Pregabalin, bekannt unter dem Handelsnamen Lyrica, ist ein vielseitiges Medikament, das in der Neurologie und Psychiatrie breite Anwendung findet. Ursprünglich als Antiepileptikum entwickelt, wird es heute auch zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und generalisierten Angststörungen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Pregabalin auf Gehirnzellen, seine Anwendungsgebiete, Dosierungsempfehlungen und potenzielle Risiken, einschließlich der zunehmenden Besorgnis über Missbrauch und Abhängigkeit.
Was ist Pregabalin?
Pregabalin und Gabapentin sind verschreibungspflichtige Medikamente, die zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Angststörungen und Epilepsie eingesetzt werden können. Pregabalin wirkt im zentralen Nervensystem und hemmt dort die Weiterleitung von Schmerz- und Stresssignalen. Auch Gabapentin wirkt im zentralen Nervensystem und hemmt dort die Reizweiterleitung zwischen Nervenzellen.
Wirkmechanismus von Pregabalin
Pregabalin ist ein Gamma-Aminobuttersäure (GABA)-Analogon, das die Erregbarkeit der Neuronen im zentralen Nervensystem senkt. Es bindet selektiv und mit hoher Affinität an die Alpha2-delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle auf Nervenzellmembranen. Dadurch moduliert Pregabalin den Calciumionen-Einstrom in die Nervenzelle und hemmt die Freisetzung von Neurotransmittern wie Glutamat, Noradrenalin und des Neuropeptids Substanz P. Diese Neurotransmitter sind an der Schmerzübertragung, Erregungsleitung und Angstregulation beteiligt.
Anwendungsgebiete von Pregabalin
Pregabalin kommt bei Erwachsenen bei verschiedenen Erkrankungen zum Einsatz:
- Epilepsie: Pregabalin mindert die Anfallshäufigkeit bei speziellen Formen der Epilepsie, insbesondere bei partiellen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung.
- Neuropathische Schmerzen: Pregabalin hemmt die Ausschüttung von Botenstoffen, die für das Kribbeln und Brennen bei Nervenschmerzen (Neuropathien) verantwortlich sind. Es wird sowohl bei peripheren neuropathischen Schmerzen (z.B. diabetische Polyneuropathie, Post-Zoster-Neuralgie) als auch bei zentralen neuropathischen Schmerzen (z.B. nach Rückenmarkverletzungen, Schlaganfall oder Multipler Sklerose) eingesetzt.
- Generalisierte Angststörungen: Pregabalin wirkt angstlösend und kann die Symptome von generalisierten Angststörungen reduzieren.
Dosierung und Einnahme von Pregabalin
Kapseln oder Lösungen mit Pregabalin werden normalerweise zwei- bis dreimal täglich eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Die empfohlene Dosis variiert je nach Indikation und liegt zwischen 150 und 600 mg täglich. Die Behandlung erfolgt einschleichend, um die Verträglichkeit zu verbessern.
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- Neuropathische Schmerzen: Die Therapie beginnt mit 150 mg täglich, verteilt auf zwei oder drei Einzeldosen. Je nach individuellem Ansprechen und Verträglichkeit kann die Dosis nach einigen Tagen verdoppelt und nach zwei Wochen auf maximal 600 mg täglich erhöht werden.
- Epilepsie: Die Therapie beginnt mit 150 mg täglich, verteilt auf zwei oder drei Einzeldosen. Je nach individuellem Ansprechen und Verträglichkeit kann die Dosis nach einer Woche verdoppelt und nach einer weiteren Woche auf maximal 600 mg täglich erhöht werden.
- Generalisierte Angststörungen: Die Therapie beginnt mit 150 mg täglich, verteilt auf zwei oder drei Einzeldosen. Je nach individuellem Ansprechen und Verträglichkeit kann die Dosis nach einer Woche verdoppelt, nach einer weiteren Woche auf 450 mg täglich und nach einer weiteren Woche auf maximal 600 mg täglich erhöht werden.
Pharmakokinetik von Pregabalin
Auf leeren Magen wird Pregabalin schnell resorbiert, wobei die maximale Plasmakonzentration innerhalb einer Stunde erreicht wird. Bei wiederholter Einnahme wird der Steady-State nach 24 bis 48 Stunden erreicht. Die Einnahme zu den Mahlzeiten kann die Resorption verzögern, beeinflusst aber nicht die Resorptionsrate. Pregabalin wird im Körper kaum metabolisiert und unverändert renal ausgeschieden, weshalb eine Dosisanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich ist. Die Halbwertszeit beträgt bei nierengesunden Patienten etwa 6,5 Stunden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Da Pregabalin fast nicht metabolisiert, sondern unverändert über die Nieren ausgeschieden wird, ist das Wechselwirkungspotenzial vergleichsweise gering. Dennoch sind Wechselwirkungen mit folgenden Wirkstoffen möglich:
- Lorazepam
- Andere zentral dämpfende Wirkstoffe
- Opioide
Unter Einnahme von Pregabalin sollte auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden, da sich die dämpfenden Effekte verstärken können.
