine weitere Möglichkeit ist die Kombination mit einem COMT-Hemmer (Entacapon, Tolcapon, Opicaponto), der den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamt und so die Wirkdauer von Levodopa verlängert.

Die Kombination von Levodopa mit Benserazid ist eine der am häufigsten verschriebenen Varianten. Durch die Kombination kann die benötigte Levodopa-Dosis im Vergleich zur Monotherapie deutlich gesenkt werden.

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Anwendungsgebiete von Levodopa

Levodopa wird hauptsächlich zur Behandlung von Bewegungsstörungen bei Morbus Parkinson eingesetzt. Es lindert vor allem die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und die Muskelsteifheit (Rigor), zwei der Hauptsymptome der Parkinson-Trias. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS), wobei jedoch zuvor andere Ursachen wie Eisenmangel ausgeschlossen werden müssen.

In einigen Fällen wird Levodopa auch zur Behandlung von Parkinson-Symptomen eingesetzt, die durch Vergiftungen, Hirnentzündungen oder Arteriosklerose verursacht wurden. Allerdings ist Levodopa nicht geeignet zur Behandlung von Parkinson-Symptomen, die als Folge der Einnahme von Neuroleptika (Antipsychotika) auftreten.

Dosierung und Einnahmehinweise

Die Dosierung von Levodopa richtet sich nach der Schwere der Symptome und der individuellen Verträglichkeit. Es ist wichtig, dass die Behandlung einschleichend begonnen wird, um Nebenwirkungen zu minimieren. Die Tabletten sollten idealerweise 30 Minuten vor oder 90 Minuten nach den Mahlzeiten unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Große eiweißreiche Mahlzeiten sollten vor der Einnahme vermieden werden, da sie die Wirkung von Levodopa beeinträchtigen können.

Bei Einschlafstörungen oder anderen Schlafstörungen in der Nacht können Tabletten und Retardkapseln kombiniert werden. Die Therapie sollte nicht abrupt beendet, sondern ausschleichend reduziert werden.

Kontraindikationen

Levodopa ist nicht für alle Patienten geeignet. Kontraindikationen umfassen:

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  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Patienten unter 25 Jahren (wegen der noch nicht abgeschlossenen Skelettentwicklung)
  • Schwere endokrine Funktionsstörungen
  • Schwere Stoffwechsel-, Herz-, Leber-, Nieren- oder Knochenmarkserkrankungen
  • Psychosen
  • Engwinkelglaukom
  • Gleichzeitige Behandlung mit Reserpin, nicht-selektiven MAO-Hemmern oder einer Kombination aus MAO-A- und MAO-B-Hemmern
  • Schwangerschaft

Nebenwirkungen von Levodopa

Wie alle Medikamente kann auch Levodopa Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen (treten meist zu Therapiebeginn auf)
  • Orthostatische Beschwerden (Schwindel beim Aufstehen)
  • Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen)
  • Impulskontrollstörungen (z. B. pathologische Spielsucht, Libidosteigerung, Impulskäufe, Essattacken)
  • Leichte Rotfärbung des Urins
  • Verfärbungen anderer Körperflüssigkeiten und Gewebe (Speichel, Zähne, Zunge, Mundschleimhaut)
  • Appetitlosigkeit oder Geschmacksverlust
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Depressionen

Nach längerer Therapie kann Levodopa die On-Off-Symptomatik verstärken.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Levodopa kann mit anderen Medikamenten interagieren, was die Wirkung von Levodopa oder der anderen Medikamente beeinflussen kann. Zu den wichtigsten Wechselwirkungen gehören:

  • Domperidon und Metoclopramid (MCP) können die Resorption von Levodopa erhöhen.
  • Opioide, Reserpin-haltige Antihypertensiva und Neuroleptika können die Wirkung von Levodopa einschränken.
  • Sympathomimetika wie Epinephrin oder Amphetamin können in Kombination mit Levodopa zu einer verstärkten Wirkung führen.
  • Antihypertensiva können in Kombination mit Levodopa zu verstärktem Blutdruckabfall führen.
  • Bei Diabetikern sollte der Blutzuckerspiegel bei gleichzeitiger Einnahme von Levodopa öfter überprüft und die antidiabetische Therapie gegebenenfalls angepasst werden.
  • Nicht-selektive, irreversible MAO-Hemmer (z. B. Tranylcypromin) können in Kombination mit Levodopa zu einer Blutdruckkrise führen.
  • Trizyklische Antidepressiva können die Wirkung von Levodopa verstärken.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Eisenpräparaten und Levodopa kann die Wirkung von Levodopa durch Chelatbildung verringern. Eisenpräparate sollten daher in einem zeitlichen Abstand von zwei Stunden nach der Einnahme von Levodopa eingenommen werden.
  • Antipsychotika (Neuroleptika) können die Wirkung von Levodopa abschwächen und die Parkinson-Symptomatik verschlechtern.
  • Bestimmte Antidepressiva (MAO-Hemmer) können in Kombination mit Levodopa zu lebensbedrohlichen Bluthochdruck-Krisen führen.

Aktuelle Entwicklungen und Forschung

Die Forschung im Bereich Levodopa und Parkinson-Therapie ist weiterhin aktiv. Aktuelle Entwicklungen umfassen beispielsweise:

  • Wasserlösliches Levodopa: Wasserlösliche Tabletten beschleunigen den Wirkungseintritt und können zur Unterbrechung akuter Phasen schlechter Beweglichkeit eingesetzt werden.
  • Retard- oder Depot-Tabletten: Diese Tabletten verzögern den Wirkungseintritt und sorgen für eine längere Wirkdauer, was besonders für die Medikation während der Nacht wichtig ist.
  • Levodopa-Gel zur intestinalen Infusion: Eine spezielle Pumpe ermöglicht die kontinuierliche Verabreichung von Levodopa-Gel direkt in den Dünndarm, was die Behandlung von "ON-OFF-Phänomenen" verbessern kann.
  • Fixkombinationen: Eine Neuheit ist ein Präparat, das Levodopa in Kombination mit den beiden Enzymhemmern Entacapon und Carbidopa enthält, wodurch die Anzahl der einzunehmenden Tabletten reduziert werden kann.
  • LEAP-Studie: Die "Delayed-start Trial Levodopa in Early Parkinson’s Disease" (LEAP) Studie hat gezeigt, dass eine frühzeitige Behandlung mit Levodopa über zwei Jahre keine negativen Effekte hat und die Toxizitätsdiskussion um diese Substanz weitgehend beendet ist.

Bedeutung von Levodopa in der Parkinson-Therapie

Trotz der möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bleibt Levodopa ein Eckpfeiler in der Behandlung von Morbus Parkinson. Es ist das wirksamste Medikament zur Linderung der motorischen Symptome und trägt wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten bei. Die Kombination mit anderen Wirkstoffen und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Darreichungsformen tragen dazu bei, die Wirkung von Levodopa zu optimieren und Nebenwirkungen zu minimieren.

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