Die neurologische Untersuchung ist ein umfassender Prozess, der darauf abzielt, Erkrankungen des Nervensystems zu diagnostizieren. Sie umfasst verschiedene Aspekte, von der Anamnese bis hin zu spezialisierten Labortests. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Bestandteile einer neurologischen Untersuchung, einschliesslich der Anamnese, der körperlichen Untersuchung, der Prüfung der Hirnnerven, der Reflexe, der Sensibilität und Motorik sowie der verschiedenen Labortests, die zur Diagnose von Nervenerkrankungen eingesetzt werden können.
Einführung in die neurologische Untersuchung
Das Gehirn, ein komplexes Organ mit etwa 100 Milliarden Neuronen, steuert lebensnotwendige Prozesse, verarbeitet Sinneseindrücke und ermöglicht Denken und Fühlen. Als Teil des zentralen Nervensystems (ZNS) ist es anfällig für Erkrankungen, die sich physisch und psychisch äußern können. Eine zuverlässige Diagnose ist entscheidend, um diese Erkrankungen erfolgreich zu behandeln.
Bestandteile einer neurologischen Untersuchung
Eine umfassende neurologische Untersuchung besteht aus mehreren Schritten:
1. Anamnese (Ärztliches Gespräch)
Am Anfang steht das ausführliche Gespräch mit dem Patienten. Der Arzt erfragt die Art der Beschwerden, deren Beginn und Zusammenhang sowie die Auswirkungen auf den Alltag. Es ist wichtig zu erfragen, ob der Patient an weiteren Erkrankungen leidet und wie diese behandelt werden. Eine detaillierte Krankengeschichte (Anamnese) ist bei jeder Polyneuropathie von grosser Bedeutung.
- Familienanamnese: Hier sind gezielte Fragen nach Gehbehinderungen, Fussdeformitäten, auffallend dünnen Waden, aber auch nach sportlichen Aktivitäten in Kindheit und Jugendzeit (ohne in dieser Phase typische sonstige PNP-Symptome) erforderlich. Bei positiver Familienanamnese ist ein entsprechender Stammbaum für die weitere Differenzierung der hereditären Neuropathien aufzuzeichnen.
2. Psychischer Befund
Der Arzt beurteilt die Bewusstseinslage (Vigilanz) des Patienten. Dies geschieht durch gezielte Fragen nach dem Geburtsdatum, Vornamen oder Aufenthaltsort. Kann der Patient alle Fragen korrekt beantworten, wird sein Zustand als „wach und orientiert“ eingestuft.
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3. Körperliche Untersuchung
- Allgemeine Untersuchung: Das Tasten der Pulse und eine Blutdruckmessung sind Teil der allgemeinen körperlichen Untersuchung. Die Blutdruckmessung im Liegen und Stehen ist eine wichtige Hilfe zur Erfassung einer Beteiligung des autonomen Nervensystems.
- Fuss-Check: Anschliessend sieht er sich den Zustand Ihrer Füsse an.
4. Neurologischer Status
Neben der üblichen Statuserhebung ist besonderes Augenmerk auf Hirnnervenbeteiligung zu legen, wie dies bei Formen des GBS, der CIDP, bei Borreliose, aber auch Diphtherie oder GBS-Varianten oder diabetischen Ophthalmoneuropathien möglich ist.
5. Untersuchung der Hirnnerven
Die zwölf Hirnnerven, die direkt dem Gehirn entspringen, werden einzeln überprüft:
- I. Nervus olfactorius (Riechen): Überprüfung durch Riechtests.
- II. Nervus opticus (Sehen): Erkennen von Gegenständen oder Buchstaben aus einer bestimmten Entfernung. Überprüfung der Pupillenreaktion mit einer Lampe.
- III. Nervus oculomotorius (Augenbewegung): Der Patient folgt dem Finger des Arztes mit den Augen.
- IV. Nervus trochlearis (Augenbewegung): Der Patient blickt nach innen und unten. Test beider Augen getrennt.
- V. Nervus trigeminus (Kauen und Sensibilität): Der Arzt streicht dem Patienten über das Gesicht und fragt, ob er die Berührung spürt. Druck auf die Austrittspunkte der Nerven (oberhalb der Augenbrauen, unterhalb der Augen und am Kinn) sollte keine Schmerzen verursachen.
- VI. Nervus abducens (Augenbewegung): Der Patient blickt nach außen. Test im Seitenvergleich.
- VII. Nervus facialis (Mimik und Geschmack): Der Patient bläst die Backen auf, runzelt die Stirn und macht einen Kussmund. Überprüfung des Geschmacksempfindens.
