Luftaufstoßen bei Migräne: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft heftige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Interessanterweise berichten viele Migränepatienten auch von Magen-Darm-Beschwerden, was die Frage nach den Ursachen und Zusammenhängen aufwirft.

Wetterfühligkeit als möglicher Auslöser

Ein Faktor, der Migräneattacken begünstigen kann, ist die Wetterfühligkeit. Studien zeigen, dass fast die Hälfte der Bevölkerung betroffen ist, wobei Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen gleichermaßen leiden können. Wetterfühligkeit äußert sich durch verschiedene Symptome, darunter Kreislaufprobleme, migräneähnliche Kopfschmerzen, Herzrasen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Schlafstörungen und Blutdruckprobleme.

Einfluss von Wetterwechseln

Schnelle Wetterwechsel, insbesondere abrupte Temperaturstürze, können für wetterfühlige Menschen eine erhebliche Belastung darstellen. Wenn der Körper innerhalb kurzer Zeit einen Temperatursturz von beispielsweise 18 Grad oder mehr verkraften muss, kann dies zu Problemen führen. Diese Schwankungen treten vor allem beim Jahreszeitenwechsel vom Winter zum Frühling, aber auch im Sommer und Herbst verstärkt auf.

Auswirkungen auf den Körper

Bei schnellen Wetterwechseln kann sich der Organismus nicht rasch genug an die veränderten Bedingungen anpassen. Menschen mit niedrigem Blutdruck können beispielsweise schlappmachen, und der Kreislauf kann zusammenbrechen. Besonders betroffen sind ältere Menschen ab 60 Jahren, von denen etwa 70 Prozent über Beschwerden durch wechselndes Wetter klagen. Auch Frauen in den Wechseljahren sind häufig wetterfühlig und leiden unter Kreislaufproblemen sowie Kopfschmerzen und Migräne.

Tipps zur Entlastung

Um Kopf und Körper bei Wetterfühligkeit zu entlasten, gibt es verschiedene Tipps:

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  • Vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann präventiv wirken.
  • Schutz vor Kälte: Achten Sie darauf, sich vor plötzlicher Kälte zu schützen.
  • Abhärtung: Abhärtungsmaßnahmen können die Gesundheit bei Wechselwetter unterstützen.

Reizmagen als Begleiterscheinung

Ein Reizmagen kann ebenfalls im Zusammenhang mit Migräne auftreten. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung des Magens, bei der keine organischen Ursachen für die Verdauungsbeschwerden gefunden werden können.

Ursachen und Symptome

Vermutet werden eine erhöhte Aktivität des Magens, Störungen bei der Magensaftproduktion, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder falsche Ernährungsgewohnheiten sowie erbliche Faktoren und Stress. Betroffene klagen über wechselnde Beschwerden wie Völlegefühl, Druck und Schmerzen im Oberbauch, begleitet von Appetitlosigkeit, Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Nervosität, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel können auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, da die genauen Ursachen oft unklar sind. Es ist wichtig, alles zu vermeiden, was die Symptome auslöst oder verstärkt. Ein Tagebuch kann helfen, Auslöser wie Stress, bestimmte Nahrungsmittel, Schlafmangel oder Bewegungsmangel zu identifizieren. Eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen und Vitaminen, ausreichend Flüssigkeit sowie regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig. Scharfe Gewürze, Kaffee und blähende Speisen sollten vermieden werden. Entspannungsverfahren wie Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress zu reduzieren.

Der Zusammenhang von Migräne und Reizdarmsyndrom

Migräne-Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, zusätzlich am Reizdarmsyndrom (RDS) zu erkranken. Eine Auswertung von Studien aus dem Jahr 2022 ergab, dass Migränepatienten eine bis zu 42% höhere Prävalenz für RDS aufweisen. Es wird vermutet, dass sowohl Migräne als auch das Reizdarmsyndrom neurologische Störungen sind, die durch eine gestörte Regulation des zentralen Nervensystems verursacht werden. Bestimmte genetische, hormonelle, entzündliche und psychologische Faktoren könnten beide Erkrankungen beeinflussen.

Symptome des Reizdarmsyndroms

Die Symptome des RDS können von Person zu Person unterschiedlich sein. Häufige Beschwerden sind:

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  • Bauchschmerzen und Krämpfe
  • Veränderungen des Stuhlgangs (Durchfall, Verstopfung oder beides)
  • Blähungen und aufgeblähter Bauch

Ursachen von Migräne und RDS

Die Ursachen für Migräne und RDS sind komplex und nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine Kombination aus Genetik, gestörtem Serotonin-Stoffwechsel, gestörter Darmflora, Zuckerstoffwechsel sowie psychosozialen Faktoren. Antibiotika, schwere Magen-Darm-Infekte und ein gestörter Zuckerstoffwechsel können das Mikrobiom (die Darmflora) schädigen.

