Die Funktion der limbisch-vegetativen Achse: Ein umfassender Überblick

Gerhard Roth, ein anerkannter Neurowissenschaftler, entwickelte zusammen mit Nicole Strüber und Manfred Cierpka das Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit. Dieses Modell, obwohl künstlich geschaffen, bietet eine wertvolle Grundlage, um die Entstehung und Veränderbarkeit von Persönlichkeiten zu verstehen.

Das Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit

Das Modell besteht aus vier Ebenen:

  1. Das vegetative-affektive Selbst (untere limbische Ebene)
  2. Das unbewusste emotionale Selbst (mittlere limbische Ebene)
  3. Das individuelle-soziale Ich (obere limbische Ebene)
  4. Das kognitiv-kommunikative Ich

Diese Ebenen unterscheiden sich in ihrem Einfluss auf das menschliche Verhalten.

Die untere limbische Ebene: Das vegetative-affektive Selbst

Die unterste Ebene wird durch die limbisch-vegetative Grundachse des Gehirns repräsentiert und ist angeboren, also genetisch oder epigenetisch bedingt. Epigenetische Einflüsse können vorgeburtlich durch die Umwelt oder über das Gehirn der Mutter entstehen und eine teilweise Myelierung der beteiligten DNS-Stränge bewirken.

Funktionen des vegetativ-affektiven Selbst

Die Hauptfunktion dieser Hirngebiete ist die Sicherung der biologischen Existenz durch die Regulation lebenserhaltender Körperfunktionen wie Stoffwechsel, Kreislauf und Blutdruck. Weiterhin regelt die untere limbische Ebene das Temperament und legt grundlegende Persönlichkeitsmerkmale fest, darunter:

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  • Offenheit
  • Verschlossenheit
  • Selbstvertrauen
  • Kreativität
  • Vertrauen
  • Misstrauen
  • Umgang mit Risiken
  • Pünktlichkeit
  • Ordnungsliebe
  • Zuverlässigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Optimismus
  • Pessimismus

Diese Antriebe und Affektzustände sind weitgehend genetisch bedingt und werden mit Säugetieren und Primaten geteilt. Die unterste Ebene hat den stärksten Einfluss auf das Verhalten.

Die mittlere limbische Ebene: Das unbewusste emotionale Selbst

Diese Ebene entwickelt sich vor der Geburt und in den ersten Lebensjahren durch emotionale Erfahrungen. Das mesolimbische System, das sich bereits früh in der vorgeburtlichen Hirnentwicklung formt, bestimmt die grundlegende Emotionalität, Belohnungserwartung und generelle Motivation.

Die Rolle der Amygdala

Die Amygdala ist der Ort der unbewussten Wahrnehmung emotionaler, kommunikativer Signale der nonverbalen Kommunikation (Blick, Mimik, Gestik, Körperhaltung, Pheromone). Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Signale spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Sympathie und Antipathie.

Das mesolimbische System als Belohnungssystem

Das mesolimbische System ist der Sitz des Belohnungs- und Belohnungserwartungssystems. Alles, was Spaß macht und mit Bedürfnisbefriedigung und Lust verbunden ist, wird durch die Ausschüttung lusterzeugender Stoffe (Opioide und Cannabinoide) gesteuert. Diese Ebene repräsentiert das egoistisch-egozentrische Kleinkind im Menschen und bestimmt, was aufgesucht und wiederholt wird.

Entwicklung des Selbstbildes und der Empathiefähigkeit

Die mittlere limbische Ebene bestimmt die unbewussten Anteile des menschlichen Selbst. Dabei entstehen die Grundstrukturen des Verhältnisses zu sich selbst (Selbstbild) und zu den Mitmenschen (Empathiefähigkeit). Diese Strukturen sind das Ergebnis unbewusster Lernprozesse. Die mittlere limbische Ebene ist entscheidend für normale und krankhafte psychische Entwicklungen und hat zusammen mit der unteren limbischen Ebene den größten Einfluss auf das Verhalten.

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Veränderbarkeit und Lernfähigkeit

Das unbewusste emotionale Selbst ist während der frühkindlichen Bindungserfahrung und frühen psychosozialen Prägung recht gut veränderbar. In der späten Kindheit und Jugend verlieren diese limbischen Zentren jedoch schnell ihre Lernfähigkeit. Die Grundzüge der Persönlichkeit sind nach dem 10. Lebensjahr weitgehend festgelegt.

