Die Diagnose Alzheimer oder einer anderen Demenzform stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor immense Herausforderungen. Neben der emotionalen Belastung durch die Diagnose selbst, bringt die Erkrankung tiefgreifende Veränderungen im Alltag mit sich. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Umgang mit Alzheimer, von der Diagnose bis zur Gestaltung des Alltags, und gibt praktische Tipps für Betroffene und ihre Angehörigen.
Die Diagnose: Ein erster Schritt
Ein Verdacht auf Demenz kann sich durch verschiedene Anzeichen äußern, beispielsweise durch Schwierigkeiten, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Es ist wichtig, diese Veränderungen ernst zu nehmen und behutsam mit dem Verdacht umzugehen. Die Diagnose sollte von einem Facharzt (Neurologe oder Psychiater) gestellt werden, wobei auch ein geschulter Hausarzt erste diagnostische Aussagen treffen kann. Die Diagnose umfasst in der Regel ein Gespräch mit dem Patienten und den Angehörigen, kognitive Tests, eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren.
Die Rolle der Angehörigen im Diagnoseprozess
Angehörige spielen eine entscheidende Rolle bei der Diagnosestellung, da sie den Betroffenen oft am besten kennen. Sie sollten den Kontakt zum behandelnden Arzt suchen und ihre Beobachtungen mitteilen, dabei aber taktvoll vorgehen. Es ist wichtig zu beachten, dass auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz Abwertung, Ungeduld und Ärger wahrnehmen.
Auswirkungen der Demenz auf den Alltag
Eine Demenz verursacht neben der eingeschränkten Gedächtnisleistung verschiedene Probleme im Alltag. Dazu gehören:
- Eingeschränktes Gesichtsfeld: Das Gesichtsfeld ist bei Menschen mit Demenz eingeschränkt.
- Beeinträchtigtes räumliches Sehen: Es fällt den Betroffenen schwer zu erkennen, was vorne ist und was hinten.
- Erschwerte Navigation: Die Orientierung in Räumen und Umgebungen wird schwieriger.
- Veränderungen in der Persönlichkeit: Manchmal verstärken sich kleine Charaktereigenschaften, manchmal verändert sich die Persönlichkeit der erkrankten Person stark.
- Herausforderndes Verhalten: Ängste, Wahnvorstellungen und Depressionen können auftreten.
Tipps für den Umgang mit Demenz
Information und Verständnis
Um die Krankheit und die Veränderungen, die sie mit sich bringt, zu verstehen, ist es wichtig, möglichst gut informiert zu sein. Es gibt viele Missverständnisse im Umgang mit Menschen mit Demenz, die darauf zurückzuführen sind, dass Angehörige zu wenig Kenntnis über die Erkrankung und ihre Folgen haben.
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Alltag und Routinen
Ein gleichbleibender Tagesablauf mit festen Routinen bietet Sicherheit und Struktur, was Reizüberflutung und Überforderung reduziert. Wiederholungen machen es den Betroffenen leichter, Alltag und Umfeld zu verstehen. Aktivitäten oder Aufgaben sollten jede Woche am selben Tag zur selben Zeit stattfinden. Große Uhren, gut lesbare Hinweisschilder und ein Kalender mit dem aktuellen Datum können die Orientierung erleichtern.
Kommunikation
Sprechen Sie deutlich und langsam und in einfachen, kurzen Sätzen. Wiederholen Sie das Gesagte nach Bedarf und geben Sie den Betroffenen ausreichend Zeit zu reagieren. Vermeiden Sie unnütze Wortgefechte, die nur für schlechte Stimmung sorgen. Versuchen Sie, Konflikte zum Beispiel durch Ablenkung aufzulösen. Im Verlauf der Erkrankung wird die sprachliche Verständigung immer schwieriger. Umso wichtiger ist es, durch körperliche Nähe, Blicke und Gesten mit dem Betroffenen in Kontakt zu bleiben.
Aktivitäten und Beschäftigung
Menschen mit Demenz sollten so lange wie möglich an vertrauten Aktivitäten teilnehmen können. Das gibt den Betroffenen ein Stück Vertrautes und Sicherheit. Überfordern Sie die Betroffenen nicht durch zu viele oder zu belastende Aktivitäten. Hilfreich sind sich wiederholende Abläufe, Routinen und Strukturen. Jeder Mensch - ob mit Demenzerkrankung oder ohne - benötigt im Alltag Aufgaben, die ihm Freude bereiten und ihn sowohl körperlich als auch geistig herausfordern. Regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig. Sie fördert die Verdauung, den Kreislauf, den Appetit und den Schlaf.
