Die Alzheimer-Demenz ist eine Erkrankung, die in erster Linie mit Vergesslichkeit in Verbindung gebracht wird. Die Erkrankung manifestiert sich jedoch auf vielfältige Weise. Obwohl sie individuell sehr unterschiedlich verläuft, lassen sich drei Krankheitsstadien unterscheiden. Wie sich eine Alzheimer-Demenz zeigt und verläuft, hängt nicht nur von Veränderungen im Gehirn ab, sondern auch von der sonstigen körperlichen Verfassung, der Persönlichkeit und der Lebensgeschichte.
Einleitung
Demenz ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Syndrom, das durch den Abbau von kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache gekennzeichnet ist. Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form, gefolgt von vaskulärer Demenz und Mischformen. Der Verlauf einer Demenz ist individuell verschieden, aber es gibt bestimmte Muster, die im Allgemeinen beobachtet werden können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Demenzverlaufs, von den frühen Anzeichen bis zum fortgeschrittenen Stadium, und bietet Einblicke in die Faktoren, die die Geschwindigkeit des Fortschreitens beeinflussen können.
Was ist Demenz?
Demenz ist keine normale Alterserscheinung, sondern eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die zu einem Abbau von geistigen Fähigkeiten und Verhaltensänderungen führt. Die Symptome können je nach Ursache und betroffenem Hirnbereich variieren.
Formen und Arten von Demenz
Innerhalb der primären Demenzen lassen sich Formen und Arten von Demenz nach dem Auslöser unterscheiden.
- Neurodegenerative Demenz: Ausgelöst durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Alzheimer betrifft mehr als 60 Prozent aller Demenzerkrankten und ist damit mit Abstand die häufigste Form von Demenz.
- Vaskuläre Demenz: Hierbei wird das Hirngewebe durch Durchblutungsstörungen nachhaltig geschädigt, was ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen führt.
- Frontotemporale Demenz: Betrifft vor allem den Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns und führt zu Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens.
- Lewy-Körper-Demenz: Verursacht durch sogenannte "Lewy-Körperchen" in der Hirnrinde, die zu optischen Sinnestäuschungen und motorischen Störungen führen können.
- Parkinson-Demenz: Entwickelt sich bei einem Teil der Parkinson-Patienten und führt zu ähnlichen Symptomen wie andere Demenzformen.
- Sekundäre Demenzen: Werden indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.
In der Praxis treten häufig Mischformen von Demenz auf, beispielsweise eine Kombination aus neurodegenerativen und vaskulären Ursachen.
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Stadien der Demenz
Die Alzheimer-Demenz ist eine chronische Erkrankung, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren voranschreitet. Sie beginnt meist erst nach dem 65. Lebensjahr. Tritt eine Alzheimer-Demenz vor dem 65. Lebensjahr auf, verläuft sie meist rascher, als wenn sie erst im höheren Alter einsetzt. Drei Krankheitsstadien lassen sich unterscheiden, für die bestimmte Beschwerden charakteristisch sind. Welche Veränderungen wie schnell eintreten, ist jedoch individuell verschieden. Die Einteilung in Demenz Stadien dient lediglich der Übersicht über Phasen, die irgendwann im Verlauf der Krankheit zu erwarten sind. Es ist unmöglich, vorherzusagen, wann diese Phasen eintreten.
Frühstadium
Im Frühstadium der Erkrankung sind die Gedächtnis- und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt. Die Vergesslichkeit kann leicht sein und sich (fast) nicht auf den Alltag auswirken. Sie kann aber auch bereits etwas stärker sein, sodass es schwerer fällt, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Der Übergang von den normalen Alterseinschränkungen zur Demenz verläuft eher schleichend. Fachleute unterscheiden eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI, engl. = mild cognitive impairmant) und eine leichte Alzheimer-Demenz.
Eine leichte kognitive Beeinträchtigung äußert sich durch leichte Gedächtnis- und Denkprobleme, die sich insbesondere bei komplizierten Alltags-Aufgaben bemerkbar machen. Bei einer leichten kognitive Beeinträchtigung kann es beispielsweise Probleme bereiten, sich eine kurze Einkaufsliste zu merken oder den aktuellen Wochentag spontan zu erinnern. Die verminderte Leistung stellt im Alltag aber kein bedeutendes Hindernis dar. Ein selbständiges, unabhängiges Leben ist möglich. Die Symptome einer leichten kognitiven Beeinträchtigung sind nur durch genaue Tests und Befragungen von einer normalen Altersvergesslichkeit zu unterscheiden.
