Psychologie-Tipps zum Umgang mit nervigen Menschen: Gelassenheit und Selbstreflexion

Sicherlich hat jeder schon einmal die Erfahrung gemacht, von den Mitmenschen genervt zu sein. Ob im Supermarkt, in der U-Bahn oder auf dem Radweg - es gibt unzählige Situationen, in denen das Verhalten anderer Menschen uns auf die Palme bringen kann. Dieser Artikel beleuchtet psychologische Aspekte, die dazu führen, dass wir uns von bestimmten Personen gestört fühlen, und gibt praktische Tipps, wie man gelassener mit solchen Situationen umgehen kann.

Die alltäglichen Stimmungskiller

Es gibt viele Verhaltensweisen, die uns im Alltag schnell auf die Nerven gehen können. Im Supermarkt sprinten Menschen an der Kasse vor, an der U-Bahnstation blockieren Fahrgäste den Ein- und Ausstieg, und Fußgänger laufen unachtsam auf den Radweg. Solche Situationen können schnell von guter Laune zu Frustration führen.

Die Macht der Reaktion: Lachen als Strategie

Es ist wichtig zu erkennen, dass man das Verhalten anderer Menschen nicht ändern kann. Was man jedoch beeinflussen kann, ist die eigene Reaktion darauf. Die Autorin berichtet von einem Schlüsselerlebnis, bei dem sie auf dem Weg zur Arbeit bemerkte, dass Lachen sie vor einem Stimmungstief bewahren kann. Anstatt sich über einen unaufmerksamen Fußgänger auf dem Radweg zu ärgern, entschied sie sich, die Situation mit Humor zu nehmen.

Diese Strategie funktioniert natürlich nicht immer perfekt, aber sie kann helfen, die Dinge nicht so ernst zu nehmen und die eigene Laune zu verbessern. Selbst wenn das Lachen zunächst erzwungen ist, kann es nach kurzer Zeit natürlich werden und die Einstellung zu den vermeintlichen Stimmungskillern verändern.

Drei Tipps für den Umgang mit Nervensägen

Wenn man von nervigen Menschen umgeben ist, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Hier sind drei Tipps, die helfen können, nicht den Verstand zu verlieren:

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  1. Gelassen bleiben: Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und nicht auf Provokationen einzugehen. Diskussionen führen oft zu nichts und machen die Situation nur noch schlimmer. Versuchen Sie stattdessen, das Gesprächsthema zu wechseln oder sich aus der Situation zurückzuziehen.
  2. Grenzen setzen: Nervige Menschen haben oft keine Hemmungen, private Fragen zu stellen oder zu viel Nähe zu suchen. Es ist wichtig, Grenzen zu setzen und deutlich zu kommunizieren, wenn einem etwas unangenehm ist.
  3. Klartext reden: Manchmal hilft es nur, offen zu kommunizieren, dass man keine Zeit für Smalltalk hat oder in Ruhe gelassen werden möchte. Viele Menschen merken gar nicht, dass sie nerven, und sind dankbar für einen klaren Hinweis.

Die Projektion eigener Gefühle

Psychologen sind sich einig, dass die Gründe, warum uns bestimmte Menschen so stark auf die Nerven gehen, oft in uns selbst liegen. Wir projizieren unsere eigenen Gefühle, Eigenschaften und inneren Konflikte auf andere Menschen. Anstatt uns mit unseren eigenen Problemen auseinanderzusetzen, spiegeln wir unsere Traumata und laden sie auf die Person ab, die uns vermeintlich aufregt.

Die Therapeutin Jodie Cariss erklärt, dass eine starke Reaktion auf eine Person oft eine Projektion von Schattenelementen unserer selbst ist. Diese Aspekte unserer Persönlichkeit sind meist unbewusst und beinhalten ungelöste Konflikte, innere Verletzungen oder Eigenschaften, die wir lieber verdrängen möchten.

Schwierigen Menschen aus dem Weg gehen

Eine gute Taktik für das eigene Wohlbefinden ist es, schwierigen Menschen aus dem Weg zu gehen. Das ist jedoch nicht immer möglich oder sinnvoll. Wenn man den Kontakt nicht vermeiden kann, sollte man ihn möglichst kurz und selten halten.

In emotional schwierigen Situationen ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht auf das nervige Verhalten des Gegenübers einzugehen. Lassen Sie sich nicht zu Dingen verleiten, die Sie im Nachhinein bereuen würden. Nehmen Sie Verbalattacken nicht persönlich, sondern versuchen Sie, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen.