Nebenwirkungen von Pregabalin
Zu den häufigsten Nebenwirkungen unter Pregabalin-Therapie zählen Benommenheit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
- Sehr häufig: Benommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen
- Häufig: Nasopharyngitis, gesteigerter Appetit, Euphorie, Verwirrung, Reizbarkeit, Desorientierung, Schlaflosigkeit, Libidoverlust, Ataxie, Koordinationsstörungen, Tremor, Dysarthrie, Amnesie, Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Parästhesie, Hypästhesie, Sedierung, Gleichgewichtsstörungen, Lethargie, verschwommenes Sehen, Diplopie, Vertigo, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Diarrhoe, Flatulenz, aufgeblähter Bauch, Mundtrockenheit, Muskelkrämpfe, Arthralgie, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten, zervikale Spasmen, erektile Dysfunktion, (periphere) Ödeme, Gangstörungen, Stürze, Trunkenheitsgefühl, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme.
Kontraindikationen und Warnhinweise
Pregabalin darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Therapie mit Pregabalin auf eine sichere Verhütung achten. Während der Schwangerschaft darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden, es sei denn, der Nutzen für die Mutter überwiegt das Risiko für den Feten. Da Pregabalin in die Muttermilch übergeht, muss sorgfältig entschieden werden, ob das Stillen oder die Therapie mit dem Arzneimittel unterbrochen wird.
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Weitere Warnhinweise umfassen:
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Anzeichen eines Angioödems (Schwellung von Gesicht, Zunge oder Rachen) muss Pregabalin sofort abgesetzt werden.
- Benommenheit und geistige Beeinträchtigung: Pregabalin kann Schläfrigkeit und Verwirrtheit verursachen, was insbesondere bei älteren Patienten das Sturzrisiko erhöhen kann.
- Sehstörungen: Unter Pregabalin-Behandlung können Sehprobleme auftreten.
- Nierenversagen: In seltenen Fällen wurde über reversibles Nierenversagen berichtet.
- Entzugssymptome: Nach dem Absetzen von Pregabalin können Entzugssymptome auftreten.
- Herzinsuffizienz: Bei einigen Patienten, insbesondere älteren mit kardiovaskulären Erkrankungen, wurde über Herzinsuffizienz berichtet.
- Suizidale Gedanken und suizidales Verhalten: Einige Patienten, die mit Antiepileptika, einschließlich Pregabalin, behandelt wurden, berichteten über suizidale Gedanken und Verhalten.
- Verringerte Funktionalität des unteren Gastrointestinaltrakts: Fälle von Darmobstruktion und Verstopfung wurden berichtet, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die zu Verstopfung führen können (z.B. Opioidanalgetika).
- Nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch und Missbrauchspotenzial: Es wurden Fälle von Missbrauch und Abhängigkeit von Pregabalin berichtet.
Pregabalin und Suchtpotential
Insbesondere Pregabalin kann abhängig machen - selbst bei einer Einnahme im Rahmen der verordneten Dosierung. Zusätzlich zur Wirkung gegen neuropathische Schmerzen, Angststörung und Epilepsie kann Pregabalin auch eine euphorische Stimmung auslösen. Daher wird Pregabalin nicht nur im Rahmen von medizinischen Behandlungen eingenommen, sondern oft auch als Rauschmittel missbraucht. Nach mehrmaliger Anwendung - ob im Rahmen der verordneten Dosierung oder bei bewusstem Missbrauch - kann es vorkommen, dass sich ein schwer kontrollierbares Suchtgefühl einstellt: Man verspürt ein starkes Verlangen nach einem wiederkehrenden Konsum von Pregabalin und erhöht eigenmächtig und unkontrolliert die Dosis.
Lebensgefährlich wird es vor allem, wenn Pregabalin mit anderen Drogen oder bestimmten Medikamenten kombiniert wird. Das Risiko für schwere Neben- und Wechselwirkungen steige bei gleichzeitiger Einnahme anderer beruhigender oder schlaffördernder Substanzen wie insbesondere Opiaten, aber auch Benzodiazepinen und auch Alkohol erheblich.
Eine Abhängigkeit von Pregabalin lässt sich mithilfe eines standardisierten Fragebogens zur Sucht feststellen. Eine Überdosierung mit Pregabalin kann sich in Form von Schläfrigkeit und Verwirrtheit oder aber auch in Form von starker Nervosität (Agitiertheit) und Krampfanfällen äußern.
Pregabalin in der Forschung: Regeneration von Nervenleitungen
Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben herausgefunden, dass Pregabalin die Regeneration von verletzten Nervenleitungen fördern kann. In einer Studie mit Mäusen konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit Pregabalin eine molekulare Bremse löst, die die Wiederherstellung von Nervenleitungen verhindert. Das Gen mit der Bezeichnung Cacna2d2 spielt für die Ausbildung der Synapsen, also der Verschaltung der Nervenzellen, eine wichtige Rolle. Die Forscher verabreichten Mäusen mit Rückenmarksverletzung den Wirkstoff Pregabalin (PGB). Die Studie zeigt, dass die synaptische Verschaltung wie ein Schalter wirkt, der das axonale Wachstum abbremst. Dieser Effekt lässt sich mit einem verfügbaren Medikament beeinflussen.
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Alternativen zu Pregabalin
Einige alternative Behandlungsoptionen, die je nach der spezifischen Erkrankung und den individuellen Umständen des Patienten in Betracht gezogen werden können, umfassen:
- Gabapentin: ein Antikonvulsivum, das häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen und bestimmten Anfallsarten eingesetzt wird.
- Duloxetin: ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), der zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und Fibromyalgie eingesetzt werden kann.
- Amitriptylin: ein trizyklisches Antidepressivum, das zur Behandlung von chronischen Schmerzen angewendet werden kann.
- Carbamazepin: ein Antikonvulsivum, das zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und bestimmten Anfallsarten verwendet werden kann.
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