Bei einer leichten Alzheimer-Demenz beeinträchtigen die Gedächtnis- und Denkprobleme den Alltag deutlicher: Menschen mit leichter Alzheimer-Demenz sind zunehmend vergesslich, haben Probleme, sich zu konzentrieren und können kompliziertere Alltags-Aufgaben nur noch schwer bewältigen. Beispielsweise brauchen sie fast immer Hilfe bei geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Kritische Punkte sind oft auch das Autofahren und die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Ein unabhängiges Leben ist aber weitgehend möglich.
Schon im Frühstadium können sich das Verhalten und die Gemütslage verändern. Die krankheitsbedingten Einschränkungen können Angst, Stress, Wut und auch Scham verursachen: Es ist oft peinlich, vergesslich und nicht orientiert zu sein, und es kostet viel Kraft, Strategien zu entwickeln, damit umzugehen.
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Der innere Antrieb und das Interesse an Hobbys und Freizeitbeschäftigungen können abnehmen. Manche Menschen sind depressiv verstimmt, reizbar und ihre Stimmung schwankt sehr stark. In dieser Phase können und sollten die betroffenen Personen noch möglichst viel am sozialen Leben teilnehmen und sich auf keinen Fall zurückziehen. Auch Sport und gezielte Physio- und Ergotherapie spielen eine wichtige Rolle. Oft ist zu Beginn der Demenz noch viel mehr möglich, als man denkt. Komplexe und besonders verantwortungsvolle Aufgaben sollten Sie jetzt aber schrittweise und kontrolliert abgeben. Betroffene und Angehörige gleichermaßen sollten sich mit der Erkrankung intensiv auseinandersetzen und auf das vorbereiten, was noch kommt.
Mittleres Stadium
Menschen im mittleren Stadium (mittelschwere Alzheimer-Demenz) müssen in der Regel ihr selbstständiges Leben aufgeben. Sie können zwar noch ohne Unterstützung essen, trinken, sich waschen und vielleicht auch einfache Arbeiten im Garten und im Haushalt erledigen, müssen aber erinnert und aufgefordert werden. Kochen, Einkaufen, die Wohnung sauber halten und Spazierengehen sind nur noch mit Hilfe möglich.
Das Risiko steigt, sich zu verlaufen, nicht mehr nach Hause zu finden, die Herdplatte brennen zu lassen und sich und andere zu gefährden. Verhaltensweisen wie unruhiges Umherlaufen, scheinbar sinnloses Kramen in Schubladen und Nesteln an der Kleidung werden häufiger. Auch Wutausbrüche, Misstrauen und aggressives Verhalten sind Folgen der Erkrankung, der mit ihr verbundenen Einschränkungen und Wahrnehmungsprobleme.
Der Tag-Nacht-Rhythmus ist oft gestört. Sich sprachlich auszudrücken und andere zu verstehen, wird immer schwieriger. Betroffene vermischen auch Gegenwart und Vergangenheit. Von einer mittelschweren Demenz ist die Rede, wenn die Symptome bereits deutlich ausgeprägt und kaum mehr zu übersehen sind. Spätestens jetzt bereitet die räumliche und zeitliche Orientierung erhebliche Schwierigkeiten. Wesensveränderungen können stark ausgeprägt sein und die Sprach- und Bewegungsfähigkeit sind spürbar eingeschränkt. Soziale Kontakte und gezielte Therapieangebote sind weiterhin wichtig, müssen aber an die aktuellen Fähigkeiten und verfügbaren Möglichkeiten angepasst werden.