Die Frage nach dem Zweck

Um eine bessere Beziehung zu schwierigen Menschen aufzubauen, ist es zielführender, nach dem Zweck für das Verhalten und nicht nach dem Grund zu fragen. Wenn wir verstehen, was der schwierige Mensch mit seinem Verhalten wirklich bewirken will, können wir besser darauf eingehen und im Idealfall gemeinsam eine Lösung finden.

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Es ist wichtig, zu sich selbst und seinen Positionen zu stehen und Grenzen zu ziehen, wo sie nötig sind. Machen Sie sich nicht klein und zeigen Sie Stärke, indem Sie innerlich ruhig und sachlich mit der Situation umgehen.

"Sollen-Sätze" als Projektionen

"Er sollte sich wirklich nicht dauernd so in den Vordergrund spielen", "Sie sollte gewissenhafter arbeiten", "Er sollte mal weniger rumjammern" - solche "Sollen-Sätze", die uns in unserem Ärger überfallen, sagen viel mehr über uns aus als über unser Gegenüber. Sie sind oft Projektionen, also Eigenschaften, die wir zwar anderen zuschreiben, aber eigentlich unseren eigenen geheimen Wünsche und Bedürfnisse entstammen.

Deshalb sollten wir uns immer wieder die Frage stellen, ob gerade die Eigenschaften, die uns an schwierigen Menschen am meisten nerven, nicht vielleicht unsere eigenen Triggerpunkte sind. Oberstes Prinzip bei dieser Art von Kommunikation ist es, dass Sie der anderen Person signalisieren, dass Sie sie in ihrer Ansicht und ihren Gefühlen verstehen, jedoch Ihre eigenen Ziele und Bedürfnisse nicht aufgeben.

Energieräuber erkennen und loswerden

Es gibt Menschen, die immer nur nehmen und fordern und dabei vergessen, dass sie ein Gegenüber mit eigenen Bedürfnissen haben. Gerade wenn wir als Angehörige autistischer oder behinderter Kinder in unserem Alltag sehr gefordert sind, brauchen wir solche Energieräuber nicht noch zusätzlich.

Oftmals sind es Personen, die ihr eigenes Leben und ihre eigenen Bedürfnisse derart in den Vordergrund stellen, von anderen Aufmerksamkeit und oftmals auch Hilfestellung einfordern, ohne zu merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine auf der Welt sind und andere auch ihre „Päckchen zu tragen haben" (rw). Manchmal sind es aber auch Personen, die nie gelernt haben, richtig zuzuhören, schon immer oberflächliche Gesprächspartner waren und wenn überhaupt, nur für den Moment Interesse und Anteilnahme zeigen, wenn ihnen etwas erzählt wird.

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Es ist wichtig, sich von solchen Menschen zu lösen, damit die Energie, die Sie täglich in großem Maße brauchen, um Ihren Alltag zu bewältigen, nicht unnötig verschwendet wird. Wenn Sie realisiert haben, dass Ihnen bestimmte Menschen nicht (mehr) gut tun, dass sie Sie runterziehen, dass sie Sie ausgenutzt haben oder schlecht über Sie sprechen, distanzieren Sie sich von ihnen.

Strategien zur Distanzierung

  • Ignorieren: Das Schlimmste, was man provokanten und kritisierenden Menschen antun kann, ist, sie zu ignorieren.
  • Abstand: Schaffen Sie zeitlichen Abstand. Reagieren Sie nicht immer sofort auf eine Anfrage, eine Bitte, eine Kritik oder Provokation.
  • Manipulation erkennen: Achten Sie darauf, dass Sie bei Ihren Gefühlen bleiben und sich nicht von anderen beeinflussen lassen.
  • Nein sagen: Trauen Sie sich, „nein“ zu sagen - auch wenn Sie wissen, dass es Ihrem Gegenüber nicht gefallen wird.

Die eigenen Triggerpunkte hinterfragen

Manchmal treffen die Vorwürfe, die wir anderen machen, auch auf uns selbst zu. Konzentrieren Sie sich auf die Menschen, die Ihnen gut tun, die Sie schätzen und bei denen Sie von Herzen geben. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sich diese Beziehungen jeden Tag im Gleichgewicht befinden. Selbstverständlich gibt es in jeder Beziehung und Freundschaft Phasen, in denen der eine mehr Aufmerksamkeit und Hilfe braucht als der andere.

