Alzheimer-Früherkennungstest: Innovative Methoden und aktuelle Forschung

Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, stellt eine wachsende Herausforderung für die alternde Bevölkerung dar. Frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Fortschritte und innovative Ansätze im Bereich der Alzheimer-Früherkennung, von Smartphone-basierten Tests bis hin zu Bluttests und bildgebenden Verfahren.

Die Bedeutung der Früherkennung

Störungen des Erinnerungsvermögens sind ein wesentliches Symptom der Alzheimer-Krankheit. Der Schweregrad und die zeitliche Entwicklung solcher Gedächtnisprobleme spielen eine zentrale Rolle bei der Diagnose und in der Alzheimer-Forschung. Es ist wichtig, klinisch relevante Gedächtnisstörungen im Frühstadium zu erkennen und Krankheitsverläufe engmaschiger zu erfassen.

Smartphone-basierte Gedächtnistests

Ein vielversprechender Ansatz zur Früherkennung von Alzheimer sind Smartphone-basierte Gedächtnistests. Forschende des DZNE, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der US-amerikanischen University of Wisconsin-Madison haben gemeinsam mit dem Magdeburger Unternehmen „neotiv“ eine App entwickelt, die eigenständige Gedächtnistests ermöglicht, ohne dass dafür eine professionelle Betreuung erforderlich ist.

Funktionsweise und Validierung

Die App bietet interaktive Gedächtnisaufgaben, die unterschiedliche Bereiche des Gehirns ansprechen, die in verschiedenen Phasen einer Alzheimer-Erkrankung betroffen sein können. Im Wesentlichen geht es bei diesen Tests darum, sich Bilder zu merken oder Unterschiede zwischen Bildern zu erkennen, die von der App eingeblendet werden.

Die Software läuft auf Smartphones und Tablets und ist wissenschaftlich validiert. In einer Studie mit 199 älteren Erwachsenen hat sich gezeigt, dass die neue Methode mit klinischen Untersuchungen vergleichbar ist und leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) mit hoher Genauigkeit erkennt.

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Vorteile und Anwendungsbereiche

Die eigenständige Durchführung der Tests bietet mehrere Vorteile:

  • Frühere Erkennung: Klinisch relevante Gedächtnisstörungen können im Frühstadium erkannt werden.
  • Engmaschige Erfassung: Krankheitsverläufe können engmaschiger erfasst werden, als es heute möglich ist.
  • Flexibilität: Die Tests können selbstständig und ortsunabhängig durchgeführt werden.
  • Einfacher Zugang: Die App kann in der Alzheimer-Forschung und als diagnostisches Hilfsmittel für Arztpraxen eingesetzt werden.

Bluttests zur Alzheimer-Diagnostik

Neben den digitalen Tests gewinnen auch Bluttests zur Alzheimer-Diagnostik zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Forschungsteams haben Bluttests entwickelt, mit denen Alzheimer zuverlässig erkannt werden kann.

Aktuelle Bluttests und ihre Funktionsweise

  • Precivity AD-Bloodtest: Dieser Test misst das Verhältnis zweier unterschiedlicher Beta-Amyloid-Peptide (Beta-Amyloid-40 und Beta-Amyloid-42) im Blut. Das Peptid Beta-Amyloid-42 kommt häufiger in den Plaques und Zusammenlagerungen vor, wodurch sich das lösliche Verhältnis der beiden Peptide bei Menschen mit Alzheimer-Demenz verändert. Dieser Test richtet sich laut Hersteller an Menschen über 55 Jahren mit Anzeichen für eine leichte kognitive Einschränkung.
  • Elecsys pTau181-Test: Dieser Test misst ein chemisch verändertes Tau-Protein (pTau181), das als Indikator für die Alzheimer-Erkrankung gilt. Mit Hilfe des Tests kann laut Hersteller früh und einfach der Grund für die kognitiven Defizite bestimmt werden.
  • Immuno-Infrarot-Sensor Test: Dieser Test misst mit Hilfe des Immuno-Infrarot-Sensors die für Alzheimer charakteristische Fehlfaltung des Peptids Beta-Amyloid, die der Bildung von Plaques vorausgeht und bereits vor dem Auftreten von Symptomen messbar ist.

