Neurofeedback-Studien zur Behandlung von Trigeminusneuralgie: Ein Überblick

Kopfschmerzerkrankungen gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, werden jedoch oft unterschätzt. Die Migräne, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit zählt und 12-15 Prozent der Bevölkerung betrifft, ist ein Beispiel dafür. Neben medikamentösen und psychotherapeutischen Methoden werden zunehmend auch physikalische Techniken zur Modulation neuronaler Aktivität eingesetzt. Eine dieser Techniken ist das Neurofeedback, das in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Forschung gerückt ist.

Neurofeedback: Ein Überblick

Neurofeedback ist eine spezielle Form neuromodulatorischer Methoden, bei der dem Patienten Informationen über seine Gehirnaktivität in Echtzeit rückgemeldet werden. Im Gegensatz zu anderen Verfahren erfolgt dabei keine Stimulation von außen. Der Klient bekommt eine Elektrodenkappe aufgesetzt, mit der die Gehirnaktivität gemessen wird (EEG). Das ist vollkommen schmerzfrei, da es sich nur um eine Messung handelt und nichts unter die Haut oder in das Gehirn eingeführt wird. Während dieser Messung, beobachte ich an einem Bildschirm die Gehirnwellen. Auch der Klient kann seiner Gehirnaktivität zuschauen. Diese Möglichkeit wird im Neurofeedback dazu genutzt, innere Prozesse, die sonst unbewusst ablaufen und nicht beobachtet werden können. Das eigentliche Training findet dann statt, wenn die Gehirnaktivität bestimmte Parameter erreicht. Um an diesem Training teilzunehmen, bedarf es keiner intellektuellen Fähigkeiten oder Vorkenntnisse.

Trigeminusneuralgie: Eine Herausforderung

Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch heftige, stechende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Die Schmerzen werden durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht, der für die Sensibilität im Gesichtsbereich zuständig ist. Die Behandlung der Trigeminusneuralgie kann schwierig sein und umfasst in der Regel Medikamente oder operative Eingriffe.

Neurofeedback bei Trigeminusneuralgie: Fallstudien und Forschungsergebnisse

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Neurofeedback eine vielversprechende Behandlungsoption für Trigeminusneuralgie sein könnte.

Fallstudie von Sime (2004)

Eine Fallstudie von Sime (2004) untersuchte die Anwendung von Neurofeedback und peripherem Biofeedback bei einer 46-jährigen Frau mit Trigeminusneuralgie. Die Klientin erhielt über 9 Monate 10 Biofeedback-Sitzungen, 29 Neurofeedback-Sitzungen sowie Übungen zu Stressmanagement und Beratung. Die Ergebnisse zeigten eine substantielle Reduktion der Schmerzen und des Bruxismus sowie eine Verbesserung der Schlafqualität. Das Programm ermöglichte der Klientin, eine Operation zu umgehen und stattdessen mit der medikamentösen Behandlung fortzufahren. Nach 13 Monaten berichtete die Klientin, einen aktiven Lebensstil zu leben.

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Weitere Forschungsergebnisse

Neben der Fallstudie von Sime (2004) gibt es weitere Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass Neurofeedback bei der Behandlung von Schmerzen wirksam sein kann. Studien haben gezeigt, dass repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), eine andere Form der Neuromodulation, bei neuropathischen Schmerzen, einschließlich Trigeminusneuralgie, erfolgreich eingesetzt werden kann. Es konnten deutliche Therapieeffekte auf die Schmerzintensität und die Lebensqualität gezeigt werden. Der überwiegende Teil der Studien fand an Universitätskliniken statt und war unabhängig von Geräteherstellern.

Neurofeedback und Biofeedback bei chronischen Schmerzen

Auch andere Studien deuten auf die Wirksamkeit von Biofeedback bei chronischen Schmerzen hin. Eine Studie untersuchte den Nutzen von Oberflächen-EMG bei Klienten mit chronischen Schluckstörungen nach einem Schlaganfall. Das Oberflächen-EMG war eine adjuvante Behandlung zusätzlich zu normalen Übungen. Alle Klienten wurden bereits logopädisch behandelt, dies aber ohne Erfolg. Im Schnitt fanden 7 Behandlungen statt und es zeigten sich klinisch relevante Verbesserungen. Bei 6 von 8 Klienten konnte eine vorher vorhandene Nahrungsröhre entfernt werden.

Neurofeedback bei Migräne: Parallelen und Unterschiede

Obwohl sich dieser Artikel auf Neurofeedback bei Trigeminusneuralgie konzentriert, ist es wichtig, auch die Anwendung von Neurofeedback bei Migräne zu erwähnen, da es einige Parallelen und Unterschiede gibt.

