Ein stechender Schmerz, der plötzlich in die Wade schießt - Muskelkrämpfe, insbesondere Wadenkrämpfe, sind ein weit verbreitetes Phänomen. Sie treten oft unerwartet auf, sei es in der Nacht, beim Sport oder sogar beim Schwimmen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Muskelkrämpfen, gibt praktische Tipps zur Vorbeugung und geht auf die Rolle von Milchprodukten in diesem Zusammenhang ein.
Was sind Muskelkrämpfe?
Muskelkrämpfe, auch Spasmen genannt, sind plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktionen eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Über fein verästelte Nervenbahnen werden Reize vom Gehirn an die Muskeln weitergeleitet, um ihnen zu signalisieren, wann sie sich anspannen sollen. Bei einem Krampf dagegen kontrahiert der Muskel unwillkürlich und plötzlich, ohne sich anschließend von selbst wieder zu entspannen. Am häufigsten betroffen ist die Skelettmuskulatur, doch auch glatte Muskeln - etwa in Blutgefäßen oder Organen - können sich verkrampfen. Ein Krampf dauert in der Regel nur wenige Sekunden bis Minuten, kann jedoch so intensiv sein, dass normales Auftreten kaum mehr möglich ist. Nach dem Lösen des Krampfes - meist durch aktives Dehnen - können die Schmerzen noch Stunden anhalten. Muskelkrämpfe treten vor allem in der Wadenmuskulatur, den Fußmuskeln und der hinteren und vorderen Oberschenkelmuskulatur auf. Die bekannteste Erscheinungsform ist der Wadenkrampf: Ein stechender Schmerz in der Wade, der Sie oft im Schlaf oder auch bei Anstrengung überfällt. Die Gründe dafür können gegensätzlich sein, nämlich Unterforderung sowie Überforderung der Muskulatur.
Ursachen von Muskelkrämpfen
Die Ursachen für Muskelkrämpfe sind vielfältig und oft nicht eindeutig feststellbar. Meist ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich für den Muskelkrampf. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Über- oder Unterforderung der Muskulatur: Sowohl zu intensive Belastung, beispielsweise beim Sport, als auch mangelnde Bewegung können Krämpfe verursachen. Bei Sportlern treten Muskelkrämpfe häufiger auf. Doch auch Menschen, die häufig und lange sitzen und sich wenig bewegen, sind vermehrt von Wadenkrämpfen betroffen. Bei ihnen macht sich die Unterforderung vor allem nachts bemerkbar.
- Flüssigkeitsmangel: Eine Dehydratation kann den Elektrolythaushalt stören und Muskelkrämpfe begünstigen.
- Mineralstoffmangel: Ein Ungleichgewicht von Elektrolyten wie Magnesium, Kalzium, Kalium und Natrium spielt eine entscheidende Rolle bei der Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln. Ein ausgeglichener Mineralstoffhaushalt ist entscheidend für eine gesunde Muskelfunktion. Vor allem Magnesium, Kalzium und Kalium müssen hier in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
- Erkrankungen: In einigen Fällen können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen, neurologische Erkrankungen oder Nierenerkrankungen Muskelkrämpfe verursachen. Auch bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe auslösen.
- Schwangerschaft: Schwangere Frauen sind anfälliger für Wadenkrämpfe, da sie einen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen haben und die veränderte Körperhaltung die Wadenmuskulatur zusätzlich belastet.
- Alkohol: Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat häufiger unter solchen nächtlichen Wadenkrämpfen zu leiden. Eine kleine Studie an der Uni Straßburg aus dem Jahr 2018 mit 140 Versuchspersonen zwischen 60 und 86 Jahren aus dem Elsass fand heraus, dass diejenigen, die pro Woche ein alkoholisches Getränk zu sich nahmen, 6,5 Mal häufiger unter Wadenkrämpfen in der Nacht litten als diejenigen, die keinen Alkohol tranken.