Fortgeschrittenes Stadium
Im fortgeschrittenen Stadium (schwere Alzheimer-Demenz) sind die Menschen rund um die Uhr auf die Unterstützung anderer angewiesen. Die Probleme mit der Sprache können so groß werden, dass ein Gespräch kaum noch möglich ist. Auch bei einfachen Alltagstätigkeiten und beim Essen und Trinken ist jetzt Hilfe notwendig. Menschen mit fortgeschrittener Demenz sind oft unruhig, haben Halluzinationen oder vermischen Gegenwart und Vergangenheit. Sie erkennen eigentlich vertraute Personen nicht mehr. Die Kontrolle über die Körperfunktionen kann ebenso verloren gehen wie die Fähigkeit zur Koordination von Bewegungsabläufen. Bei einer schweren Demenz führen die starken Symptome dazu, dass die Person auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen ist. Die verschiedenen Symptome können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene weitgehend bettlägerig werden. Psychisch besonders belastend für Angehörige kann eine dauerhafte Wesensveränderung sein oder die Tatsache, dass selbst engste Vertraute kaum mehr erkannt werden. Das vermittelt vielen das Gefühl, man hätte den Kontakt zu der „eigentlichen“ Person verloren. Angehörige, die in dieser Phase weiterhin einen Großteil der Betreuung und Pflege übernehmen, müssen unbedingt die eigenen Belastungsgrenzen im Blick behalten.
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Im Endstadium der Demenz sind Betroffene vollständig auf Pflege angewiesen - beim Essen und Trinken ebenso wie beim Anziehen, bei der Körperpflege und beim Toilettengang. In der letzten Phase werden die Erkrankten häufig bettlägerig, was - im Zusammenspiel mit der Verschlechterung des Allgemeinzustands - zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt. Insbesondere Lungenentzündungen treten in dieser Phase der Demenz häufig auf und führen nicht selten zum Tod. Problematisch ist zudem, dass Erkrankte möglicherweise unter Schmerzen leiden, die nicht erkannt werden, weil die betroffene Person sich nicht bemerkbar machen kann.
Faktoren, die den Verlauf beeinflussen
Der Verlauf einer Demenz kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden:
- Art der Demenz: Unterschiedliche Demenzformen haben unterschiedliche Verläufe. Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel langsam fortschreitend, während vaskuläre Demenzen durch plötzliche Verschlechterungen gekennzeichnet sein können.
- Alter: Je älter die Person bei Krankheitsbeginn ist, desto schneller kann der Verlauf sein.
- Genetische Faktoren: Genetische Veranlagung kann das Risiko und den Verlauf der Alzheimer-Krankheit beeinflussen.
- Begleiterkrankungen: Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen können den Verlauf negativ beeinflussen.
- Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, gesunder Ernährung und geistiger Aktivität kann den Verlauf verlangsamen.
- Soziale Unterstützung: Menschen mit einem starken sozialen Netzwerk und guter sozialer Unterstützung haben oft einen langsameren Verlauf.
- Kognitive Reserve: Eine höhere Bildung und geistige Aktivität im Laufe des Lebens können eine Art "kognitive Reserve" bilden, die den Auswirkungen der Demenz entgegenwirken kann.
Wie schnell verläuft Demenz?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie schnell Demenz verläuft. Der Verlauf ist sehr individuell und hängt von den oben genannten Faktoren ab. Im Durchschnitt beträgt die Krankheitsdauer bis zum Tod etwa acht Jahre, es gibt aber auch sehr schnelle Verläufe von nur zwei Jahren und sehr langsame Verläufe von über 20 Jahren.
Wann erkranken die meisten Menschen an Demenz?
Die Häufigkeit einer Demenz erhöht sich mit dem Alter. Etwa 2,5 Prozent aller 60- bis 70-Jährigen, etwa 5 Prozent aller 70- bis 80-Jährigen und etwa 20 Prozent aller 80- bis 90-Jährigen erkranken an einer Demenz. Manchmal sind aber auch schon 50-Jährige oder jüngere Menschen betroffen.
Kann man von heute auf morgen dement werden?
Demenzen sind in der Regel langsam beginnende Abbauprozesse, die sich über Jahre hinziehen können.
Diagnose und Behandlung
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um den Verlauf der Demenz positiv zu beeinflussen und den Betroffenen und ihren Familien zu helfen, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Die Diagnose umfasst in der Regel eine umfassende medizinische Untersuchung, kognitive Tests und bildgebende Verfahren des Gehirns.
