Das Parkinson-Syndrom ist ein komplexes neurologisches Krankheitsbild, das durch eine Vielzahl von Ursachen und Erscheinungsformen gekennzeichnet ist. Die Differentialdiagnostik ist entscheidend, um die zugrunde liegende Ätiologie zu identifizieren und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die differentialdiagnostischen Aspekte des Parkinson-Syndroms, einschließlich der genetischen Ursachen, der klinischen Präsentation und der apparativen Zusatzdiagnostik.
Einführung in das Parkinson-Syndrom
Das Parkinson-Syndrom ist ein Oberbegriff für verschiedene neurologische Erkrankungen, die durch Akinese und mindestens eines der folgenden Kardinalsymptome gekennzeichnet sind: Rigor, Ruhetremor und posturale Instabilität. Fakultative Begleitsymptome umfassen sensorische, vegetative, psychische, Schlaf- und kognitive Störungen. Die überwiegende Mehrheit der Patienten mit Parkinson-Syndrom leidet an der idiopathischen Parkinson-Krankheit (PK), die durch eine langsam fortschreitende Lewy-Körper-Pathologie gekennzeichnet ist. Parkinson-Erkrankungen, die vor dem 40. Lebensjahr auftreten, werden als "früh beginnend" bezeichnet, während solche, die vor dem 21. Lebensjahr beginnen, als "juvenil" gelten.
Klinische Präsentation und Diagnose
Die Diagnose des Parkinson-Syndroms basiert in erster Linie auf der klinischen Beurteilung des Patienten. Typische Symptome sind ein vornübergebeugter Gang, kleine Schritte und Ruhetremor. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, was die Differentialdiagnostik erschwert.
Frühsymptome
Den motorischen Kardinalsymptomen geht meist eine Prodromalphase voraus, die Jahre dauern kann und mit unklaren Beschwerden einhergeht. Typische Frühsymptome sind:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Atypische Bewegungsmuster während der Traumschlafphase.
- Riechstörungen: Hyposmien können bereits bis zu zehn Jahre vor der Parkinson-Diagnose auftreten.
- Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, erhöhte Angst- und Depressionsneigung.
- Obstipation: Verstopfung kann der Diagnose als unspezifisches Frühzeichen vorausgehen.
Kardinalsymptome
Die Kernsymptomatik des Parkinson-Syndroms umfasst:
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- Bradykinese/Hypokinese/Akinese: Verlangsamung der Bewegungsgeschwindigkeit, verminderte Bewegungsamplitude und gestörte Bewegungsinitiation.
- Tremor: Ruhetremor, Haltetremor und Aktionstremor.
- Rigor: Tonuserhöhung, die während des gesamten Bewegungsumfangs auftritt.
- Posturale Instabilität: Unfähigkeit, den Körper stabil aufrechtzuerhalten.
Begleitsymptome
Neben der Kernsymptomatik können sensible, psychische, vegetative und kognitive Störungen auftreten. Typisch sind Parästhesien, Dysästhesien, Hyposmien und dermatologische Probleme.
Fragebogen zur Früherkennung
Der Beirat der deutschen Parkinsonvereinigung (dPV) hat einen Fragebogen zur Früherkennung der Parkinsonerkrankung entwickelt, der folgende Fragen umfasst:
- Kommt es vor, dass die Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Leicht schlurfender Gang oder Bein nachgezogen?
- Ist der Gang kleinschrittig und kommt es häufig vor, dass der Patient stolpert?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Hat der Patient bemerkt, sich von Freunden und Angehörigen zurückzuziehen, meidet Kontakte?
- Bemerken Sie Veränderungen in der Stimme, ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Wenn mehr als drei Fragen mit „ja” beantwortet werden, könnte die betroffene Person erste Anzeichen der Erkrankung aufweisen.
Differentialdiagnose
Die Differentialdiagnose des Parkinson-Syndroms ist komplex und erfordert eine sorgfältige klinische Beurteilung. Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.
