Lewy-Körperchen-Demenz: Ursachen, Diagnose, Symptome und Behandlung

Die Lewy-Körperchen-Demenz (LBD), auch bekannt als Lewy-Body-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz, ist eine Form der neurodegenerativen Demenzen. Bei dieser Erkrankung werden bestimmte Bereiche im Gehirn nach und nach geschädigt. Die Lewy-Körperchen-Demenz tritt meist ab dem 65. Lebensjahr auf. Es gibt Hinweise darauf, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen können. Die Diagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz ist schwierig, da viele Symptome denen von Alzheimer oder Parkinson ähneln.

Was sind Lewy-Körperchen?

Lewy-Körperchen sind charakteristische Strukturen, die im Gehirngewebe von Patienten nachweisbar sind, die zu Lebzeiten an der Parkinson-Krankheit oder einer Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ gelitten haben. Es handelt sich um runde zytoplasmatische Einschlusskörperchen der Nervenzellen. Einer der Hauptbestandteile der Lewy-Körperchen ist ein im menschlichen Gehirn reichlich vorhandenes Protein namens α-Synuclein, das in verschiedenen Formen existiert. Die Lewy-Körperchen bestehen aus Ablagerungen, die einen Eiweißstoff namens Alpha-Synuclein enthalten: Alpha-Synuclein-Moleküle verkleben miteinander und bilden unlösliche Ansammlungen.

Ein internationales Forschungsteam hat die dreidimensionale Architektur der Lewy-Körperchen, die bei Morbus Parkinson in Nervenzellen vorkommen, entschlüsselt. Mit modernster Mikroskopietechnik machten sie konzentrische innere Strukturen sichtbar, die an den Aufbau einer Zwiebel erinnern. Die Forscher untersuchten die α-Synuclein-Varianten nicht nur in den Lewy-Körperchen, sondern auch außerhalb davon. Sie verglichen die Verteilung der Varianten in Gehirnzellen von Spendern, die in einem frühen oder späten Stadium der Parkinson-Erkrankung verstorben waren, sowie mit gesunden Kontrollen. Dabei zeigte sich, dass sich phosphoryliertes α-Synuclein bereits in frühen Stadien der Krankheit in einem Netzwerk um den Zellkern ausrichtet - bevor sich Lewy-Körperchen bilden. Das deutet den Forschenden zufolge darauf hin, dass eine abnorme Verteilung vor der Bildung von Lewy-Körperchen auftritt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung der Lewy-Körperchen-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen können. Eine Korrelation mit Genmutationen wie der Genvariante ApoE4, die auch Parkinson und Alzheimer auslöst, konnte festgestellt werden. Es ist also möglich, durch Vererbung an der Lewy-Körper-Demenz zu erkranken. Gesicherte Risikofaktoren sind nicht bekannt. Vermutlich führen verschiedene Ursachen zur Erkrankung. Es scheint jedoch einen Zusammenhang mit einer Genvariante namens ApoE4 zu geben. Dieses Gen reguliert das Protein Alpha-Synuclein, das bei der Lewy-Körperchen-Demenz und bei der Parkinson-Demenz zu den schädlichen Verklumpungen im Gehirn führt. ApoE4 ist auch ein Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Lewy-Körperchen-Demenz ist nicht erblich und es kommt sehr selten vor, dass mehr als ein Mitglied einer Familie erkrankt.

Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz

Die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz können denen der Alzheimer- und der Parkinson-Krankheit ähneln. Betroffen sind zunächst die Alltagsfähigkeiten, die mit dem Planen, Organisieren und Orientieren zusammenhängen. Insbesondere Aufmerksamkeit und Konzentration sind gestört. Die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz ähneln denen der Alzheimer- und der Parkinson-Krankheit.