Ursachen für das Schlechtmachen von Mitmenschen

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen andere schlechtmachen:

  1. Minderwertigkeitsgefühle: Menschen, die andere minderwertig behandeln, fühlen sich oft selbst minderwertig.
  2. Mangelndes Selbstbewusstsein: Das Minderwertigkeitsgefühl basiert oft auf mangelndem Selbstbewusstsein und geringer Selbstsicherheit.
  3. Neid: Neid ist ein häufiger Grund, warum Menschen andere schlechtmachen.
  4. Negative Gefühle: Frust, Ärger, Wut und Enttäuschung können dazu führen, dass Menschen ihre negativen Emotionen an anderen auslassen.
  5. Projektion: Das eigene Unvermögen und die daraus resultierende Unzufriedenheit werden auf andere projiziert.
  6. Gruppendruck: In Gruppen kann Gruppendruck entstehen, der dazu führt, dass Einzelne ausgegrenzt und schlechtgemacht werden.

Wie man mit herablassenden Menschen umgeht

  1. Klare Grenzen setzen: Machen Sie deutlich, welche Verhaltensweisen für Sie nicht akzeptabel sind.
  2. Gleichgültigkeit zeigen: Reagieren Sie nicht auf persönliche verbale Angriffe.
  3. Konfrontation suchen: Suchen Sie bewusst die Konfrontation, aber bleiben Sie dabei sachlich und ruhig.
  4. Kontakt einschränken oder abbrechen: Gehen Sie auf Distanz, wenn die Situation zu belastend wird.

Weitere Tipps für den Umgang mit nervigen Menschen

  • Nicht jeden mögen müssen: Akzeptieren Sie, dass Sie nicht jeden mögen können und auch überhaupt nicht müssen.
  • Läster-Stopp: Vermeiden Sie es, schlecht über andere zu reden, da dies die Negativität verstärkt.
  • Selbstreflexion: Hinterfragen Sie die Situation und prüfen Sie, ob Ihre Abneigung auf einem objektiven Grund oder einem vagen Gefühl beruht.
  • Gemeinsamkeiten suchen: Finden Sie Gemeinsamkeiten mit der Person, um eine weniger spannungsgeladene Beziehung aufzubauen.
  • Keine Konfrontation: Gehen Sie Konfrontationen aus dem Weg und konzentrieren Sie sich auf die vorliegende Aufgabe, wenn Sie zusammenarbeiten müssen.
  • Durchatmen: Legen Sie Pausen ein, um Abstand zu gewinnen und sich abzulenken.
  • Freundlich sein und loben: Lassen Sie Ihremr Erzfeindin bewusst und gezielt Unterstützung, Lob und Anerkennung zuteil werden, wenn es gerechtfertigt ist.

Verhalten nicht persönlich nehmen

Führungskräfte sollten versuchen, nervigen Menschen einen Verständnis-Vorschuss zu gewähren, da ihr Verhalten oft durch Stress oder persönliche Probleme bedingt ist. Dies hilft, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen und den Stress zu mindern.

Grenzen setzen

Setzen Sie höflich Grenzen, wenn andere Ihre roten Linien überschreiten. Liefern Sie einen nachvollziehbaren Grund für Ihre Ablehnung.

Emotionale Distanz

Bringen Sie eine größtmögliche emotionale Distanz zwischen sich und die Nervensäge und lenken Sie die Perspektive von sich auf das Gegenüber.

Mini-Auszeiten schaffen

Schaffen Sie sich Mini-Auszeiten, um der Situation zu entfliehen und sich zu beruhigen.

Unterschiede akzeptieren

Machen Sie sich Unterschiede in den Persönlichkeiten klar, um vermeintliche Nervensägen von echten zu unterscheiden.

Spiegeln

Probieren Sie aus, das Verhalten der nervigen Person einfach nachzutun, um eine Irritation zu erzeugen und die Person zum Nachdenken anzuregen.

Humor

Nutzen Sie die Chance und schauen Sie auf die Szene, als wäre sie Loriots Feder entsprungen, um Distanz zu gewinnen und gelassener mit der Situation umzugehen.

Die "So-So-Technik"

In Situationen, in denen sich jemand unverschämt verhält, können Sie die "So-So-Technik" anwenden: Schauen Sie die Person an und sagen Sie: "So, so." Halten Sie den Augenkontakt. Wenn die Person nicht reagiert, ist sie wahrscheinlich ignorant und desinteressiert am sozialen Leben.

Klare Ich-Botschaften

Senden Sie klare Ich-Botschaften, wie etwa: "Ich fand das gerade echt unpassend, dass Sie sich vorgedrängelt haben." Gehen Sie dann aber nicht in ein Gespräch, sondern entfernen Sie sich aus der Situation.

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