Vorteile undlimitierungen

Der größte Vorteil von Alzheimer-Bluttests ist ihre einfache und kostengünstige Durchführung. Sie können ergänzend zu etablierten Verfahren wie der Liquoruntersuchung oder bildgebenden Verfahren eingesetzt werden. Es gibt auch Bluttests in der Entwicklung, die den Erkrankungsbeginn bei symptomfreien Menschen mit Alzheimer über mehr als zehn Jahre vorhersagen können.

Aktuell gibt es in Deutschland keinen allgemein verfügbaren Bluttest zur Alzheimer-Diagnose. Die hier beschriebenen Verfahren befinden sich noch in der Forschung oder werden nur in spezialisierten Zentren eingesetzt.

Bildgebende Verfahren: MRT zur Früherkennung?

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das Veränderungen im Gehirn sichtbar machen kann. Sie wird auch eingesetzt, um eine Demenz zu diagnostizieren und früh zu erkennen.

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Anwendung und Nutzen

Bei deutlichen Anzeichen einer Demenz ist ein Hirnleistungs-Check eine Kassenleistung. Auch die MRT-Untersuchung kann bei deutlichen Anzeichen einer Demenz oder einem auffälligen Hirnleistungs-Test unter Umständen Kassenleistung sein. Zur Früherkennung müssen Versicherte die MRT aus eigener Tasche als IGeL bezahlen.

Kritische Bewertung

Der IGeL-Monitor bewertet die MRT-Untersuchung zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz mit „tendenziell negativ“. Es gibt keine Studien, die zeigen, ob eine Früherkennung am Ende den Patienten nützt oder schadet. Ein Nutzen ist auch nicht zu erwarten, da bislang nicht gezeigt werden konnte, dass eine frühe Therapie im Vergleich zur späten Therapie das Fortschreiten einer Demenz aufhalten kann. Dafür ist ein Schaden möglich, da sich nur jede zweite frühe, leichte Demenz zu einer späte, schwere Demenz entwickelt.

Weitere Testverfahren und Diagnosemethoden

Neben den genannten Verfahren gibt es weitere Testverfahren und Diagnosemethoden, die bei der Früherkennung von Alzheimer eingesetzt werden:

  • Klinische Tests: In der aktuellen klinischen Praxis werden Gedächtnistests unter Anleitung einer medizinischen Fachkraft durchgeführt. Die untersuchten Personen müssen dabei schriftlich oder im Zwiegespräch standardisierte Aufgaben lösen.
  • Mini-Mental-Status-Test (MMST): Der MMST ist der älteste und bekannteste Fragebogentest zur Demenz. Er umfasst unter anderem verschiedene Merk- und Rechenaufgaben.
  • Demenz-Detektions-Test (DemTect): Der DemTect ist ein einfaches Verfahren, dauert nicht sehr lange und braucht kaum Vorwissen.
  • Montreal-Cognitive-Assessment-Test (MoCa-Test): Der MoCa-Test sollte von geschultem Personal durchgeführt werden.
  • Uhrentest: Beim Uhrentest wird die Testperson gebeten, eine Uhr mit einer bestimmten Uhrzeit zu zeichnen.
  • Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD): Beim TFDD geht es vor allem darum, eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen.
  • Syndrom-Kurztest (SKT): Der SKT erfasst vor allem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.
  • Neuropsychologische Testung: Das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und verschiedene andere höhere Hirnfunktionen werden untersucht.

Risikofaktoren und Prävention

Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil und die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder hinausgezögert werden können. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Rolle des Hausarztes

Im Grunde ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt. Der Hausarzt, der sensibilisiert ist, der untersucht selber. Wenn die Symptome ganz leicht sind, so dass wir im Alltag, wenn wir mit einem Menschen sprechen, der über seine Vergesslichkeit redet, gar nicht das nachvollziehen können und denken: 'Naja, der wirkt doch eigentlich sehr fit und ganz normal', dann muss man ausführlicher untersuchen. Erhärtet sich der Verdacht auf Demenz, bekommen Sie eine Überweisung zu einem Facharzt oder zu einer Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie.

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