Akutbehandlung von Migräne in spezialisierten Schmerzkliniken

Migräne und andere chronische Kopfschmerzen stellen für viele Betroffene eine erhebliche Belastung dar. Spezialisierte Schmerzkliniken bieten umfassende Diagnose- und Therapieansätze, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Akutbehandlung von Migräne in solchen Kliniken.

Kopfschmerzsprechstunde für chronische und seltene Kopfschmerzen

Für Kopfschmerzpatienten mit chronischen Kopfschmerzen wie Migräne sowie seltenen Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz und Trigeminusneuralgie haben viele Kliniken spezielle Kopfschmerzsprechstunden eingerichtet. Diese Sprechstunden dienen der gezielten Diagnostik und Therapie dieser komplexen Erkrankungen.

Diagnostik und Therapie chronischer Migräne

Die Diagnostik chronischer Migräne umfasst eine detaillierte Anamnese, neurologische Untersuchungen und gegebenenfalls bildgebende Verfahren. Zur Therapie werden verschiedene Ansätze verfolgt, darunter auch die BOTOX-Therapie, die zur Reduktion der Anfallshäufigkeit zugelassen ist. Es ist wichtig zu betonen, dass Botulinumtoxin für die Prophylaxe der Migräne zugelassen ist, aber nicht zur Akutbehandlung.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz und Entzugsbehandlung

Ein häufiges Problem in der Schmerzmedizin ist der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Patienten, die regelmäßig Schmerzmittel einnehmen, können paradoxerweise Kopfschmerzen entwickeln oder verstärken. Schmerzkliniken bieten daher Entzugsbehandlungen im Rahmen einer multimodalen stationären Behandlung an. Ziel ist es, den Medikamentenkonsum zu reduzieren und alternative Schmerzbewältigungsstrategien zu erlernen.

Chefärztin Dr. Maximiliane Deckart vom Helios St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen betont, dass Patient:innen Akupunktur und Infusionen erhalten, um den Entzugskopfschmerz auf einem geringeren Niveau aushalten zu können. Ziel der Therapie sei es, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, durch Akzeptanz, Verhaltensänderung und Entspannungsverfahren das Leben mit Migräne angstfreier zu gestalten.

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Behandlung seltener Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz

Patienten mit seltenen Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz erhalten in spezialisierten Kliniken Zugang zu allen modernen Therapieverfahren. Clusterkopfschmerzpatienten mit einer akuten Verschlechterung werden als medizinischer Notfall betrachtet und entsprechend behandelt.

Historischer Kontext und moderne Therapieansätze

Bereits im alten Ägypten versuchte man, die Beschwerden von Kopfschmerzpatienten mit Naturheilverfahren zu lindern. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Migräne dann als Hysterie-Erkrankung abgetan. Glücklicherweise hat sich das Verständnis der Erkrankung seither erheblich verbessert.

Menschen, die an Migräne leiden, werden oft nicht ernstgenommen. Obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz gestiegen ist, ist sie für die Betroffenen noch immer schambesetzt, und auch im Arbeitsalltag werden durch Fehlzeiten negative Folgen befürchtet.

Eine bessere Lebensqualität konnte in den 90er Jahren durch die Entwicklung der Triptane erzielt werden, mit denen der Anfall zu Beginn gestoppt werden konnte. Die Migräne ist weiterhin ein Forschungsschwerpunkt.

Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie alle Kopfschmerzen, wie z. B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

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Aufnahmeformalitäten

Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.

Kostenübernahme

Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt. Für Versicherte bestimmter Kassen wie der AOK Schleswig-Holstein, der Techniker Krankenkasse und anderer erfolgt bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen eine Kostenübernahme.

Weitere Angebote der Schmerzklinik Kiel

  • Stationäre und ambulante Behandlung
  • Spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche
  • Cluster-KS-Competence-Center
  • Schmerzkonferenzen
  • MSVV CGRP-Antikörper

Umgang mit Kopfschmerzen und Migräne im Alltag

Kopfschmerzen und Migräne können den Alltag stark beeinträchtigen - sei es durch Schmerzen, Einschränkungen oder die Sorge vor der nächsten Attacke. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein. Organisationen wie die Deutsche Schmerzliga e.V. bieten Möglichkeiten zur Vernetzung. Gut informiert zu sein, kann helfen, Kopfschmerzen und Migräne besser zu verstehen und damit umzugehen.

Schmerztagebuch

Ein Schmerztagebuch zu führen, mag banal erscheinen, ist aber oft der erste Schritt zur Besserung, so Dr. Deckart. Es hilft, Muster zu erkennen und Triggerfaktoren zu identifizieren.

