LSD und Migräne: Behandlungsansätze und Dosierung

Lysergsäurediethylamid (LSD), auch bekannt als LSD-25 oder im Slang als "Acid", ist ein halluzinogenes Ergolin und gehört pharmazeutisch zur Gruppe der serotoninverwandten psychedelischen Substanzen. Es ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene, wobei sich diese Bezeichnung auf das Isomer D-LSD bezieht. Albert Hofmann stellte LSD erstmals 1938 her, mit dem Ziel, ein Kreislaufstimulans zu entwickeln. Später wurde es unter dem Handelsnamen Delysid® vom Pharmakonzern Sandoz für psychiatrische Behandlungen und Forschungszwecke bereitgestellt. Ein weiteres bekanntes Präparat war Lysergamid®, das vom tschechoslowakischen Konzern Spofa zwischen 1962 und 1974 hergestellt und vor allem in kommunistische Länder exportiert wurde.

Chemische Grundlagen und Stereoisomere

Chemisch gehört LSD zur Strukturklasse der Ergoline. Die Bezeichnung "LSD-25" rührt daher, dass es die 25. synthetisierte Substanz in einer Reihe war. LSD ist eine chirale Verbindung mit zwei Stereozentren, was theoretisch vier verschiedene Stereoisomere ermöglicht. D-LSD besitzt die absolute Konfiguration (6aR,9R). Das C-6a Isomer L-LSD existiert nicht natürlich und wird auch bei der Synthese aus D-Lysergsäure nicht gebildet. Die beiden C-9 Isomere D-LSD (9R) und D-iso-LSD (9S) konvertieren rasch in Anwesenheit einer Base, wie z.B. Diethylamin, das in der Synthese mit D-Lysergsäure verwendet wird. Das nicht-psychoaktive D-iso-LSD, das sich während der Synthese gebildet hat, kann chromatographisch entfernt und erneut isomerisiert werden.

Entdeckung der halluzinogenen Wirkung

Albert Hofmann entdeckte die halluzinogene Wirkung von LSD am 16. April 1943 zufällig, nachdem er die Substanz vermutlich über die Haut aufgenommen hatte. Er wiederholte dieses Erlebnis am 19. April 1943 durch die Einnahme von 250 Mikrogramm LSD. Im Vergleich zu damals bekannten Mutterkornalkaloiden entsprach dies der kleinsten Menge, bei der man noch eine Wirkung erwartet hätte. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Menge bereits dem fünffachen der normal wirksamen Dosis (ca. 50 µg) entsprach.

LSD als Droge und seine Wirkung

Als starkes Halluzinogen war LSD eine Modedroge während der Hippieära der Endsechziger. In den 1980er Jahren gewann es als Partydroge in der Technoszene wieder an Beliebtheit. LSD verändert die individuelle Wahrnehmung, sodass sie als intensives Erleben erscheint, das Zeitempfinden verändert und Umgebungsereignisse deutlicher hervortreten. Dies wird als Mehrerleben innerhalb einer kürzeren Zeitspanne registriert. Hinzu kommen optische, sensorische und akustische Halluzinationen. Diese müssen nicht unbedingt als Halluzination erfahren werden, sondern können auch als differenziertere Wahrnehmung erscheinen. Bei manchen Konsumenten können auch lange nach der Einnahme psychische Veränderungen auftreten, sogenannte Flashbacks. Die beschriebene totale Ich-Auflösung ist eher auf ein Hängenbleiben in einem gerade erlebten Zeitelement zurückzuführen. Die so hervorgerufenen Synästhesien sind gekennzeichnet durch psychedelisch ausgeprägte Bilder.

