Lungenentzündung bei ZNS-Lymphomen: Ursachen und Zusammenhänge

Eine Lungenentzündung ist eine Entzündung des Lungengewebes, die durch Mikroben, also Keime, ausgelöst wird. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Formen von Lungenentzündungen. Die wichtigste Unterscheidung ist, ob die Lungenentzündung außerhalb des Krankenhauses - eine sogenannte ambulant erworbene Lungenentzündung - oder innerhalb des Krankenhauses - eine sogenannte Hospitalinfektion - erworben wurde. Bei Patienten mit ZNS-Lymphomen können verschiedene Faktoren das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Zusammenhänge zwischen ZNS-Lymphomen und Lungenentzündungen.

Einführung

Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene, hochmaligne Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, welche im Gewebe des ZNS auftritt. Häufig betroffen ist dabei das Großhirn. Die Erkrankung selbst ist eher selten und zeigt sich bevorzugt bei immunsuppressiven Patienten. Neben dem Gehirn können bei etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten auch die Augen betroffen sein.

Die Symptome der Erkrankung sind abhängig von der Lage und Größe der Lymphome. Bei mehr als 50% der Patienten kommt es zu neurologischen Störungen wie Lähmungen, Schwindel, Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit. Kopfschmerzen finden sich bei mehr als 50% der Erkrankten. Etwa 32% der Patienten leiden unter Übelkeit und ungefähr 11% unter Erbrechen. Bei etwa 10% der Erkrankten sind die Augen befallen, so dass es zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit kommt.

Ursachen einer Lungenentzündung bei ZNS-Lymphomen

Mehrere Faktoren können bei Patienten mit ZNS-Lymphomen das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen:

Immunsuppression

Eine der Hauptursachen für die erhöhte Anfälligkeit für Lungenentzündungen bei Patienten mit ZNS-Lymphomen ist die Immunsuppression. Das Lymphom selbst und die zur Behandlung eingesetzten Therapien können das Immunsystem schwächen.

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  • Chemotherapie: Die Chemotherapie ist eine wichtige Maßnahme zur Therapie der ZNS-Lymphome. Während der Behandlung werden neben den Lymphomzellen auch gesunde Körperzellen geschädigt. Sie spiegelt sich in Veränderungen des Blutbildes wider und sollte regelmäßig und engmaschig kontrolliert werden. Sinkt die Konzentration der weißen Zellen im Blut Leukozyten, so ist mit einer erhöhten Infektionsgefahr zu rechnen, die sich insbesondere als Mund- und Nasen-Rachen-Raum-Infektion oder als Lungenentzündung ausdrücken kann. Medikamente, die subkutan (unter die Haut) gespritzt werden, können die Zeit der Infektionsgefahr verkürzen.

  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann ebenfalls das Immunsystem beeinträchtigen, insbesondere wenn sie auf den Brustbereich angewendet wird. Eine Strahlenschädigung der Lunge (Lungenfibrose) ist nach Bestrahlung des Brustbereiches (mediastinale Bestrahlung) oft zumindest vorübergehend nachweisbar, macht aber meist keine Beschwerden. Schwerwiegender, jedoch extrem selten, ist eine nicht-infektiöse Entzündung der Lunge (Strahlenpneumonitis) und des Herzens (Myo- und Perikarditiden). Sie können erst mehrere Wochen oder Monate nach einer Mediastinalbestrahlung auftreten und erhebliche Krankheitsbeschwerden, vor allem aber eine langfristige Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit verursachen.

  • Kortikosteroide: Kortikosteroide, die häufig zur Behandlung von Hirnödemen und zur Linderung von Symptomen eingesetzt werden, können das Immunsystem zusätzlich schwächen. Eine Hochdosis-Kortikosteroidtherapie erhöht das Risiko für opportunistische Infektionen.