Die obere limbische Ebene: Das individuelle-soziale Ich

Die dritte Ebene der Persönlichkeit wird durch die limbischen Anteile der Großhirnrinde repräsentiert und entwickelt sich in der späten Kindheit und Jugend durch Sozialisierung, Erziehung und bewusste soziale und emotionale Erfahrungen.

Bewusstes emotional-soziales Lernen

Die obere limbische Ebene ist die Ebene der bewussten, überwiegend sozial vermittelten Emotionen. Hier findet das bewusste emotional-soziale Lernen von Gewinnen und Erfolgsstreben, Anerkennung, Ruhm, Freundschaft, Liebe, soziale Nähe, Hilfsbereitschaft, Moral und Ethik statt. Zusammen mit den beiden unteren limbischen Ebenen werden grundlegende sozial relevante Persönlichkeitsmerkmale festgelegt.

Erlernen sozialer Verhaltensweisen

In diesem Persönlichkeitsbereich findet das Erlernen von Verhaltensweisen statt, die die Zuneigung, Achtung und Hilfe der Mitmenschen sichern. Der orbitofrontale Cortex ist der Sitz der Regeln moralischen und ethischen Verhaltens. Hier entwickeln sich die Verhaltensweisen, die den Menschen die Zuneigung, Unterstützung und Wertschätzung ihrer Mitmenschen sichern.

Kontrollfunktion des orbitofrontalen und ventromedialen Cortex

Der orbitofrontale und der ventromediale Cortex haben eine kontrollierende, impulshemmende Funktion gegenüber der unteren limbischen Ebene der starken Affekte und gegenüber den egoistisch, infantilen Antrieben aus den Zentren der mittleren Ebene (Amygdala und mesolimbisches System). Grundlage für diese Funktion sind die im Sozialisations- und Erziehungsprozess sozial vermittelten Erfahrungen.

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Auswirkungen von Läsionen

Läsionen im orbitofrontalen und ventromedialen Cortex haben zur Folge, dass die Fähigkeit, den sozial-kommunikativen Kontext (Mimik, emotionale Tönung der Stimme) zu erfassen, verloren geht. Der vordere cinguläre Cortex ist mit seinem unteren Teil für die Risikowahrnehmung und -bewertung und mit der Verknüpfung von Schmerzen mit Affekten zuständig. Der obere Teil des cingulären Cortex ist für die kognitive Aufmerksamkeit und Fehlerüberwachung zuständig. Der insuläre Cortex ist der Verarbeitungsort der Schmerzempfindung.

Die kognitiv-kommunikative Ebene: Das rationale Ich

Den drei limbischen Ebenen steht die kognitiv-sprachliche Ebene gegenüber, die durch die Großhirnrinde repräsentiert wird. Insbesondere im dorsolateralen präfrontalen Cortex befinden sich ausführende und handlungsvorbereitende Areale.

Entwicklung und Funktionen

Das kognitiv-kommunikative Ich entwickelt sich ab dem 4. Lebensjahr. Der präfrontale Cortex ist Sitz des Arbeitsgedächtnisses und der von Vorerwartungen gelenkten Aufmerksamkeit. Er hat mit der zeitlich-räumlichen Strukturierung von Sinneswahrnehmungen und dem planvollem, kontextgerechten Handeln und Sprechen zu tun. Diese Ebene ist auch die Ebene des rationalen Ichs, der Intelligenz und des Verstandes. Auf dieser Persönlichkeitsebene findet die Erfassung und Überprüfung der menschlichen Realität statt.

Einfluss auf die limbischen Ebenen

Das kognitiv-kommunikative Ich hat nur geringen Einfluss auf die drei limbischen Ebenen einschließlich des orbitofrontalen und ventromedialen Cortex. Der umgekehrte Einfluss dagegen kann sehr stark sein. Vernünftige Ratschläge und Einsichten alleine sind daher nicht in der Lage, Menschen nachhaltig zu beeinflussen.