Der Trip dauert im Regelfall etwa acht bis höchstens zwölf Stunden, abhängig von der Dosierung und der Qualität der Droge. Bei sehr geringer Dosierung kann die letzte Phase, das "Runterkommen" ("Afterglow", "Nachglühen"), oft nicht mehr wahrgenommen werden, bei sehr hohen Dosen wird er auch nach dessen Abklingen noch als vorhanden empfunden. Gelegentlich kommt es auch zu Flashbacks. Eine euphorische Grundstimmung kann den ganzen Rausch über anhalten und den gesamten Verlauf der Erfahrung bestimmen. So können aber bestehende Ängste und Depressionen einen sogenannten "Horrortrip" hervorrufen, der als äußerst unangenehm und als vom Probanden nicht mehr steuerbar empfunden wird.

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Dosierung und Einnahmeformen

LSD wirkt bereits in geringen Mengen. Die normale Dosis liegt bei 50 bis 100 Mikrogramm. Die Droge wird normalerweise auf Papierstücke aufgebracht, sogenannte Tickets, Pappen oder Trips, die dann gelutscht oder geschluckt werden. Man kann LSD aber auch als Lösung in z. B. Wasser (sog. Liquid oder auch Drops), auf Würfelzucker, als Kapsel- oder in Tablettenform einnehmen. Mikros werden in der Regel in einer Flasche mit beliebiger Flüssigkeit aufgelöst und mit mehreren Leuten getrunken, da sie viel stärker als die üblichen Trips oder Pappen sind. Diese Kombination kann zu starken Wahrnehmungsveränderungen mit optischen und akustischen Halluzinationen führen. Die psychoaktive Wirkung beider Substanzen kann sich gegenseitig verstärken.

Risiken und Gefahren

LSD kann schon bei einmaligem Konsum eine schwere Psychose - die sogenannte drogeninduzierte Psychose - auslösen, die unter Umständen unheilbar ist. Es kommt vor, dass die von einer Drogenpsychose Betroffenen unfähig werden, ihr Leben ohne Hilfestellung zu leben. Im Jargon ausgedrückt: „Jemand ist auf dem Trip hängengeblieben“. Der derzeitige Stand der Forschung geht davon aus, dass hierzu eine entsprechende Veranlagung vorliegen muss. Insbesondere Personen, die in ihrer Vergangenheit bereits unter psychischen Problemen litten oder die psychisch labil sind, muss vom Konsum von LSD dringend abgeraten werden. In einer 1971 veröffentlichten Erhebung lag die Häufigkeit derjenigen die an einer Psychose erkrankten, welche länger als 48 Stunden anhielt, bei 9 von 1000.

Die unter Einfluss von LSD als völlig verändert erscheinende Umwelt kann für den Konsumenten zur großen Gefahr werden, da er zur Gefahreneinschätzung oft kein Gefühl mehr hat. Dadurch kann es zu einem Verlust der Selbstkontrolle im häufig psychoseartigen Rauschzustand kommen. Hofmann warnt, dass selbst Menschen mit einer stabilen Persönlichkeit und guter Vorbereitung eine LSD-Psychose erleiden können. Durch gründliche Vorbereitung lassen sich laut Hofmann die vielfältigen Gefahren für Gesundheit und Leben, die vor allem durch die Halluzinationen und dem Realitätsverlust ausgehen, deutlich vermindern, aber nicht ausschließen.

Im manischen, hyperaktiven Zustand kann das Gefühl der Allmacht oder der Unverletzlichkeit schwere Unglücksfälle zur Folge haben. Solche haben sich ereignet, wenn ein Berauschter in seiner Verwirrung sich vor ein fahrendes Auto stellte, weil er unverwundbar zu sein meinte, oder im Glauben, fliegen zu können, aus dem Fenster sprang. Die Zahl derartiger LSD Unglücksfälle ist aber nicht so groß, wie man nach den Meldungen, die von den Massenmedien sensationell aufgearbeitet werden, annehmen könnte. Als Paradebeispiel für die Gefahren von LSD diente jahrelang der von A. Hofmann berichtete und von der CIA bestätigte Unfall, in dem tatsächlich ein Mensch aus dem Fenster sprang: Ein CIA-Mitarbeiter verabreichte dabei einem Bekannten auf einer Party ohne dessen Wissen LSD.