- VIII. Nervus vestibulocochlearis (Hören und Gleichgewicht): Der Arzt reibt die Finger in der Nähe der Ohren, um das Gehör zu überprüfen. Gleichgewichtstest zur Überprüfung der Nervenfunktion.
- IX. Nervus glossopharyngeus (Schlucken): Der Arzt inspiziert den Rachen und das Schluckvermögen.
- X. Nervus vagus (Steuerung von inneren Organen): Der Arzt fragt nach Auffälligkeiten beim Herzschlag, beim Atmen oder der Verdauung.
- XI. Nervus accessorius (Teil der Kopfmuskulatur): Der Arzt drückt die Schultern nach unten, während der Patient diese hochzieht. Der Kopf sollte gegen Widerstand gedreht werden können.
- XII. Nervus hypoglossus (Zunge): Der Patient streckt die Zunge heraus und bewegt sie zu allen Seiten.
6. Prüfung von Sensibilität, Motorik, Reflexen und Koordination
- Sensibilitätsprüfung: Der Arzt überprüft die Sensibilität des gesamten Körpers. Getestet werden das Berührungs-, Schmerz-, Temperatur-, Vibrations- und Lageempfinden. Die Sensibilitätsuntersuchung ist so durchzuführen, dass eine Unterscheidung in „small fibre“ versus „large fibre“ bzw. kombinierte Beteiligung möglich ist. „Small fibre“-Neuropathie-Zeichen sind insbesondere Thermhyp- bzw. -anästhesie als auch die Hypo-/Analgesie. „Large fibre“-Neuropathie-Zeichen sind vor allem socken-, strumpf- und handschuhförmige Störungen der Oberflächenberührung. Wichtig ist auch die Rumpfuntersuchung, da in weiter fortgeschrittenen Fällen auch die Bauchwand betroffen und insbesondere die mittelliniennahe Gefühlsverminderung charakteristisch ist (interkostale Nerven sind besonders lange Nerven und daher bei allen Formen der längenabhängigen Nervenschädigungen pathologisch).
- Motorikprüfung: Der Arzt untersucht die Motorik und teilt die Muskelkraft des Patienten in verschiedene Kraftgrade ein. So lassen sich eventuell bestehende Lähmungen oder Verkrampfungen (Spastiken) erkennen.
- Reflexprüfung: Mit Hilfe eines Reflexhammers testet der Arzt die Muskeleigenreflexe (z.B. Bizepssehnenreflex). Er legt einen Daumen auf die Bizepssehne und schlägt mit dem Hammer darauf. Beugt sich der Unterarm, sind Verletzungen der beteiligten Nerven nahezu ausgeschlossen. Bei den Fremdreflexen erfolgt die Reflexantwort nicht im reizwahrnehmenden Organ. Bestreicht der Arzt also zum Beispiel den Oberschenkel, sollte es beim Mann zu einer Hebung des Hodens kommen. Außerdem werden die Primitivreflexe getestet, welche beim Gesunden nicht mehr auslösbar sein sollten und nur bei Neugeborenen und Kleinkindern vorhanden sind. So wird beim Babinski-Reflex der Fussaußenrand kräftig bestrichen.
- Koordination, Stand und Gleichgewicht: Die Koordination kann durch den Finger-Nase-Versuch überprüft werden. Der Patient muss mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen zuerst den rechten und dann den linken Zeigefinger zur Nase führen. Stand und Gleichgewicht lassen sich mit dem Romberg-Stehversuch testen. Der Patient muss ein bis zwei Minuten lang mit geschlossenen Augen stehen - mit ausgestreckten Armen und eng nebeneinander stehenden Füssen. Mit dem Unterberger-Tretversuch testet man Stand, Gang und Gleichgewicht: Hier muss der Patient mit geschlossenen Augen und vorgestreckten Armen 50 bis 60 Schritte auf der Stelle machen. Die Knie sollen dabei immer auf Hüfthöhe angehoben werden. Zur Interpretation des Schweregrads und der Auswirkungen der sensiblen Störungen im Alltag sind die Störung des Lageempfindens, der Romberg-Test und der Strichgang sowie das Gehen bei Augenschluss eine entscheidende Hilfe.
7. Meningismus-Prüfung
Um eine Hirnhautentzündung auszuschließen, legt der Patient das Kinn auf die Brust. Kommt es hierbei zu Schmerzen, spricht man von einem Meningismus (Nackensteifigkeit), der genauer untersucht werden muss.
