Verspannter Gluteus Medius: Ursachen, Behandlung und Verbindung zum Plexus Lumbosacralis

Der Gluteus medius, ein Muskel im Gesäßbereich, spielt eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung des Beckens und der Bewegung des Hüftgelenks. Verspannungen in diesem Muskel können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten verspannter Gluteus medius Muskeln und geht auf die Verbindung zum Plexus lumbosacralis ein.

Anatomie und Funktion des Gluteus Medius

Der Gluteus medius (Musculus gluteus medius) ist ein Muskel im Gesäßbereich. Er entspringt an der Facies glutea der Ala ossi ilii (am Darmbein), am Darmbeinkamm (Crista iliaca) und seiner Faszie (Aponeurosis glutea). Von dort aus verläuft er schräg nach unten zu seinem Ansatz am Trochanter major des Femur. Der Muskel liegt kranial und ist teilweise vom Gluteus maximus bedeckt. Unter ihm verläuft der Gluteus minimus parallel. Beide Muskeln werden vom Nervus gluteus superior innerviert.

Die Hauptfunktion des Gluteus medius besteht darin, das Hüftgelenk zu stabilisieren und zu bewegen. Er verhindert das seitliche Abkippen des Beckens und unterstützt die Abduktion (Abspreizen), innere Rotation und Extension (Streckung) der Hüfte. Diese Funktionen sind entscheidend für die Balance, die Stabilität des Beckens und die Kontrolle der Beinbewegungen beim Gehen, Laufen und bei seitlichen Bewegungen.

Ursachen für Verspannungen im Gluteus Medius

Verspannungen im Gluteus medius können verschiedene Ursachen haben:

  • Überlastung: Wiederholte Bewegungen wie Laufen oder langes Sitzen können den Muskel überlasten und zu Verspannungen führen.
  • Verletzungen: Muskelfaserrisse oder andere Verletzungen können ebenfalls Verspannungen verursachen.
  • Muskuläre Dysfunktionen: Haltungsprobleme oder biomechanische Ungleichgewichte können zu einer Fehlbelastung des Gluteus medius führen.
  • Bewegungsmangel: Ein bewegungsarmer Lebensstil kann zu Muskelverspannungen und Schmerzen am Bewegungsapparat führen.
  • Einseitige Belastungen: Immer gleiche Bewegungen, wie beispielsweise langes Sitzen mit angewinkelten Beinen, können den Hüftbeuger verkürzen und zu Verspannungen im Gluteus medius führen.
  • Stress und Ernährung: Indirekte Faktoren wie Stress oder eine schlechte Ernährung können ebenfalls zu Muskelverspannungen beitragen.
  • Übermäßiges Training: Auch ein übermäßiges Training, z. B. im Fitnessstudio mit zu hohen Gewichten, kann zu hartnäckigen Verspannungen führen.

Symptome eines verspannten Gluteus Medius

Häufige Symptome eines verspannten Gluteus medius sind:

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  • Schmerzen im Gesäßbereich: Insbesondere an der Seite des Hüftgelenks oder am oberen Oberschenkel.
  • Schmerzen bei Bewegung: Die Schmerzen können beim Gehen, Laufen oder seitlichen Bewegungen auftreten und sich bei längeren Aktivitäten verstärken.
  • Trendelenburg-Zeichen: Ein Absenken der Hüfte zum Spielbein (dem Bein in der Luft) beim Einbeinstand auf dem Bein mit dem betroffenen Muskel.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt, und die Betroffenen nehmen eine Schonhaltung ein.
  • Ausstrahlende Schmerzen: Schmerzen können in den unteren Rücken oder das Bein ausstrahlen.

Diagnose

Die Diagnose eines verspannten Gluteus medius umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung und die Anamnese des Patienten. Der Arzt wird die Beweglichkeit des Hüftgelenks prüfen und nach Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des Gluteus medius suchen. Das Trendelenburg-Zeichen kann ebenfalls zur Beurteilung der Muskelfunktion herangezogen werden.

