Dopamin und seine Auswirkung auf die Wachheit

Schlafstörungen beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit vieler Menschen. Ihre Ursachen sind vielfältig: Schlafstörungen können organisch bedingt sein, ihnen können aber auch psychische Erkrankungen zugrunde liegen, etwa eine Depression oder eine Angststörung. Außerdem können die Verursacher in den Nervenbahnen oder im Gehirn zu finden sein.

Einführung in Dopamin und seine Funktionen

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn eine Schlüsselrolle spielt. Es beeinflusst eine Vielzahl von Funktionen, darunter Motivation, Belohnung, Bewegung, Gedächtnis, Lernen und Konzentration. Dopamin ist ein Monoamin, wie Noradrenalin und Adrenalin, deren Vorläufer Dopamin ist. Es wird ausgeschüttet, wenn wir Erfolg, Glück oder eine Belohnung erwarten oder uns auf etwas Neues freuen. Es kann süchtig machen, wobei die Sucht unterschiedlich geprägt sein kann.

Dopamin und Schlaf-Wach-Regulation

Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Wachheit und Schlaf und beeinflusst den circadianen Rhythmus. Dopamin wird rhythmisch in den Amakrinzellen der Retina des Auges produziert und wirkt auf den suprachiasmatischen Kern, der die biologische Hauptuhr darstellt. Dopamin und Melatonin hemmen sich gegenseitig.

Dopaminmangel und Müdigkeit

Ein Mangel an Dopamin kann zu Motivationslosigkeit oder Tagesmüdigkeit führen. Häufig wird bei solchen weniger deutlich auftretenden Symptomen kein Zusammenhang mit einem Dopamin-Mangel vermutet. Ein Dopaminmangel (wie er für ADHS typisch ist) könnte daher tagsüber eine zu geringe Melatoninhemmung bewirken. Dies könnte möglicherweise die bei von manchen ADHS-Betroffenen berichtete starke Tagesmüdigkeit mit erklären.

Die Auswirkungen eines Dopaminmangels lassen sich in Extremform an den bekannten Symptomen der Parkinson´schen Krankheit ersehen. Bei dieser schwerwiegenden Erkrankung liegt eine massive Verarmung an Dopamin und Empfangsstellen für Dopamin (Rezeptoren) in verschiedenen Hirnregionen (Substantia nigra, Corpus striatum) vor, die eine wichtige Rolle für die Bewegung und Koordination vor allem der Arme und Beine haben. Eine große Anzahl an Personen leidet an weniger stark ausgeprägten Formen des Dopaminmangels, die sich ebenfalls durch Bewegungsstörungen, Motivationslosigkeit oder Tagesmüdigkeit äußern können.

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Dopamin-Überschuss und Schlaflosigkeit

Umgekehrt kann ein Dopamin-Überschuss ebenfalls massive Konsequenzen für den Organismus haben und zu Schlaflosigkeit führen. US-Forscher haben nun die Ursache dieses Phänomens entdeckt. Mit dem erhöhten Dopaminniveau aktiviere der Körper seine Aufmerksamkeitsreserven, obwohl die Glieder müde seien und das klare Denkvermögen reduziert sei, berichtet Nora Volkow vom amerikanischen Institute of Drug Abuse in Bethesda. Ähnlich wirken Aufputschdrogen wie Amphetamine, die ebenfalls den Dopaminspiegel erhöhen und zu Schlaflosigkeit führen.

Dopamin und Stress

Akuter Stress erhöht Dopamin- und Noradrenalin auch bei parallel bestehendem chronischem StressJedenfalls wurden bei rein akutem Stress erhöhte Werte von Dopamin (+ 54 %) und Noradrenalin (+ 50 %) im mPFC gefunden. Bei bestehendem chronischem Stress erhöhte hinzutretender akuter Stress Dopamin um 42 % und Noradrenalin um 92 %.

Neurologische Schlafstörungen und Dopamin

Ein gestörter Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn kann zu neurologischen Schlafstörungen führen.

Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch als „Syndrom der unruhigen Beine“ bekannt, ist eine häufige neurologische Erkrankung. Symptomatisch dafür sind unangenehme Empfindungen in den Beinen, oft beschrieben als Kribbeln, Ziehen oder Brennen. Zusätzlich haben die Betroffenen einen starken Bewegungsdrang. Weil diese Beschwerden meist in Ruhe auftreten, insbesondere abends und nachts, können sie den Schlaf erheblich stören. Die genauen Ursachen des RLS sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise auf eine erbliche Veranlagung sowie einen Zusammenhang mit einem gestörten Eisen- und Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn. Der Botenstoff Dopamin ist unter anderem dafür zuständig, Bewegungen zu steuern. Eisen wiederum benötigt der Körper für die Herstellung von Dopamin.