Labortests in der neurologischen Diagnostik
Labortests spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Nervenerkrankungen. Sie können helfen, infektiöse Ursachen, Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen zu identifizieren, die das Nervensystem beeinträchtigen.
Standard-Labordiagnostik
Die Standarddiagnostik zielt auf häufige und behandelbare Ursachen der Polyneuropathie (PNP) ab. Sie umfasst:
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- Differenzialblutbild
- Elektrolyte
- Leber- und Nierenwerte
- Immunfixation
- Bence-Jones-Protein
- Schilddrüsenparameter
- CRP
- Nüchternblutzucker
- HbA1c und oralen Glukosetoleranztest (bei Verdacht auf diabetische PNP)
- Vitamin-B12-Spiegel
- CDT („carbohydrate-deficient transferrin“) bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch
Spezielle Labortests
Je nach Klinik und Neurophysiologie können weitere Labortests erforderlich sein. Dazu gehören:
- Bestimmung von Borrelienantikörpern in Serum und Liquor
- Vaskulitisparameter (ANA, ANCA, C3, C4, zirkulierende Immunkomplexe, Kryoglobuline, Anti-MAK-AK)
- Paraproteine
- Angiotensin-Converting-Enzym (bei Verdacht auf Sarkoidose)
- Anti-GM1-AK (bei Verdacht auf multifokale Neuropathien)
- Campylobacter-jejuni-AK
- Zytomegalie-AK
- Gangliosid-AK (bei GBS)
- Bestimmung der Delta-Aminolävulinsäure (bei Verdacht auf Porphyrie)
- Untersuchungen hinsichtlich Blei, Thallium und Quecksilber (bei Verdacht auf Intoxikationen)
- Genetische Untersuchungen (bei positiver Familienanamnese)
Bedeutung der Labortests
- Infektiöse Ursachen: Infektiöse Ursachen einer Polyneuropathie lassen sich durch Labortests nachweisen.
- Alkoholische Polyneuropathie: Bei einer alkoholischen Polyneuropathie finden sich bei Blutuntersuchungen häufig Anzeichen für einen Vitamin-B-Mangel. Bei starker Leberschädigung durch chronischen Alkoholmissbrauch fallen Gerinnungsstörungen, Eiweißmangel und erhöhte Leberwerte auf.
- Differenzialdiagnostik: Labortests dienen zur Abklärung bei unklarer Ursache und/oder zur Abgrenzung anderer Krankheitsbilder mit ähnlicher Symptomatik sowie zur Verlaufskontrolle.
- Pharmakotherapie: Das Klinische Labor bietet wichtige Hinweise für eine massgeschneiderte Pharmakotherapie, die die individuellen Eigenschaften der PatientInnen einbezieht. Genetische Untersuchungen geben Auskunft darüber, wie bestimmte Medikamente die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Der Medikamentenabbau in der Leber kann verfolgt werden. Die regelmässige Bestimmung des Medikamentenspiegels im Blut ist Standard.
Weitere diagnostische Verfahren
Neben der neurologischen Untersuchung und den Labortests gibt es weitere diagnostische Verfahren, die zur Abklärung von Nervenerkrankungen eingesetzt werden können:
1. Neurophysiologische Diagnostik
Die neurophysiologische Diagnostik gehört zum obligaten Diagnoseverfahren zur Erfassung der PNP. Die neurophysiologische Untersuchung durch Aufzeichnung eines Leitungsblocks spezielle Formen, wie ein akutes GBS, eine multifokale Neuropathie mit Leitungsblock und auch isolierte periphere Nervenschädigungen, gut erfassen. Die ergänzende nadelelektromyografische Untersuchung ist bei akuten Fällen zur Erfassung des Verteilungsmusters mit Sicherheit sinnvoll. Neurophysiologische Untersuchungen sind in bestimmten Fällen durch Testungen des autonomen Nervensystems zu ergänzen.
- Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie, NLG): Durch Messung der Reizleitgeschwindigkeit der Beinnerven kann der Arzt feststellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Bei der Elektroneurografie reizt der Arzt einen Nerv nacheinander an zwei Stellen mit einem kleinen elektrischen Impuls. An einer anderen Stelle, meist über dem Muskel, bestimmt er die Ankunftszeit des Signals. Am Bildschirm wird dann die Nervenleitgeschwindigkeit für jeden einzelnen Nerv dargestellt.
- Bestimmung der Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Das Elektromyogramm zeichnet die Aktivität einzelner Muskeln auf. Veränderungen der Reizantworten deuten auf geschädigte Nerven oder Muskeln hin. Das Elektromyogramm zeichnet die Aktivität einzelner Muskeln durch eine in den Muskel gestochene dünne spezielle Nadel auf. Diese Untersuchung zeigt, ob ein Muskel in normal durch einen Nerv versorgt wird.