Opportunistische Infektionen

Aufgrund der Immunsuppression sind Patienten mit ZNS-Lymphomen anfälliger für opportunistische Infektionen. Zu den häufigsten zählen Pilze wie Pneumocystis jirovecii, Cryptococcus neoformans und Aspergillus-Arten, opportunistische Viren wie das Cytomegalovirus und das Herpes-simplex-Virus sowie spezielle bakterielle Erreger wie Nocardia-Arten und Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA).

Pulmonale Manifestationen des Lymphoms

In seltenen Fällen kann sich das Lymphom direkt in der Lunge manifestieren. Hämatologische Erkrankungen, insbesondere Lymphome, können sich in der Lunge sowohl primär als auch sekundär manifestieren. Primäre pulmonale Lymphome sind selten und meist vom Non-Hodgkin-Typ. In diesen Fällen kann der pulmonale Lymphombefall mit mediastinaler Lymphadenopathie einhergehen, jedoch ohne Hinweise auf eine extrathorakale Ausbreitung innerhalb von mindestens 3 Monaten nach der Erstdiagnose. Zu den häufigsten primären Lymphomen gehören niedriggradige B‑Zell-Lymphome (MALT-Lymphome) und hochgradige B‑Zell-Lymphome [13]. Sekundäre pulmonale Lymphome treten häufiger auf und umfassen Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome (Abb. 2).

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Weitere Risikofaktoren

Neben den oben genannten Faktoren können auch andere Risikofaktoren das Risiko einer Lungenentzündung bei Patienten mit ZNS-Lymphomen erhöhen:

  • Alter: Ältere Patienten haben ein höheres Risiko für Lungenentzündungen.
  • Vorerkrankungen: Chronische Erkrankungen wie COPD, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen und Diabetes können das Risiko erhöhen.
  • Bettlägerigkeit: Längere Bettlägerigkeit kann das Risiko für Aspirationspneumonien erhöhen.
  • Schluckstörungen: Schluckstörungen, die durch das Lymphom oder dessen Behandlung verursacht werden können, erhöhen das Risiko für Aspirationspneumonien.

Symptome einer Lungenentzündung

Die Symptome einer Lungenentzündung können je nach Erreger und Allgemeinzustand des Patienten variieren. Typische Symptome sind:

  • Husten (trocken oder mit Auswurf)
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Schlechtes Allgemeinbefinden
  • Eitriger Auswurf
  • Schleimiger Auswurf

Diagnose einer Lungenentzündung

Die Diagnose einer Lungenentzündung basiert auf den klinischen Symptomen, der körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Neben den klinischen Hinweisen, den Symptomen, gibt es eindeutig auch Befunde, die für eine Lungenentzündung sprechen bzw. sie belegen. Die Diagnose einer Lungenentzündung kann nicht erfolgen ohne den Nachweis eines sogenannten Infiltrats, also einer Verdichtung im Röntgenbild des Thorax.

  • Röntgenaufnahme des Thorax: Eine Röntgenaufnahme des Thorax istStandardverfahren zum Nachweis von Infiltraten in der Lunge.
  • Computertomographie (CT) des Thorax: Eine CT des Thorax kann detailliertere Informationen über die Art und Ausdehnung der Lungenentzündung liefern. Die hochauflösende Computertomographie (HRCT) ist ein zentrales Instrument zur Diagnose und Verlaufskontrolle pleuropulmonaler Veränderungen [2]. Sie ist sensitiver als das konventionelle Röntgenbild und ermöglicht eine frühzeitige Erkennung pathologischer Befunde [8]. Zudem hilft die HRCT, invasive Verfahren wie Biopsien zu vermeiden, die bei reduziertem Allgemeinzustand oft nur eingeschränkt möglich sind [10‐12], und unterstützt durch ihre hohe räumliche Auflösung gezielt die Biopsieplanung - etwa zur Abgrenzung entzündlicher von fibrotischen Arealen [2].
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen könnenEntzündungszeichen und Hinweise auf den Erreger liefern.
  • Sputumuntersuchung: Eine Sputumuntersuchung kann helfen, den Erreger zu identifizieren.
  • Bronchoskopie: In einigen Fällen kann eine Bronchoskopie erforderlich sein, um eineLungenspülung (BAL) durchzuführen oder eine Gewebeprobe zu entnehmen.