In der Literatur finden sich unterschiedliche Aussagen zur Lebensgefahr durch direkte körperliche Folgen der LSD-Einnahme. Außerdem kann es zu Gefäßkrämpfen, einer Überzuckerung oder zu Blutdruckabfall kommen. Herzstillstände sind möglich. LSD weist nur eine schwache Toxizität auf. Das Verhältnis von Wirkdosis zu tödlicher Dosis dürfte bei etwa 1:1000 liegen, dies lassen Tierversuche vermuten. D. h. die tausendfache Dosis eines „normalen“ Trips würde beim Menschen zu tödlichen Vergiftungen führen. Zum Vergleich: Bei Alkohol und Nikotin liegt dieser Wert bei etwa 1:8.

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Ein weiterer Gefahrenpunkt ist die durch die Illegalität bedingte „Schwarzmarktware“, deren Zusammensetzung bzw. Dosierung nie genau zu erkennen ist. So können zwei vom selben Dealer erworbene Trips, die sich optisch gleichen, völlig unterschiedlich dosiert sein. Dass Strychnin enthalten sein kann, hat sich jedoch als Mythos erwiesen. Ein solcher Fall ist noch nie bestätigt worden. Trägermaterialien von nur geringer Größe (Beispiel Löschpapiertrip, Micros) nehmen keine wirkungsrelevante Strychninmenge auf.

Abhängigkeitspotential und Toleranzentwicklung

Missbrauch und Abhängigkeit von Psychedelika wie LSD sind als Diagnosekategorie im DSM-IV aufgenommen. LSD hat zwar kein körperliches Abhängigkeitspotential, es besteht aber die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit durch das Verlangen, das Erlebte zu wiederholen. Das NIDA sieht LSD nicht als abhängigkeitserzeugende Substanz an, da LSD kein zwanghaftes “drug-seeking behaviour” erzeugt (wie es z. B. Kokain, Amphetamin, Heroin, Alkohol oder Nikotin tun). Es gibt Quellen, die davon ausgehen, dass die Gefahr der Abhängigkeit im Vergleich mit anderen gängigen Rauschdrogen wenig wahrscheinlich ist.

LSD baut sehr schnell eine Toleranz auf, was dazu führt, dass eine identische Dosierung bei schnell aufeinanderfolgenden Einnahmen schwächer wirkt. Die Dosierung für ein ähnlich starkes Erleben beträgt am Tag danach ca. das Zweifache der Erstdosis. Von einem solchen Konsum geht eine Gefahr aus, da die Wirkung nicht eingeschätzt werden kann. Die Toleranzbildung des LSD wirkt sich auch auf die Toleranz gegenüber anderen verwandten Stoffen aus. So sind LSD, Psilocybin/Psilocin und Meskalin jeweils zueinander kreuztolerant.

Rechtliche Situation

Der Umgang ohne Erlaubnis ist grundsätzlich strafbar. Mit der Vierten Betäubungsmittel-Gleichstellungsverordnung (4. BtMGlV) vom 21. Februar 1967, in Kraft getreten am 25. Februar 1967, wurde LSD in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt.

Forschung und therapeutische Nutzung in der Vergangenheit

Zu den Wissenschaftlern, die mit LSD experimentiert haben, gehören John C. Lilly, Timothy Leary und Stanislav Grof. In den 1970er Jahren wurde LSD als nicht verkehrsfähiger Stoff eingestuft und die Forschung damit bzw. dessen therapeutische Nutzung (z. B. in der Psychotherapie) weitgehend eingestellt.

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LSD und Cluster-Kopfschmerzen

Einige Cluster-Kopfschmerz-Betroffene aus den USA und aus Großbritannien behaupten, dass Psilocybin oder LSD gegen Cluster-Kopfschmerz wirksam sei. Cluster-Kopfschmerz ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die gemäss der internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) zur Diagnosegruppe der trigeminoautonomen Kopfschmerzerkrankungen gezählt wird. Diese Kopfschmerzen weisen die gemeinsamen Merkmale eines 15-180 Minuten anhaltenden, streng unilateralen Schmerzes im Verlauf des Nervus trigeminus auf, wobei solche Attacken bis zu achtmal am Tag, oftmals zu den gleichen Tageszeiten und nachts, auftreten können.

