LWS-Versteifung bei Skoliose: Risiken, Komplikationen und Behandlungsansätze

Die operative Versteifung der Lendenwirbelsäule (LWS), auch Spondylodese genannt, ist ein Eingriff, der bei Skoliose und anderen Wirbelsäulenerkrankungen in Betracht gezogen wird, wenn konservative Behandlungsmethoden keine ausreichende Linderung verschaffen. Obwohl die Spondylodese dazu beitragen kann, die Wirbelsäule zu stabilisieren und Schmerzen zu reduzieren, ist sie auch mit potenziellen Risiken und Komplikationen verbunden. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken einer LWS-Versteifung bei Skoliose, mögliche Komplikationen und Behandlungsansätze.

Einführung

Die Skoliose ist eine Verkrümmung der Wirbelsäule, die in verschiedenen Ausprägungen auftreten kann. In einigen Fällen kann eine operative Korrektur und Stabilisierung der Wirbelsäule erforderlich sein, insbesondere wenn die Krümmung stark ausgeprägt ist oder fortschreitet. Die LWS-Versteifung ist eine gängige Methode zur Behandlung von Skoliose, aber es ist wichtig, die potenziellen Risiken und Komplikationen zu verstehen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Ursachen und Indikationen für eine LWS-Versteifung bei Skoliose

Eine LWS-Versteifung wird in der Regel bei folgenden Indikationen in Betracht gezogen:

  • Starke Skoliose: Bei einer Krümmung von mehr als 40-50 Grad kann eine Operation erforderlich sein, um ein Fortschreiten der Skoliose zu verhindern und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
  • Schmerzen: Wenn konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und Orthesen keine ausreichende Linderung der Schmerzen verschaffen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.
  • Neurologische Symptome: In seltenen Fällen kann eine Skoliose auf Nerven drücken und neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche verursachen. In solchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Nerven zu entlasten.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Dabei kommt es zur Verschiebung der Wirbelkörper gegeneinander, wodurch Nervenwurzeln gereizt werden können. Die häufigste Lokalisation hierfür ist die Lendenwirbelsäule.

Mögliche Risiken und Komplikationen einer LWS-Versteifung

Wie bei jeder Operation sind auch bei einer LWS-Versteifung bestimmte Risiken und Komplikationen möglich. Zu den häufigsten gehören:

