Geruchs- und Geschmacksverlust: Ursachen und Behandlung von neuropathischen Störungen

Viele neurologische Erkrankungen sind heutzutage wesentlich besser behandelbar als früher. Gegen die Parkinson-Krankheit und gegen Multiple Sklerose gibt es mehr Therapieformen, und auch die Epilepsie stellt nicht mehr denselben Kontrollverlust dar wie einst. Dennoch können neurologische Probleme wie Geruchs- und Geschmacksverlust die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsansätze von Geruchs- und Geschmacksverlust im Zusammenhang mit neuropathischen Erkrankungen.

Neurologische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Sinne

Neurologische Erkrankungen können vielfältige Symptome verursachen, darunter auch Störungen des Geruchs- und Geschmackssinnes. Diese Sinnesbeeinträchtigungen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich mindern, da sie die Freude am Essen, die Wahrnehmung von Umweltreizen und sogar die Schutzfunktion vor Gefahren beeinträchtigen können.

Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Nervenkrankheit

Vermuten Sie bei sich eine Nervenkrankheit, zum Beispiel, weil oben genannte Symptome vorliegen, so ist als erstes Ihr:e Hausärzt:in der bzw. die geeignete Ansprechpartner:in. Er oder sie wird Sie gründlich untersuchen und entscheiden, ob der Verdacht begründet ist. Falls ja, kann sie Sie an eine:n Neurolog:in überweisen, der bzw. die die weitere Diagnostik durchführen kann. Zögern Sie nicht, sich frühzeitig an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zu wenden, anstatt Beschwerden monate- oder gar jahrelang auszuhalten. Die Behandlungsaussichten sind meist besser, je früher mit der Therapie begonnen wird.

Unterstützung im Umgang mit neurologischen Erkrankungen

Außerdem kann es helfen, Angehörigen, Partner:innen oder Mitbewohner:innen von der Erkrankung zu erzählen. Bei vielen neurologischen Krankheiten werden Sie zumindest zeitweise Hilfe benötigen. Die psychische Belastung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Lassen Sie sich jedoch nicht alles abnehmen, auch wenn Ihr Umfeld Sie schonen und unterstützen möchte. Für alle Betroffene egal welcher neurologischen Krankheit ist es sowohl für Psyche als auch für die körperliche Situation wichtig, all das selbstständig zu tun, was selbstständig geht.

Angehörigen mag es häufig schwerfallen, zuzusehen und Tätigkeiten nicht abzunehmen, die anstrengend oder mühselig erscheinen. Damit tun Sie jedoch niemandem einen Gefallen, sich selbst nicht, und dem bzw. der Betroffenen nicht. Dies bedeutet nicht, dass Sie jemandem, der Hilfe braucht, nicht die Treppe hinaufhelfen. Aber wenn beispielsweise normales Besteck aufgrund einer Polyneuropathie nicht mehr benutzt werden kann, suchen Sie lieber gemeinsam Lösungsstrategien. Besorgen Sie zum Beispiel dickeres Besteck, das der oder die Betroffene benutzen kann, anstatt das Fleisch vorzuschneiden.

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Das olfaktorische System und seine Störungen

Das olfaktorische System, das für den Geruchssinn verantwortlich ist, besteht aus dem N. olfactorius, dem Riechepithel in der Nasenhöhle und dem Bulbus olfactorius im Gehirn. Störungen in diesem System können zu quantitativen Ausfällen wie Hyposmie (verminderter Geruchssinn) oder Anosmie (Verlust des Geruchssinns) führen, aber auch qualitative Störungen wie Dysosmie oder Parosmie (veränderte Geruchswahrnehmung) verursachen.

Ursachen von Riechstörungen

Die Ursachen für Riechstörungen sind vielfältig und können in sinusale und nicht-sinusale Ursachen unterteilt werden.

