Nahtoderfahrungen (NTEs) sind ein faszinierendes und oft diskutiertes Phänomen. Menschen, die dem Tod nahe waren, berichten von außergewöhnlichen Erlebnissen, die ihr Leben nachhaltig verändern können. Dieser Artikel beleuchtet das Thema Nahtoderfahrungen im Kontext von Meningitis bei einem jungen Mädchen, wobei auch die wissenschaftlichen und spirituellen Aspekte dieses Phänomens betrachtet werden.
Einführung in Nahtoderfahrungen
Nahtoderfahrungen umfassen kognitive, affektive, paranormale und transzendentale Erlebnisse, die im Zusammenhang mit dem Tod auftreten. Der Begriff wurde von Raymond Moody geprägt, dessen Buch das Interesse an diesem Phänomen weckte. Obwohl der Begriff "Nahtoderfahrung" etwas irreführend ist, da er sich auf Erlebnisse bezieht, die bewusst nach dem klinischen Tod des Körpers erlebt werden, ähneln sich die Berichte von Patienten nach einer erfolgreichen Wiederbelebung oft in vielerlei Hinsicht. Dazu gehören das Gefühl, den Körper zu verlassen, Ruhe und Frieden zu empfinden, einen Rückblick auf das vergangene Leben zu erleben und Begegnungen mit anderen Wesen zu haben.
Annabel Beams Geschichte: Ein Wunder nach dem Sturz
Die Geschichte von Annabel Beam, einem Mädchen aus Texas, illustriert auf beeindruckende Weise die potenziellen Auswirkungen einer Nahtoderfahrung. Nach einem schweren Sturz von einem Baum war Annabel stundenlang bewusstlos. Während dieser Zeit will sie Jesus getroffen haben. Angeblich rettete er Annabel nicht nur das Leben, sondern heilte sie auch von einer seltenen und schweren Krankheit.
Annabel litt seit ihrer frühen Kindheit an zwei seltenen und lebensbedrohlichen Erkrankungen des Verdauungssystems. Sie konnte kein festes Essen zu sich nehmen und lebte von Flüssignahrung. Seit ihrem fünften Lebensjahr plagten sie zusätzlich schwere Schmerzen. Eines Tages, als es ihr mal wieder ganz besonders schlecht ging, soll sie ihrer Mutter gesagt haben, dass sie lieber tot sein möchte. Dann könne sie in den Himmel kommen. Und dort würde sie keine Schmerzen mehr haben.
Vor drei Jahren spielte sie im Garten ihres Elternhauses und war beim Klettern aus zehn Metern Höhe in eine alte, hohle amerikanische Pappel gestürzt. Insgesamt sechs Stunden soll sie dort bewusstlos gelegen haben. Erst dann wurde sie entdeckt und konnte von der Feuerwehr befreit werden.
Lesen Sie auch: Mutter-Tochter-Beziehung stärken
Die Geschichte von Annabel Beam, die nach einem Sturz stundenlang bewusstlos war und angibt, in dieser Zeit Jesus getroffen zu haben, ist ein Beispiel für Nahtoderfahrungen bei Kindern.
Die wissenschaftliche Perspektive auf Nahtoderfahrungen
Bruce Greyson, Direktor der Abteilung für Wahrnehmungsforschung an der Universität von Virginia, betont, dass Nahtoderfahrungen reale Erlebnisse sind, die sich im Laufe der Zeit nicht verändert haben. Er vergleicht Interviews von Betroffenen mit 20 Jahre alten Aufzeichnungen und ist überzeugt, dass diese Erfahrungen auf eine vom Gehirn unabhängige Existenz des Geistes hindeuten.
Eben Alexander, ein Neurochirurg und Autor des Buches "Proof of Heaven", beschreibt seine eigene Nahtoderfahrung während eines Komas aufgrund einer Hirnhautentzündung. Er erlebte lebendige Erlebnisse, in denen mehrere Sinne verschmolzen. Alexander betont, dass sein jetziges Gehirn nicht in der Lage wäre, solche Erfahrungen zu leisten.
