Ein leichter Hirnschlag, auch transitorische ischämische Attacke (TIA) genannt, ist ein vorübergehender Ausfall neurologischer Funktionen, der durch eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht wird. Obwohl die Symptome nur kurz andauern, ist eine TIA ein Warnsignal für einen möglichen Schlaganfall. Verschiedene Konsumgewohnheiten und Substanzen können das Risiko eines leichten Hirnschlags oder eines vollständigen Schlaganfalls beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, die mit dem Konsum von Kokain, Alkohol und Kaffee verbunden sind, und bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Kokainkonsum und Schlaganfallrisiko
Kokain gilt als leistungssteigernde Droge. Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt: Wer Kokain konsumiert, hat ein deutlich erhöhtes Risiko sowohl für Hirnblutungen als auch für Verstopfungen von Hirngefäßen. Nach einer „Line“ Kokain fühlen sich Konsumierende selbstbewusst und sind hellwach. Ihr Herzschlag nimmt zu, der Blutdruck steigt. Doch die Substanz führt dem Körper keine Energie zu, sondern bringt ihn dazu, seine Energiereserven auszubeuten. Das bleibt nicht ohne Folgen. Vor allem die Gefäße werden stark belastet. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt.
Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Kokain
Erstautor Luis Rendon und sein Team haben systematisch die Forschungsliteratur durchkämmt. 36 Studien mit Daten zu unterschiedlichen Typen von Schlaganfällen hat das Team zusammengefasst. Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass Kokain das Schlaganfallrisiko um das 5-fache gegenüber Personen erhöht, die kein Kokain konsumieren.
Ein Schlaganfall kann sich unter anderem durch plötzliche Lähmungen, Sehprobleme, Sprachstörungen, Muskelschwäche oder Verwirrtheit bemerkbar machen. Häufigste Ursache ist eine Verstopfung eines Gefäßes im Gehirn. Dadurch wird der betroffene Bereich nicht mehr ausreichend versorgt und Nervenzellen sterben ab. Seltener sind Blutungen, weil ein Blutgefäß reißt. Blut tritt aus und übt Druck auf das umgebende Hirngewebe aus. Häufig kommt es dann zu plötzlichen starken Kopfschmerzen. Blutungen innerhalb des Gehirns werden als hämorrhagischer Schlaganfall bezeichnet. Den Ergebnissen zufolge erhöht Kokain das Risiko für alle Schlaganfalltypen, also sowohl für Verstopfungen von Hirngefäßen als auch für eher seltenere Hirnblutungen.
Mechanismen des erhöhten Risikos
Mehrere Gründe sind für das erhöhte Schlaganfallrisiko durch Kokainkonsum verantwortlich. So bewirkt akuter Kokainkonsum nicht nur eine Verengung der Gefäße, auch der Blutdruck steigt. Vor allem häufiger Kokainkonsum schädigt die Gefäße, weil die Zellschicht, die das Innere der Blutgefäße auskleidet, durch Kokain angegriffen wird.
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Komplikationen nach einem Schlaganfall bei Kokainkonsum
Die Meta-Analyse hat darüber hinaus gezeigt, dass Kokainkonsumierende im Vergleich zu kokainabstinenten Patientinnen und Patienten ein höheres Risiko für weitere Komplikationen nach einem Schlaganfall haben. So ist nicht nur das Risiko für Krampfanfälle erhöht. Die Autorinnen und Autoren der Meta-Analyse weisen darauf hin, dass bei Kokainkonsumierenden mit einem Schlaganfall zusätzliche medizinische Maßnahmen erforderlich sein können, um beispielsweise das Risiko eines nachfolgenden Krampfanfalls zu mindern oder schneller erkennen zu können. Betroffene sollten daher nicht zögern, ihren Kokainkonsum anzusprechen, sofern sie es noch können.