Sinusale Ursachen:

  • Entzündliche Erkrankungen wie Rhinitis und Sinusitis
  • Polyposis nasi/sinuum
  • Postinfektiöse Schädigung des Riechepithels nach viralen Infekten
  • Iatrogene Ursachen nach nasalen Eingriffen
  • Traumatische Ursachen wie Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Nicht-sinusale Ursachen:

  • Medikamentöse Ursachen (z. B. Amitriptylin, Amphetamine, Antibiotika, Chemotherapeutika)
  • Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Demenzen, Morbus Parkinson, Chorea Huntington)
  • Angeborene Hyposmie/Anosmie
  • Toxische Ursachen (z. B. Kokain, Nikotin)

Riechstörungen im Alter und bei neurodegenerativen Erkrankungen

Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Hyposmie und Anosmie zu (Presbyosmie). Eine Riechstörung kann auch ein Prodromalsymptom einer neurodegenerativen Erkrankung sein, wobei jedoch aus dem Vorliegen einer Riechstörung allein kein Rückschluss auf eine sich entwickelnde Erkrankung gezogen werden kann.

Diagnostik und Behandlung von Riechstörungen

Zur Untersuchung des Geruchssinnes stehen standardisierte und validierte Testsets zur Verfügung. Die Behandlung von Riechstörungen ist oft problematisch und richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Schwellungen der Nasenschleimhaut können lokale abschwellende Maßnahmen helfen. Bei posttraumatischer Anosmie muss der natürliche Verlauf abgewartet werden. Ein Therapieversuch kann mit Kortikoiden oder Theophyllin gemacht werden.

Bedeutung des Geruchssinns im Alltag

Es ist wichtig, Patienten mit Riechstörungen über Sicherheitsaspekte aufzuklären, z. B. dass ausgetretenes Gas und Brandrauch nicht oder nur verspätet wahrgenommen oder verdorbene Speisen unzureichend erkannt werden können. Positive Faktoren für die Prognose sind eine Restgeruchswahrnehmung, eine symmetrische Riechstörung und ein junges Alter.

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Das gustatorische System und seine Störungen

Das gustatorische System, das für den Geschmackssinn verantwortlich ist, besteht aus den Geschmacksknospen auf der Zunge, dem Gaumen, den Lippen, dem Pharynx, Larynx und dem Ösophagus sowie den Hirnnerven N. facialis, N. glossopharyngeus und N. vagus. Störungen in diesem System können zu Ageusie (Verlust des Geschmackssinns), Hypogeusie (verminderter Geschmackssinn), Dysgeusie oder Pargeusie (Fehlwahrnehmungen) führen.

Ursachen von Geschmacksstörungen

Die Ursachen für Geschmacksstörungen sind vielfältig und können in periphere und zentrale Ursachen unterteilt werden.

Periphere Ursachen:

  • Starkes Rauchen
  • Austrocknung der Zunge und Hyperviskosität des Speichels
  • Virusinfektionen
  • Zinkmangel
  • Medikamente
  • Hirnnervenläsionen (N. facialis, N. glossopharyngeus, N. vagus)
  • Mittelohrprozesse, Kiefergelenkfrakturen
  • Tonsillektomie, Tonsillenabszesse und -tumoren

Zentrale Ursachen:

  • Läsionen im Thalamus, frontoparietalen Kortex oder Uncus
  • Zerebrale Ischämien, Blutungen, Traumafolgen, Tumoren und Entzündungen
  • Elementar partielle Anfälle mit gustatorischer Symptomatik

Geschmacksstörungen bei neurologischen Erkrankungen

Beim Morbus Parkinson kann es nicht nur zu Riechstörungen, sondern auch zu Geschmacksstörungen kommen. Halbseitige Geschmacksstörungen der Zunge, welche sowohl die vorderen als auch das hintere Zungendrittel betreffen, weisen auf eine Läsion der zentralen Geschmacksbahn hin.

Diagnostik und Behandlung von Geschmacksstörungen

Die Untersuchung des Geschmackssinnes erfolgt, indem auf die herausgestreckte Zunge des Patienten Geschmacksstoffe aufgebracht werden, wobei die vom Kranken wahrgenommene Geschmacksrichtung auf einer Tafel angezeigt wird. Die Behandlung von Geschmacksstörungen umfasst das Ausschalten von Noxen (Rauchen, Medikamente), die Normalisierung der Mund-Rachen-Verhältnisse (Mundhygiene, künstlicher Speichel, abschwellende Maßnahmen) und die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen. Bei der idiopathischen Hypogeusie sollte ein Therapieversuch mit Zink erfolgen.