  • Allgemeine Operationsrisiken:
    • Infektionen: Wundinfektionen können auftreten und eine Behandlung mit Antibiotika oder in seltenen Fällen eine erneute Operation erfordern. Bei etwa einem Prozent der Fälle kann sich die Wunde infizieren.
    • Blutungen: Blutungen während oder nach der Operation können eine Bluttransfusion erforderlich machen.
    • Nervenverletzungen: Nervenverletzungen können zu Taubheit, Kribbeln, Muskelschwäche oder sogar Lähmungen führen. Es kommt bei etwa 1 % der Eingriffe vor, dass das Rückenmark verletzt oder überdehnt wird. Langfristige Schäden infolgedessen sind aber seltener.
    • Thrombose und Lungenembolie: Die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinen (Thrombose) kann zu einer Lungenembolie führen, wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge wandert.
    • Wundheilungsstörungen: Wundheilungsstörungen können die Genesung verzögern und eine zusätzliche Behandlung erforderlich machen.
  • Spezifische Risiken der LWS-Versteifung:
    • Pseudarthrose: In einigen Fällen wachsen die Wirbelkörper nicht richtig zusammen, was zu einer Instabilität und anhaltenden Schmerzen führen kann.
    • Implantatversagen: Schrauben, Stäbe oder Platten können sich lockern, brechen oder verrutschen, was eine erneute Operation erforderlich machen kann.
    • Anschlussdegeneration: Die Versteifung eines Wirbelsäulenabschnitts kann die Belastung der angrenzenden Segmente erhöhen und zu einer beschleunigten Degeneration führen.
    • Chronische Schmerzen: Trotz erfolgreicher Versteifung können chronische Schmerzen bestehen bleiben oder sich sogar verschlimmern (Failed-Back-Surgery-Syndrom).
    • Bewegungseinschränkungen: Die Versteifung der Wirbelsäule führt zu einer Einschränkung der Beweglichkeit im betroffenen Bereich.
    • ISG-Syndrom: Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom) strahlen aus oder entstehen nach Versteifung der Lumbalen Wirbelsäule
  • Postdiskektomiesyndrom/Failed Back Surgery Syndrom:
    • Das Failed-Back-Surgery-Syndrom ist ein lumbaler Rückenschmerz im unteren Rücken mit unbekannter Ursache, der trotz einer Operation andauert oder nach einer Wirbelsäule-Operation erstmalig auftritt.
    • Typische Beschwerden beim Failed-Back-Surgery-Syndrom sind Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule.
  • Epidurale Fibrose:
    • Narbenbildung und überschießende Bildung von Bindegewebe durch die Hülle des Rückenmarks (Epidura). Die epidurale Fibrose kann zu Verwachsungen (Adhäsionen) oder Druck auf Nervenwurzeln (Kompression) führen.
    • Die Narbenbildung (epidurale Fibrose) ist in bis zu 36% aller Fälle die Ursache der chronischen Schmerzen nach lumbaler Bandscheibenoperation.
    • Narben der Epidura schränken die Beweglichkeit der Rückenmarkshülle ein und lösen dadurch Schmerzen aus. Postoperative Narben können auch auf Nerven des Rückenmarks oder Nervenwurzeln drücken und dadurch Rückenschmerzen verursachen.
    • Vernarbung vermindert die Blutversorgung der Nerven. Epidurale Fibrose kann auch zur Reizung von dorsalen Nervenwurzeln führen. Diese Reizung kann weit in das Versorgungsgebiet des Nerven hinein ausstrahlen. So können epidurale Narben auch Beinschmerzen (Ischialgie) verursachen.

Diagnose und Abklärung von Komplikationen

Bei anhaltenden oder neuen Beschwerden nach einer LWS-Versteifung ist eine sorgfältige Diagnose und Abklärung erforderlich. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:

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  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Schmerzen, Beweglichkeit, neurologischen Funktion und Wundheilung.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen: Zur Beurteilung der Knochenstruktur, Implantatposition und Stabilität der Versteifung. Vor allem Beweglichkeitstörungen und Überbeweglichkeit der Wirbelkörper lassen sich mit funktionellen Röntgenbildern sehr gut darstellen.
    • Computertomographie (CT): Detailliertere Beurteilung der Knochenstruktur, Implantatposition und möglicher Komplikationen wie Pseudarthrose oder Implantatversagen. Wir verwenden das CT immer dann, wenn Metallimplantate zu Artefakten führen oder andere MRT-Hindernisse bestehen. bei einem Verdacht auf Spondylarthrose oder Osteochondrose der Wirbelkörper ist das CT ebenfalls von Vorteil.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Beurteilung von Weichteilgewebe, Nervenwurzeln, Bandscheiben und möglicher Komplikationen wie epidurale Fibrose, Nervenkompression oder Entzündungen. Die MRT (Kernspintomografie) mit ihrer hohen Weichteilauflösung ist die wichtigste Untersuchung für schmerzauslösende Veränderungen: Epidurale Fibrose (Bindegewebewucherungen im Epiduralraum) Narbengewebe in der Umgebung der Nervenwurzeln Erneuter Bandscheibenvorfall (Rezidiv) Entzündliche Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylodiszitis)
  • Neurologische Untersuchung: Bei neurologischen Symptomen zur Beurteilung der Nervenfunktion und zur Identifizierung möglicher Nervenkompressionen.