Die Cluster-Kopfschmerz-Patienteninitiative (www.clusterbusters.com) versucht eine wissenschaftliche Untersuchung über die Wirkungen von Psilocybin und LSD gegen Cluster-Kopfschmerzen zu erreichen. Dazu haben sie die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies MAPS involviert und Dr. Sewell und Dr. Halpern vom Harvard McLean Hospital haben zugesagt, die Studie durchführen. Eine solche wissenschaftliche Studie unter Verwendung von Drogen muss von der US Food and Drug Administration (FDA) und anderen Behörden genehmigt werden. Der erste Schritt dazu war eine Patientenumfrage, die in 2001 begonnen wurde. Clusterbusters und MAPS sammeln zudem USD 250.000,- an Spenden, um die Kosten für diese Studie zu bezahlen (Quelle, MAPS).

Sewell R.A.; Reed K.; Cunningham M. Hintergrund: Einzelberichte, die sowohl in der Zeitschrift Neurology® als auch im Internet publiziert wurden, deuten an, das LSD oder Psilocybin eine bemerkenswerte Remission bei CK hervorrufen können, oftmals schon bei sub-halluzinogenen Dosen. Methode: 367 Patienten eines bereits bestehenden Registers von Cluster-Patienten, die eingewilligt haben, an klinischen Studien bezüglich CK teilzunehmen, wurden befragt um festzustellen, ob sie LSA enthaltende Samen zur Selbstbehandlung ihres CK nahmen. 66 Probanden taten dies oder hatten es getan. Die Halluzinogen-Beurteilungsskala (HRS) und das Peak Experience Profile (PEP) wurden ebenso herangezogen, um die Intensität der subjektiven Wirkung, die erfahren wird, zu quantifizieren. Ergebnisse: Die Samenanalyse ergab weite und unvorhersehbare Variation bezüglich des Alkaloid-Gehalts; somit betrug die Dosierung, die Patienten sich selber zugeführt hatten zwischen 0 und 2,8 mg. 38% berichteten, dass die Samen ebenso effektiv wirkten wie ein Akutmedikament. Von den Episodikern berichteten 43% von einem Ende ihrer Cluster-Periode, und weitere 29% spürten eine teilweise Wirkung. Alle, die 0,5 mg oder weniger Alkaloide zu sich nahmen, sprachen auf die Behandlung nicht an. Von den Chronikern berichteten 56% von schmerzfreien Perioden zwischen zwei und 120 Tagen (durchschnittlich 25, Standardabweichung 37). Hier sprachen alle, die 1 mg oder weniger Alkaloide zu sich nahmen, auf die Behandlung nicht an. Die vier Probanden, die während einer Remissionsphase LSA-haltige Samen zu sich nahmen, um diese zu verlängern, berichteten alle, dass die nächste erwartete Cluster-Periode übersprungen wurde. Schlussfolgerung: Alkaloide in Samen, die als LSA-haltig bekannt sind, können erfolgreich sein bei der Unterbrechung von Cluster-Attacken, bei der Beendigung von Cluster-Perioden und der Verlängerung von Remissionsphasen, möglicherweise durch einen Mechanismus, der sich von der halluzinogenen Wirkung der Samen unterscheidet.

BOL-148 als Alternative

Fünf Cluster-Kopfschmerz Patienten wurden 2008/9 an der Medizinischen Hochschule Hannover im Rahmen eines Heilversuchs mit dem nicht halluzinogenen 2-Bromo-Lysergsäurediethylamid (BOL-148) behandelt. Drei der vier Patienten berichteten nach der dreimaligen oralen Einnahme von 2-Bromo-LSD innerhalb von zehn Tagen eine vollständige oder fast vollständige Remission von mindestens zwei Monaten nach der ersten Behandlung.