Gehirnfunktion und Bewusstsein
Das Gehirn ist eines der komplexesten Organe des menschlichen Körpers, bestehend aus mehreren Bereichen, die zusammenarbeiten. Das Bewusstsein wird hauptsächlich in der Großhirnrinde verortet, insbesondere im Frontal- und Schläfenlappen. Schädigungen dieser Hirnregionen können das individuelle Selbst beeinträchtigen.
Funktionsstörungen im Gehirn - Alzheimer-Demenz, Schlaganfall oder schwerwiegende operative Eingriffe bis hin zur Entfernung einer Hirnhälfte sind mögliche Ursachen unter vielen. Schon von Geburt an kann das Gehirn in seiner Funktionalität beeinträchtigt sein, verursacht durch ein fehlendes Gehirnareal oder auch eine unnormale Ausbildung des Gehirns.
Lesen Sie auch: Mädchenverhalten aus Jungensicht
Der Frontallappen macht beim Menschen mehr als 30 % der Großhirnrinde aus. Dort werden Bewegungen gesteuert, doch er ist auch für komplexe soziale, psychische und geistige Funktionen maßgeblich verantwortlich. Dazu zählen u. a. die Steuerung des Sozialverhaltens, des ethischen und moralischen Verhaltens, das Lösen von Problemen, das vorausschauende Planen und Handeln, und das Sprachverständnis. Der Schläfenlappen ist der zweitgrößte Gehirnlappen. Sowohl in anatomischer als funktionaler Hinsicht ist dieser Teil des Gehirns sehr vielfältig. Neben auditorischen und visuellen Funktionen, so u. a. die der Stimmenerkennung und der räumlichen und visuellen Orientierung, ist er für die Bereitstellung von Gedächtnisinhalten für andere Hirnareale zuständig.
Fallbeispiele: Hemisphärektomie und Hydrocephalus
Die Auswirkungen von Hirnschädigungen auf das Bewusstsein werden durch Fallbeispiele wie Hemisphärektomien (Entfernung einer Gehirnhälfte) und Hydrocephalus (Wasserkopf) verdeutlicht.
Bei einer Hemisphärektomie wird eine gesamte Gehirnhälfte operativ entfernt. Eine Hemisphärektomie wird insbesondere bei schwersten Fällen von Epilepsie und Erkrankungen mit epileptischen Symptomen durchgeführt. Der Plastizität des Gehirns wird zugeschrieben, dass bei einer im jungen Alter erfolgten Hemisphärektomie die intakte Gehirnhälfte viele zusätzliche Aufgaben übernehmen kann. Bei einer Hemisphärektomie im frühen Kleinkindalter treten möglicherweise überhaupt keine Ausfälle im Erwachsenenalter auf. Gemäß einer im Jahr 2019 im Fachmagazin Cell Reports veröffentlichten Studie „Intrinsic Functional Connectivity of the Brain in Adults with a Single Cerebral Hemisphere“ (Kliemann, Adolphs, Tyszka et al.) wurden bei sechs erwachsenen Personen im Alter von 20 bis 30 Jahren keinerlei Auffälligkeiten entdeckt.
Ein weiteres Beispiel ist der Fall eines Studenten mit Hydrocephalus, bei dem anstelle der normalen Gehirnmasse nur eine dünne Schicht von Gehirngewebe vorhanden war. Trotzdem hatte er einen überdurchschnittlichen IQ und ein normales Sozialverhalten.
Im Jahr 1980 erschien in der in der Zeitschrift „Science“ ein Beitrag über Untersuchungen des britischen Neurologen John Lorber, Professor für Pädiatrie an der Universität Sheffield und Mitglied des Nobelpreiskomitees, mit dem durchaus provozierenden Titel „Is Your Brain Really Necessary?” („Ist Ihr Gehirn wirklich notwendig?“). Zum Untersuchungszeitpunkt hatte dieser Student einen überdurchschnittlichen IQ. Bei verschiedenen Tests wurden Werte zwischen 126 und 130 ermittelt. Oft wird auch, wie beim am meisten verwendeten Intelligenztest, dem Hamburg-Wechsler-Intelligenztest (HAWI), ein Verbal-IQ und ein Handlungs-IQ ermittelt. Der Verbalteil fokussiert auf geistige Fähigkeiten: Allgemeines Wissen, Allgemeines Verständnis, Rechnerisches Denken, Gemeinsamkeiten finden, Wortschatztest und Zahlennachsprechen. Hinsichtlich des Verbal-IQ erreichte der Student sogar Werte zwischen 140 und 144 Punkten. Für die Gesamtbevölkerung gilt ein Wert von 100 als Durchschnitt. Das Sozialverhalten des Studenten war als vollkommen normal zu bezeichnen.