Falls erforderlich, können Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören Eisenpräparate (bei Eisenmangel) und sogenannte Dopaminagonisten. Diese Medikamente ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach.

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Narkolepsie

Für erwachsene Patienten, die von Narkolepsie oder obstruktiver Schlafapnoe betroffen sind, ist seit Mai 2020 ein neues Medikament verfügbar. Der duale Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Solriamfetol kann die Wachheit verbessern und übermäßige Schläfrigkeit reduzieren.

Die Erkrankungen Narkolepsie und obstruktive Schlafapnoe (OSA) haben ein gemeinsames Syndrom: die exzessive Tagesschläfrigkeit (excessive daytime sleepiness, EDS). EDS ist mehr als die Müdigkeit, die Gesunde empfinden, wenn sie nachts schlecht geschlafen haben. Vielmehr fällt es Betroffenen schwer, wach und aufmerksam zu bleiben, unabhängig davon, wie kurz oder wie lang ihr Nachtschlaf war.

Der Wirkungsmechanismus von Solriamfetol (Sunosi®) ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet, dass die Verbesserung der Wachheit auf einer Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung beruht. Diese beiden Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus [1].

Weitere Faktoren, die den Dopaminspiegel beeinflussen

Neben neurologischen Erkrankungen und Stress können auch andere Faktoren den Dopaminspiegel beeinflussen und somit die Wachheit beeinflussen.

Ernährung

Eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen B6, B12 und C ist bei der Bildung von Dopamin ebenfalls von großer Bedeutung. Lebensmittel, die reich an bestimmten Nährstoffen sind, können die Synthese und Freisetzung von Serotonin, Dopamin und anderen Hormonen fördern.

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Medikamente

Antiparkinsonmittel wie Levodopa in Kombination mit peripheren Decarboxylasehemmern, COMT-Inhibitoren, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmstoffen sollen die Konzentration von Dopamin im Gehirn von Parkinson-Patienten erhöhen oder die Dopamin-D2-Rezeptoren direkt stimulieren. Dies hat auf das Schlafgeschehen die gleichen Auswirkungen wie in den Versuchen der amerikanischen Forscher.

Neuroleptika hemmen die Übertragung von Dopamin, hauptsächlich durch Blockade der Dopamin-D2-Rezeptoren. Je geringer die neuroleptische Potenz ist, desto stärker ist die Sedierung. Deshalb werden niederpotente Neuroleptika, zum Beispiel Promethazin, auch als Schlafmittel eingesetzt (16).

Maßnahmen zur Regulierung des Dopaminspiegels

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, den Dopaminspiegel zu regulieren und somit die Wachheit zu verbessern.

Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Dopaminproduktion unterstützen.

Regelmäßige Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Dopaminausschüttung erhöhen und die Motivation steigern.

Stressmanagement

Stress kann den Dopaminspiegel negativ beeinflussen. Stressmanagement-Techniken wie Meditation oder Yoga können helfen, den Dopaminspiegel zu regulieren.

Schlafhygiene

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Schlaf sind wichtig für die Regulation des Dopaminspiegels.

Zusammenhang zwischen Serotonin, Dopamin und Wachheit

Serotonin ist entscheidend für den Gefühlshaushalt und die gute Laune. Im Zusammenspiel mit Adrenalin und Dopamin wirkt es stimmungsaufhellend und motivationsfördernd. Die Wirkung von Serotonin ist entspannend, schlaffördernd und antidepressiv. Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Es muss daher in Gehirnzellen synthetisiert werden. Serotonin ist Vorstufe zu Melatonin, dem sogenannten „Schlafhormon“.

Serotonin und Dopamin haben unterschiedliche, aber ergänzende Wirkungen auf das Gehirn. Serotonin ist hauptsächlich für die Regulierung der Stimmung, des Schlafs und des Appetits verantwortlich. Es sorgt dafür, dass wir uns emotional stabil und ausgeglichen fühlen. Dopamin hingegen ist eng mit dem Belohnungssystem des Gehirns verbunden und beeinflusst unsere Motivation und Antriebskraft. Während Serotonin eher beruhigend wirkt und für Zufriedenheit sorgt, fördert Dopamin die Aktivität und das Streben nach Zielen.

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