Alkoholkonsum und Schlaganfallrisiko
Stockholm - Der Konsum von Alkohol hat einen divergenten Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Ein oder zwei Getränke am Tag waren in einer Meta-Analyse in BMC Medicine (2016; 14: 178) mit einem verminderten Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall verbunden. Bei einem höheren Konsum kam es häufiger zu intrazerebralen Blutungen und auch zu Subarachnoidalblutungen.
Die Auswirkungen von moderatem Alkoholkonsum
Ein moderater Alkoholkonsum kann den HDL-Cholesterinwert steigern und die Fibrinogenwerte senken. Beides könnte im Alter einen günstigen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko haben. Andererseits haben Menschen, die Alkohol trinken, häufiger einen erhöhten Blutdruck, der derzeit als der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für den Schlaganfall anzusehen ist. Bei Männern ist der Blutdruck bereits bei einem mäßigen Alkoholkonsum erhöht. Bei Frauen besteht eine J-förmige Kurve mit einem günstigen Einfluss bei einem niedrigen Konsum.
Forschungsergebnisse zum Alkoholkonsum
Es gibt deshalb gute Gründe den Einfluss des Alkoholkonsums auf das Schlaganfallrisiko zu untersuchen. Susanna Larsson vom Karolinska Institut in Stockholm und Mitarbeiter haben hierzu die Ergebnisse von 27 prospektiven Beobachtungsstudien ausgewertet. Ein leichter und mäßiger Alkoholkonsum war mit einem verminderten Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall verbunden. Bei maximal einem Getränk pro Tag sank das Risiko um 10 Prozent (relatives Risiko RR 0,90; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,85-0,95).
Für ein bis zwei Getränke am Tag ermittelte Larsson ein um 8 Prozent vermindertes Risiko (RR 0,92; 0,87-0,97). Bei zwei bis vier Getränken am Tag kam es dagegen zu einem Anstieg um 8 Prozent (RR 1,08; 1,01-1,15) und bei mehr als vier Getränken zu einem Anstieg zum 14 Prozent (RR 1,14; 1,02-1,28). Dieser hohe Alkoholkonsum, der laut Larsson auch aus anderen Gründen bedenklich für die Gesundheit ist, war auch mit einem deutlichen Anstieg von intrazerebralen Blutungen um 67 Prozent (RR 1,67; 1,25-2,23) und Subarachnoidalblutungen um 82 Prozent (1,82; 1,18-2,82) verbunden.
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Die insgesamt seltenen Subarachnoidalblutungen treten häufig als Folge eines Schädeltraumas auf und die Assoziation ließe sich plausibel auf Stürze unter hohem Alkoholkonsum zurückführen.
Kaffeekonsum und Schlaganfallrisiko
Die Angst, dass Kaffeegenuss das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen könnte, scheint unbegründet. „Nach jahrzehntelanger Diskussion und Verunsicherung ist dies sicher eine gute Nachricht für unsere Patienten“, sagt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Kaffee ist - in Maßen genossen - kein Risikofaktor für den Schlaganfall.
Aktuelle Forschungsergebnisse zum Kaffeekonsum
Die neueste, größte und wohl auch genaueste Studie über einen möglichen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stammt von Forschern der Universitäten Harvard (USA) und Singapur, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Circulation. Dabei fand man das geringste Risiko bei einem mäßigen Kaffeegenuss von drei bis fünf Tassen täglich. Aber auch Menschen, die bis zu sieben Tassen Kaffee tranken, erlitten im Durchschnitt weniger Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Herzleiden als diejenigen, die gar keinen Kaffee tranken. „Diese Studie erbrachte starke Beweise, dass der langfristige Konsum großer Mengen Kaffee nicht mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko verbunden ist“, schreiben die Wissenschaftler um den Harvard-Epidemiologen Frank B. Hu.
