Sklerose der Patellarrückfläche: Ursachen, Behandlung und Management

Das Kniegelenk ist ein komplexes Gebilde, das aus Kniescheibe (Patella), Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia) besteht. Die Kniescheibe gleitet in einer Rinne (Trochlea) am Ende des Oberschenkelknochens und ist für die Streckbewegung des Knies unerlässlich. Die Retropatellararthrose, auch Kniescheibenarthrose genannt, bezeichnet den Knorpelverschleiß hinter der Kniescheibe. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der Retropatellararthrose.

Einführung

Die Retropatellararthrose ist eine Form der Kniearthrose, bei der der Knorpel hinter der Kniescheibe degeneriert. Dies kann zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer verminderten Lebensqualität führen. Die Erkrankung betrifft häufig Menschen, die einer hohen Belastung des Knies ausgesetzt sind, wie z. B. Sportler oder Personen mit bestimmten Berufen.

Ursachen der Retropatellararthrose

Die Hauptursache der Retropatellararthrose ist die Überlastung des Kniegelenks. Dies kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:

  • Überlastung: Personen, die beruflich viel knien oder schwere Lasten tragen, sind anfälliger. Sportarten mit hoher Sprungbelastung wie Volleyball oder Basketball belasten die Patellasehne besonders stark, auch beim Fußball spielen schnelle Richtungswechsel und Sprints eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Patellaspitzensyndroms.
  • Fehlstellungen der Kniescheibe: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen können zu einer ungleichmäßigen Belastung des Knorpels führen. Eine mangelnde Passung von Kniescheibe und ihrer Gleitrinne am Oberschenkel (Patelladysplasie) kann ursächlich sein für die Entstehung einer Arthrose.
  • Verletzungen: Knieverletzungen wie Kniescheibenbrüche oder Knorpelschäden können die Entstehung einer Arthrose begünstigen. Auch die Rekonstruktion eines vorderen Kreuzbandes nach Ruptur durch Verwendung eines Teils der Patellasehne kann zu einer patellofemoralen Arthrose beitragen.
  • Muskuläre Dysbalancen: Eine verkürzte oder verspannte Oberschenkelmuskulatur, insbesondere der Quadrizeps, erhöht die Zugspannung auf die Patellasehne.
  • Fußfehlstellungen: Knick-Senk-Füße, Plattfüße oder andere Fehlstellungen verändern die Biomechanik des gesamten Beins und können die Belastung auf die Kniescheibensehne ungünstig beeinflussen.
  • Allgemeine Faktoren: Übergewicht und zunehmendes Alter erhöhen das Risiko einer Arthrose.
  • Genetische Prädisposition: Es wird angenommen, dass genetische Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen können.

Symptome der Retropatellararthrose

Die Symptome der Retropatellararthrose entwickeln sich meist schleichend und können je nach Stadium der Erkrankung variieren:

  • Schmerzen: Vordergrundig stehen Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, die sich bei Belastung, insbesondere beim Treppenabwärtsgehen, Bergablaufen, Knien, Hocken oder Aufstehen aus der Hocke, verstärken. Auch belastungs- und bewegungsabhängige vordere Knieschmerzen sowie eine teilweise starke Unsicherheit im Kniegelenk sind typisch.
  • Bewegungseinschränkungen: Das Beugen und Strecken des Knies kann schmerzhaft und eingeschränkt sein.
  • Steifigkeit: Das Knie kann sich nach Ruhephasen steif anfühlen.
  • Knirschen: Ein Knirschen oder Reiben im Kniegelenk kann bei Bewegungen auftreten ("Kaffeemühle").
  • Schwellung: Bei einer entzündlich aktivierten Arthrose kann das Kniegelenk anschwellen und sich warm anfühlen (Kniegelenkserguss).
  • Blockaden: In manchen Fällen kann das Knie blockieren, insbesondere wenn bereits Knochen auf Knochen reiben.