Essentieller Tremor (ET)
Bei manchen Parkinsonpatienten steht der Tremor ganz im Vordergrund. In diesen Fällen muss der Tremor vom essentiellen Tremor (ET) abgegrenzt werden. Im Gegensatz zum Parkinsontremor ist der essentielle Tremor ein Aktionstremor, der auftritt, wenn eine Tätigkeit aktiv ausgeführt wird. Die Erkrankung nimmt in der Regel nach dem 40. Lebensjahr langsam zu, es entwickeln sich jedoch über das Zittern hinaus keine anderen Symptome.
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Sekundäre Parkinsonsyndrome
Sekundäre Parkinsonsyndrome können durch Traumata, Enzephalitis, Tumore oder Intoxikationen verursacht werden. Auch bestimmte Medikamente, wie manche Antikonvulsiva (Valproat und Lamotrigin), können ein Parkinson-Syndrom auslösen.
Normaldruckhydrozephalus (NPH)
Der Normaldruckhydrozephalus ist klinisch durch eine Trias aus Gangstörung, Harninkontinenz und dementieller Entwicklung gekennzeichnet.
Vaskuläres Parkinsonsyndrom
Das vaskuläre Parkinsonsyndrom tritt im Rahmen einer chronischen Durchblutungsstörung auf.
Atypische Parkinson-Syndrome
Parkinson-Syndrome im Rahmen anderer neurodegenerativer Krankheiten werden auch als atypische Parkinson-Syndrome bezeichnet. Zu diesen gehören:
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Parese (PSP)
- Kortikobasales Syndrom (CBS)
- Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK)
Genetische Ursachen des Parkinson-Syndroms
Die Vielzahl an genetischen (Mit-)Ursachen des Parkinson-Syndroms wird mit einem umfangreichen Panel Rechnung getragen, wobei alle bekannten Erbgänge vertreten sind. Monogen bedingte Parkinson-Erkrankungen machen allerdings nur 5-10% des gesamten Parkinson-Spektrums aus. Die DNA-diagnostische Ausbeute ist auch in der juvenilen Parkinson-Untergruppe mit bis zu 15% entdeckter pathogener Sequenzveränderungen niedrig.
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Genpanel zur genetischen Untersuchung
Ein umfassendes Genpanel zur genetischen Untersuchung des Parkinson-Syndroms umfasst eine Vielzahl von Genen, die mit der Erkrankung in Verbindung gebracht wurden. Die untersuchte Sequenzlänge beträgt 25,1 kb (Core-/Core-Kandidat-Gene) bzw. 119,0 kb (Erweitertes Panel: inkl. additional genes). Als Untersuchungsmaterial wird EDTA-Blut (3-5 ml) benötigt.
Loci und Gene
Das Genpanel umfasst unter anderem folgende Loci und Gene:
- ATP13A2
- ATP1A3
- C9orf72
- DCTN1
- DNAJC6
- FBXO7
- FTL
- GBA1
- GCH1
- GRN
- LYST
- MAPT
- OPA3
- PANK2
- PLA2G6
- PSAP1
- RAB39B
- SLC30A10
- SLC6A3
- SPG11
- SPR
- SYNJ1
- TAF1
- TBP
- TH
- TUBB4A
- VPS13A
- VPS13C
- WDR45
- ADC1
- CSF1R
- LRRK2
- PARK7
- PINK1
- PRKN
- PRKRA
- SNCA
- VPS35
- ATN1
- ATXN1
- ATXN2
- ATXN3
- COASY
Erkrankungen im Zusammenhang mit den Genen
Die im Genpanel enthaltenen Gene sind mit einer Vielzahl von Erkrankungen assoziiert, darunter:
- Cerebellar Ataxia, areflexia, Pes cavus, Optic atrophy, Sensorineural hearing loss (ATP1A3)
- Ceroid lipofuscinosis, neuronal, 11 (GRN)
- Chediak-Higashi syndrome (LYST)
- Congenital hypotonia, epilepsy, developmental delay, + digital anomalies (ATN1)
- Dementia, frontotemporal, with or without parkinsonism (MAPT)
- Dentatorubral-pallidoluysian atrophy (ATN1_CAG)
- Dystonia 16 (PRKRA)
- Dystonia 4, torsion, AD (TUBB4A)
- Dystonia, DOPA-responsive, with/-out hyperphenylalaninemia (GCH1)
- Dystonia, dopa-responsive, due to sepiapterin reductase deficiency (SPR)
