Die Frage, ob Milch Migräne beeinflusst, ist komplex und individuell verschieden. Während manche Menschen Milch als Trigger identifizieren, profitieren andere von den Inhaltsstoffen in Milchprodukten. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema und gibt Hinweise, wie man persönliche Trigger identifizieren kann.
Einführung in die Migräne
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen äußert, meist einseitig. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patienten empfindlicher auf Veränderungen reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Diese Veränderungen können innere Einflüsse wie hormonelle Schwankungen oder äußere Einflüsse wie Stress sein.
Migräne-Trigger und individuelle Unterschiede
Die Frage, welche Faktoren eine Migräne-Attacke auslösen, ist sehr individuell. Während bei dem einen der abrupte Wechsel zwischen Ruhe und Stress eine Rolle spielt, ist es bei dem anderen ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel können bei manchen Patienten eine Attacke auslösen. Daher ist es wichtig, zusammen mit dem Arzt nach diesen persönlichen Triggerfaktoren zu suchen, damit sie nach Möglichkeit vermieden werden können.
Die Rolle der Ernährung bei Migräne
Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne ist umstritten. Es gibt keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten. Wichtig ist es, die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe eines Kopfschmerz-Tagebuchs herauszufinden, um sie gezielt vom Speiseplan zu streichen.
Kopfschmerz-Tagebuch als Hilfsmittel
Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann helfen, persönliche Triggerfaktoren zu identifizieren. In diesem Tagebuch werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden). Es ist nicht sinnvoll, wenn Migräne-Kranke generell Nahrungsmittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Anfälle provozieren. Denn Nahrungsmittel spielen nicht bei allen Patienten eine Rolle.
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Nahrungsmittel als mögliche Trigger
Einige Migräne-Patienten berichten, dass Käse oder Rotwein ihre Attacken auslösen können. Andere reagieren, wenn auch sehr selten, empfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe in Joghurt und Milchprodukten oder auf die Inhaltsstoffe bestimmter Früchte, etwa Bananen. Auch das Koffein in Kaffee und koffeinhaltigen Limonaden kann eine Attacke verursachen. Ebenso können Konservierungsstoffe in Fertiggerichten eine Attacke provozieren. Bekannt als Triggerfaktor ist auch der Geschmacksverstärker Glutamat, mit dem häufig chinesische oder andere asiatische Gerichte gewürzt werden.
Milch als möglicher Trigger: Histaminintoleranz und Allergien
Manche Betroffene verdächtigen Milch als Migräne-Auslöser. Wissenschaftliche Hinweise gibt es dafür jedoch kaum. Eine Ausnahme: histaminhaltige Milchprodukte. Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger im Gehirn agiert und auch in vielen Nahrungsmitteln steckt. Manche Menschen vertragen zu viel Histamin in der Nahrung nicht gut und können davon Migräne-Attacken bekommen. Eine weitere Möglichkeit, wie Migräne und Milchkonsum zusammenhängen könnten: Es gibt Hinweise darauf, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien Migräne zur Folge haben können. So ist beispielsweise eine Migräne aufgrund einer Laktoseintoleranz möglich.
Milch als potenzieller Schutzfaktor: Fettarme Milchprodukte und ihre Wirkung
Eine populationsbasierte Kontrollstudie mit 290 Kindern (7 - 14 Jahre) untersuchte den Einfluss von Milchkonsum auf Migräne. Die Autoren konnten beobachten, dass Kinder, die fettarme Milchprodukte konsumierten, eine 52 - 54 % geringe Migränewahrscheinlichkeit aufwiesen. Die Autoren folgern, dass eine Ernährung mit fettarmen Milchprodukten bei Kindern die Wahrscheinlichkeit für Migräneattacken senken könnte. Sie vermuten, dass Magermilch aufgrund des geringeren Gehalts an gesättigten Fettsäuren weniger Entzündungssignale hervorruft.
Weitere Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten
Neben dem potenziellen Einfluss von Milch gibt es weitere Ernährungsempfehlungen, die für Migränepatienten von Bedeutung sein können:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Mitunter können Attacken auch auftreten, wenn Migräne-Kranke Mahlzeiten auslassen. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen.
- Komplexe Kohlenhydrate: Möglichst komplexe Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Das sind die "guten Kohlenhydrate", die den Blutzucker konstant halten und lange satt machen (im Gegensatz zu den "schlechten Kohlenhydraten", die in Zucker und Weißmehl enthalten sind).
- Omega-3-Fettsäuren: Es gibt Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren die Zahl der Migräneanfälle deutlich verringern können. Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel in fetten Fischen wie Lachs, Makrele und Hering enthalten oder in Leinsamen und Nüssen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit frischen, vollwertigen Produkten und Omega-3-Fettsäuren wirkt sich auf den ganzen Organismus positiv aus. Deshalb ist sie Migräne-Patienten in jedem Fall zu empfehlen.
Mikronährstoffe und Migräne
Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Diese Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.
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Weitere Behandlungsansätze bei Migräne
Klassisch wird der Migräneanfall mit Schmerzmitteln und Mitteln gegen Übelkeit und Brechreiz (sog. Antiemetika) behandelt. Sollten diese nicht ausreichen, gibt es noch spezielle Migränemittel, sog. Triptane und Mutterkornalkaloide. Viele alternative Verfahren sind bei Migräne sehr erfolgreich. Hierbei stehen als Behandlungsprinzipien die Behandlung der Gefäßerweiterung, die Entsäuerung des Organismus und die Muskelentspannung der Halswirbelsäule im Vordergrund.
Alternative Behandlungsmethoden
- **Kneipp
sche Anwendungen:** Die Gefäßerweiterung läßt sich hervorragend über Kneippsche Anwendungen behandeln. Hier kommen ansteigendes Armbad, Wechselarmbad oder Wechselarmguß in Frage. - Ernährung: Hier ist eine laktovegetabile (Vollwertkost mit Verzicht auf Fleisch und Fisch) und basenreiche Kost (z. B. Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Karotten, Milch, Kefir, Apfel, Banane, getrock. Feigen) zu empfehlen.
- Muskelentspannung: Zur Muskelentspannung sind warme Nackengüsse, Massage der Halswirbelsäule und Schulterregion sowie Neuraltherapie zu empfehlen.
- Akupunktur: Die Akupunktur erzielt sowohl in der akuten Phase als auch vorbeugend sehr gute Erfolge.
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