Das limbische System, oft als das "emotionale Gehirn" bezeichnet, spielt eine entscheidende Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen, dem Gedächtnis und dem Lernvermögen. Es ist eng mit dem Unterbewusstsein verbunden und beeinflusst einen Großteil unserer Entscheidungen und Handlungen. Um zu verstehen, wie diese beiden Systeme zusammenarbeiten, ist es wichtig, ihre Funktionen und ihre Interaktion zu betrachten.
Das systemische Coaching und das Unterbewusstsein
Das systemische Coaching geht davon aus, dass Individuen in verschiedene Systeme eingebunden sind, wie Familie, Arbeitsplatz und Freundeskreis. Diese Systeme haben eigene Regeln und versuchen, eine innere Balance herzustellen. Der Konstruktivismus, eine weitere Grundlage des Coachings, besagt, dass jeder Mensch seine eigene Sicht auf die Welt hat, geprägt von Erfahrungen, Werten und Glaubenssätzen.
Systemisches Coaching legt den Fokus auf die Zusammenhänge innerhalb dieser Systeme und die individuelle Konstruktion der Realität des Klienten. Ein wichtiger Aspekt ist der Zugang zum Unterbewusstsein, besonders bei Klienten, die stark rational denken. Viele Entscheidungen und Handlungen werden unbewusst gesteuert, daher ist es effektiv, nicht nur den Verstand, sondern auch das Unbewusste einzubeziehen.
Entscheidungen, die nicht zwischen bewussten und unbewussten Ebenen synchronisiert sind, fühlen sich oft nicht stimmig an. Die Bewusstmachung von unbewussten Wünschen und Bedürfnissen kann wertvolle Hinweise für Entscheidungen liefern und diese in Einklang bringen.
Das Gehirn, das Unterbewusstsein und der Körper
Sigmund Freud betonte bereits den Einfluss des Unbewussten auf menschliche Entscheidungen. Die Gehirnforschung bestätigt, dass nur ein kleiner Teil der Gehirnleistungen ins Bewusstsein gelangt. Gerhard Roth argumentiert, dass das Gehirn energiesparend arbeitet und den Zustand des Bewusstseins vermeidet. Gewohnheiten und Glaubenssätze werden ins Unterbewusstsein verlagert, von wo aus sie automatisch gesteuert werden.
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Bewusstes Denken findet in der Großhirnrinde statt, während unbewusste Handlungen und Gefühle im limbischen System lokalisiert sind. Roth bezeichnet das limbische System als "emotionales Erfahrungsgedächtnis", in dem alle Erfahrungen und Wissen in Form von Gefühlen und Körperempfindungen gespeichert werden.
Die Ebenen des limbischen Systems nach Gerhard Roth
Gerhard Roth unterteilt das limbische System in drei Ebenen:
- Untere limbische Ebene: Diese Ebene ist genetisch bedingt und macht unser Temperament aus. Sie umfasst Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit, Selbstvertrauen und Zuverlässigkeit.
- Mittlere limbische Ebene: Hier findet die unbewusste emotionale Konditionierung statt. Elementare Emotionen wie Furcht, Freude und Ekel werden an individuelle Lebensumstände gebunden. Die Amygdala, ein Teil dieser Ebene, ist für die unbewusste Wahrnehmung kommunikativer Signale zuständig.
- Obere limbische Ebene: Diese Ebene ist für das bewusste emotional-soziale Lernen verantwortlich. Sie umfasst Gewinnstreben, Anerkennung, Freundschaft, Liebe, Moral und Ethik. Diese Ebene entwickelt sich in der Kindheit und Jugend und wird durch soziale Erfahrungen beeinflusst.
Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte Gerhard Roth das Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit und Psyche. Es konzentriert sich auf die drei limbischen Ebenen, die die nonverbale Kommunikation steuern - Mimik, Tonfall und Körpersprache - und die präfrontale sprachlich-rationale Ebene.
- Ebene (untere limbische Ebene): Das Reptiliengehirn steuert die Lebenserhaltung, biologische Funktionen und die Erfüllung primärer körperlicher Bedürfnisse. Diese Ebene ist weitgehend genetisch und durch vorgeburtliche Einflüsse bedingt.
- Ebene (mittlere limbische Ebene): Sie basiert stark auf vorgeburtlichen und frühkindlichen Erfahrungen und Bindungen. Diese Sozialisation prägt das Selbstbild und Verhältnis zu anderen, ohne dass wir uns an die Lernerfahrungen aus dieser Zeit bewusst erinnern. Durch die emotionale Konditionierung verbinden wir intensive Gefühle mit bestimmten Situationen, was als unbewusstes System der Motivation dient.
