Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vielfältige Symptome hervorrufen kann. Obwohl die Krankheit oft mit neurologischen Ausfällen wie Sehstörungen, Muskelschwäche oder Taubheitsgefühlen in Verbindung gebracht wird, können auch Hautveränderungen auftreten. Eine solche Veränderung ist die Gesichtsröte, die verschiedene Ursachen haben kann und für Betroffene belastend sein kann.
Ursachen von Gesichtsröte
Gesichtsröte, auch als Flush bezeichnet, kann verschiedene Ursachen haben. Die Hautfarbe eines Menschen ist genetisch bedingt, kann sich aber auch kurzzeitig ändern, beispielsweise durch eine stärkere Durchblutung. Farbveränderungen der Haut können jedoch auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Hier sind einige mögliche Ursachen für Gesichtsröte im Zusammenhang mit MS:
Neurologische Erkrankungen: Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose können zu anfallartigen, heftigen Hautrötungen des Gesichts, des Oberkörpers und der Extremitäten führen. Dies kann mit Hitzegefühl, Schwitzen und Herzklopfen einhergehen.
Flush-Symptomatik: Die Flush-Symptomatik kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Hitzewallungen in den Wechseljahren, neuroendokrine Tumoren wie Karzinoid, Lungenkrebs, Brustkrebs, Blutdruckentgleisungen, erbliche Störungen des Alkoholabbaus (v. a. bei Asiaten) und Medikamente.
Harlekin-Syndrom: Das Harlekin-Syndrom ist eine seltene autonome Störung, die durch eine einseitige Blockade der sympathischen Innervation des Gesichts verursacht wird. Dies führt dazu, dass es zu keiner Dilatation der Gefäße der betroffenen Gesichtshälfte als Reaktion auf normale Reize kommt.
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Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können als unerwünschte Nebenwirkung Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen verursachen. Insbesondere bei injizierten MS-Therapien kann es an der Injektionsstelle zu vorübergehenden Rötungen oder Schmerzen kommen.
Stress: Hektische Flecken oder eine plötzlich einschießende Gesichtsröte in Stresssituationen empfinden viele Menschen als peinlich.
Multiple Sklerose und Hautveränderungen
Die Multiple Sklerose kann auf verschiedene Weise die Haut beeinflussen. Hier sind einige Aspekte:
Vitamin-D-Mangel: Die Haut bildet mit Hilfe von Sonnenlicht Vitamin D. Ein Mangel des „Sonnenvitamins“ ist mit einem höheren MS-Risiko assoziiert.
Phantom-Nässe: Störungen der Nervenleitung bei MS können zu einer Phantom-Nässe auf der Haut führen. In einer Befragung berichtete ein Drittel der MS-Patienten von diesem Phänomen.
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Veränderungen der sympathischen Hautreaktion: Störungen der Nervenleitung bei MS führen auch zu Veränderungen der sympathischen Hautreaktion.
Erhöhtes Hautkrebsrisiko: Das Risiko für bestimmte Hautkrebserkrankungen kann bei manchen MS-Wirkstoffen erhöht sein.
Diagnose
Die Diagnose von Gesichtsröte im Zusammenhang mit MS erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird nach Begleitsymptomen wie Hitzegefühl, Schwitzen, Herzklopfen oder anderen neurologischen Ausfällen fragen. Zudem ist es wichtig, mögliche Auslöser wie Stress, Medikamente oder bestimmte Nahrungsmittel zu identifizieren.
In einigen Fällen kann eine weiterführende Diagnostik erforderlich sein, um andere Ursachen für die Gesichtsröte auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise Blutuntersuchungen, um hormonelle Störungen oder Entzündungen zu erkennen, sowie bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT), um neurologische Ursachen auszuschließen.
Differentialdiagnosen
Es ist wichtig, andere Ursachen für Gesichtsschmerzen auszuschließen, die sich im ähnlichen Ausbreitungsgebiet präsentieren können:
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- Periphere Trigeminusneuralgie: Meist brennende Dauerschmerzen und zusätzliche Attacken (z. B: Postzosterneuralgie).
- Kollagenosen: Wie das Sjögren Syndrom.
- Traumatische Schädigungen oder Tumoren: In dem Bereich des N. trigeminus (HNO und Zahnarzt mit einbeziehen zur Diagnostik).
- Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz (früher atypischer Gesichtsschmerz): Durchgehender, meist dumpfer tiefsitzender Schmerz ohne scharfe Begrenzung, der oft im Bereich beginnt und sich über die Dauer diffus ausbreitet und auch zur Gegenseite ziehen kann; keine einschießenden intensiven Attacken, oft ausgelöst nach schmerzhaften Ereignissen (z. B. Zahnbehandlung).
- Stromartigen Attacken im ersten Trigeminusast
- Abgrenzung der Trigeminusneuralgie vom SUNCT (short lasting unilateral neuralgi form headache attacks with conjunctival- injection and tearing) oder SUNA (short lasting unilateral neuralgiform headache attacks with cranial autonomic symptoms): Beide sind seltene trigeminoautonome Kopfschmererkrankungen mit kurzen einseitigen Schmerzattacken von Stirn und Auge, die mit gleichseitigen trigeminoautonomen Symptomen wie Augentränen und -rötung einhergehen.
- Klassische Trigeminusneuralgie mit Kompression durch Gefäß (Atrophie oder Verlagerung): Neurovaskulärer Kontakt bzw. Konflikt zwischen einem Gefäß (A. cerebelli superior oder A. cerebelli posterior inferior) und dem zisternalen Anteil des N. trig.; oder eine embryologische Variante, der A. Trigemina primitiva, ein Ast aus der A. carotis interna auf der Höhe des Cavum Meckeli abgehende kardiobasiläre Anastomose.
Behandlung
Die Behandlung von Gesichtsröte bei MS richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige mögliche Behandlungsansätze:
Medikamentöse Therapie: Wenn die Gesichtsröte durch Medikamente verursacht wird, kann der Arzt möglicherweise die Dosis anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen. Bei Flush-Symptomatik können Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden.
Behandlung des Harlekin-Syndroms: Das Harlekin-Syndrom wird in der Regel symptomatisch behandelt. Es gibt keine spezifische Therapie, aber in einigen Fällen können Medikamente zur Verbesserung der sympathischen Innervation eingesetzt werden.
Stressmanagement: Entspannungsmethoden wie Autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und so die Häufigkeit von Gesichtsröte zu reduzieren. In stressigen Situationen kann es helfen, einen Rollkragenpullover zu tragen, um hektische Flecken an Hals und Brust zu verdecken.
Hautpflege: Bei Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen der Haut können kühlende Lotionen oder Cremes Linderung verschaffen.
Spezifische Therapie bei Trigeminusneuralgie:
Medikamentöse Behandlung:
- Basistherapie:
- Carbamazepin (200-1200mg)
- Oxcarbazepin (300-1800 mg)
- Bei fortgeschrittenen Verläufen:
- Pregabalin (150-600 mg)
- Gabapentin (900-3000 mg)
- Baclofen (25-75 mg)
- Lamotrigin (200-400 mg)
- Phenytoin nach Serumspiegel
- Misoprostol (600 µg)
- Botulinumtoxin (Onabotulinum A: 25-100 E)
- Basistherapie:
Therapie der akuten Exazerbation:
- Phenytoin (250 mg langsam i.V.)
- Pimozid (4-12 mg)
- Serie ganglionärer lokaler Opioidanalgesien am Ganglion cervicale superius
- Sumatriptan (6 mg s.c.
Nicht medikamentöse Ansätze: Sie sind sehr hilfreich in der Regulierung des Muskeltonus (z. B. spezialisierte Physiotherapie bei craniomandibulärer Dysfunktion).
Umgang mit Hautveränderungen im Alltag
MS-Patienten, die unter Hautveränderungen leiden, können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um ihren Alltag zu erleichtern:
Hautschutz: Die Haut sollte vor übermäßiger Sonneneinstrahlung geschützt werden, um Rötungen und Entzündungen zu vermeiden.
Vermeidung von Triggern: Auslöser für Gesichtsröte wie Stress, bestimmte Nahrungsmittel oder Alkohol sollten möglichst vermieden werden.
Selbstbräuner und Make-up: Bei weißen Flecken (Vitiligo) können Selbstbräuner oder spezielles Make-up (Camouflage) helfen, die Hautstellen abzudecken.
Gespräche mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen MS-Patienten kann helfen, mit den psychischen Belastungen umzugehen, die mit Hautveränderungen einhergehen können.
Fazit
Gesichtsröte kann bei Multipler Sklerose verschiedene Ursachen haben und für Betroffene belastend sein. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren und eine gezielte Behandlung einzuleiten. Neben medikamentösen Therapien können auch Stressmanagement, Hautpflege und der Austausch mit anderen Betroffenen helfen, den Alltag mit Gesichtsröte zu erleichtern.
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