- Dystonia-12 (ATP1A3)
- Dystonia-12 (C19orf12)
- Dystonia-Parkinsonism, X (TAF1)
- Frontotemporal dementia and/or amyotrophic lateral sclerosis 1 (C9orf72_GGGGCC)
- Frontotemporal lobar degeneration with ubiquitin-positive inclusions (GRN)
- HARP syndrome, Hypoprebetalipoproteinemia, Acanthocytosis, Ret. pigm., Pallidal degeneration (PANK2)
- Huntington disease (HTT_CAG)
- Huntington disease-like 2 (JPH3_CAG)
- Hyperferritinemia-cataract syndrome (FTL)
- Hypermanganesemia with dystonia 1 (SLC30A10)
- Hypermanganesemia with dystonia 2 (SLC39A14)
- Kufor-Rakeb syndrome (ATP13A2)
- L-ferritin deficiency, AD, AR (FTL)
- Leukodystrophy, hypomyelinating, 6 (TUBB4A)
- Leukoencephalopathy, diffuse hereditary, with spheroids (CSF1R)
- Levodopa-responsive Parkinson disease +/- atypical features GeneReviews
- Machado-Joseph disease (ATXN3_CAG)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 1 (PANK2)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 2B (PLA2G6)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 3 (FTL)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 4 (C19orf12)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 5 (WDR45)
- Neurodegeneration with brain iron accumulation 6 (COASY)
- Parkinson disease 1 (SNCA)
- Parkinson disease 11 (GIGYF2)
- Parkinson disease 13 (HTRA2)
- Parkinson disease 14, AR (PLA2G6)
- Parkinson disease 15, AR (FBXO7)
- Parkinson disease 17 (VPS35)
- Parkinson disease 18 (EIF4G1)
- Parkinson disease 19a, juvenile-onset (DNAJC6)
- Parkinson disease 19b, early-onset (DNAJC6)
- Parkinson disease 2, juvenile (PRKN)
- Parkinson disease 20, early-onset (SYNJ1)
- Parkinson disease 22, AD (CHCHD2)
- Parkinson disease 23, AR, early onset (VPS13C)
- Parkinson disease 24, AD, susceptibility to (PSAP)
- Parkinson disease 4 (SNCA)
- Parkinson disease 5, susceptibility to (UCHL1)
- Parkinson disease 6, early onset (PINK1)
- Parkinson disease 7, AR early-onset (PARK7)
- Parkinson disease 8 (LRRK2)
- Parkinson disease 9, Kufor-Rakeb, Pallidopyramid. deg. + supranucl. upgaze paresis, dement (ATP13A2)
- Parkinson disease, late-onset, susceptibility to (ATXN2:CAG)
- Parkinson disease, late-onset, susceptibility to (GBA1)
- Parkinson disease, susceptibility to (MAPT)
- Parkinson disease, susceptibility to (TBP_CAG)
- Parkinsonism, intellectual disability (PTRHD1)
- Parkinsonism-dystonia, infantile, 1 (SLC6A3)
- Perry syndrome, Parkinsonism, alveolar hypoventil., mental depression (DCTN1)
- Pick disease (MAPT)
- Pontocerebellar hypoplasia, type 12 (COASY)
- Segawa syndrome, AR (TH)
- Spastic paraplegia 11, AR (SPG11)
- Spastic paraplegia 43, AR (C19orf12)
- Spastic paraplegia 79A, AD (UCHL1)
- Spastic paraplegia 79B, AR (UCHL1)
- Spinocerebellar ataxia 1 (ATXN1_CAG)
- Spinocerebellar ataxia 12 (PPP2R2B)
- Spinocerebellar ataxia 17 (TBP_CAG)
- Spinocerebellar ataxia 2 (ATXN2_CAG)
- Supranuclear palsy, progressive (MAPT)
- Supranuclear palsy, progressive atypical (MAPT)
- Waisman syndrome, Parkinsonism, early onset, mental retardation (RAB39B)
Erbgänge
Die genetischen Formen des Parkinson-Syndroms können autosomal-dominant (AD), autosomal-rezessiv (AR), X-chromosomal (XL) oder X-chromosomal-rezessiv (XLR) vererbt werden. Einige Gene weisen auch eine Suszeptibilität (Sus) auf, was bedeutet, dass sie das Risiko für die Entwicklung der Erkrankung erhöhen, aber nicht unbedingt die Ursache sind.
