Lebenswichtige Operation bei Hirnblutung: Ein umfassender Überblick

Eine Hirnblutung, auch hämorrhagischer Schlaganfall genannt, entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe eindringt. Dieser Zustand kann zu schweren neurologischen Schäden führen und erfordert oft eine sofortige medizinische Intervention. Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Hirnblutungen zurückzuführen.

Arten von Hirnblutungen

Neurochirurgen unterscheiden verschiedene Arten von Hirnblutungen je nach Lokalisation:

  • Intrazerebrale Blutung: Einblutung in das Gehirngewebe selbst.
  • Subarachnoidalblutung: Einblutung zwischen die innere und mittlere Gehirnhautschicht (Arachnoidea und Pia mater).
  • Epidurale Blutung: Blutung zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und dem Schädelknochen.
  • Subdurale Blutung: Blutung zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Arachnoidea.

Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können zu einer Hirnblutung führen:

  • Bluthochdruck: Chronischer oder unzureichend behandelter Bluthochdruck ist eine der häufigsten Ursachen.
  • Gefäßfehlbildungen: Angeborene oder erworbene Anomalien wie Aneurysmen oder arterio-venöse Malformationen (AVM) können platzen und Blutungen verursachen.
  • Kopfverletzungen: Traumatische Ereignisse können zu Blutungen im Gehirn führen.
  • Hirntumoren und Metastasen: Tumoren können Gefäße schädigen oder einwachsen lassen, was zu Blutungen führen kann.
  • Entzündungen der Hirngefäße: Vaskulitiden können die Gefäßwände schwächen und Blutungen verursachen.
  • Drogenmissbrauch: Einige Drogen können den Blutdruck erhöhen und das Risiko von Blutungen steigern.
  • Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen können Blutungen begünstigen.
  • Weitere Risikofaktoren: Übergewicht, Nikotinkonsum, kalorienreiche Ernährung und höheres Alter erhöhen das Risiko.

Symptome einer Hirnblutung

Die Symptome einer Hirnblutung treten plötzlich auf und können je nach Ausdehnung und Lokalisation variieren:

  • Plötzliche Lähmungserscheinungen: Ein Bein, Arm oder die Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese) können betroffen sein.
  • Sprachstörungen: Verwaschene Sprache, Wortfindungsstörungen oder Sprachverlust können auftreten.
  • Sehstörungen: Plötzlich auftretende Doppelbilder oder ein eingeschränktes Sichtfeld sind möglich.
  • Gleichgewichtsstörungen und Schwindel: Betroffene können Schwierigkeiten haben, das Gleichgewicht zu halten oder unter Schwindel leiden.
  • Starke Kopfschmerzen: Ein plötzlicher, heftiger Kopfschmerz, oft als "Vernichtungskopfschmerz" beschrieben, kann auftreten, insbesondere bei einer Subarachnoidalblutung.
  • Bewusstseinsverlust: In schweren Fällen kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.
  • Übelkeit und Erbrechen: Diese Symptome können in Verbindung mit Kopfschmerzen auftreten.
  • Krampfanfälle: Insbesondere bei Kavernomen (gutartige Gefäßfehlbildungen) können epileptische Anfälle auftreten.

Diagnose

Die Diagnose einer Hirnblutung basiert auf:

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  • Klinischer Untersuchung: Die beschriebenen Symptome geben dem Arzt erste Hinweise.
  • Bildgebung:
    • Computertomografie (CT): Ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Visualisierung von Blutungen im Gehirn.
    • Kernspintomografie (MRT): Bietet detailliertere Bilder des Gehirns und kann auch kleinere Blutungen oder Gefäßfehlbildungen erkennen.
    • Angiografie: Stellt die Blutgefäße im Gehirn dar und kann Aneurysmen oder AVMs identifizieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass die klinischen Symptome allein keine sichere Unterscheidung zwischen einem Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) und einer Hirnblutung zulassen.

Therapie

Die Therapie einer Hirnblutung muss so rasch wie möglich erfolgen. Die Ziele sind:

  • Blutdruckkontrolle: Normalisierung des Blutdrucks, um weitere Blutungen zu verhindern.
  • Behandlung von Blutgerinnungsstörungen: Medikamente zur Korrektur von Gerinnungsstörungen.
  • Hirndrucksenkung: Maßnahmen zur Reduzierung des Drucks im Schädel, um das Gehirn zu entlasten.