Die Entdeckung von BOL-148 für die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen erfolgte im Jahre 2009 durch Prof. John Halpern und Prof. Torsten Passie. Nachdem eine geplante LSD-Studie zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen sich aufgrund administrativer Hindernisse als nicht durchführbar erwies, wurde die Idee geprüft, ob nicht-halluzinogene LSD-Derivate für die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen geeignet sein könnten. Aufgrund der breiten Expertise von Prof. Passie, kam man zu der Idee, BOL-148 für die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen zu probieren.

Die Synthese des seltenen Moleküls wurde durch den deutschen Arzt und Pharmazeuten Dr. Christian Steup (Firma THC Pharm, Frankfurt/Main) 2009 bewerkstelligt. Nachdem die Reinheit der Substanz belegt wurde, konnten in der Schmerzambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover einige schwerkranke und therapieresistente Patienten mit Cluster-Kopfschmerz behandelt werden. Diese zeigten nach der Behandlung mit BOL-148 eine durchgreifende Besserung mit langzeitigen präventiven Wirkung, d.h. nach drei Einzelgaben in zehn Tagen traten für einen Zeitraum von 6-30 Monaten keine Kopfschmerzen mehr auf.

Im Jahre 2010 hat die Harvard Medical School gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover ein internationales Patent auf die Verwendung von BOL-148 zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen angemeldet und genehmigt bekommen.

Erstmals synthetisiert wurde 2-Bromo-LSD 148 von Albert Hofmann, der auch das LSD erstmals synthetisierte und einige Jahre später seine psychischen Wirkungen entdeckte. Dieser war damals auf der Suche nach einem „LSD-Placebo“, d.h. einer Substanz, die wie LSD eine Wirkung auf das Serotoninsystem ausüben, aber keine psychoaktiven Wirkungen hervorbringen sollte. 2-Bromo-LSD erhielt von der Pharmafirma Sandoz den Codenamen BOL-148.

Die Halbwertzeit von BOL-148 liegt bei etwa 1,5 Stunden. Die wenigen klinischen Wirkungen dauern 2-3 Stunden. Es scheint, dass es praktisch keine signifikante Neurotransmitter-Rezeptor-Wechselwirkung von BOL-148 gibt. Es hat anscheinend keine Wechselwirkung mit dem 5-HT2A-Rezeptor, von dem angenommen wird, dass seine Aktivierung die wichtigsten psychoaktiven Wirkungen der serotonergen Halluzinogene (wie LSD und Psilocybin) verursacht. Auch sonst gibt es kaum nachweisbare Nebenwirkungen, wie sie z.B. beim LSD durch eine Aktivierung adrenerger und dopaminerger Rezeptoren verursacht werden.

Anfangs gab es Spekulationen über Wechselwirkungen mit dem Serotoninsystem, aber dies kann die langfristigen präventiven Wirkungen bei Patienten mit Clusterkopfschmerz nicht erklären. LSD, das auch bei Clusterkopfschmerz wirkt, hat viele Rezeptorinteraktionen, insbesondere mit Serotoninrezeptoren; BOL-148 aber nicht. Daher wurde die Hypothese ins Spiel gebracht, dass BOL-148 durch eine Veränderung epigenetischer Mechanismen, z.B. jene der die Tagesrythmik beeinflussenden „Uhren-Gene“ (clock genes) wirksam wird.

Es gibt Hinweise darauf, dass epigenetische Mechanismen nach einer Weile der Veränderung zu ihrem „Ausgangszustand" zurückkehren" können, wenn der Stimulus (z. B. BOL-148) nicht wieder aufritt. Wenn Cluster-Kopfschmerzen bei Patienten, die mit BOL-148 behandelt wurden, nach einer kopfschmerzfreien Periode wieder auftreten, scheinen erneute Behandlungen die Kopfschmerzen wieder zu beseitigen. Wiederholte Behandlungen funktionieren also.