Test-Stärken
Die genetische Untersuchung des Parkinson-Syndroms bietet eine Reihe von Vorteilen:
- DAkkS-akkreditiertes Labor
- EU-Richtlinie für IVD in Umsetzung
- Qualitätskontrolliert arbeitendes Personal
- Leistungsstarke Sequenzierungstechnologien, fortschrittliche Target-Anreicherungsmethoden und Präzisions-Bioinformatik-Pipelines
- Sorgfältige Kuratierung klinisch relevanter und wissenschaftlich begründeter Gen-Panels
- Erfassung einer Vielzahl nicht Protein-kodierender Varianten
- Strenges Variantenklassifizierungsschema nach ACMG-Kriterien
- Systematischer klinischer Interpretations-Workflow mit proprietärer Software
- Umfassende klinische Aussagen
Testeinschränkungen
Es ist wichtig zu beachten, dass die genetische Untersuchung des Parkinson-Syndroms auch Einschränkungen aufweist:
- Gene mit eingeschränkter Abdeckung werden gekennzeichnet
- Gene mit kompletten oder partiellen Duplikationen werden gekennzeichnet
- Die Sensitivität der Diagnostik zur Erkennung von Varianten mit genannten Testeinschränkungen ist möglicherweise begrenzt bei:
- Gen-Konversionen
- Komplexe Inversionen
- Balancierte Translokationen
- Mitochondriale Varianten
- Repeat-Expansionen, sofern nicht anders dokumentiert
- Nicht kodierende Varianten, die Krankheiten verursachen, die von diesem Panel nicht mit abgedeckt werden
- Niedriger Mosaik-Status
- Repeat-Blöcke von Mononukleotiden
- Indels >50bp (Insertionen-Deletionen)
- Deletionen oder Duplikationen einzelner Exons
- Varianten innerhalb von Pseudogenen
- Die analytische Sensitivität kann geringer ausfallen werden, wenn die DNA nicht von amedes genetics extrahiert wurde
Apparative Zusatzdiagnostik
Die apparative Zusatzdiagnostik dient im Wesentlichen dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Sie kann auch zur Unterstützung der klinischen Diagnose und zur Differentialdiagnose atypischer Parkinson-Syndrome eingesetzt werden.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eine wichtige Methode zum Ausschluss symptomatischer Ursachen und zur Identifizierung bildmorphologischer Hinweise für das Vorliegen eines atypischen Parkinson-Syndroms.
DAT-Scan
Der DAT-Scan ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden. Er kann zur Differentialdiagnose zwischen idiopathischem Parkinson-Syndrom und anderen Erkrankungen mit dopaminerger Dysfunktion eingesetzt werden.
Therapie
Parkinson ist eine degenerative neurologische Erkrankung, die das extrapyramidal-motorische System und die Basalganglien betrifft und nicht kausal therapiert werden kann. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie des Parkinson-Syndroms umfasst in erster Linie dopaminerge Medikamente, wie Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer. Diese Medikamente können die motorischen Symptome verbessern, haben aber auch Nebenwirkungen, wie Dyskinesien und psychische Störungen.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die neuronalen Schaltkreise zu modulieren. Die THS kann die motorischen Symptome des Parkinson-Syndroms verbessern und die Lebensqualität der Patienten steigern.
Andere Therapien
Ergänzende Therapien, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, können ebenfalls zur Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität beitragen.
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