Umgang mit herausforderndem Verhalten
Nehmen Sie Gefühlsschwankungen und Aggressionen nicht persönlich. Sie können sehr belastend sein, sind aber typische Symptome der Erkrankung. Suchen Sie rechtzeitig Hilfe, wenn Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen. Versuchen Sie, das Verhalten zu verstehen und die Ursachen zu erkennen. Hinter einem herausfordernden Verhalten kann auch ein unbefriedigtes Bedürfnis stehen. Begegnen Sie dem demenzerkrankten Menschen also an dieser Stelle mit Verständnis und nutzen Sie dies als Schlüssel für Ihre Interaktion und Kommunikation. Ablenkung hilft, um aus schwierigen Situationen herauszukommen.
Musik als Therapie
Studien zeigen, dass Musik die Stimmung aufhellen und das Wohlbefinden steigern kann. Musik kann eine Reise in die Vergangenheit darstellen und vertraute Lieder Erinnerungen aktivieren. Es wird empfohlen, Musik in die Pflege und Therapie von Demenzerkrankten einzubeziehen.
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Essen und Trinken
Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz kann es für die Betroffenen schwierig werden, selbstständig zu essen. Zeigen Sie, wie es geht, und regen Sie zum Trinken an. Eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr geben Orientierung.
Rechtliche und finanzielle Aspekte
Bei einer Demenz stellen sich viele rechtliche und finanzielle Fragen, die für die Zukunft geregelt werden müssen. Das beginnt bei der Ausübung des Berufs, geht über Alltägliches wie das Autofahren, die Vorsorgevollmacht bis hin zur Geschäftsfähigkeit. Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt, wenden sich Betroffene und Angehörige an das örtliche Betreuungsgericht, um den gesetzlichen Betreuer zu bestimmen.
Pflege zu Hause oder im Pflegeheim
Die Entscheidung, ob die Pflege zu Hause oder in einem Pflegeheim erfolgen soll, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Pflege zu Hause bietet den Vorteil, dass die betroffene Person in ihrer vertrauten Umgebung bleiben kann und von der Unterstützung und Nähe ihrer Angehörigen profitiert. Entfernen Sie potenzielle Gefahrenquellen und sorgen Sie für eine gute Beleuchtung. Wenn die häusliche Pflege nicht mehr möglich ist, kann der Umzug in ein Pflegeheim eine gute Lösung sein.
Entlastung für Angehörige
Die Betreuung und Pflege von Demenzkranken ist selbst für Fachkräfte eine große Herausforderung. Denken Sie daran, für sich selbst Auszeiten zu schaffen, um wieder Energien auftanken zu können. Nutzen Sie Hilfs- und Beratungsangebote von außen und sprechen Sie auch mit Familie und Freunden über Ihre Sorgen und Nöte. Viele Pflegende empfinden es als sehr hilfreich, sich mit anderen Menschen in der gleichen Situation auszutauschen.
Hilfsangebote für pflegende Angehörige
Es gibt zahlreiche Beratungsstellen wie die Alzheimer Gesellschaft, die Unterstützung, Austauschgruppen und praktische Hilfe anbieten. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Achten Sie darauf, als Angehöriger Entlastung zu finden und sich regelmäßig Auszeiten zu nehmen, um Ihre eigene Energie wieder aufzuladen.
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Selbstfürsorge für Angehörige
Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz ist eine enorm beanspruchende Aufgabe. Achten Sie als Angehöriger auch auf sich selbst und sorgen Sie selbstfürsorglich dafür, nicht in so eine Überbeanspruchung zu geraten. Holen Sie sich Hilfe, bauen Sie genügend Pausen und Erholungsphasen ein, entpflichten Sie sich von bestimmten Aufgaben. Planen Sie systematisch: Wer kann wo unterstützen - familiär sowie professionell?
Warnzeichen einer Überforderung
Typische Indikatoren für Überforderung sind Schlafstörungen und anhaltende Erschöpfung. Spätestens bei solchen Anzeichen ist es wichtig, wieder auf sich selbst zu schauen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ernst zu nehmen. Die Devise lautet: So viel Unterstützung wie nötig, so früh wie möglich. Hierbei helfen auch Angebote wie Pflegeberatung, Selbsthilfegruppen, psychologische Beratung, telefonische Beratung sowie der Familiencoach Pflege der AOK.