Es wurde in der Umfrage von Sewell et al. (2006) festgestellt, dass die vorbeugende Wirkung (von LSD und Psilocybin) dann am stärksten ist, wenn die Substanzen (im gleichen Dosisbereich) dreimal im Abstand von je fünf Tagen eingenommen wurden. Daher wurde die Fallserie mit 0,30 µg pro Kilogramm Körpergewicht (pro os) behandelt und die Dosen wurden am ersten, fünften und zehnten Tag verabreicht.

Rund 25 Studien an knapp 300 Menschen und die aktuellen Daten der Firma Ceruvia an gesunden Freiwilligen haben gezeigt, dass BOL-148 keine relevanten Wechselwirkungen mit Organsystemen und Vitalfunktionen (Blutdruck, Pulsfrequenz, Atemfrequenz, EKG) aufweist. Die Daten aus Humanstudien in der Vergangenheit zeigen, dass BOL-148 beim Menschen praktisch keine Nebenwirkungen aufweist, wenn es in Dosen von weniger als 0,35 µg pro Kilogramm Körpergewicht, verabreicht wird. Daher wurde mit einer Dosierung etwas unterhalb dieses Bereichs (=0,25 µg) begonnen (ca. 2,5 mg bei einem 70 kg schweren Menschen) - und konnten gute Behandlungswirkungen feststellten.

Es gibt bisher keine anderen Derivate von LSD gibt, die weniger Nebenwirkungen (bei relevanten Dosierungen) haben als BOL-148. Aus diesem Grund wurde BOL-148 ausgewählt. Obgleich die Substanz BOL-148 seit etwa 1956 bekannt ist, wurde niemals ein „Missbrauch“ von BOL-148 berichtet. Durch die fehlende psychische Wirkung ist ein Missbrauch durch Drogenkonsumenten auch in Zukunft nicht zu erwarten. BOL-148 ist daher nicht als Betäubungsmittel eingeordnet und somit den entsprechenden Gesetzen nicht unterstellt.

Derzeit wird BOL-148 nach unserem Wissen nirgendwo auf der Welt hergestellt. Seit 2021 hat ein Sponsor den Auftrag für die Entwicklung einer auch industriell anwendbaren Herstellungsmethode von BOL-148 an eine englische Spezialfirma erteilt. Diese hat BOL-148 mittlerweile erfolgreich auf einem industriekonformen Wege hergestellt (GMP-Standard).

Es ist geplant, dass nach der Etablierung eines industriellen Herstellungsweges, mit dem Reinprodukt BOL-148 die für Versuche am Menschen notwendigen Tierversuche durchgeführt werden sollen. Nach deren Abschluss ist eine internationale multizentrische Studie an Cluster-Patienten vorgesehen.

Im Jahre 2023 wurden dann die ersten Studien an gesunden Menschen durchgeführt, um die Verträglichkeit zu prüfen sowie deren Verstoffwechselung und den Wirkungsverlauf kennenzulernen. Nächste Schritte sind der Abschluss der Untersuchungen an Gesunden und danach die Durchführung einer wissenschaftlichen Phase-2A-Studie an Clusterkopfschmerz-Patienten.

Sollten die Studien weiterhin erfolgreich sein, so könnte es in den nächsten Jahren eine Phase 2A-Studie an etwa 50 Patienten geben. Bei deren Erfolg würde sich eine weitere, noch größere Studie der Phase 3 anschließen, die zur Marktzulassung führen würde.