- Ebene (obere limbische Ebene): Sie bringt unsere Persönlichkeit in bewusstem Lernen durch emotionale Erfahrungen mit unserer Umwelt in Einklang und sorgt für die Anpassung an gesellschaftliche Strukturen. So ist sie durch neue Erfahrungen veränderbar. Damit verbunden sind Ausbildungen von Rücksicht, Empathie, Geduld, Durchsetzung, Zielstrebigkeit etc., die ungefähr im Alter von 3 beginnen und erst mit 18-21 Jahren ausgereift sind.
- Ebene (Neocortex): Sie enthält die verbale Kommunikation als Grundlage des rein sachlichen Denkens. Bewusste Erfahrung und Wissen werden nur hier erworben. Es wird geprüft, abgewogen, entschieden, geplant. Die 4. Ebene kann durch das limbische System stark beeinflusst werden, hat selbst aber nur einen bescheidenen Einfluss auf dieses.
Emotionen und das limbische System
Emotionen werden im limbischen System generiert, das nicht dem Bewusstsein untersteht. Erst das Hinzuschalten der Hirnrinde macht Gefühle bewusst. Neurowissenschaftler unterscheiden zwischen Emotionen (körperliche Reaktion auf einen Reiz) und Gefühlen (Verarbeitung der Körperreaktionen im Gehirn).
Angst, Ärger, Glück und Trauer aktivieren unterschiedliche Hirnareale. Bei Gefahr gelangt die Information über die Sinnessysteme direkt zur Amygdala, die beurteilt, ob der Reiz schädlich oder nützlich ist. Die Amygdala kurbelt über Hypothalamus und Hirnstamm die passende körperliche Defensivreaktion an, noch bevor uns bewusst wird, dass wir Angst haben.
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Ein zweiter, langsamerer Weg verläuft vom Thalamus zur Hirnrinde, wo die Situation detailgenauer verarbeitet wird. Der präfrontale Cortex (PFC) integriert Emotionen in das Gesamtbild und zieht Schlüsse für die beste Handlung. Er wandelt emotionale Reize aus dem limbischen System in bewusste Gefühle um.
Der Einfluss des limbischen Systems auf Verhalten und Entscheidungen
Das limbische System und seine Prägungen beeinflussen unser Leben, oft ohne dass wir es bewusst merken. Der limbische Imprint, der in der Zeit zwischen der Befruchtung der Eizelle und dem dritten Geburtstag entsteht, speichert Erfahrungen und Eindrücke, die unser Verhalten und unsere Entscheidungen prägen.
Negative Erlebnisse können zu Blockaden führen, die uns daran hindern, unsere Ziele zu erreichen und ein erfülltes Leben zu führen. Es gibt jedoch verschiedene Methoden, das limbische System umzuprogrammieren und sich von einschränkenden Einflüssen der Vergangenheit zu befreien.
Methoden zur Beeinflussung des limbischen Systems
Es gibt verschiedene Techniken, um das limbische System positiv zu beeinflussen und das Unterbewusstsein zu nutzen, um Veränderungen zu bewirken:
- Meditation: Regelmäßige Meditation verändert das Gehirn, reduziert die Aktivität der Amygdala und vergrößert den Hippocampus, was zu Stressresistenz und Lebensfreude führt.
- Trance: In einer tiefen Trance kann das Unterbewusstsein direkt angesprochen werden.
- Emotionale Klopftechnik (EmK): Durch das Beklopfen von Akupressurpunkten können Blockaden gelöst und das Nervensystem entspannt werden. Die EmK kann Stress senken und negative Emotionen auflösen.
- Achtsamkeit: Das Schulen der Achtsamkeit hilft, Stress frühzeitig zu erkennen und sich selbstständig herunterzuregulieren.
- Anker setzen: Durch das Verknüpfen eines entspannten Zustands mit einem bestimmten körperlichen Anker kann man in Stresssituationen schnell zur Ruhe kommen.
- Birth Into Being: Diese Methode hilft, sich von einschränkenden Einflüssen der Vergangenheit zu befreien und neue, positive Bilder in das limbische System zu bringen.
Die Rolle von Emotionen im Coaching
Im Coaching ist es wichtig, Emotionen als Ursache von Problemen zu erkennen und zu adressieren. Probleme, die die Gefühlswelt betreffen, können Folgen von Funktionsstörungen des limbischen Systems sein, wie z.B. ein Trauma. Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein kann helfen, alle Gefühle wieder in eine gesunde Balance zu bringen.
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Die Bedeutung des Körpergefühls und der Selbstempathie
Der Weg zum neuen Bewusstsein führt über das Körpergefühl, Selbstempathie, Bewusstsein und Achtsamkeit im Hier und Jetzt. Nur so können wir bewusst in Kontakt mit unseren Gefühlen und lebendigen Bedürfnissen kommen. Diese annehmen, wie sie sind und würdigen, so dass sie sich auflösen können und sich auch der Stress im Reptilienhirn wieder legt.
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