Einführung
Alexander Groth, ein Experte für Führung und Change Management, beleuchtet die Rolle des limbischen Systems bei Veränderungsprozessen. Seine Erkenntnisse, die er auf dem digitalen Kommunalpolitischen Forum zum Thema Verkehrswende präsentierte, bieten wertvolle Einblicke, wie man Gewohnheiten verändern und Menschen für neue Ideen gewinnen kann. Der Artikel analysiert Groths Ansatz und verknüpft ihn mit weiteren Erkenntnissen aus der Hirnforschung und dem Change Management.
Das limbische System als Schlüssel zur Verhaltensänderung
Groth betont, dass die mangelnde Umsetzungsbereitschaft der Beteiligten der Hauptgrund für das Scheitern von Veränderungsprozessen ist. Die kollektive Lethargie ist keine reine Kopfsache, sondern wird maßgeblich vom limbischen System beeinflusst. Dieses Emotions-Optimierer-System maximiert positive und minimiert negative Emotionen und hat somit das letzte Wort bei Entscheidungen.
Die Macht des limbischen Systems
Das limbische System, oft als das "emotionale Gehirn" bezeichnet, spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung unseres Verhaltens. Es ist der Teil des Gehirns, der Emotionen verarbeitet und blitzschnell auf Reize reagiert, oft bevor unser Verstand überhaupt die Möglichkeit hat, die Situation zu analysieren. Diese emotionale Reaktion ist tief in unseren Gewohnheiten verankert und macht es so schwer, diese zu ändern.
Überwindung des "inneren Schweinehundes"
Groth distanziert sich vom Bild des "inneren Schweinehundes", der zu überwinden sei. Stattdessen plädiert er dafür, das limbische System zu verstehen und gezielt zu aktivieren. Er verdeutlicht, dass gute Vorsätze oft am limbischen System scheitern, da der Verstand keine Möglichkeit hat, dieses zu umgehen.
Die "roten und grünen Knöpfe" der Verhaltensänderung
Groth erklärt, dass es zwei Wege gibt, das limbische System zu aktivieren:
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- Der rote Knopf (Schmerz): Um Gewohnheiten zu ändern, muss es "wehtun". Im Kontext des Autoverkehrs könnte dies bedeuten, den Benzinpreis oder die KFZ-Steuer zu erhöhen.
- Der grüne Knopf (positive Emotionen): Positive Emotionen wie Erfolg oder Belohnung sind ebenfalls wichtig. Beispiele hierfür sind die kostenlose Nutzung des ÖPNV für eine gewisse Zeit, die Einführung von Ticketsharing oder andere Belohnungssysteme.
Beispiele für die Anwendung der "roten und grünen Knöpfe"
Verkehrswende
Groth gibt konkrete Anregungen für die Verkehrswende, beispielsweise die Erhöhung des Benzinpreises (roter Knopf) und die kostenlose Nutzung des ÖPNV (grüner Knopf). Er rät dazu, mit den roten und grünen Knöpfen zu spielen und viele positive Impulse bei der Umsetzung zu geben, da es positive Emotionen und Erfolgserlebnisse braucht.
Change-Management im Unternehmen
Die Erkenntnisse über das limbische System lassen sich auch auf Change-Management-Prozesse in Unternehmen übertragen. Wenn beispielsweise ein Unternehmen einen Change-Plan entwickelt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, ist es wichtig, nicht nur die rationalen Gründe für den Wandel zu kommunizieren, sondern auch die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Dies kann bedeuten, Anreize für die Umsetzung des Change-Plans zu schaffen (grüner Knopf) und gleichzeitig die negativen Konsequenzen einer Nicht-Umsetzung aufzuzeigen (roter Knopf).
Liebe als Geisteshaltung
Groth geht auch auf das Thema Liebe ein und stellt klar, dass Liebe kein Gefühl, sondern eine Geisteshaltung ist. Er argumentiert, dass man seinen Nächsten und sogar seine Feinde lieben solle, was unmöglich wäre, wenn Liebe ein Gefühl wäre. Stattdessen sei Liebe eine Geisteshaltung, die Geduld, Respekt und Vergebung beinhaltet.
Liebe im Kontext von Führung
Die Idee der Liebe als Geisteshaltung lässt sich auch auf Führung übertragen. Eine Führungskraft, die ihre Mitarbeiter liebt, begegnet ihnen mit Geduld, Respekt und Vergebung, auch wenn diese Fehler machen. Dies schafft ein Klima des Vertrauens und der Offenheit, in dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen und ihr volles Potenzial entfalten können.
Coaching und die Bedeutung von Übung
Groth betont die Bedeutung von Übung für den Erfolg im Coaching. Er argumentiert, dass man nur durch regelmäßiges Coachen, sowohl sich selbst als auch andere, ein guter Coach werden kann. Er vergleicht dies mit einem Pianisten, der auch nicht vor zahlendem Publikum auftreten würde, bevor er ausreichend geübt hat.
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Alltagsübungen und Praxisübungen
Groth schlägt vor, Alltagsübungen und Praxisübungen zu kombinieren, um die eigenen Coaching-Fähigkeiten zu verbessern. Alltagsübungen ermöglichen es, in natürlichen Situationen zu üben, während Praxisübungen anspruchsvoller sind und in realen Coaching-Situationen angewendet werden können.
Limbi: Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn
Groth verweist auf das Buch "Limbi. Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn" von Werner Tiki Küstenmacher, in dem das limbische System auf anschauliche Weise erklärt wird. Küstenmacher gibt diesem Teil unseres Gehirns ein Gesicht - klein, wuschelig und unwiderstehlich - kurz Limbi. Limbi taucht immer dann auf, wenn wir versuchen, ihm unseren Willen aufzuzwingen, und reagiert emotional und undifferenziert mit Wut, Angst, aber auch mit Überraschung und Freude.
Die Kafkaeske Welt von Signa: "Hundsprozesse"
Neben den Erkenntnissen über das limbische System wird im Artikel auch auf die Performance "Hundsprozesse" der Gruppe Signa eingegangen, die auf Kafkas Roman "Der Prozess" basiert. Die Zuschauer werden in eine dunkle Welt der Schuld und Verunsicherung entführt, in der sie sich mit Fragen der Identität, Schuld und Verantwortung auseinandersetzen müssen.
Die Rolle der Zuschauer-Angeklagten
Die Zuschauer-Angeklagten werden in Grenzsituationen geführt, in denen sie Entscheidungen treffen müssen, die ihre moralischen Überzeugungen auf die Probe stellen. Sie können sich einmischen oder nicht, je nach ihrer individuellen Bereitschaft.
Die Bedeutung von Pausen und harmlosen Auflösungen
Das Gefühl der Verunsicherung wird durch die Pausen verstärkt, in denen man auf irgendetwas oder jemanden wartet, und durch die immer wieder harmlose Auflösung heikler Situationen.
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Das Spiel mit der Identität
Der Versuch, die eigene Identität zu fälschen, kann negative Konsequenzen haben, wie der Artikel anhand eines Beispiels zeigt, in dem ein Foto aus dem Internet auftaucht und die Lüge auffliegt.
Die Schlussszene als Appell zum Widerstand
Die Schlussszene, in der sich die Angeklagten entlang von weißen Linien aufstellen und reihenweise vortreten müssen, um die Akten zurückzugeben, weckt noch einmal den Widerstandsgeist vieler. Die Aufstellung lässt Assoziationen an Schlachtvieh oder Schlimmeres hochkommen.
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