Die Lernmotivation von Kindern zu fördern ist ein vielschichtiges Thema, da jedes Kind einzigartige Bedürfnisse und Lernstile hat. Es gibt keine allgemeingültige Methode, die für jedes Kind funktioniert. Vielmehr ist es wichtig, individuell auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen und verschiedene Ansätze auszuprobieren.
Was ist Lernmotivation?
Die Universität Freiburg definiert Lernmotivation als den Wunsch oder die Absicht, sich bestimmte Inhalte oder Fertigkeiten anzueignen. Grundsätzlich wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden.
- Intrinsische Motivation: Diese entsteht aus dem eigenen Willen und wirkt langfristig. Ein Beispiel wäre, wenn ein Kind für einen Mathetest lernt, weil es so gut wie sein bester Freund werden möchte.
- Extrinsische Motivation: Diese entsteht durch das Umfeld, beispielsweise durch Belohnungen oder Druck von außen.
Lernforscher betonen, dass nur die intrinsische Motivation langfristig wirkt.
Ursachen für mangelnde Lernmotivation
Die Lernmotivation kann aus verschiedenen Gründen verloren gehen.
- Pubertät: Spätestens in der Pubertät geht die Lernmotivation oft verloren.
- Leistungsdruck: In der weiterführenden Schule nimmt der Leistungsdruck spürbar zu.
- Schulausfall: Häufiger Schulausfall unterbricht die Routine und kann die Motivation negativ beeinflussen.
- Nicht erkannte Hochbegabung: Auch eine nicht erkannte Hochbegabung kann Kindern die Lernmotivation nehmen, da sie sich unterfordert fühlen.
- Druck der Eltern: Auch Eltern können Druck ausüben, wenn sie wollen, dass ihr Kind in der Schule erfolgreich ist. Es ist wichtig, die Lernmotivation nicht durch Bestrafungssysteme künstlich hochzuhalten.
Lerntypen und Lernarten
Die Art und Weise, wie man lernt, beeinflusst die Lernmotivation entscheidend. Babys und Kleinkinder lernen vor allem durch Beobachtung und Nachahmung. In der Schule gilt es jedoch, sich bestimmte Lernarten anzutrainieren, wie zum Beispiel das Auswendiglernen von Vokabeln oder mathematischen Formeln. Die Kinder müssen sozusagen das Lernen lernen.
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In der Wissenschaft werden vier Lerntypen unterschieden:
- Auditiver Lerntyp: Dieser Typ merkt sich Informationen am besten, die er hört. Im Unterricht kann man dies zum Beispiel umsetzen, indem laut vorgelesen wird.
- Visueller Lerntyp: Dieser Typ wird vor allem durch visuelle Reize zum Lernen angeregt, wie zum Beispiel durch Lesen oder Anschauen von Bildern.
- Kommunikativer Lerntyp: Dieser Typ lernt leichter, wenn er kommunizieren kann, zum Beispiel wenn er sich über ein Thema mit anderen unterhält.
- Kinästhetischer Lerntyp: Dieser Typ lernt am besten durch Bewegung und praktische Erfahrungen.
Jeder Mensch ist eine Mischform dieser vier Lerntypen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Sinne beim Lernen gefordert werden, desto leichter und schneller lernt ein Kind.
10 Tipps zur Steigerung der Lernmotivation
Neben der Berücksichtigung des geeigneten Lerntyps gibt es viele weitere Dinge, die Eltern tun können, um die Lernmotivation bei ihrem Kind zu steigern.
- Lernplan erstellen: Gemeinsam mit dem Kind einen Lernplan entwickeln, der in kleine Schritte unterteilt ist und Pausen sowie kleine Belohnungen integriert.
- Wissenslücken schließen: Gemeinsam herausfinden, welche Wissenslücken es gibt und daran arbeiten.
- Erfolge feiern: Kleine Fortschritte feiern und dem Kind zeigen, dass kleine Schritte zum Erfolg führen.
- Ziele setzen: Kleine (Zwischen)-Ziele setzen, um den Lernstoff überschaubarer zu machen.
- Spaß am Lernen: Den Spaß am Lernen in den Vordergrund stellen. Wenn Lernen nur aus Forderungen, Druck und Langeweile besteht, schalten Kinder irgendwann ab.
- Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen: Auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes achten. Braucht es nach der Schule erst mal Ruhe oder tobt es sich nach dem Mittagessen gerne draußen aus?
- Digitale Medien nutzen: Technik und digitale Medien können als Hilfsmittel genutzt werden, um die Fantasie und Kreativität des Kindes zu fördern.