Therapieansätze für Migräne und RDS

Es gibt verschiedene Therapieansätze für Migräne und RDS, die auf einer Kombination aus Lebensstiländerungen, Ernährungsumstellungen und medikamentöser Behandlung basieren. Einige Therapieansätze ähneln sich und führen generell zu einem gesünderen Lebensstil:

  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Stressreduktion durch Entspannungsverfahren oder Meditation
  • Regelmäßige Bewegung (moderater Ausdauersport)
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Gesunde Ernährung mit frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln
  • Unterstützung der Darmflora

Die Rolle der Darmflora

RDS- sowie auch Migräne-Betroffene können ihre Darmflora mit Probiotika (Mikroorganismen) und Präbiotika (Ballaststoffe, die den Mikroorganismen als Nahrung dienen) unterstützen. Pro- und Präbiotika kombiniert können das Wachstum und die Vielfalt des Darmmikrobioms fördern. Probiotische Bakterien finden sich auch in fermentiertem Gemüse wie Sauerkraut, Kefir, Joghurt oder Brottrunk. Präbiotisch wirken z.B. Flohsamenschalen oder Leinsamen.

Ernährungsempfehlungen

Um den Darm zu unterstützen, ist eine gesunde, ausgewogene und niedrig-glykämische Ernährung sinnvoll. Neuere Studien legen nahe, dass der Zuckerstoffwechsel und insbesondere starke Blutzuckerschwankungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Attacken spielen. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann eine effektive Migräneprophylaxe sein.

FODMAP-reduzierte Ernährung

RDS-Betroffenen wird oft eine FODMAP-reduzierte Ernährung empfohlen. FODMAP steht für fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Das heißt, es sollten fermentierbare Kohlenhydrate gemieden werden, die in Süßigkeiten, Brot (besonders Weizen), Milchprodukten, Steinobst oder Kohl enthalten sind. Wer konsequent auf diese Lebensmittel verzichtet, kann seine Darmbeschwerden sowie seine Migränebeschwerden verbessern.

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Medikamentöse Therapie

Pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder Melissenblätter können zur Beruhigung des Darms eingesetzt werden. Ebenso können Mittel gegen Bauchkrämpfe, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall helfen. Antidepressiva können sowohl in der Migräne- als auch in der RDS-Therapie einen schmerzlindernden Effekt haben. Das Antibiotikum Rifaximin lindert bei einem Teil der Betroffenen das Symptom „Blähbauch“.

Die Darm-Hirn-Achse

Eine weitere wichtige Verbindung ist die Darm-Hirn-Achse. Gehirn und Darm kommunizieren permanent miteinander, und Entzündungen im Magen-Darm-Bereich können bei vielen Menschen zu Kopfschmerzen und Migräne führen. Eine gesunde Darmflora kann die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, und Studien haben gezeigt, dass die Darmflora von Migränikern verändert sein kann.

Freizeitkrankheit (Leisure Sickness)

Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass manche Menschen unter der sogenannten Freizeitkrankheit leiden. Dies bezeichnet das Phänomen, pünktlich zum Urlaub oder anstehenden Erholungsphasen Krankheitssymptome zu entwickeln. Auch hier spielen Stress und die physiologische Reaktion des Körpers darauf eine Rolle. Betroffene verspüren am Wochenende oft Kopfschmerzen oder Migräne.

Homöopathie als alternative Behandlungsmethode

Die Homöopathie bietet eine alternative Behandlungsmethode bei Migräne. Bei akuten Erkrankungen kommt es auf tatsächlich aktuelle, mit der akuten Erkrankung eindeutig assoziierte Symptome und Modalitäten an. Akute Verschreibungen können mit unterschiedlichsten Potenzen durchgeführt werden.

Konventionelle Behandlung von Migräne

Für die Diagnose von Migräne führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch erleichtern die Diagnose.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie zur Therapie von Migräne empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen nicht eingesetzt werden, und es gibt mögliche Nebenwirkungen.

Vorbeugende Maßnahmen

Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist.

Weitere Tipps zur Vorbeugung

  • Migränetagebuch: Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Migräneattacken, um individuelle Trigger zu identifizieren und zu meiden.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Laufen, Schwimmen oder Radfahren können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können ebenfalls helfen.
  • Regelmäßigkeit: Achten Sie auf regelmäßige Schlafens- und Aufwachzeiten sowie Mahlzeiten.

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