Der Zusammenhang zwischen Lunge und Migräne: Eine umfassende Betrachtung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 10-15 % der europäischen Bevölkerung betroffen sind. Sie äußert sich in heftigen Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise auf genetische Komponenten und Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen. In jüngster Zeit rücken auch Verbindungen zwischen Migräne und der Lunge sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus der Forschung.

Migräne und allergische Rhinitis (Heuschnupfen)

Eine Studie hat ergeben, dass Menschen, die unter Migräne und Heuschnupfen (allergische Rhinitis) leiden, stärkere Kopfschmerzattacken haben. Um festzustellen, ob eine allergische Rhinitis mit einer erhöhten Frequenz und Stärke der Migräne einhergeht, wurde eine Studie durchgeführt. Die Forscher werteten die Antworten von rund 6000 Migränepatienten aus. Es stellte sich heraus, dass rund 65 Prozent der Migränepatienten auch unter Allergien litten und mehrheitlich der gemischt-allergischen Gruppe angehörten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Behandlung von Allergien und Heuschnupfen, zum Beispiel durch Hyposensibilisierung, ein wichtiger Ansatz zur Besserung der Migräneattacken sein könnte. Allerdings ist die genaue Rolle allergischer Erkrankungen bei der Entstehung von Migräne noch nicht ausreichend erforscht.

Offenes Foramen ovale (PFO) und Migräne

Ein offenes Foramen ovale (PFO) ist eine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die normalerweise kurz nach der Geburt verschlossen wird. Bei etwa jedem vierten Menschen bleibt diese Öffnung jedoch bestehen. Ein PFO kann eine Art "Kurzschluss" im Herzen darstellen, bei dem sauerstoffarmes Blut unter Umgehung der Lunge direkt in den Körperkreislauf gelangen kann.

Die Verbindung zwischen PFO und Migräne

Migräne tritt bei Menschen mit PFO deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Es wird vermutet, dass kleine Blutgerinnsel, die durch das offene Foramen ovale ins Gehirn gelangen, Migräneanfälle auslösen können. Eine andere Hypothese besagt, dass durch den Rechts-Links-Shunt im Herzen potenziell Kopfschmerz förderndes Serotonin nicht, wie sonst, von der Lunge abgebaut werden kann.

PFO-Verschluss als mögliche Therapieoption

In einigen Studien führte der Verschluss des PFO bei den Teilnehmern zu einer deutlichen Besserung der Migräne. Allerdings handelte es sich dabei meist um reine Beobachtungsstudien, die keine kausalen Zusammenhänge nachweisen können. Ob ein Verschluss des PFO tatsächlich die Häufigkeit oder Schwere von Migräneattacken reduziert, ist daher noch nicht ausreichend belegt.

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Studienergebnisse und Expertenmeinungen zum PFO-Verschluss

Prof. Franz Xaver Kleber, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Unfallkrankenhauses Berlin, hat in einer eigenen Serie von 191 Patienten mit PFO festgestellt, dass Migräne bei diesen Patienten mehr als doppelt so häufig vorkommt wie in der Bevölkerung. Er beobachtete, dass bei jedem vierten Migränepatienten die Beschwerden nach einem PFO-Verschluss vollständig verschwanden. Kleber glaubt vor allem bei Migräne-Patienten mit Aura an die pathophysiologische Bedeutung des PFO.

Kontroverse Diskussion über den Nutzen des PFO-Verschlusses

Ob Betroffene von einem Verschluss des PFO profitieren, wird noch kontrovers diskutiert. Es gibt derzeit weder einen eindeutig belegten Mechanismus, wie ein PFO eine Migräne verursachen kann, noch ist bislang in hochwertigen klinischen Studien zuverlässig gezeigt worden, dass ein Verschluss des PFO die Häufigkeit oder Schwere von Migräneattacken reduzieren kann.

Weitere Zusammenhänge zwischen Migräne und anderen Erkrankungen

Abgesehen von den oben genannten Zusammenhängen gibt es noch weitere Erkrankungen, die häufiger bei Migränepatienten auftreten:

  • Depressionen: Menschen mit episodischer Migräne haben ein doppelt so hohes Risiko, an einer Depression zu erkranken.
  • Angststörungen: Auch Angststörungen treten häufiger bei Migränepatienten auf.
  • Schlaganfall: Migräne mit Aura erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Epilepsie: Die Anfallserkrankung Epilepsie und Migräne können beide mit Empfindungsstörungen und Stimmungsschwankungen einhergehen.
  • Herzkrankheiten: Menschen mit Migräne haben nicht nur ein höheres Schlaganfallrisiko, sondern auch ein höheres Risiko für Herzerkrankungen.
  • Asthma: Auch wenn Asthma eine Atemwegserkrankung und Migräne eine neurologische Erkrankung ist, können beide zusammen auftreten.
  • Fettleibigkeit: Übergewicht kann Migräne verschlimmern oder sogar auslösen.
  • Verdauungsprobleme: Es gibt eine komplizierte Beziehung zwischen dem Darm und dem Gehirn - man nennt die die Darm-Hirn-Achse.
  • Bellsche Lähmung: Menschen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für die Bellsche Lähmung haben.

Migräne und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Migränepatienten haben einer großen Bevölkerungsstudie zufolge ein erhöhtes Risiko für folgende Erkrankungen: Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Vorhofflattern, Herzschwäche, Schlaganfall sowie Venenthrombosen und Lungenembolien. Die Wissenschaftler vermuten, dass Migräne ein wichtiger Risikofaktor für die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein kann.

Ursachen und Therapie von Migräne

Die genauen Ursachen für Migräne sind noch unerforscht. Es wird vermutet, dass Gendefekte eine Rolle spielen können. Es gibt aber auch sogenannte Triggerfaktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Zu diesen Triggerfaktoren zählen unregelmäßiger Schlaf, Stress, Ernährung, Hormone, Wetter und Reize.

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Die Migräne ist derzeit nicht heilbar. Die Therapie zielt darauf ab, die Intensität der Migräneanfälle und die Anfallshäufigkeit zu reduzieren. Dabei unterscheidet man zwischen Akuttherapie und Prophylaxe.

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