Was tun bei einem akuten Krampf?
Bei einem akuten Krampf reagieren die meisten Menschen instinktiv richtig:
- Dehnen: Dehnen Sie die betroffene Muskulatur, indem Sie beispielsweise die Fußspitze in Richtung Körper ziehen oder das Bein durchstrecken und die Ferse auf den Boden drücken. Sie dehnen die Wadenmuskulatur, ziehen die Fußspitze in Richtung Körper und treten mit der Ferse nach vorne. Hier kann auch eine andere Person unterstützen. Oder sie stellen das betroffene Bein durchgestreckt nach hinten, drücken dabei die Ferse fest auf den Boden und stützen sich mit den Armen an einer Wand ab.
- Massieren: Eine leichte Massage kann die verspannten Muskelpartien lockern.
- Wärme: Wärme, beispielsweise in Form eines warmen Bades oder einer Wärmekompresse, kann die Durchblutung fördern und die Muskelentspannung unterstützen.
- Gurkenwasser: Eine Studie in den USA bewies, dass Gurkenwasser, also die Einlegeflüssigkeit von sauren Gurken, die Länge der Muskelkrämpfe bei dehydrierten Menschen tatsächlich verkürzt - und zwar um die Hälfte der Zeit. Die Versuchspersonen nahmen dabei einen Mililiter Gurkenwasser je Kilogramm Körpergewicht zu sich.
Vorbeugung von Muskelkrämpfen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Muskelkrämpfen vorzubeugen:
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- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder Saftschorlen, besonders bei sportlicher Aktivität oder hohen Temperaturen. Besonders an heißen Sommertagen oder Tagen, an denen Sie Sport treiben, dürfen es ruhig mehr als die empfohlenen 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Tag sein.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Mineralstoffen, insbesondere Magnesium, Kalzium und Kalium. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen natürlichen Lebensmitteln versorgt den Körper mit Mineralstoffen, die notwendig für eine gesunde Muskelfunktion sind.
- Regelmäßige Bewegung: Halten Sie Ihre Muskeln durch regelmäßige Bewegung in Schwung, um Krämpfen durch Unterforderung vorzubeugen. Um die Muskeln in Schwung zu halten und so Muskelkrämpfe durch Unterforderung zu vermeiden, ist regelmäßige Bewegung gefragt. Wenn Sie am Schreibtisch arbeiten, stehen Sie also so oft es geht auf und gehen ein paar Schritte. Es hilft auch schon, mit den Füßen zu wippen und die Wadenmuskulatur abwechselnd anzuspannen und zu entspannen.
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur kann Krämpfen vorbeugen, insbesondere bei Sportlern und Menschen mit sitzender Tätigkeit. Wer regelmäßig die Wadenmuskulatur dehnt und sich gesund ernährt, tut bereits einiges gegen Muskelkrämpfe.
- Aufwärmen und Regeneration: Wärmen Sie sich vor dem Sport ausreichend auf und gönnen Sie Ihrem Körper nach der Belastung ausreichend Ruhe und Regeneration. Das richtige Aufwärmen der Muskeln ist für Sportler äußerst wichtig. Wenn Sie nach einer längeren Pause wieder ins Training einsteigen, sollten Sie es besonders langsam angehen lassen und die Intensität erst nach und nach steigern. Ebenso wichtig ist eine gute Regeneration nach dem Sport. Das heißt: Ruhe, trainingsfreie Tage und das richtige Sportleressen.
- Vermeiden Sie abrupte Temperaturwechsel: Vor allem im Sommer ist es nicht ratsam, sich überhitzt ins kalte Wasser zu stürzen.
- Tragen Sie bequeme Schuhe: Tragen Sie bequeme Schuhe, die Ihren Füßen guten Halt geben und nicht drücken.
- Vermeiden Sie Alkohol: Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat häufiger unter solchen nächtlichen Wadenkrämpfen zu leiden.