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgenaufnahmen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines verspannten Gluteus medius zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Muskelverspannung zu lösen und die Funktion des Muskels wiederherzustellen. Es gibt verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten:

Konservative Behandlung

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelspannung zu regulieren, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Muskulatur zu kräftigen.
  • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen des Gluteus medius kann helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und die Flexibilität zu verbessern.
  • Triggerpunkttherapie: Die Behandlung von Triggerpunkten im Gluteus medius kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, die Muskeln zu entspannen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Stufenlagerung: Bei sehr starken Schmerzen kann die Stufenlagerung die Bandscheiben der unteren Wirbelsäule entlasten.
  • Liebscher & Bracht Übungen®: Diese Übungen fokussieren sich auf den muskulär-faszialen Anteil von Schmerzen und beinhalten Dehnübungen, um zu hohe Spannungen in den Muskeln zu senken, sowie Faszien-Rollmassagen.

Operative Behandlung

Eine Operation ist selten erforderlich und wird nur in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend wirken oder wenn ein struktureller Schaden vorliegt, wie z. B. ein Muskelfaserriss.

Verbindung zum Plexus Lumbosacralis

Der Gluteus medius wird vom Nervus gluteus superior innerviert, der aus dem Plexus lumbosacralis entspringt. Der Plexus lumbosacralis ist ein Nervengeflecht, das sich aus den Spinalnerven der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins bildet. Er versorgt die unteren Extremitäten und das Becken mit Nervenimpulsen.

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Eine Schädigung des Plexus lumbosacralis kann zu einer Schwäche oder Lähmung des Gluteus medius führen. Dies kann beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall, eine Verletzung oder eine Entzündung verursacht werden.

Übungen zur Dehnung und Kräftigung des Gluteus Medius

Regelmäßige Dehn- und Kräftigungsübungen können helfen, Verspannungen im Gluteus medius zu lösen und die Muskelfunktion zu verbessern.

Dehnübungen:

  • Sitzende Dehnung: In sitzender Position das rechte Bein über das linke legen, sodass der rechte Fuß knapp oberhalb des linken Knies liegt. Dann das linke Knie mit beiden Händen in Richtung Brust ziehen, bis eine Dehnung im Gesäß spürbar ist.
  • Tiefer Ausfallschritt mit Oberkörperdrehung: Einen großen Ausfallschritt machen, die Hände auf den Boden stützen und den Fuß bei gebeugtem Knie langsam zur Körpermitte und zur gegenüberliegenden Seite wandern lassen.

Kräftigungsübungen:

  • Beckenheben (Brücke): In Rückenlage die Beine anwinkeln, die Füße flach auf den Boden stellen und das Becken anheben.
  • Seitliches Beinheben: Auf der Seite liegen und das obere Bein langsam anheben und wieder senken.
  • Ausfallschritte (Lunges): Einen großen Schritt nach vorne machen und das hintere Knie absenken.
  • Kniebeugen (Squats): Die Füße schulterbreit aufstellen und in die Hocke gehen.

Tipps zur Vorbeugung von Verspannungen im Gluteus Medius

  • Regelmäßige Bewegung: Vermeiden Sie langes Sitzen und sorgen Sie für ausreichend Bewegung im Alltag.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung am Arbeitsplatz.
  • Dehnübungen: Integrieren Sie regelmäßige Dehnübungen in Ihren Alltag.
  • Kräftigungsübungen: Stärken Sie Ihre Muskulatur, insbesondere die Gesäßmuskulatur.
  • Vermeiden Sie Überlastung: Steigern Sie die Trainingsintensität langsam und vermeiden Sie einseitige Belastungen.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Entzündungen zu reduzieren.
  • Stressmanagement: Finden Sie Wege, um Stress abzubauen, z. B. durch Entspannungsübungen oder Yoga.

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