Distanzierung und Selbstdarstellung

Mit Hilfe des präfrontalen Cortex kann der Mensch rational und gefühlskalt Abstand von emotionalisierenden Ereignissen nehmen und sich sachlich mit ihnen auseinandersetzen. Das Ausmaß dieser Fähigkeit ist persönlichkeitsabhängig. Diese Beziehung zwischen unterem und oberem Stirnhirn ermöglicht es, zwischen dem, wie man sich selbst fühlt und was man über sich denkt, und dem, was man anderen mitteilt, zu trennen. Das kognitiv-kommunikative Selbst ermöglicht es, zu lernen, wie man sich darstellen muss, um zu gefallen und seine Ziele zu realisieren.

Geringer Einfluss auf das Verhalten

Das kognitiv-kommunikative Ich hat weder anatomisch noch funktional einen Einfluss auf die verhaltenssteuernden Gehirnzentren und die drei limbischen Zentren. Diese bestimmen durch ihre direkte Einwirkung auf diese Zentren das menschliche Verhalten entscheidend.

Das vegetative Nervensystem (VNS)

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, ist phylogenetisch älter als das zentrale Nervensystem (ZNS). Es funktioniert ohne willkürlichen Einfluss durch das menschliche Denken.

Phylogenetische Entwicklung

Nervenzellen finden sich bereits bei niederen Tieren wie Nesseltieren. Bei Würmern ist ein Strickleitersystem und die Trennung zwischen Kopf- und Bauchhirn erkennbar. Weichtiere besitzen ein lernfähiges Hirn und ein vegetatives Nervensystem. Bei Gliedertieren erfolgt eine stärkere Segmentierung und Knotenbildung. Schließlich erfolgt bei Wirbeltieren eine beschleunigte Entwicklung und Funktionsteilung des VNS in ein enterisches, (ortho)sympathisches und parasympathisches System.

Die Rolle des limbischen Systems

Die Funktion des VNS ist stark von Impulsen des Subcortex bzw. limbischen Systems (Hippocampus, Gyrus cinguli und Amygdala) geprägt, wo alle Lernvorgänge gespeichert werden. Dreh- und Angelpunkt ist der Hypothalamus im Zwischenhirn, der spezifisch sympathische bzw. ergotrope oder parasympathische bzw. trophotrope Reaktionen reguliert.

Verschaltung mit anderen Hirnregionen

Eine Verschaltung mit den vegetativen Kernen des Sympathikus in den Seitenhörnern des Rückenmarks und denen des Parasympathikus im Mittelhirn erfolgt vom Corpus mamillare über den Tractus mamillotegmentalis bzw. Fasciculus longitudinalis posterior Schütz zu retikulären Mittelhirnstrukturen (Formatio reticularis). Hier befinden sich wichtige Kerngebiete, welche für Raumorientierung, Koordination der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung, Atmung, Herz-Kreislauf, aber auch Kommunikation, Mimik und Gestik zuständig sind.

Der Hypothalamus als Schaltzentrale

Der Hypothalamus hat die Fähigkeit, entweder durch vegetativ-nervöse Einzel-Reaktionen oder durch endokrin-vaskuläre „Massenreaktion“ auf alle Gewebe je nach Stress homöodynamisch zu reagieren. So beeinflusst er die Hypophyse bei der Sekretion von Hormonen für Gewebe und Drüsen.

Neurotransmitter im VNS

Histochemisch dominieren zentral Acetylcholin (cholinerges System) und beim monoaminergen System Noradrenalin (adrenerg) bzw. Dopamin (dopaminerg) sowie Serotonin (serotonerg). Darüber hinaus fand man GABA-erge, glutaminerge, histaminerge und weitere peptiderge Synapsen. Peripher dominieren das cholinerge und adrenerge System mit nicotinergen und muscarinergen sowie alpha- und beta-adrenergen Subtypen.

Sympathikus und Parasympathikus

Didaktisch unterteilt man das VNS zunächst in einen Sympathikus und einen Para-Sympathikus. Die Fasern enthalten meist aus 2 Neuronen, wobei sie oft an oder mit peripheren Nerven oder Gefäßen verlaufen und ein- bis zweimal umgeschaltet werden. Es gibt zahlreiche Verschmelzungen bzw. Verbindungen (Plexus) an oder in Organen bzw. entlang dieser Gefäße.

Das enterische Nervensystem (ENS)

Zahlreiche Zellen (108) des Darm-Systems werden als enterisches Nervensystem (ENS) zusammengefasst.

Der Ortho-Sympathikus

Der „Mit-Erreger“ wird auch als Hauptsympathikus bzw. nur als Sympathikus bezeichnet. Sein erstes Neuron ist kurz und sein zweites lang. Dieses befindet sich außerhalb des ZNS.