Warum sollte man ärztlichen Rat einholen?
Die Einordnung der oben beschriebenen Symptome in eine Krankheit ist sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen hilfreich. Eine initiale, umfassende Diagnostik mit Laboruntersuchungen, Bildgebung und kognitiven Schnelltests kann helfen, die Symptome einer möglichen Demenzerkrankung zuzuordnen. Es geht darum, im Falle einer Diagnosestellung frühestmöglich eine Therapie zu beginnen. Und es kann auch wichtig sein, die Lebensplanung anders zu gestalten.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Eine krankheitsmodifizierende Therapie für Demenz, also eine Therapie, die die Erkrankung im Gehirn ursächlich beeinflusst, gibt es noch nicht. Es gibt jedoch Medikamente, die den Verlauf verlangsamen und die Symptome etwas abschwächen können. Der geistige Abbau wird aber bleiben. Nicht heilen zu können, heißt aber nicht, nicht behandeln zu können! Die Hilfen und Therapiemöglichkeiten sind stadienabhängig. Neben der genannten medikamentösen Therapie ist anfänglich ein Hirnleistungstraining möglich, was den Betroffenen helfen und auch Spaß machen kann. Mit fortschreitender Erkrankung muss jedoch die Umgebung an die Möglichkeiten der Patienten angepasst werden. Prävention ist in gewissem Ausmaß auch möglich.
Was bringt eine frühe Diagnose?
Eine frühe Diagnose hat auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluss, der allerdings begrenzt ist, da eine Therapie Symptome nur verzögern kann. Sie kann jedoch Fehlanpassungen verhindern, den Umgang miteinander erträglicher gestalten und veranlasst vielleicht dazu, Dinge zu unternehmen, die man schon immer machen wollte.
Die Behandlung von Demenz umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien. Medikamente können helfen, die Symptome zu lindern und den Verlauf zu verlangsamen, aber sie können die Krankheit nicht heilen. Nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und психосоциальные Maßnahmen können den Betroffenen helfen, ihre Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt.
Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind 2025 in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen seit September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen. Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern.
Umgang mit Demenz im Alltag
Menschen mit Demenz verändern ihr Verhalten und reagieren, aufgrund einer veränderten Wahrnehmung, anders auf ihre Umwelt. Für Außenstehende ist es oft schwer, zu verstehen, was in der demenzerkrankten Person vorgeht. Unter anderem geht es um Kommunikation mit Demenzerkrankten, den Umgang mit Aggressionen und den Einsatz von Hilfsmitteln und Orientierungshilfen, die den Alltag erleichtern sollen. Zu einem guten Umgang mit der Demenz gehört auch die demenzgerechte Raumgestaltung. Dabei geht es darum, Barrieren abzubauen und hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung zu schaffen. Man sollte bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz immer auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang achten. Das gilt auch in Situationen, bei dem es einem besonders schwer fällt, zum Beispiel, wenn der an Demenz erkrankte dem Pflegenden Vorwürfe macht oder ihn fälschlicherweise beschuldigt. Man darf natürlich seinen Standpunkt vertreten, aber sollte immer darauf achten, die Person nicht zu diskreditieren. Unabhängig von Konfliktsituationen ist es immer eine Möglichkeit sich auf die Lebenserfahrung der Person zu beziehen und diese wertzuschätzen. Man kann zum Beispiel nach einem Ratschlag fragen und/oder sich auch mal helfen oder trösten lassen.
Demenzdörfer
In Tönebön bei Hameln liegt Deutschlands erstes Demenzdorf: Hier leben Menschen mit Demenz in einer dörflichen Gemeinschaft, komplett mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern. Übernommen wurde die Idee, demenzerkrankte Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft zu betreuen, aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es weitere Demenzdörfer in Deutschland. Die Kosten für die Pflege und Unterbringung ähneln denen eines normalen Pflegeheims.
Beschäftigung und Spiele
Beschäftigung und Spiele für Demenzerkrankte sind aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, weil viele Betroffene eine Unruhe entwickeln und zur Beruhigung unbedingt eine Beschäftigung brauchen. Zum anderen, weil Beschäftigung und Spiele die geistige und körperliche Aktivität anregen und soziale Interaktion erzeugen.