Microdosing von Psychedelika

Microdosing ist eine Form der Einnahme kleinster oder geringer Mengen psychoaktiver Moleküle, die zurzeit immer mehr im Trend liegt. Zahlreiche Psychonauten, aber auch nicht drogenaffine „ganz normale Leute‟ beschäftigen sich mit Microdosing, also dem zielorientierten Konsum von minimalen Dosierungen psychoaktiver Substanzen, deren pharmakologische Effekte und Wirkungen häufig, im Grunde meistens, nichts mit den klassischen Wirkweisen der verwendeten Substanzen zu tun haben. Im Allgemeinen sagt man, dass etwa 5 bis 10 Prozent der visionären Dosierung von Psychedelika im Microdosing die gewünschten Effekte bringen. Erfahrene Microdoser, die zum Beispiel mit LSD arbeiten, empfehlen als Unterstützung für den Alltag eine Dosis von 10 bis 20 Mikrogramm alle drei bis vier Tage. Das soll geistig fitter, wacher, belastbarer und gesünder machen sowie stimmungsaufhellend und insgesamt positiv wirken.

Es gibt daneben auch Anwendungen der Tryptamin- und Phenethylamin-Psychedelika, die gezielt zur Behandlung von Krankheiten und Leiden eingesetzt werden. Immerhin haben diverse Psychonauten und auch manche Forscher schon vor Jahrzehnten herausgefunden, dass man mit geringsten Mengen LSD, Psilocybin(-Pilzen) und Meskalin Kopfschmerzen, Migräne und auch Clusterkopfschmerzen zu behandeln in der Lage ist.

Der US-amerikanische Psychologe, Autor und Psychedelikaforscher James Fadiman ist ein engagierter Anhänger und Fürsprecher des LSD-Microdosing. Fadiman davon überzeugt, dass die heilsamen Kräfte des LSD insbesondere dann forciert werden, wenn das Molekül in kleinsten Mengen eingenommen wird.

Klassische Psychedelika in der Psychiatrie

Klassische Psychedelika, wie Psilocybin, Lysergsäurediethylamid (LSD) oder Dimethyltryptamin (DMT), sind (partielle) Serotonin-5-HT2A-Agonisten, die akute tiefgreifende Veränderungen der Wahrnehmung, des emotionalen Erlebens und des Bewusstseins induzieren. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts fanden klassische Psychedelika im Rahmen der substanzgestützten Psychotherapie Anwendung in der westlichen Medizin. Aktuell erleben sie eine Renaissance in der psychiatrischen und neurowissenschaftlichen Forschung. Erste, nach modernen Standards konzipierte klinische Studien weisen vorläufig darauf hin, dass klassische Psychedelika nach nur einer oder wenigen Applikationen bei der Behandlung von verschiedenen psychiatrischen Indikationen, einschließlich Depressionen, Angststörungen, Substanzgebrauchsstörungen und Zwangsstörung, sicher und wirksam sind. Zwar ist die aktuelle Evidenzlage vielversprechend, valide Aussagen zur Wirksamkeit von Psychedelika sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht möglich, da weitere verblindete, Placebo-kontrollierte Studien mit größeren Fallzahlen benötigt werden. Fest steht, dass Psychedelika, sofern sich ihre Wirksamkeit nach nur einer oder wenigen Applikationen in größeren Studien bestätigen lässt, eine Herausforderung für die etablierten Paradigmen und Grundannahmen der Psychiatrie und Psychopharmakotherapie darstellen.

Die Effekte von klassischen Psychedelika sind dosisabhängig; höhere Dosierungen sind wahrscheinlich mit einem besseren klinischen Ergebnis assoziiert, jedoch erhöht sich mit ihnen auch das Risiko für substanzinduzierte schwierige und aversive Erfahrungen. Erste Studien weisen darauf hin, dass die optimale therapeutische Dosis von Psilocybin zwischen 20 und 30 mg/70 kg bzw. bei einer Standarddosis von 25 mg liegt.

Beobachtete langfristige Effekte nach Einmalgabe von LSD oder Psilocybin sind subjektiv beurteilte positive Effekte auf das eigene Wohlbefinden, Einstellungen und Verhalten, ein erhöhter Optimismus und eine Steigerung der Big-Five-Charaktereigenschaft „Offenheit“. Außerdem bewerteten viele Probanden ihre psychedelische Erfahrung (nach 20 mg oder 30 mg/70 kg Psilocybin) als eine der bedeutsamsten und spirituell signifikantesten.

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