Meta-Analyse von Harvard
Moderater Kaffeekonsum ist kein Risikofaktor für Schlaganfall Hus Team hatte in seiner sogenannten Meta-Analyse die Fachliteratur nach hochwertigen Studien anderer Forscher durchforstet. Sie fanden 36 solcher Studien zum Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter den nahezu 1,3 Millionen Studienteilnehmern hatten etwa 48.000 eine Herz-Kreislauf-Krankheit erlitten oder waren daran gestorben. Verzeichnet wurden dabei auch 12.030 Schlaganfälle. Im Vergleich zu Menschen, die gar keinen Kaffee tranken, war die Schlaganfall-Rate unter den Vieltrinkern (fünf Tassen pro Tag) um 5 Prozent niedriger gewesen. In der Gruppe mit durchschnittlich 1,5 Tassen pro Tag waren 11 Prozent weniger Schlaganfälle aufgetreten. Erst ab etwa neun Tassen täglich steigt das Risiko wieder an
U-förmige Kurve des Risikos
„Wenn man das Risiko für einen Schlaganfall oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen dem Kaffeekonsum gegenüberstellt, so ergibt sich eine u-förmige Kurve“, erläutert Professor Diener. Menschen, die gar keinen Kaffee trinken, sind stärker gefährdet als diejenigen mit wenigen Tassen am Tag. Bei drei bis fünf Tassen ist das Risiko am geringsten. Mit zunehmendem Kaffeekonsum steigt das Risiko dann wieder leicht an. Ein höheres Risiko als Nicht-Kaffee-Trinker scheint man jedoch erst ab ungefähr neun bis zehn Tassen täglich zu haben.
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Historische Perspektive der Kaffee-Forschung
Intensive Kaffee-Forschung schon seit den 1960er-Jahren Die Frage, ob zu viel Kaffee für das Herz schlecht ist, beschäftigt Wissenschaftler schon seit mindestens einem halben Jahrhundert. Sie zeigten, dass Koffein kurzfristig den Herzrhythmus stören und den Blutdruck erhöhen kann. Viele Vergleichsstudien, bei denen man rückblickend den Kaffeekonsum von Herzkranken mit dem Gesunder verglichen hatte, schienen auf ein erhöhtes Risiko hinzuweisen.
Inhaltsstoffe und Zubereitungsmethoden
Das Getränk enthält mehrere Hundert verschiedene Substanzen, erinnern die Forscher um Hu. Die U-Kurve könnte demnach die Folge einer Kombination von positiven und schädlichen Effekten dieser Substanzen sein. Kompliziert werden Vergleiche auch dadurch, dass sich die Methoden der Kaffeezubereitung im Laufe der Jahrzehnte geändert haben. Früher wurde das Pulver zumeist gekocht, heute wird es eher gefiltert. Weil gekochter Kaffee nachweislich das Blutfett Cholesterin erhöht, Filterkaffee aber nicht, könnten unterschiedliche Studienresultate auch damit zu erklären sein, dass Kaffee heute schlicht „gesünder“ hergestellt wird als früher.
Prävention und Risikomanagement
Um das Risiko eines leichten Hirnschlags oder eines Schlaganfalls zu minimieren, ist es wichtig, Risikofaktoren zu erkennen und zu managen. Dazu gehören:
- Vermeidung von Kokain: Angesichts des erheblich erhöhten Schlaganfallrisikos ist der Verzicht auf Kokain unerlässlich.
- Moderater Alkoholkonsum: Ein maßvoller Konsum von Alkohol kann möglicherweise positive Auswirkungen haben, während übermäßiger Konsum das Risiko deutlich erhöht.
- Ausgewogener Kaffeekonsum: Ein moderater Kaffeekonsum scheint unbedenklich zu sein und könnte sogar protektive Wirkungen haben.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Die Überwachung des Blutdrucks und der Cholesterinwerte sowie die Einhaltung ärztlicher Empfehlungen sind entscheidend.
- Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Rauchen tragen zur allgemeinen Gefäßgesundheit bei.
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