Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die sich durch vielfältige Symptome und Verlaufsformen auszeichnet. Gangstörungen sind eine häufige und beeinträchtigende Folge der MS, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken können. Dieser Artikel beleuchtet innovative Behandlungskonzepte und Therapieansätze zur Verbesserung der Mobilität und zur Linderung von Gangstörungen bei Menschen mit MS.
Einführung in die Multiple Sklerose
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angreift. Diese Entmarkung führt zu einer gestörten Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper, was vielfältige neurologische Symptome zur Folge haben kann. Die MS verläuft individuell sehr unterschiedlich, meist jedoch in Schüben, wobei sich die Symptome plötzlich verschlimmern oder neue Beschwerden auftreten.
Formen der Multiplen Sklerose
Man unterscheidet hauptsächlich drei Verlaufsformen der MS:
- Schubförmig remittierende MS (RRMS): Bei dieser Form treten Schübe auf, gefolgt von Phasen der teilweisen oder vollständigen Erholung (Remission).
- Sekundär progrediente MS (SPMS): Diese Form entwickelt sich oft aus der RRMS und ist durch eine fortschreitende Verschlechterung der Symptome gekennzeichnet, unabhängig von Schüben.
- Primär progrediente MS (PPMS): Bei dieser selteneren Form schreitet die Erkrankung von Beginn an langsam, aber stetig fort.
Gangstörungen bei Multipler Sklerose
Gangstörungen sind eine häufige Folge der MS und können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören Muskelschwäche, Spastik, Koordinationsstörungen (Ataxie) und Sensibilitätsverluste. Die Beeinträchtigungen können sich in unterschiedlicher Art und Weise äußern, wie z.B.:
- Fußheberschwäche: Ein häufiges Problem ist die Schwäche des Fußhebers, was zu Stolpern und Hängenbleiben der Fußspitze führen kann.
- Hüftbeugerschwäche: In Kombination mit der Fußheberschwäche kann eine Schwäche des Hüftbeugers das Anheben des Beins beim Gehen erschweren.
- Spastik: Erhöhte Muskelspannung und unkontrollierte Muskelkrämpfe können den Gang zusätzlich beeinträchtigen.
- Ataxie: Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen führen zu einem unsicheren und breitbeinigen Gang.
Innovative Behandlungskonzepte und Therapieansätze
Die Behandlung von Gangstörungen bei MS erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien umfasst. Ziel ist es, die Mobilität zu verbessern, die Selbstständigkeit zu erhalten und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
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Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, die Grunderkrankung zu beeinflussen und die Symptome zu lindern.
- Krankheitsmodifizierende Therapien: Diese Medikamente zielen darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Häufigkeit von Schüben zu reduzieren. Dazu gehören Interferone, Glatirameracetat, Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab und weitere.
- Symptomatische Therapien: Diese Medikamente dienen der Linderung spezifischer Symptome wie Spastik, Schmerzen und Fatigue. Zur Behandlung von Spastik werden beispielsweise Baclofen und Tizanidin eingesetzt.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Gangstörungen.
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und zielt darauf ab, die Muskelkraft, Koordination und das Gleichgewicht zu verbessern. Spezielle Übungen und Techniken helfen, die Gehfähigkeit zu erhalten oder wiederzuerlangen.
- Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt die Betroffenen dabei, ihre Alltagskompetenzen zu erhalten oder wiederzuerlangen. Sie hilft, Hilfsmittel zu nutzen und Strategien zu entwickeln, um den Alltag trotz der Einschränkungen zu meistern.
- Sporttherapie: Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining kann die Muskulatur stärken und die Gehfähigkeit verbessern. Aqua-Therapie und therapeutisches Klettern sind weitere Möglichkeiten, die Mobilität zu fördern.
- Funktionelle Elektrostimulation (FES): Die FES ist eine innovative Therapieform, bei der Muskeln durch elektrische Impulse stimuliert werden. Sie kann insbesondere bei Fußheberschwäche eingesetzt werden, um den Fuß beim Gehen anzuheben und so Stolpern zu vermeiden.