Operative Behandlung

Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen und in lebensbedrohlichen Situationen infrage, um den Druck im Schädel zu senken oder die Blutungsquelle zu behandeln. Es gibt verschiedene operative Techniken:

  • Kraniektomie: Entfernung eines Teils des Schädelknochens, um dem Gehirn Raum zur Ausdehnung zu geben und den Druck zu senken. Dies wird oft bei großen Blutungen mit starker Hirnschwellung durchgeführt.
  • Evakuierung von Hämatomen: Entfernung von Blutansammlungen (Hämatomen), um den Druck auf das Gehirn zu reduzieren. Epidurale Hämatome, die sich zwischen Schädelkalotte und harter Hirnhaut befinden, können oft relativ leicht operativ entfernt werden.
  • Clipping von Aneurysmen: Bei einer Subarachnoidalblutung aufgrund eines gerissenen Aneurysmas kann der Neurochirurg die Aussackung mithilfe eines Clips von der Blutzirkulation "abklemmen".
  • Coiling von Aneurysmen: Eine minimalinvasive Alternative zum Clipping, bei der winzige Spiralen (Coils) über einen Katheter in das Aneurysma eingebracht werden, um es von innen zu verschließen.
  • Entfernung von AVMs: Arterio-venöse Malformationen können operativ entfernt oder durch Embolisation (Verschluss der zuführenden Gefäße) behandelt werden.
  • Entfernung von Kavernomen: Kavernome, gutartige Gefäßfehlbildungen, können operativ entfernt werden, insbesondere wenn sie Blutungen verursacht haben oder epileptische Anfälle auslösen.

Während der Operation setzen Neurochirurgen oft computergestützte Navigationssysteme ein, die eine sehr präzise Entfernung des betroffenen Gewebes ermöglichen und wichtige Hirnbereiche schonen.

Konservative Behandlung

Neben der operativen Behandlung spielen konservative Maßnahmen eine wichtige Rolle:

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  • Intensivmedizinische Betreuung: Überwachung und Unterstützung der Vitalfunktionen (Kreislauf, Atmung, Nierenfunktion) auf der Intensivstation.
  • Medikamentöse Therapie: Behandlung von Begleitbeschwerden wie Hirnödem (Schwellung des Gehirns), Krampfanfällen und Schmerzen.
  • Physiotherapie und Rehabilitation: Frühzeitige Mobilisierung und Rehabilitation, um neurologische Defizite zu verbessern.

Prognose

Die Prognose nach einer Hirnblutung ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Größe und Lage der Blutung: Große Blutungen in wichtigen Hirnbereichen haben eine schlechtere Prognose.
  • Schweregrad der Blutung: Der Schweregrad der neurologischen Ausfälle bei der Aufnahme in die Klinik ist ein wichtiger Prognosefaktor.
  • Alter und Gesundheitszustand des Patienten: Ältere Patienten und Patienten mit Vorerkrankungen haben oft eine schlechtere Prognose.
  • Zeit bis zur Behandlung: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen auf eine gute Erholung.
  • Ursache der Blutung: Die Ursache der Blutung (z.B. Aneurysma, AVM, Bluthochdruck) beeinflusst die Prognose.

Unbehandelt droht bei schweren Blutungen der Tod. Studien zeigen, dass etwa 40-50 Prozent der Betroffenen die akute Phase nicht überleben. Die ersten 48 bis 72 Stunden gelten als besonders kritisch.

Auch wenn die Prognose oft ernst ist, können viele Patienten mit einer frühzeitigen und umfassenden Behandlung eine deutliche Verbesserung ihrer neurologischen Funktion erreichen. Die vollständige Genesung hängt von Größe, Lage und Schwere der Blutung ab. Manche Patientinnen bzw.

Prävention

Um einem hämorrhagischen Schlaganfall vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Kontrolle des Bluthochdrucks: Regelmäßige Messung und Behandlung von Bluthochdruck.
  • Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und Nikotinkonsum.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Patientinnen und Patienten mit einem Aneurysma im Gehirn sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen und ab einer bestimmten Größe eine vorbeugende Operation mit ihrem Neurochirurgen besprechen.
  • Vermeidung von Kopfverletzungen: Tragen von Schutzhelmen bei Risikosportarten und im Straßenverkehr.
  • Vorsicht bei blutverdünnenden Medikamenten: Die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Schlaganfall bei Neugeborenen

In seltenen Fällen können auch Neugeborene einen Schlaganfall erleiden. Am UKM (Universitätsklinikum Münster) gelang es, bei dem frischgeborenen kleinen Pepe das lebenswichtige Gefäß innerhalb von 14 Stunden nach der Geburt wiederzueröffnen. Pepe selbst hat den Eingriff gut überstanden, allerdings wurde bei ihm im Zuge der Untersuchungen noch ein kleinerer Herzfehler gefunden, der beobachtet und eventuell behoben werden muss. „Seine Prognose ist generell gut“, freut sich Sträter. Zwar könne man erst auf längere Sicht sagen, ob das Kind den Hirninfarkt ohne Schaden überstanden hat, aber zumindest konnte man den neurologischen Notfall abwenden. Der Schlaganfallspezialist ist zuversichtlich, weil es bei Pepe keine weiteren Hirninfarkte mehr gegeben hat und die Durchblutung des lebenswichtigen Hirnstamms erhalten werden konnte.

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