Kopfschmerzzentrum der Charité

Das Kopfschmerzzentrum der Charité versorgt jährlich über 2.000 Patient:innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen. Bei wiederkehrenden Kopf- und Gesichtsschmerzen, die den Alltag beeinträchtigen, sollte zuerst eine fachärztliche Vorstellung in einer neurologischen Praxis erfolgen.

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Migräne: Symptome und Diagnose

Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einer spontanen Aktivierung von Nervenzellen kommt, die von den Patient:innen als Schmerzen mit mittlerer bis schwerer Stärke wahrgenommen werden. Typisch sind pulsierende, klopfende, hämmernde seitenbetonte Schmerzen des Kopfes, die durch körperliche Bewegung verstärkt werden und ohne Behandlung 4 - 72 Stunden anhalten. Dazu bestehen Zusatzsymptome wie eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht und/oder Geräuschen, seltener eine abnormale Geruchsempfindlichkeit sowie Übelkeit bis zu Erbrechen.

Episodische und chronische Migräne

Es wird unterschieden zwischen episodischer und chronischer Migräne. Letztere besteht dann, wenn an 15 oder mehr Tagen Kopfschmerzen bestehen und davon mindestens 8 Tage einer Migräne entsprechen.

Intensives ambulantes Behandlungsprogramm (IV Kopfschmerz Spezial)

Für Patient:innen mit chronischer Migräne und anderen chronischen Kopfschmerzen (z. B. chronischer Spannungskopfschmerzen) bietet das Kopfschmerzzentrum der Charité ein intensives ambulantes Behandlungsprogramm an (IV Kopfschmerz Spezial). Hierbei werden die Patient:innen von Neurolog:innen gemeinsam mit Psycholog:innen, Krankengymnast:innen, Sportwissenschaftler:innen und in Kopfschmerz geschultem Pflegepersonal behandelt.

Multimodale und multiprofessionelle Behandlung

Diese als multimodal und multiprofessionell bezeichnete Behandlungsform wird nur an wenigen Einrichtungen mit Schwerpunkt Kopfschmerzen in Deutschland angeboten. Im Rahmen dieser besonderen Behandlung lernen die Patienten einen hilfreichen Umgang mit Kopfschmerztriggern sowie vorbeugende medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsstrategien (z.B. Entspannungsverfahren) kennen. Psycholog:innen betreuen sie im Rahmen dieses Programms sowohl in der Einzel- als auch Gruppentherapie. Physiotherapeut:innen beurteilen ihren Bewegungsapparat und zeigen ihnen auf, wie Ausdauersport zur Vorbeugung der Kopfschmerzen erlernt werden kann.

Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen werden von vielen Menschen als "normale" Kopfschmerzen bezeichnet. Sie werden dann zum gesundheitlichen Problem, wenn sie chronisch sind, d. h. an mehr als 15 Tagen über mindestens 3 Monate auftreten. Ein Spannungskopfschmerz ist von leichter bis moderater Intensität, meist wie ein Ring um den Kopf, als Druck auf der Schädeldecke oder anhaltender Hinterkopfschmerz beschrieben. Gewöhnlich tritt er ohne Begleitsymptome auf, wenngleich z. B. eine leichte Geräuschempfindlichkeit möglich ist.

Cluster Kopfschmerz

Cluster Kopfschmerz (ca. 100 000 Patientinnen oder Patienten in Deutschland) besteht aus strikt halbseitigen Schmerzen um bzw. hinter einem Auge, der Stirn, der Schläfe bis in den Oberkiefer von stechendem, bohrendem bis ziehenden Charakter. Die Stärke ist schwer bis unerträglich. Zusätzlich zum Kopfschmerz können halbseitige Gesichtsschwitzen, Gesichtsrötung, Augentränen und/oder laufende/verstopfte Nase auftreten. Die Schmerzattacken treten häufig nachts zur gleichen Zeit auf und dauern von 15 - 180 Minuten an. Bewegungsunruhe ist typisch für die Schmerzattacken und diese sind tageszeitlich und jahreszeitlich "geclustert", d. h. treten zur selben Tages-/Jahreszeit auf.

Forschung und klinische Studien

Als universitäres Kopfschmerzzentrum ist die Forschung für viele Kliniken ein zentrales Anliegen. Zur Evaluation innovativer prophylaktischer und akut-medikamentöser Behandlungsmethoden werden klinische Studien zu neuen Substanzklassen durchgeführt. Hierbei wird das Prüfpräparat mit einem Placebo oder einer bestehenden Regelversorgung verglichen und hinsichtlich Effektivität sowie Sicherheit beurteilt. Neben den klassischen Medikamentenstudien beschäftigen sich die Kliniken in mehreren klinischen Studien mit der Untersuchung von klinischen und paraklinischen Parametern unterschiedlicher primärer sowie sekundärer Kopfschmerzerkrankungen.

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