2. Bildgebende Verfahren
- Ultraschall und/oder Magnetresonanz-Angiografie: Bei Verdacht auf Beteiligung der Gefäße an den Beschwerden kann eine bildgebende Darstellung der Beinarterien die Polyneuropathie-Diagnose sichern.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Gehirn und Rückenmark. Sie kann helfen, Entzündungen, Tumore oder andere strukturelle Veränderungen zu erkennen.
3. Weitere Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Mit der Untersuchung der Herzstromkurve kann der Arzt prüfen, ob das Herz von einer autonomen Neuropathie betroffen ist.
- Harnblasen-Ultraschall: Der Harnblasen-Ultraschall zeigt an, ob die Blase nach dem Wasserlassen leer ist oder ob sich Restharn in ihr befindet.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Mit diesem Test misst man die Reaktion des Nervs auf bestimmte Reize wie Druck und Temperatur (Warm-Kalt-Empfindungen). Die Methode wird zunehmend eingesetzt, um den Verlust der Empfindlichkeit, aber auch eine vermehrte Reizbarkeit von Nerven zu untersuchen. Die Untersuchung dauert lange, erfordert grosse Aufmerksamkeit und Mitarbeit seitens des Patienten.
- Liquordiagnostik: Im Falle einer Multiplen Sklerose lassen sich typischerweise eine leichte Zellzahlerhöhung bei einem normalen Proteingehalt (Eiweißgehalt) nachweisen. Es wird außerdem nach Zeichen für eine immunologische Reaktion gesucht: Dabei fokussiert man sich auf die sogenannten oligoklonalen Banden (OKB), die als Folge einer gesteigerten Antikörperproduktion entstehen. Um zu beweisen, dass sich die Entzündung auf das zentrale Nervensystem beschränkt (wie es bei der Multiplen Sklerose der Fall ist), sollten diese Antikörper nur im Liquor, nicht jedoch im Blut nachweisbar sein. Da in wenigen Fällen trotz Vorliegen einer Multiplen Sklerose keine oligoklonalen Banden nachweisbar sind, muss diese Diagnostikmethode mit anderen Methoden ergänzt werden.
- Augendiagnostik mittels optischer Kohärenztomographie (OCT): Die Multiple Sklerose ist charakterisiert durch einen Abbau der Nervenzellen und Nervenzellfortsätze im zentralen Nervensystem (ZNS). Daher sind Sehnervenentzündungen ein häufiges Symptom: Denn auch die Netzhaut des Auges (Retina) enthält solche Nervenzellen und Nervenzellfortsätze.
- Schluckdiagnostik: Das Schlucken geschieht in einem komplexen Zusammenspiel aus einer Vielzahl von Muskeln, Nerven und mehreren Hirnregionen.
- Nervenbiopsie: Bei der Nervenbiopsie wird durch einen kleinen Schnitt in die Haut eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Die Durchführung einer Nervenbiopsie ist dann indiziert, wenn bei progredienter und schwerwiegender PNP die Diagnose mit weniger invasiven Methoden nicht gestellt werden konnte und sich aus der Diagnose eine Behandlungskonsequenz für den Patienten ergibt. Andernfalls ist eine Nervenbiopsie nicht gerechtfertigt. Gerade bei hereditären Neuropathien ist die Biopsie wegen der zunehmenden Möglichkeit der genetischen Untersuchung deutlich in den Hintergrund getreten. Gleiches gilt für die Labormöglichkeiten bei Verdacht auf vaskulitische PNP. Bei dieser kann auch eine weniger belastende Hautbiopsie in Einzelfällen gute und therapeutisch hilfreiche Ergebnisse erbringen.
Polyneuropathie: Diagnostik und Tests
Die Polyneuropathie (PNP) ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen oder Schädigungen des peripheren Nervensystems. Bei Menschen mit Diabetes mellitus sind die peripheren Nerven besonders häufig geschädigt. Aber auch Patienten mit Vitamin-B1-Mangel können an Polyneuropathie erkranken.