Behandlungsansätze bei Komplikationen nach LWS-Versteifung

Die Behandlung von Komplikationen nach einer LWS-Versteifung hängt von der Art und Schwere der Komplikation ab. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:

  • Konservative Therapie:
    • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen. Medikamentöse Schmerztherapie und Entzündungshemmung kann die Schmerzen lindern. Wenn die Beschwerden zum Beispiel auf eine entzündliche Reizung des Epiduralraumes durch das ausgetretene Bandscheibenmaterial zurückgehen, könnten hochdosierte nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen helfen.
    • Physiotherapie: Zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung. Ebenso gehört beweglichkeitsfördernde Physiotherapie und entzündungshemmende physikalischen Therapie zum Standard der konservativen Therapie des Postdisketomiesyndroms.
    • Injektionen: Kortisoninjektionen in den Epiduralraum oder an Nervenwurzeln können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern. Eine weitverbreitete Behandlung der therapierestenten epiduralen Fibrose ist daher die Injektion von steroidalen Entzündungshemmern (Kortison) durch die Öffnungen der Rückenmarksnerven in den Rückenmarkskanal durch die Nervenaustrittsstellen (Neuroforamen). Aber auch die Kortisoninjektionen zeigt häufig keine zufriedenstellenden Ergebnisse: Die schmerzauslösende überschießende Narbenbildung hindert den Wirkstoff daran, die schmerzenden Zielbereiche der Epidura und der Nervenwurzeln zu erreichen. Die Beseitigung von Narbengewebe ist mit Hilfe einer Injektionstherapie alleine nicht möglich. Die Kortisoninjektion ist zudem nicht ganz risikofrei.
    • Weitere konservative Behandlungen: Dazu gehören beispielsweise Akupunktur, Massagen, Wärmeanwendungen und Entspannungstechniken.
  • Operative Therapie:
    • Revisionsoperation: Bei Implantatversagen, Pseudarthrose, Nervenkompression oder anderen schwerwiegenden Komplikationen kann eine erneute Operation erforderlich sein, um die Probleme zu beheben.
    • Dekompression: Bei Nervenkompressionen kann eine operative Dekompression der Nerven erforderlich sein, um die Symptome zu lindern.
    • Schmerzschrittmacher: Bei chronischen Schmerzen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, kann ein Schmerzschrittmacher (Spinal Cord Stimulation, SCS) in Betracht gezogen werden. bei mehrfach voroperierten Patienten, die weiterhin unter starken Schmerzen leiden, kann in bestimmten Fällen ein Schmerzschrittmacher zu Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Prävention von Komplikationen

Um das Risiko von Komplikationen nach einer LWS-Versteifung zu minimieren, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Sorgfältige Operationsplanung: Eine gründliche präoperative Planung und Diagnose ist entscheidend, um die richtige Operationstechnik und Implantate auszuwählen.
  • Erfahrene Chirurgen: Die Operation sollte von einem erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen durchgeführt werden.
  • Moderne Operationstechniken: Minimal-invasive Techniken können das Risiko von Komplikationen reduzieren.
  • Konsequente Nachsorge: Eine engmaschige Nachsorge und Rehabilitation ist wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Patientenaufklärung: Eine umfassende Aufklärung des Patienten über die Risiken und Vorteile der Operation ist wichtig, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Patienten sollten Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Diabetes vermeiden, um die Heilung zu fördern und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren.

Rehabilitation nach einer LWS-Versteifung

Die Rehabilitation nach einer LWS-Versteifung ist ein wichtiger Bestandteil des Genesungsprozesses. Ziel der Rehabilitation ist es, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern, Schmerzen zu lindern und dieFunktionsfähigkeit im Alltag wiederherzustellen. Die Rehabilitation umfasst in der Regel:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
  • Ergotherapie: Anpassung des Arbeitsplatzes und derAlltagsaktivitäten, um die Wirbelsäule zu entlasten.
  • Schmerzmanagement: Erlernen von Strategien zur Schmerzlinderung undStressbewältigung.
  • Patientenschulung: Informationen über die richtige Körperhaltung,Hebetechniken undVerhaltensweisen, um die Wirbelsäule zu schonen.
  • Psychologische Unterstützung: Bei Bedarf psychologische Unterstützung zur Bewältigung von Schmerzen, Ängsten undDepressionen.

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