Die Rolle von Milchprodukten
Milchprodukte enthalten Kalzium, das eine wichtige Rolle für die Muskelfunktion spielt. Kalzium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel und einer normalen Muskelfunktion bei und spielt eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Geringere Mengen an Magnesium stecken in Bananen, Kartoffeln, Milch- und Milchprodukten und in Fleisch. Gute Kalziumspender sind Milchprodukte und grünes Gemüse wie Brokkoli.
Allerdings sollten Menschen mit Laktoseintoleranz auf eine gute Kalziumzufuhr aus anderen Quellen achten, da sie Milchprodukte möglicherweise nicht gut vertragen. Um einem Kalziummangel vorzubeugen, sollten besonders vegan lebende Menschen auf eine gute Kalziumzufuhr achten, ebenso Menschen mit einer Laktoseintoleranz.
Weitere hilfreiche Lebensmittel
Neben Milchprodukten gibt es noch weitere Lebensmittel, die zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen beitragen können:
- Bananen: Sie sind reich an Kalium und Magnesium. Banane: Sie sind nicht nur der Sportlersnack Nummer Eins, sondern auch der Klassiker gegen Muskelkrämpfe.
- Nüsse: Sie enthalten Magnesium und hochwertiges pflanzliches Protein. Ob Haselnüsse, Walnüsse oder Mandeln - Sie alle enthalten Magnesium und hochwertiges pflanzliches Protein, das Ihre Muskeln unterstützt.
- Grünes Blattgemüse: Es ist reich an Magnesium und Kalzium.
- Vollkornprodukte: Sie liefern Magnesium und B-Vitamine.
- Hülsenfrüchte: Sie sind eine gute Quelle für Magnesium und Kalium.
- Kurkuma: Kurkuma, oder Gelbwurz, wird schon seit Jahrhunderten zur Heilung von Entzündungen angewandt. Sein gelber Farbstoff Curcumin ist einer der effektivsten natürlichen Entzündungshemmer. Er schützt die Muskeln davor, sich zu entzünden und unterstützt so eine gute Regeneration.
- Hagebutte: Die kleinen fleischigen Früchte sind wahre Vitamin- und Mineralstoffbomben und pushen so eine gute Muskelfunktion. Weiterer Pluspunkt: Hagebutten wachsen bei uns in Deutschland und sind damit eine nachhaltige Alternative zu importierten Superfoods.
- Kalzium- und magnesiumreiches Mineralwasser: Nicht jedes Mineralwasser ist gleich - es gibt Sorten, die besonders reich an Magnesium und Kalzium sind.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos. Treten die Krämpfe jedoch regelmäßig, länger anhaltend oder besonders schmerzhaft auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche Ursachen abzuklären. Einen Arzt sollten Sie dann kontaktieren, wenn die Muskelkrämpfe gehäuft auftreten, sie länger als ein paar Sekunden anhalten oder wenn sie sich nicht einfach durch Dehnen auflösen lassen. Dann könnten sie ein Anzeichen für eine Stoffwechsel- oder Nervenerkrankung sein.
Weitere Symptome, bei denen ein Arztbesuch ratsam ist:
- Lähmungserscheinungen im Bein
- Kribbeln und Taubheitsgefühle
- Häufige oder plötzliche Schmerzen im Bein, Fuß oder in der Leiste
- Schwellungen an Bein oder Fuß
- Rückenschmerzen, Nachtschweiß
- Muskelkrämpfe in anderen Körperteilen
- Ein Schwächegefühl in den Muskeln
- Gang- oder Bewegungsunsicherheiten
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Hautveränderungen und Fieber
Die Ärztin oder der Arzt sollte Muskelkrämpfe zudem immer abklären, wenn Sie schon Vorerkrankungen haben, wie:einen zu hohen BlutdruckDiabeteseine Nierenkrankheit
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