Zentrifugale Efferenzen

Die zentrale Bahn beginnt wahrscheinlich auch im Hypothalamus. Cholinerge und dopaminerge Verbindungen wurden bis zu den Zellkernen des 1. bzw. präganglionären Neurons in den Ncl. intermediolaterales der Seitenhörner des Rückenmarks (RM) nachgewiesen. Die Topographie der Kerne wird von C7 oder C8 bis L2 oder L3 angegeben.

Verlauf der Fasern

Die Fasern sind schwach myelinisiert und verlassen das Vorderhorn des RM über die Radices ventrales C(7)8-L2(3), aber auch über die dorsale Wurzel. Ihr Signal passiert die Wirbelsäule als Nervus spinalis durch den Recessus bzw. das Neuroforamen und gelangt über den R. communicans albus zum Truncus sympathicus im Segment.

Der Truncus sympathicus

Dieser beiderseits paravertebral gelegene Grenzstrang besteht aus Ganglien (z.B. Ggl. cervicale superius (GCS), medius und inferius, weitere 11 thorakale, 4 lumbale und mind. 3 sacrale Ganglien) sowie einem unpaarem Ggl impar am kaudalen Verschmelzungspol. In diesen Ganglien erfolgt entweder die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern über Acetylcholin oder der „Durchlauf“ zu anderen unpaaren prävertebralen, präaortalen bzw. peripheren Ganglien.

Verzweigungen und Versorgung

Nach cholinerger Umschaltung verlaufen zahlreiche Fasern erst entlang des Grenzstrang nach kranial oder kaudal (bis zu 5 Segmenten) und dann über Verzweigungen in andere Segmente oberhalb C8 und unterhalb L2 (primäre Divergenz des Grenzstrangs). Da diese Verzweigungen nicht myelinisiert sind, erscheinen sie als Rr. communicantes grisei. Nun verzweigen sich die Nn. spinales nochmal in die Peripherie über rami dorsales und ventrolaterales (sekundäre Divergenz der Spinalnerven). Dadurch gelangen sympathische Impulse entlang der Nerven und schließlich Gefäße (tertiäre Divergenz der Gefäße) in die Peripherie. So ist die sympathische Versorgung durch die Kerngebiete über andere Segmente in die Regionen von Kopf-Hals (C8-D3), Armen (D3-7), Becken (D10-12) und Beinen (L1-3) gewährleistet.

Periphere Umschaltung

Bis auf die weitere cholinerge Umschaltung in den Schweißdrüsen erfolgt die periphere Umschaltung adrenerg über Noradrenalin.

Plexus

Vernetzungen des Grenzstrangs bestehen cervical zum prävertebralem Plexus caroticus et thyroideus. Über das GCS gibt es Verbindungen zu Art. carotis, Nn. trigeminus, glosspharyngeus, vagus et hypoglossus sowie phrenicus und weiter zu Ggl. ciliare, N. petrosus major und Ggl. spheno(pterygo)platinum (Palatinum). Über das Stellatum erreichen Fasern N et Art. vertebralis, Nn. vagus, laryngeus recurrens und Art. subclavia. Im thorakalen Teil bestehen Verbindung zu prävertebralen Plexus cardiacus, pharyngeus, pulmonalis, coeliacus und zu einem gel. vorkommednen Pl. splanchnicum. Lumbal sind die Plexus aorticus abdominalis, mesenterialis und hypogastricus superior sowie sacral der Plexus hypogastricus inferior vernetzt. Weiterhin ziehen sympatische Fasern als Nn. splanchnici major et minor in das prävertebrale Ggl coeliacus und dann zur Niere als Plexus renalis. Als Nn. splanchnici lumbales et sacrales verlaufen Fasern in die Peripherie und anastomosieren variabel mit dem Parasympathikus (z.B. im Plexus hypogastricus).

Die Nebenniere als Sonderfall

Eine Sonderrolle spielt das umgewandelte sympathische Ganglion „Nebennierenmark“. Ohne Umschaltung im Grenzstrang wird über die Segmente Th10-L2(3) bei jeglichem Stress über die sympathiko-medulläre Achse (SMA) in Sekundenschnelle Adrenalin aus dem Nebennierenmark für die adrenerg versorgten Organe bereitgestellt.