Behandlung einer Lungenentzündung

Die Behandlung einer Lungenentzündung richtet sich nach dem Erreger und demAllgemeinzustand des Patienten. Die Behandlung der Lungenentzündung besteht in der Gabe eines Antibiotikums. Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach den Grundvoraussetzungen des Patienten. Hat der Patient eine chronische Erkrankung, hat er ein höheres Risiko, hat er vor kurzem schon einmal ein Antibiotikum bekommen, ist er im Krankenhaus?

  • Antibiotika: Bei bakteriellen Lungenentzündungen werden Antibiotika eingesetzt. Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach dem vermuteten Erreger und denResistenzen.
  • Antivirale Medikamente: Bei viralen Lungenentzündungen können antivirale Medikamente eingesetzt werden.
  • Antimykotika: Bei Pilzinfektionen werden Antimykotika eingesetzt.
  • Unterstützende Maßnahmen: Unterstützende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Flüssigkeitszufuhr undSchmerzlinderung können erforderlich sein.

Prävention einer Lungenentzündung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Lungenentzündung bei Patienten mit ZNS-Lymphomen zu reduzieren:

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  • Impfungen: Ganz entscheidend für die Vorbeugung ist die Durchführung von entsprechenden Impfungen. Dazu gehört zum einen die Grippeschutzimpfung, diese sollte jedes Jahr erfolgen. Warum Grippeschutzimpfung, wenn es doch hauptsächlich um Bakterien geht? Deshalb weil die Virusinfektion typischerweise den Boden bereiten kann, dass sich dann Bakterien in der Lunge ansiedeln und entsprechende Komplikationen verursachen. Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe können das Risiko einer Lungenentzündung verringern.
  • Hygienemaßnahmen: Häufiges Händewaschen und Vermeidung von Kontakt mit kranken Menschen können das Infektionsrisiko reduzieren.
  • Atemtherapie: Atemtherapeutische Übungen können helfen, die Lunge zu belüften und Sekret zu lösen.
  • Rauchverzicht: Rauchen schwächt die Lunge und erhöht das Risiko für Infektionen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeidung von Risikofaktoren wie Bettlägerigkeit und Schluckstörungen.

Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

Die eingangs zitierten Gesprächsausschnitte aus einem Online-Forum verdeutlichen die Realität von Patienten und Angehörigen im Umgang mit ZNS-Lymphomen und deren Komplikationen, wie Lungenentzündungen. Sie zeigen die Belastung durch die Erkrankung, die Therapien und die Angst vor Rezidiven.

Eine der Betroffenen berichtet von ihrer Mutter, die nach einer Chemotherapie eine Lungenentzündung entwickelte und auf die Intensivstation verlegt werden musste. Sie beschreibt die emotionalen und physischen Belastungen, die mit der Pflege eines schwer kranken Angehörigen einhergehen, insbesondere wenn bereits Erfahrungen mit Hirntumoren in der Familie vorliegen.

Eine andere Betroffene schildert die Schwierigkeiten, mit der eigenen Angst und Unsicherheit umzugehen, während sie gleichzeitig versucht, ihren Mann zu unterstützen. Sie berichtet von den Spätfolgen der Strahlentherapie und den Herausforderungen, den Alltag mit den kognitiven und motorischen Einschränkungen ihres Mannes zu bewältigen.

Diese persönlichen Erfahrungen verdeutlichen die Notwendigkeit einer umfassenden Betreuung von Patienten mit ZNS-Lymphomen und ihren Angehörigen. Neben der medizinischen Behandlung sind auch psychologische Unterstützung undInformationen über die Erkrankung und ihre Komplikationen wichtig.

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