Migräne mit Aura und offenem Foramen ovale: Ein möglicher Zusammenhang

Ein kleines Loch im Herzen, das sogenannte offene Foramen ovale (PFO), steht im Verdacht, bei manchen Menschen Migräne mit Aura auszulösen. Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, deuten Studien darauf hin, dass ein Verschluss des PFO die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann.

Was ist ein offenes Foramen ovale (PFO)?

Das Foramen ovale ist eine natürliche Öffnung zwischen dem linken und rechten Herzvorhof, die sich normalerweise innerhalb des ersten Lebensjahres schließt. Beim Ungeborenen ermöglicht dieses Loch, dass der größte Teil des Blutstroms die Lunge umgehen kann, da diese noch nicht ihre volle Funktion erfüllt. Bleibt das Foramen ovale nach der Geburt offen, spricht man von einem PFO. Etwa 25% der Erwachsenen haben ein solches PFO.

Der zufällige Fund: PFO und Migräne

Der Zusammenhang zwischen PFO und Migräne wurde eher zufällig entdeckt. In den 80er Jahren untersuchten englische Wissenschaftler eine Gruppe von Tauchern, die häufig unter Migräne litten. Dabei stellten sie fest, dass diese Patientengruppe überproportional häufig ein PFO aufwies. Die Tatsache, dass die Patienten tauchten, rückte bald in den Hintergrund.

Studienlage: PFO häufiger bei Migränepatienten

Nach dieser Entdeckung begannen Forscher weltweit, Migränepatienten auf ein PFO zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass über 50% der Migränepatienten ein PFO hatten, insbesondere Patienten mit Aura. "Aura" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Patienten bereits eine Stunde vor der Migräne-Attacke Symptome wie Sehstörungen oder ein Kribbeln auf der Haut spüren.

Die Hypothese: Wie ein PFO Migräne auslösen könnte

Für den Zusammenhang zwischen Migräneattacken und einem PFO gibt es eine gut begründete Hypothese: In der Wand der rechten Herzkammer werden Hormone produziert, die den Blutkreislauf mitregulieren. Spritzt man diese Hormone direkt ins Gehirn, können sie dort Migräneattacken auslösen. Hat ein Patient also ein PFO, können die Hormone vom rechten schneller ins linke Herz, von dort in die Halsschlagader und von dort wiederum ins Gehirn gelangen. Dort lösen sie dann eine Migräne-Attacke aus. Ist das Loch nicht vorhanden, wird das mit dem Hormon angereicherte Blut erst durch die Lunge gepumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieser Umweg könnte dafür verantwortlich sein, dass das Hormon im Gehirn keine Attacken auslösen kann.

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Eine weitere Vermutung ist, dass Migräneanfälle durch kleine Blutgerinnsel ausgelöst werden, die mit dem ungefilterten Blut durch das offene Foramen ovale das Gehirn erreichen. Blut, das durch diese Öffnung fließt, umgeht den Gasaustausch in der Lunge.

Der Verschluss des PFO als Therapieoption

Die Beobachtung, dass Migräneanfälle bei Patienten ausblieben, deren PFO aus anderen Gründen geschlossen wurde, führte zu Studien, die den Verschluss des PFO als mögliche Therapieoption bei Migräne untersuchten. Dabei wird das Loch in der Vorhofscheidewand mit einem sogenannten "Schirmchen" verschlossen.

Studienergebnisse zum PFO-Verschluss

Einige Studien zeigten, dass der Verschluss des PFO die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich reduzieren kann. Umgekehrt zeigten Studien, dass in bis zu 75% aller Fälle, in denen das Loch geschlossen wurde, die Migräne-Attacken deutlich abnahmen.

Allerdings gibt es auch Studien, die diese Ergebnisse nicht bestätigen konnten. Die MIST-Studie (Migraine Intervention with STARFlex Technology) beispielsweise zeigte keine signifikante Wirkung des PFO-Verschlusses auf die Migräneattacken. Auch die PRIMA-Studie konnte den kathetergeführten PFO-Verschluss als Option bei medikamentös therapierefraktärer Migräne mit Aura nicht überzeugen. Die PREMIUM-Studie erreichte ebenfalls nicht das primäre Studienziel, eine Reduktion der Migränetage um mindestens 50 Prozent.

Uneinheitliche Ergebnisse und offene Fragen

Die Studienergebnisse zum PFO-Verschluss bei Migräne sind also uneinheitlich. Einige Experten sehen den PFO-Verschluss daher nicht als Routinemaßnahme, sondern eher als letzte Option für bestimmte Betroffene mit sehr schwerer Migräne. Ob diese Erwartung tatsächlich erfüllt wird, muss in randomisierten Studien erst noch bewiesen werden.

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Aktuelle Forschung und Studien

Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, suchen Kliniken und Forschungseinrichtungen weiterhin Patienten, die unter einer Migräne mit Aura leiden und bereit wären, sich ihr PFO verschließen zu lassen. Die Klinik für Neurologie nimmt gemeinsam mit der Kardiologie an weltweiten Studien teil. Wer teilnehmen möchte, sollte mindestens unter zwei Attacken pro Monat leiden und mit herkömmlichen Medikamenten nur schlecht zu behandeln sein.

Die Schmerzklinik Kiel ist eines der internationalen Prüfzentren, an denen Neurologen und Kardiologen diesen Zusammenhang untersuchen.

Diagnose eines PFO

Mit einer Dopplersonographie kann schnell und unkompliziert herausgefunden werden, ob Patienten ein Loch in der Vorhofscheidewand haben.

Fazit

Der Zusammenhang zwischen Migräne mit Aura und einem offenen Foramen ovale ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Obwohl einige Studien vielversprechende Ergebnisse zeigen, gibt es auch Studien, die keinen signifikanten Nutzen des PFO-Verschlusses bei Migräne belegen konnten.

Es ist wichtig zu betonen, dass ein PFO nur eine von sehr vielen möglichen Ursachen einer Migräne ist und eine seltene dazu. Da viele Menschen unter Migräne leiden und etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung ein PFO haben, wäre es auf keinen Fall richtig, bei Migräne immer das PFO zu verschließen.

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Ob ein PFO-Verschluss im Einzelfall sinnvoll ist, sollte daher gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, der sowohl neurologisch als auch kardiologisch betreut, besprochen werden.

Wichtige Punkte zum PFO-Verschluss

  • Verschluss-Schirme: Es gibt zahlreiche verschiedene Verschluss-Schirme in unterschiedlichen Größen. Fast alle sind sogenannte Doppelschirme, bei denen sich zwei Scheiben in beiden Vorhöfen befinden, die miteinander durch das Loch hindurch durch eine „Nabe“ verbunden sind und die Wände des PFO „nietenähnlich“ zusammenhalten.
  • Materialien: Man unterscheidet die Gruppe der Amplatzer-artigen Schirme von anderen. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Nitinol-Drähten (Nickel-Titan-Legierung mit Memory-Effekt bei 37 Grad) und aus zwischen ihnen liegenden dünnen Gewebeflächen (Polyester und andere).
  • MRT-Kompatibilität: Alle heute üblichen Schirme sind MRT-kompatibel, führen aber zu Bildstörungen, wenn das Herz selbst mit MRT untersucht wird.

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