Diagnose der Retropatellararthrose

Die Diagnose der Retropatellararthrose erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren:

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  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und Dauer der Beschwerden, Vorerkrankungen und sportlichen Aktivitäten. Im Anamnesegespräch fragt der Orthopäde nach Schmerzen und Symptomen. Hat der Patient in seinem bisherigen Leben bereits eine Historie mit wiederkehrenden vorderen Knieschmerzen oder Kniescheibenverrenkungen? Dies ist ein wichtiger Hinweis für die Untersuchung. Auch Ereignisse wie Unfälle mit Prellung der Kniescheibe, besondere berufliche Belastungen, eine Patellasubluxation (seitliche Verlagerung der Kniescheibe) oder eine chronische Patellaluxation kommen zur Sprache.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Kniegelenk auf Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit, Bewegungseinschränkungen und Instabilität. Dann erfolgt die klinische Untersuchung. Der Kniespezialist prüft Beweglichkeit und Stabilität des Kniegelenks. Er beobachtet den Gang des Patienten. Dabei analysiert der Orthopäde besonders auch die Beweglichkeit der Patella bei der Kniebeugung. Er erkennt zudem Schwellungen um das Kniegelenk und prüft eine mögliche Überwärmung wegen einer entzündlich aktivierten Arthrose in diesem Bereich.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen: Röntgenaufnahmen können den Gelenkspalt verkleinert und Knochenanbauten (Osteophyten) sichtbar machen. Die Defilee-Aufnahme des Kniegelenks ist das wichtigste Mittel zur Diagnose des Gelenkspaltes im patellofemoralen Gelenk. Dabei liegt der Patient mit angewinkelten Beinen auf dem Röntgentisch. Der Abstand der Patella zur femoralen Gleitrinne kann so ideal dargestellt werden. Ebenso wichtig ist die seitliche Röntgenaufnahme des Kniegelenks.
    • MRT (Magnetresonanztomografie): Eine MRT kann Knorpelschäden, Meniskusverletzungen und andere Weichteilschäden darstellen. Wenn eine Deformation oder eine fehlende Passung der Patella zur femoralen Gleitrinne befürchtet wird, kann eine MRT-Aufnahme (Magnetresonanztomografie) sinnvoll sein.
    • Ultraschall: Mit dem Ultraschall lassen sich vor allem die beweglichen Strukturen des Kniegelenks gut untersuchen.

Behandlung der Retropatellararthrose

Die Behandlung der Retropatellararthrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Progression der Erkrankung zu verlangsamen. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Arthrose und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Im Allgemeinen werden konservative und operative Behandlungsmethoden unterschieden.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung umfasst:

  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei stärkeren Schmerzen kann eine Orthese die Patella entlasten und die Beweglichkeit vorübergehend einschränken. Dies trägt zum Rückgang der Schmerzen bei. Durch schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika) können Knieschmerzen und Entzündungen bei Retropatellararthrose kontrolliert werden. In Fällen schwerer Entzündungen kann eine Kortisoninjektion kurzfristig Erleichterung schaffen. Als Dauermedikation ist Kortison aber nicht geeignet.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit verbessern und die Koordination schulen. Bewegung im Rahmen von gezielter Krankengymnastik spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung. Besonders wenn Ihre Retropatellararthrose aufgrund einer instabilen Kniescheibe entstanden ist, sollten Sie die Muskulatur trainieren, um mehr Stabilität zu erreichen. Übungen für eine bessere Koordination und eine Kräftigung der Muskeln sind am besten, um das Knie zu stärken. Welche Übungen im Einzelfall Sinn machen, klärt der Physiotherapeut mit Ihnen. Die Symptome einer Kniescheibenarthrose bessern sich häufig durch Kräftigung des großen Oberschenkelmuskels.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht belastet das Kniegelenk zusätzlich. Eine Gewichtsreduktion kann die Beschwerden lindern. Auch Gewichtsreduktion ist in vielen Fällen eine unmittelbar wirksame Maßnahme, die die Symptome verbessert.
  • Orthesen und Bandagen: Kniebandagen können die Kniescheibe stabilisieren und die Belastung reduzieren. Bandagen und Taping: Bandagen werden immer nur in Kombination mit Krankengymnastik verschrieben, damit das Knie langfristig ohne äußeren Stabilisator auskommt.
  • Injektionen: Injektionen mit Hyaluronsäure können die Gleitfähigkeit des Kniegelenks verbessern. Diese Viscosupplementation ist ebenfalls keine kausale Therapie der retropatellaren Arthrose. Die Hyaluronsäureinjektion kann nur erfolgversprechend durchgeführt werden, solange noch hinreichend Knorpel vorhanden ist. Wenn keine Knorpeloberfläche mehr vorhanden ist und die Knochen aufeinander reiben, kommt die konservative Therapie der patellofemoralen Kniearthrose an ihre Grenzen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, die Schmerzen zu lindern - das zeigen auch Studien. Sie wird vor allem bei chronischen Beschwerden eingesetzt. Die Krankenkasse kommt für die Behandlung auf. Hier erfahren Sie mehr.
  • Lebensstiländerungen: Bestimmte Aktivitäten, die das Knie belasten, sollten vermieden werden. Durch Verhaltensanpassungen, wie die Einschränkung bestimmter Bewegungen wie Treppensteigen oder in die Hocke gehen, kann der Patient Patellaschmerzen weiter vermeiden. Sport: Schwimmen, Wandern und Nordic Walking schonen das Knie.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Art und Ausmaß der Knorpelschädigung eingesetzt werden können:

  • Arthroskopie: Eine Gelenkspiegelung kann zur Diagnose und Behandlung von Knorpelschäden eingesetzt werden. Dabei können beschädigte Knorpelteile entfernt und die Gelenkflächen geglättet werden. Dabei führen Experten zunächst eine Gelenkspiegelung, auch Arthroskopie genannt, durch, um sich ein Bild von der Erkrankung zu machen. Währenddessen lassen sich auch bereits beschädigte Bereiche ausräumen. Diese Vorgehensweise wird vor allem bei älteren Patienten gewählt. Bei ihnen ist häufig der Knorpelschaden des gesamten Gelenks so weit fortgeschritten, dass eine spezielle Behandlung der Retropatellararthrose keinen Sinn macht. Bei ihnen muss das gesamte Kniegelenk behandelt werden.
  • Knorpelzelltransplantation: Bei dieser Methode werden Knorpelzellen aus einem gesunden Bereich des Knies entnommen, vermehrt und in den geschädigten Bereich transplantiert. Bei der Knorpelzelltransplantation wird körpereigener Gelenkknorpel des Patienten in die Knorpelschäden hinter der Patella eingebracht. Solange die Knorpelschäden nur eine der beiden Gelenkfläche betreffen, ist diese Therapie noch möglich. Bei kleinen Knorpelschäden besteht die Möglichkeit, den Knorpel hinter der Patella wieder nachwachsen zu lassen. In einer arthroskopischen Operation wird ein kleines Knorpelstück (etwa die Menge eines Reiskorns) aus einem wenig belasteten Teil des retropatellaren Knorpels herausgelöst. Diese Knorpelmasse wird in einem Speziallabor vermehrt. Nach 6 bis 8 Wochen werden diese Zellen in einem weiteren arthroskopischen Vorgehen direkt auf die Schadstellen hinter der Patella aufgebracht. In ca. 3 Monaten differenzieren sich die Knorpelzellen wieder zu festem, wasserbindendem und stabilem Knorpelgewebe aus. Diese autologe Knorpeltransplantation (Verpflanzung von körpereigenem Knorpelzellen des Patienten) kommt vor allem für jüngere Patienten infrage.
  • Umstellungsosteotomie: Bei einer Fehlstellung des Beines kann eine Umstellungsosteotomie durchgeführt werden, um die Belastung auf das Kniegelenk zu verändern. Als indirekte Methoden haben sich gelenknahe Umstellungs- und Korrekturosteotomien bei der Behandlung von Knorpelschäden bewährt und können besonders bei assoziierten Fehlstellungen oft sinnvoll kombiniert werden.
  • Teilprothese (Schlittenprothese): Wenn nur ein Teil des Kniegelenks von Arthrose betroffen ist, kann eine Teilprothese eingesetzt werden, die nur den geschädigten Bereich ersetzt. Wenn ein gelenkerhaltendes Vorgehen nicht mehr möglich ist, weil der Knorpel komplett abgenutzt ist, kann eine Knieteilprothese das patellofemorale Gelenk ersetzen.
  • Totalprothese: Bei einer fortgeschrittenen Arthrose kann eine Totalprothese eingesetzt werden, die das gesamte Kniegelenk ersetzt. Ist eine Totalprothese eingesetzt worden, erhalten die Betroffenen womöglich einen Behindertenausweis.

Prävention der Retropatellararthrose

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, die Entstehung einer Retropatellararthrose zu verhindern oder zu verzögern:

  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Tätigkeiten, die das Kniegelenk stark belasten, insbesondere wenn Sie bereits Vorerkrankungen haben.
  • Kräftigung der Muskulatur: Stärken Sie die Muskulatur rund um das Kniegelenk, um es zu stabilisieren und zu entlasten.
  • Gewichtsmanagement: Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, um die Belastung auf das Kniegelenk zu reduzieren.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren kann Entzündungen entgegenwirken. Ernährung: Rotes Fleisch und Zucker gelten als Entzündungstreiber. Meerfisch oder Pflanzenöle haben dagegen einen entzündungshemmenden Effekt.
  • Regelmäßige Bewegung: Moderate Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Walking kann die Knorpelernährung fördern und die Gelenke geschmeidig halten.

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