Lesen Sie auch: Lewy-Körperchen-Demenz: Was Sie über Risikofaktoren, Symptome und Behandlungen wissen sollten

Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Kognitive Schwankungen: Die geistige Leistungsfähigkeit kann im Tagesverlauf stark schwanken. Betroffene können an einem Tag klar und orientiert sein, während sie am nächsten Tag verwirrt und desorientiert sind.
  • Visuelle Halluzinationen: Häufig treten Halluzinationen auf, bei denen die Betroffenen lebhafte Bilder von Menschen, Tieren oder Gegenständen sehen, die nicht real sind. Diese Halluzinationen können beängstigend sein.
  • Parkinson-ähnliche Symptome: Muskelstarre, Muskelzittern, verlangsamte Bewegungen und eine instabile Körperhaltung mit Schwankungs- und Sturzneigung können auftreten.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Die Betroffenen leben ihre Träume im Schlaf aus, was zu unruhigem Schlaf und potenziellen Verletzungen führen kann.
  • ** vegetative Störungen:** Orthostatische Kreislaufdysregulation und Obstipation sind häufig.

Im Verlauf einer Lewy-Körperchen-Demenz kann sich das Verhalten von Betroffenen verändern. Viele der Betroffenen ziehen sich obendrein zurück, sind ängstlich oder gereizt. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Angehörige gut über das Krankheitsbild informiert sind. Die Lewy-Körperchen-Demenz lässt Nervenzellen absterben. Proteinreste aus so genanntem Alpha-Synclein werden nicht mehr richtig abgebaut und bilden schädliche Einschlüsse in den Nervenzellen. Diese so genannten Lewy-Körperchen lagern sich im Großhirn, in der so genannten Substantia Nigra, ab und führen dort zum Absterben von Nervenzellen.

Die Erkrankung Lewy-Körperchen-Demenz lässt sich in verschiedene Etappen innerhalb des Krankheitsverlaufs unterteilen, wobei sich jede Erkrankung individuell gestaltet: Zunächst herrschen die visuellen Beeinträchtigungen vor und es kommt zu häufigen Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Nach etwa einem Jahr verstärken sich die parkinsonähnlichen Bewegungsstörungen mit Stürzen oder auch Bewusstlosigkeit. Außerdem können die Betroffenen an Inkontinenz leiden. Zuletzt treten zusätzlich die psychischen Beeinträchtigungen auf und es kommt zu schnellen Stimmungsschwankungen, Verhaltensänderungen und Aufmerksamkeitsstörungen. Anfangs beeinflussen diese den Alltag und die Organisationsfähigkeiten der Patientinnen und Patienten, später kommen die für die Alzheimererkrankung typischen Gedächtnisstörungen hinzu. Die Symptome verschlechtern sich zunehmend und viele der Betroffenen werden bettlägerig.

Diagnose der Lewy-Körperchen-Demenz

Die Diagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz kann schwierig sein, da die Symptome denen anderer Demenzformen ähneln. Es gibt derzeit keine Methode, die eine Lewy-Körperchen-Demenz bei lebenden Menschen eindeutig nachweisen kann. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination von Faktoren, darunter:

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt wird die Krankengeschichte des Patienten erheben, eine körperliche Untersuchung durchführen und die neurologische Funktion überprüfen.
  • Neuropsychologische Tests: Diese Tests können helfen, kognitive Defizite zu identifizieren und das Ausmaß der Beeinträchtigung zu bestimmen. Besonders aufschlussreich sind Verfahren, die sogenannte visuell-konstruktive Fähigkeiten prüfen - also das Zusammenspiel von Sehen, Denken und Motorik. Dabei soll der Patient eine herkömmliche Uhr zeichnen - mit Ziffernblatt und Zeigern. Der Uhrentest kann helfen, frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen - gerade, wenn klassische Demenztests wie der Mini-Mental-Status-Test noch unauffällig bleiben. Nutzen Sie gerne die kostenlose Vorlage von pflege.de und testen Sie sich oder Ihren Angehörigen.
  • Bildgebende Verfahren: MRT- und CT-Aufnahmen des Gehirns können helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z. B. einen Hirntumor. Trotzdem werden sie im Rahmen der Diagnostik durchgeführt, um andere Erkrankungen, wie etwa einen Hirntumor, auszuschließen.
  • Spezielle bildgebende Verfahren: FDG-PET und DaT-SPECT sind spezielle bildgebende Verfahren, die dabei helfen, eine Lewy-Body-Demenz von anderen Demenzformen zu unterscheiden. Die FDG-PET zeigt LBD-typische Veränderungen im Hinterkopfbereich. Mit dem DaT-SPECT lassen sich LBD-typische Nervenschädigungen gut erkennen.
  • Kriterien für die Diagnose:
    • Gedächtnisprobleme, die häufigen Schwankungen unterworfen sind
    • Wiederholt auftretende Halluzinationen
    • Motorische Störungen
    • Sind zwei der drei Kriterien erfüllt, ist von einer Lewy-Körperchen-Demenz auszugehen.

Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz

Eine Lewy-Körperchen-Demenz ist bisher leider nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern - mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

Lesen Sie auch: Erfahrungen im Umgang mit Lewy-Körperchen-Demenz

Medikamentöse Behandlung

Derzeit gibt es noch keine Medikamente, die speziell für diese Form der Demenz zugelassen sind. Die medikamentöse Therapie gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil die Reaktion auf die Medikamente von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann.

  • Cholinesterasehemmer: Bei Lewy-Body-Demenz können sogenannte Cholinesterasehemmer zum Einsatz kommen. Sie können helfen, die kognitiven Funktionen zu verbessern und Halluzinationen zu reduzieren. Doch bei Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz ist Vorsicht geboten: Viele reagieren überempfindlich auf diese Medikamente. Alzheimer-Medikamente Rivastigmin oder Donepezil können zur Behandlung der Demenz eingesetzt werden.
  • Levodopa: Die motorischen Symptome können mit dem Parkinson-Medikament Levodopa in niedriger Dosierung verbessert werden. Allerdings ist die Wirkung ist bei der Lewy-Körperchen-Demenz allerdings in der Regel geringer als bei der Parkinson-Krankheit. Als Nebenwirkung können sich Halluzinationen und Wahnvorstellungen verstärken.
  • Quetiapin: Psychotische Störungen können mit Quetiapin behandelt werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die motorische Symptome verschlechtern können.
  • Antidepressiva: Falls affektive Symptome zu herausforderndem Verhalten führen, empfiehlt sich ein antidepressiver Behandlungsversuch, in erster Linie mit Citalopram.

Bei einer Lewy-Body-Demenz kann die medikamentöse Behandlung komplex sein - besonders, wenn weitere Erkrankungen vorliegen. Ein Medikamentenplan hilft Ihnen dabei, den Überblick über Dosierung, Einnahmezeiten und mögliche Nebenwirkungen zu behalten.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Da die medikamentöse Behandlung schwierig ist, kommt der nicht-medikamentösen Therapie bei der Lewy-Körperchen-Demenz eine große Bedeutung zu. Die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten kann verbessert, die geistigen Fähigkeiten möglichst lange erhalten und herausforderndes Verhalten gemildert werden. Die Maßnahmen richten sich nach den individuellen Beschwerden.

Bei der Lewy-Body-Demenz können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel ist es, die geistigen Fähigkeiten zu fördern, den Alltag zu strukturieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sind oft sehr empfindlich gegenüber Stress, Lärm oder Reizüberflutung.

  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern und den Alltag zu erleichtern.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die körperliche Beweglichkeit und Balance zu verbessern.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.
  • Unterstützung für Angehörige: Es ist wichtig, dass auch die Angehörigen von Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz Unterstützung erhalten. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen können eine wertvolle Hilfe sein.

Leben mit Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen kann. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.

Lesen Sie auch: Lewy-Körperchen-Demenz verstehen: Ein umfassender Überblick

  • Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift, wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Ein solches Dokument entlastet auch Ihre Angehörigen bei schwierigen Entscheidungen.
  • Pflegetagebuch: Halten Sie alle Auffälligkeiten möglichst schriftlich fest - zum Beispiel in einem Pflegetagebuch. Hier können Sie dokumentieren, wo die Person im Alltag Unterstützung benötigt. Die Notizen helfen Ihrem Arzt und können bei zunehmendem Unterstützungsbedarf auch im Rahmen einer Pflegebegutachtung zum Einsatz kommen.
  • Pflegegrad: Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz haben unter Umständen Anspruch auf einen Pflegegrad - und damit auf verschiedene Leistungen der Pflegekasse, die den Pflegealltag erleichtern sollen. Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die Symptome deutlich zu. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad, die zuhause gepflegt werden, haben Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro monatlich. Dazu zählen unter anderem Einmalhandschuhe, Mundschutz und Desinfektionstücher.

tags: #lewy #bodies #bei #parkinson