Die Bedeutung der Zusammenarbeit von Geruchs- und Geschmackssinn

Störungen des Geruchs- und Geschmackssinnes werden zweckmäßigerweise gemeinsam besprochen: Beide Sinnesmodalitäten werden über Chemorezeptoren vermittelt, Störungen der einen führen oft subjektiv zu Beeinträchtigungen der anderen Sinnesmodalität, differenzierte Leistungen (z. B. Abschmecken von Speisen beim Kochen) sind an die Intaktheit von Geschmacks- und Geruchssinn geknüpft. Wenn von der Berufstätigkeit in der Gastronomie abgesehen wird, stellen weder die Anosmie (Verlust des Riechsinnes) noch die Ageusie (Verlust des Geschmackssinnes) für sich genommen ein schwerwiegendes Handikap dar; sie mindern jedoch die Lebensqualität deutlich, und es fällt auch die Schutzfunktion der rechtzeitigen Wahrnehmung schädlicher Dämpfe (Gas) oder vergifteter/verdorbener Speisen fort. Im klinischen Alltag spielen Störungen des Geruchssinnes vor allem nach Virusinfektionen und in der Neurotraumatologie eine Rolle; die aromatische Anosmie stellt auch ein Frühsymptom neurodegenerativer Erkrankungen (Demenzen, Parkinson) dar.

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Postvirale Syndrome und ihre Auswirkungen auf Geruch und Geschmack

Virusinfektionen können nicht nur akute Symptome verursachen, sondern auch Spätfolgen haben, die die Betroffenen über Wochen und Monate stark beeinträchtigen. Man spricht dann vom sogenannten postviralen Syndrom. Dieses Syndrom kann eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheitszeichen umfassen, darunter auch Beschwerden, die schon während der Infektion auftraten, sowie neue Beschwerden.

Long-COVID und seine Auswirkungen auf die Sinne

Offenbar betrifft das Long-COVID-Syndrom einen Großteil der COVID-19-Patienten - selbst wenn die vorherige Corona-Erkrankung mild oder gar symptomlos verlaufen ist. Zu den möglichen Ursachen für ein postvirales Syndrom zählen:

  • Dauerhafte Schädigung von Organen (z. B. Lungenfibrose, Herzmuskelschäden, Nierenschäden)
  • Schädigung des Nervensystems (z. B. der Riechzellen, des Riechkolbens im Gehirn)
  • Schädigung des Immunsystems (z. B. Autoimmunreaktionen)
  • Unkontrollierte Entzündungen im gesamten Organismus
  • Stoffwechselstörungen
  • Psychische Effekte

Therapieansätze bei postviralen Syndromen

Die Post-COVID-Therapie kann an diesen Punkten ansetzen, beispielsweise durch eine effektive Erhöhung der intrazellulären Glutathion-Spiegel. Denn das körpereigene Glutathion reguliert entscheidende Immun- und Entzündungsreaktionen und schützt die Organe vor Schädigungen durch oxidativen und nitrosativen Stress.

Wann ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Sie nach einer überstandenen Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus eines oder mehrere der oben geschilderten Symptome an sich feststellen und die Probleme sich nicht innerhalb kurzer Zeit wieder geben, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen. Inzwischen gibt es Post-COVID-Sprechstunden (sogenannte Post-COVID-19-Ambulanzen), in denen Fachleute die individuellen Beschwerden einordnen und Therapiemöglichkeiten eröffnen können. Nützlich ist dazu z.B. ein Symptom-Tagebuch, mit dessen Hilfe die zum Teil deutlich schwankenden Beschwerden objektiviert werden können.

Weitere neurologische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Sinne

Neben den bereits genannten Erkrankungen gibt es weitere neurologische Erkrankungen, die mit Geruchs- und Geschmacksverlust einhergehen können. Dazu gehören:

  • Morbus Parkinson: Diese chronisch-degenerative Nervenerkrankung geht mit Zittern, steifen Muskeln und verlangsamten Bewegungen einher. Ein veränderter Geruchs- und Geschmackssinn ist bei über 95 Prozent der Betroffenen ein frühes Anzeichen.

  • Dystonie: Diese Bewegungsstörung kann verschiedene Muskelgruppen betreffen und zu unwillkürlichen Verkrampfungen führen. Je nach betroffenem Bereich kann auch der Geschmackssinn beeinträchtigt werden.

  • Schwindelerkrankungen: Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr können ebenfalls zu sensorischen Beeinträchtigungen führen.

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