- Angenehme Lernumgebung schaffen: Eine aufgeräumte, leise Umgebung ohne Ablenkungen schaffen.
- Mehrere Sinne ansprechen: Die Lernmotivation ist umso höher, je mehr Sinne beansprucht werden. Zum Beispiel kann man für den Sachkundeunterricht gemeinsam mit dem Kind eine Landkarte basteln.
- Gemeinsam mit Freunden lernen: Lernen mit Gleichaltrigen kann den Ansporn erhöhen und den Spaß nicht zu kurz kommen lassen.
Weitere Tipps und Strategien
- Belohnungen: Belohnungen können die Lernmotivation steigern, sollten aber nicht immer eingesetzt werden, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.
- Verständnis zeigen: Dem Kind klarmachen, dass es normal ist, wenn man etwas nicht gleich versteht. Gemeinsam nach der Lösung suchen, um das Selbstvertrauen und die Lernmotivation zu stärken.
- Motivierende Arbeitsumgebung: Einen festen Arbeitsplatz mit allen benötigten Materialien schaffen und Ablenkungen vermeiden.
- Feste Lernzeiten: Feste, überschaubare Lernzeiten vereinbaren und einhalten.
- Selbstständigkeit fördern: Das Kind Aufgaben möglichst allein erledigen lassen und nur bei Bedarf Hilfestellungen anbieten.
- Angstfreies Lernklima: Ein angstfreies Lernklima schaffen, indem man Interesse zeigt, Fortschritte lobt und keine Überforderung ausübt.
- Talente fördern: Besondere Talente des Kindes gezielt fördern.
- Gespräche mit Lehrern: Regelmäßig den Kontakt zu den Lehrern suchen, um sich über den Lernfortschritt und mögliche Probleme zu informieren.
- Regeln für das häusliche Lernen: Feste Zeiten für das Lernen vorsehen, aber nicht den Schulalltag imitieren.
- Emotionale Belastung berücksichtigen: Mit dem Kind über seine Probleme sprechen, wenn diese es am Lernen hindern.
- Kontakt zu Schulkameraden ermöglichen: Jede Möglichkeit nutzen, die es dem Kind erlaubt, beim Lernen mit seinen Schulkameraden in Kontakt zu treten.
- Spielerische Lernformen nutzen: Raum für spielerische Lernformen lassen, wie sie sich über Memory, Domino und quizartige Formate umsetzen lassen.
- Dokumentation der Lernprozesse: Eine tägliche Dokumentation der Lernprozesse vereinbaren, zum Beispiel in Form von Bildern, Stichwortlisten oder Lerntagebüchern.
- Bewegung integrieren: Lernen zu einem bewegten Prozess machen, zum Beispiel durch Fitnessübungen oder die Integration von Bewegung in das Lernen (Silben schwingen, Ergebnisse hüpfen oder klatschen).
- Kreativität fördern: Viel Raum für die kreative Gestaltung der Lernprozesse lassen.
- Bildschirmzeiten kontrollieren: Bildschirmzeiten aufgrund der besonderen Situation zunehmen, aber es sollte genügend „analoger“ Ausgleich geschaffen werden.
Lernen durch Spielen
Die Forschung zeigt, dass es für Kinder keine bessere Vorbereitung auf die Schule gibt, als nach Lust und Laune zu spielen. Im Spiel entwickeln und festigen Kinder viele Fertigkeiten, die sie „bereit für die Schule“ machen:
- Den Umgang mit Gefühlen
- Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen und auch Enttäuschungen aushalten zu können
- Mit anderen Kindern auszukommen und gemeinsam mit anderen etwas zu machen
- Sich sprachlich auszudrücken
- Mit Dingen wie Bleistift, Papier und Schere umzugehen
Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie ihm Zuwendung und Geborgenheit geben und ihm eine kinder- und spielfreundliche Umgebung schaffen.
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Die Rolle der Eltern
Eltern sollten nicht versuchen, zuhause eine „Lernbeziehung“ aufzubauen, sondern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, Rückhalt geben, für den Lernweg loben und den Rücken stärken. Es ist wichtig, keinen Druck auszuüben, auch nicht bei schlechten Noten. Besser gemeinsam überlegen, wo die Defizite liegen und ggf. Hilfe von außen holen.
Stress vermeiden
Es ist wichtig, Stress zu vermeiden und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Eltern sollten sich Zeit für die Familie nehmen und das Lernen spielerisch gestalten. Kinder sollten immer ernst genommen werden und die Möglichkeit haben, ihre Interessen zu verfolgen.
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