Zentripedale Afferenzen

Durch Nozizeptoren, Thermorezeptoren oder Mechanorezeptoren glatter Muskelzellen gelangen Signale aus der Peripherie nach zentral sowie Noradrenalin endokrin an α1-Rezeptoren. 80% aller sympathischer Afferenzen werden über den Ramus dorsales des N. spinalis in den Laminae des Hinterhorns verschaltet. Die übrigen gelangen wie der Großteil der sensorischen Afferenzen über den ventrolateralen Ast in das Hinterhorn des RM und werden nach zentral oder kontralateral weitergeleitet, gehemmt oder reflektorisch beantwortet. Durch diese Konvergenz werden sympathische Afferenzen zentral „unsegmental“ empfunden, jedoch über reflektorische Efferenzen polysegmental oder auch streng segmental in Dermatome als referred pain nach Head, als Verquellungen in „Subkutome“ nach Kibler, Kohlrausch, Aschner, Gleditsch etc., faszio-muskulär in Triggerpunkte nach Travell, kinetischen Muskel-Ketten nach Mackenzie bzw. als arthrogene Blockierungen projiziert.

Axonaler Reflex

Vorm Erreichen des N. spinalis kann aber auch ein axonaler Reflex mit Umschaltung in Ephapsen auf eine Efferenz zu reflektorisch-vegetativen bzw. algetische Krankheitszeichen und einer so genannten neurogenen Entzündung systemisch führen, wobei hier die Substanz P eine entscheidende Rolle spielt.

Der Para-Sympathikus

Der „Nebensympathikus“ weist meist ein langes erstes Neuron und kurzes zweites Neuron auf. Die Umschaltung in einem Ganglion erfolgt meist intramural.

Zentrifugale Efferenzen

Topographisch unterscheidet man hier die Pars encephalica von der sacralis. Die zentralen Ursprungskerne der 1. bzw. präganglionären Neurone vom N. occulomotorius (Edinger-Westphal), chorda tympani n. facialis (salivatorius superior), glossopharyngeus (salivatorius inferior) und vagus (dorsalis n. vagi, ambiguus et tractus solitarius) befinden sich im Mittel- bzw. Rautenhirn.

Verlauf der Fasern

Sie verlaufen weiter vagabundierend mit diesen Hirnnerven III, VII, IX und X, anderen Hirnnerven (z.B. N. trigeminus) und entlang von Gefäßen bis zu den Erfolgsorganen. Die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern erfolgt über Acetylcholin in Ganglien (Ggll. ciliare, oticum, spheno(pterygo)palatinum), submandibulare) und nicht-chromaffinen Paraganglien (Glomus caroticum et aorticum).

Der N. vagus

Über den N. vagus, welcher einerseits aus dem Ncl. dorsalis n. vagi entspringt, zu Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Herz und Magen sowie zum Gatrointestinaltrakt bis zum Cannon-Böhm’schen Punkt verläuft, erreicht der parasympathische Einfluss die Organe, welche für die Aufnahme von Sauerstoff und Nahrung sowie deren Verteilung verantwortlich sind. Im Rahmen der Poly-Vagal-Theorie nach Proges werden über den „smarteren“ N. vagus, welcher sich erst im Laufe der letzten Schwangerschafts- und ersten Lebensmonate entwickelt, myelinisiert ist und vorwiegend aus dem Ncl. ambiguus Impulse erhält, v.a. kommunikative und soziale Fähigkeiten wie Modulation der Muskeln von Biss (N. V), Auge und Gesicht (N. III, IV, VI und VII), Ohr (N. VIII), Rachen und Kehlkopf (N. IX) vermittelt. Dieser phylogenetisch jüngste Teil des VNS moduliert v.a. linksseitg die subdiaphragmalen Organe und rechtsseitig die o.g. supradiaphragmalen „Organe“ einschl. Sinusknoten und damit die Herzvariabilität. Ein weiterer vagaler Einfluss v.a. auf die Respiration beim Sprechen wird durch den Ncl. tractus solitarii ausgeübt. Ein Einfluss besteht auch auf die vom N. accessorius (XI) versorgten Muskeln Sternocleidomastoideus und Trapezius und scheint sich durch die enge anatomische und phylogenetische Beziehung der so genannten Vagusgruppe zu ergeben.