Neurofeedback zur Unterstützung der Migränebehandlung

In einer Studie untersucht ein interdisziplinäres Team den möglichen Einsatz von Neurofeedback zur Unterstützung der Migränebehandlung. Zu diesem Zweck finden in Kooperation mit der Universität Würzburg hochauflösende EEG-Messungen an je 30 Personen mit und ohne Migräne statt. „Hierdurch möchten wir die Gehirnprozesse identifizieren, die am Vermeidungsverhalten von Menschen mit Migräne beteiligt sind, und das beste Stimulationsziel für eine Neurofeedback-Modulation auswählen. Dadurch sollen die Betroffenen ein ausgeglichenes und bewusstes Verhalten zu den individuellen Auslösern ihrer Migräne erlangen."

Biofeedback bei Migräne: Unterschiedliche Bewertungen

Die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt die Biofeedback-Therapie mit Verweis auf die Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Metaanalysen kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, dass sowohl Entspannungsverfahren als auch verschiedene Biofeedback-Verfahren im Mittel eine Reduktion der Migränehäufigkeit um 35-45 % erreichen. Die Effektstärke dieser Verfahren liege damit in dem Bereich, der für Propranolol angegeben werde. Biofeedbackverfahren werden zur Prophylaxe der Migräne empfohlen. Sie können statt oder in Kombination mit einer medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.

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Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund hat den Nutzen oder Schaden einer Biofeedback-Therapie bei Migräne hingegen als „unklar“ eingestuft. Das Team des IGeL-Monitors bemängelte, dass die Biofeedback-Therapie nicht einzeln, sondern nur als Teil einer kognitiven Ver­haltenstherapie untersucht, weil sie nur mit Kindern und nicht mit Erwachsenen durchgeführt oder weil die Migräne nicht separat, sondern zusammen mit Spannungskopfschmerzen betrachtet wurde.

Repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist eine weitere nicht-invasive Methode, die bei der Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt wird. Bei der rTMS wird ein Magnetfeld erzeugt, das in der Lage ist, die Schädeldecke ungehindert zu passieren und im Zielbereich des Magnetfeldes kleine Ströme zu induzieren, wodurch Nervenzellen stimuliert werden.

Anwendung von rTMS

rTMS besteht aus einer regelmäßigen Abfolge von 1 000 bis maximal 50.000 Impulsen (Frequenzen von 1-50 Hz). Der Zielpunkt für die rTMS-Therapie richtet sich nach der zu behandelnden Erkrankung und wurde in wissenschaftlichen Studien ermittelt. Das Magnetfeld wirkt bis zu einer Tiefe von 2-3 cm. Durch die Verwendung der sogenannten Achterspulen läßt sich das Magnetfeld bündeln und genau auf den Zielpunkt ausrichten. Der Patient hört den Impuls in Form eines „Klicks“ und spürt dabei ein Kribbeln an der Kopfhaut.

rTMS bei Depressionen

Die größten und ermutigendsten Erfahrungen mit dieser Therapiemethode liegen für die Behandlung depressiver Patienten vor. In unserer Praxis werden vor allem Patienten mit therapieresistenter somatisierter Depression oder somatisierter Angst mit der rTMS behandelt.

rTMS bei chronischen Schmerzen

Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen gute Wirksamkeit von rTMS bei Erkrankungen mit gleichzeitig biologischem und psychologischem Hintergrund: den chronischen Schmerzen, hier v.a. bei Fibromyalgie und neuropathischen Schmerzen. Neuropathischer Schmerz bei Trigeminusneuralgie und sogenannten zentralen Schmerzen (die von Gehirn oder Rückenmark ausgehen) konnten in plazebokontrollierten Studien mit rTMS-Therapie erfolgreich behandelt werden.

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Sicherheitshinweise zu rTMS

Einer der großen Vorzüge der rTMS ist, daß im Gegensatz zu den konventionellen Verfahren (vor allem im Gegensatz zur Pharmakotherapie), nur sehr selten Nebenwirkungen auftreten, dass sie (wenn überhaupt) nur während oder unmittelbar nach der Behandlung entstehen und nach kurzer Zeit ohne Gegenmaßnahmen wieder abklingen.

Weitere Neuromodulationsverfahren

Neben Neurofeedback und rTMS gibt es noch eine Reihe weiterer Neuromodulationsverfahren, die in der Forschung und Anwendung sind. Dazu gehören die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), die tiefe Hirnstimulation (DBS) und die Vagusnervstimulation (VNS). Diese Verfahren haben unterschiedliche Wirkmechanismen und Anwendungsgebiete.

Die Bedeutung personalisierter Behandlungspläne

Abschließend lässt sich sagen, dass die Behandlung von Trigeminusneuralgie und anderen chronischen Schmerzerkrankungen eine individuelle Herangehensweise erfordert. Es ist entscheidend, dass Patienten gemeinsam mit ihren Ärzten einen personalisierten Behandlungsplan entwickeln, der auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Symptome zugeschnitten ist. Neurofeedback und andere Neuromodulationsverfahren können dabei eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsmethoden darstellen.

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