- Orthesen: Orthesen können eingesetzt werden, um den Fuß zu stabilisieren und die Gehfähigkeit zu verbessern. Moderne FES-Systeme sind leicht und können die fehlende Kompensationsmöglichkeit durch die Schwäche des Hüftbeugers kompensieren.
- Gangtraining: Gangtraining auf dem Laufband und roboterassistierte Therapie können die Gangstörung gezielt verbessern.
- Taiji und Yoga: Diese Entspannungstechniken können die Körperwahrnehmung verbessern und die Muskeln entspannen.
Multimodale Rehabilitation
Eine multimodale Rehabilitation bietet eine umfassende Betreuung durch ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften. Sie kombiniert verschiedene Therapieansätze, um die individuellen Bedürfnisse der Patienten bestmöglich zu erfüllen. Im Passauer Wolf Reha-Zentrum Bad Gögging hat man sich beispielsweise auf die Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) spezialisiert. Wichtig bei dem innovativen Behandlungskonzept ist die ganzheitliche und sektorübergreifende Betreuung. Durch Kooperationen mit Ambulanzen, akutstationären Häusern und Universitätskliniken gelingt es, nahtlose Übergänge zu schaffen.
Weitere Therapieansätze
- Neuropsychologische Behandlung: Computergestützte Verfahren können zur Verbesserung von Fatigue, Aufmerksamkeit und Gedächtnis eingesetzt werden.
- Sprachtraining: Bei Sprachstörungen kann ein Sprachtraining helfen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
- Therapie von Begleiterkrankungen: Die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Depressionen und Schlafstörungen kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern.
Umgang mit Fatigue
Fatigue, eine chronische Erschöpfung, ist ein häufiges und beeinträchtigendes Symptom bei MS. Sie kann die Mobilität zusätzlich einschränken und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Strategien zur Linderung von Fatigue
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Fatigue reduzieren und die Energie steigern.
- Kühlstrategien: Kühlwesten und andere Kühlmaßnahmen können helfen, die Fatigue bei Wärmeexposition zu reduzieren.
- Energiemanagement: Die Planung von Aktivitäten und Ruhepausen kann helfen, die Energie besser einzuteilen.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente wie Amantadin und Modafinil zur Linderung von Fatigue eingesetzt werden.
Paroxysmale Symptome
Paroxysmale Symptome sind plötzlich auftretende, kurzzeitige Beschwerden, die bei MS auftreten können. Dazu gehören einschießende Schmerzen, Gefühlsstörungen, Sprech- oder Bewegungsstörungen. Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Symptom und kann medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen umfassen.
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Die Rolle der Forschung
Die Forschung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer und effektiverer Behandlungsmethoden für MS. Aktuelle Studien untersuchen beispielsweise die Auswirkungen von Physiotherapie auf die Reorganisation von Gehirnstrukturen und die Wirksamkeit neuer Medikamente.
Leben mit Multipler Sklerose und Gangstörungen
Das Leben mit Multipler Sklerose und Gangstörungen kann eine Herausforderung sein. Es ist wichtig, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen und einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls hilfreich sein.
Auch sollte man so lange wie möglich auf den Beinen bleiben. Als die Beine nach dem Höllensommer 2003 anfingen, sich dauerhaft abzumelden, sollte man sich dazu zwingen, jeden Tag ca. eine halbe Stunde zu gehen. Damit ist man noch ca. 1 Jahr lang leidlich auf den Beinen geblieben, bis zum Diagnose-Schub. Man konnte sogar noch ganz kurze Strecken innerorts Auto fahren, d.h. Einkaufen, Post usw. erledigen. Erst der Diagnose-Schub vom November 2004 bis zur Diagnose März/April 2005 setzte dem dauerhaft ein Ende. Seit dem Spritzpausen-Schub 2007, der einen auf GdB 90 brachte, hat man von Hausarzt und Neuro ständig Cortisontabletten für den Notfall in der Hausapotheke.
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