Diagnose von Polyneuropathie
Im Rahmen der Polyneuropathie-Diagnose prüft der Arzt zunächst die Blutzuckereinstellung bei Patienten mit Diabetes. Er wird nach Beschwerden, deren Beginn und Zusammenhang sowie deren Auswirkungen auf den Alltag fragen. Auch bestehende Erkrankungen und Medikamente sind von Bedeutung. Anschliessend wird der Zustand der Füsse begutachtet. Im Anschluss an den Fuss-Check wird er Sie gründlich neurologisch untersuchen und die Nervenfunktionen überprüfen. Die Ärztin oder der Arzt testet dabei unter anderem die Berührungsempfindlichkeit Ihrer Haut sowie das Vibrations- und Temperaturempfinden. Außerdem prüft er Ihre Reflexe. Zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden bei einem Polyneuropathie-Test gehören:
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- Berührungsempfinden: Mit einem Nylonfaden (Monofilament) prüft der Arzt, wie empfindlich Sie auf Druck und Berührung am Fuss reagieren.
- Vibrationsempfinden: Mit dem Stimmgabel-Test prüft der Arzt, wie deutlich Sie Vibrationen am Fuss wahrnehmen.
- Temperaturempfinden: Mit einem speziellen Instrument untersucht der Arzt, wie empfindlich Sie auf Wärme und Kälte an den Füssen reagieren.
- Muskelreflexe: Mit dem Reflexhammer untersucht der Arzt, ob Ihre Muskelreflexe funktionieren.
- Durchblutung der Beine: Durch Inspektion der Haut und Tasten der Pulse an den Arterien des Fusses kann der Arzt feststellen, ob die Beine gut durchblutet sind.
Weitere neurologische Untersuchungen bei Polyneuropathie
Um abzuklären, ob innere Organe bei der Erkrankung betroffen sind, kommen weitere Untersuchungen infrage:
- Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie, NLG)
- Bestimmung der Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG)
- Ultraschall und/oder Magnetresonanz-Angiografie
- Elektrokardiogramm (EKG)
Multiple Sklerose: Diagnostik
Eine frühe Diagnostik der Multiplen Sklerose ist entscheidend, um mit einer zeitnah einsetzenden Immuntherapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen zu können. Da MS-typische Symptome wie Sehstörungen oder Gangunsicherheiten jedoch auch bei anderen - meist neurologischen - Erkrankungen auftreten können, ist eine genaue Abklärung wichtig.
Diagnose-Kriterien nach McDonald
Bei der Diagnose MS muss nachgewiesen werden, dass die krankheitsbedingten Störungen sowohl an verschiedenen Stellen des zentralen Nervensystems (sog. „Herde“) als auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten (sog. „Schübe“) auftreten. Die sog. McDonald-Kriterien stellen den fachlichen Standard in der Diagnosestellung dar: Eine gesicherte MS liegt beispielsweise vor, wenn zeitlich und räumlich getrennt mindestens zwei Schübe und zwei Herde im ZNS nachgewiesen werden können oder wenn sich statt eines zweiten Schubes in einer MRT-Untersuchung im Vergleich zur Voruntersuchung ein oder mehrere neue Herde zeigen. In der neuesten Fassung wurden die Diagnose-Kriterien verfeinert und vereinfacht, sodass eine Multiple Sklerose nun bereits nach dem ersten Schub diagnostiziert werden kann.
Die neurologische Untersuchung bei MS
Im Rahmen der neurologischen Untersuchung können Funktionsbeeinträchtigungen des Nervensystems erkannt werden, selbst lange bevor sie vom Betroffenen selbst wahrgenommen werden. Die Multiple Sklerose führt zu Einschränkungen u. a. in den Bereichen Koordination, Gleichgewicht, Reflexe, Muskelkraft oder Sensibilität.
Bei einer neurologischen Untersuchung werden folgende Funktionen getestet:
- die grobe Kraft und die Feinmotorik
- Reflexe
- Sensibilität
- Koordination
- Gleichgewicht
- Funktion der zwölf Hirnnerven
Labordiagnostik bei MS
Im Rahmen einer Labordiagnostik bieten wir eine Analyse von Blut und Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) an.
Weitere Diagnoseverfahren bei MS
- Elektrophysiologie
- Kardiologische Funktionsdiagnostik
- Bildgebende Verfahren
- Neurourologische Diagnostik
- Augendiagnostik mittels optischer Kohärenztomographie (OCT)
- Schluckdiagnostik
Differenzialdiagnosen
Zahlreiche Erkrankungsbilder gehören einerseits zur Differenzialdiagnose, können andererseits gleichzeitig mit einer PNP vorhanden sein. Diese Krankheitsbilder umfassen Plexuskompressionen, radikuläre Erkrankungen, Myopathien (z.B. Einschlusskörperchenmyositis mit PNP), Vorderhornzellerkrankungen, Syringomyelie, Myelopathien und andere.
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