Prävention
Obwohl es keine Möglichkeit gibt, Demenz vollständig zu verhindern, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko einer Erkrankung verringern oder den Beginn verzögern können. Dazu gehören:
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Risiko von Demenz verringern.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Gehirn schützen.
- Geistige Aktivität: Geistige Aktivität wie Lesen, Rätsel lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten kann die kognitive Reserve erhöhen.
- Soziale Kontakte: Soziale Kontakte und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten können das Gehirn stimulieren und das Risiko von Demenz verringern.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes kann das Risiko von Demenz verringern.
Kann man einer Demenz also vorbeugen?
Man vermutet, dass bis zu 40 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert werden können. Zur Vorbeugung empfiehlt sich: geistig aktiv sein, viel Bewegung, gesunde Ernährung, Übergewicht und Bluthochdruck vermeiden, Diabetes rechtzeitig behandeln lassen, Hörminderungen ausgleichen, sozial aktiv sein, Stress reduzieren und neugierig sein. Und - wann immer möglich - Belastung durch Luftverschmutzung vermeiden.
Leben mit Demenz
Das Leben mit Demenz ist eine Herausforderung, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Familien. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt viele Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Informationen, Beratung und Unterstützung anbieten.
Entlastung für Angehörige
Ganz besonders wichtig ist, dass Angehörige sich selbst mit der Betreuung und Pflege nicht überfordern. Das große Stichwort lautet: Entlastung.
Inkontinenz bei Demenz
Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz).
Beispiel: Die demenzerkrankte Person verliert die Kontrolle über ihre Harn- beziehungsweise Darmentleerung. Helfen Sie Betroffenen beim Auskleiden, falls sie Schwierigkeiten haben, den Harn lange zu halten. Wählen Sie individuell geeignetes Inkontinenzmaterial aus, das bequem sitzt und ausreichend Schutz bietet. Durch Bewegungsmangel und Gedächtnisverlust können Toilettengänge ausbleiben. Häufig kommt es hierdurch zu einer schmerzhaften Verstopfung. Dokumentieren Sie daher die Toilettengänge. Für die Harnentleerung gibt es spezielle Trink- und Miktionsprotokolle. Die Pflege eines Angehörigen mit einer Demenz und Inkontinenz kann herausfordernd sein.
Patientenverfügung
Jede Demenz-Erkrankung bringt individuelle Einschränkungen mit sich und verläuft unterschiedlich schnell. Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
Anspruch auf Pflegegrad
Die vielfältigen Symptome und Folgen einer Demenzerkrankung können die Selbstständigkeit im Alltag von Patienten beeinträchtigen. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, haben Sie eventuellen Anspruch auf einen Pflegegrad, mit dem Ihnen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zustehen. In einem Pflegetagebuch können Sie die Beeinträchtigungen im Alltag genauer beobachten und dokumentieren. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie gegebenenfalls beim Antrag auf Pflegegrad.
Das Lebensende bei Demenz
Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod. Dennoch haben Menschen, die an Demenz erkranken, eine verkürzte Lebenserwartung. Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, auf ihre eigene Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das hat zwei Gründe: Zum einen schwächt eine fortgeschrittene Demenz das Immunsystem. Man ist dann anfälliger für Infektionskrankheiten. Zum anderen bereitet der Vorgang des Kauens und Schluckens in diesem Stadium große Probleme (Schluckstörungen).
Was passiert im Sterbeprozess?
Im Sterbeprozess ist der Herzschlag oft erhöht, der Blutdruck hingegen erniedrigt. Die Haut wirkt sehr blass oder ist bläulich-gemustert, das Gesicht ist eingefallen.
Wie kann man unterstützen?
Um die Trauer und alle damit verbundenen Gefühle besser bewältigen können, helfen Gespräche mit Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis. Binden Sie frühzeitig einen ambulanten Palliativdienst aus Ihrer Umgebung ein. Ausgebildete Fachkräfte helfen Ihnen und beraten Sie in der schwierigen Situation, um ein würdevolles Sterben zuhause ohne Schmerzen für den betroffenen Menschen zu sichern. Fragen Sie Ihren ambulanten Pflegedienst oder den Hausarzt danach. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.