Sakrale Kerne

Die sacralen Kerne befinden sich wie beim Sympathikus in den Ncll. intermediolaterales, jedoch in den RM-Segmenten S2-4. Ihre Axone bilden die Nn. splanchnici pelvici und ziehen zum Colon descendens, sigmoideum, Rektum, Harnblase und Geschlechtsorgane.

Die Stress-Reaktionskette

Viele Menschen fühlen sich am gesamten Körper permanent stark verspannt und leiden unter nicht definierbaren Schmerzen, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen, innerlicher Gereiztheit, Angstschüben und ständig kreisenden Gedanken. Sie fühlen sich oft grundlos wie innerlich getrieben und können nicht „abschalten“.

Die Rolle der Psyche

Die Psyche wird oft als Schwachpunkt angesehen, aber sie ist ein hochkomplexes Organ, das auf der Basis von neuronalen Verschaltungen im Nervensystem die Aufgabe hat, uns zu beschützen und den Organismus am Leben zu erhalten. Das finale Werkzeug dafür ist die Produktion von spezifischen Botenstoffen, die eine Erhöhung des Adrenalin- und Noradrenalinspiegels im Blut bewirken.

Das psychophysiologische Stressmodell

Die Stress-Reaktionskette bringt ein hochkomplexes Geschehen in unserem Nervensystem stark vereinfacht auf den Punkt: Wir erleben bewusst oder unbewusst Stress und darauf reagiert der Körper.

Das Limbische System und die Stress-Reaktionskette

Das Limbische System ist der Superspezialist bei der Erkennung, Verarbeitung, Regulation und Weiterleitung von Emotionen. Hier ist außerdem der wesentliche Bestandteil des Belohnungssystems und des Triebverhaltens verankert. Das Limbische System verarbeitet sämtliche sensorischen Stimuli, die unsere Sinnesorgane aus der Umwelt empfangen, aber auch alle Signale, die unser eigener Körper über Rezeptoren zum Gehirn sendet. Ebenso erreichen unsere Gedanken und Gefühle das Limbische System und werden durch dieses ständig bewertet. Außerdem findet hier die Entstehung des Gedächtnisses ihren Anfang. Darüber hinaus wirkt das Limbische System steuernd und regulierend auf die höchsten Instanzen des vegetativen Nervensystems.

Die Amygdala und Hippocampi

Die Amygdala und Hippocampi haben die Aufgabe, sämtliche eintreffende Signale auf „Gefahr“ oder „keine Gefahr“ zu bewerten. Die Bewertung findet stets durch zwei Instanzen statt, die das eingehende Signal „checken“. Die erste Instanz bewertet die potentielle Gefährlichkeit des Signals auf Basis der Summe der gemachten Erfahrungen aus diesem bisherigen Leben. Die zweite Instanz bewertet auf Basis der Summe der Evolutionsbedingten potentiellen Gefahr-Parameter die in unseren Genen abgespeichert sind. Daraus ergibt sich pro Signal der jeweilige „Gefahrenquotient“, der anschließend an den Hypothalamus weitergeleitet werden kann.

Der Hypothalamus als Chef des vegetativen Nervensystems

Kommt es nun zu einer Bewertung die „Gefahr“ bedeutet, wird umgehend ein Signal freigesetzt das wiederum den sog. Hypothalamus informiert. Der Hypothalamus ist der Chef des vegetativen Nervensystems. Er ist Vermittler zwischen dem Nerven- und dem Hormonsystem. Der Hypothalamus hat über die beiden Nerv Anteile Sympathikus und Parasympathikus direkten Einfluss auf alle Organe, Drüsen, Sinnesorgane, Blutgefäße, Muskeln und Faszien.

Die Hypothalamus-Hypophysen-Achse

Vom Limbischen System gesendete Gefahrensignale sorgen im Hypothalamus dafür, das umgehend über das Corticotrope-releasing Hormon (CRH) in der Hypophyse das Hormon Adrenocorticotropin, kurz ACTH in die arterielle Blutbahn freigesetzt wird. ACTH gelangt auf diesem Weg zur Niere. Deren Rezeptoren nehmen den massiv erhöhten ACTH-Wert war. In Folge dessen gibt das Nebennierenmark/Nebennierenrinde wiederum sofort die sog. Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin in großen Mengen an den arteriellen Blutkreislauf ab. Gleichzeitig produziert sie außerdem noch Cortisol.

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