Lesen Sie auch: Menstruation und Krampfanfälle
Diese Fälle werfen Fragen nach der Rolle des Gehirns für das Bewusstsein und das Gedächtnis auf.
Der Fall Henry Molaison: Gedächtnisverlust nach Operation
Der Fall von Henry Molaison, der aufgrund einer Operation zur Behandlung von Epilepsie einen schweren Gedächtnisverlust erlitt, zeigt die Bedeutung des Hippocampus für die Übertragung von Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis.
Henry Gustav Molaison (1926-2008) litt seit seiner Kindheit an unkontrollierbar heftigen epileptischen Anfällen. Im Jahr 1953 wurde er in ein Krankenhaus aufgenommen, um Wege zur Linderung seines Leidens zu finden. Der behandelnde Chirurg vermutete, dass seine Epilepsie in seinen rechten und linken medialen Temporallappen (Schläfenlappen) ihre Ursache habe. Als Behandlung schlug er eine teilweise operative Entfernung vor.
Die epileptischen Anfälle ließen sich durch den schwerwiegenden operativen Eingriff in den Griff bekommen. Allerdings litt er danach unter schwerer anterograder (vorwärtswirkender) Amnesie. Zwar waren sein Arbeitsgedächtnis sowie sein prozedurales Gedächtnis (das „Know-how-Gedächtnis“) weiterhin funktionsfähig, jedoch konnten keine neuen Ereignisse und Erfahrungen mehr in sein Langzeitgedächtnis übernommen und dort abgespeichert werden. Darüber hinaus litt Henry Molaison an einer zeitlich abgestuften retrograden (rückwärtswirkenden) Amnesie und konnte sich kaum noch an Ereignisse erinnern, die drei bis vier Tage vor der Operation stattgefunden hatten.
Die spirituelle Perspektive auf Nahtoderfahrungen
Viele Menschen interpretieren Nahtoderfahrungen als Beweis für ein Leben nach dem Tod und eine Verbindung zu einer höheren Macht. Die Berichte von Menschen, die während ihrer Nahtoderfahrungen Liebe, Frieden und Begegnungen mit spirituellen Wesen erlebt haben, verstärken diese Überzeugung.
Veronica Ferres' Nahtoderfahrung
Die Schauspielerin Veronica Ferres sprach offen über ihre schwere Erkrankung vor 20 Jahren, als sie drei Wochen im Koma lag und eine enzephalitische Meningitis hatte. Sie berichtete von einer Nahtoderfahrung, die sie zutiefst prägte und ihren Glauben an Gott stärkte. Sie sagte: "Nach dieser Erfahrung aber weiß ich: Es gibt Gott. Er hat mich getröstet. Es gab Momente, in denen ich wusste: Ich bin auf dem Weg, mich zu verabschieden. Aber ich war nicht allein […]". Nach dieser Erfahrung kehrte sie zur katholischen Kirche zurück.
Eben Alexanders Wandel
Eben Alexander, der als Wissenschaftler religiöse Offenbarungen zuvor angezweifelt hatte, änderte seine Sichtweise nach seiner eigenen Nahtoderfahrung grundlegend. Er betont die Botschaft der bedingungslosen Liebe, die er während seiner Erfahrung empfing, und sieht darin eine Verbindung zu einer höheren Ebene der Existenz.
Alexander führt Heisenberg an, der in der Quantenphysik die Theorie aufstellte, auf einer Ebene unterhalb der Atome sei alles mit allem verbunden, der Beobachtende mit dem Projekt der Beobachtung. Und der Mensch mit dem allgegenwärtigen Gott, so Alexander.
Die Bedeutung von Liebe und Hoffnung
Die Berichte über Nahtoderfahrungen betonen oft die Bedeutung von Liebe, Mitgefühl und Hoffnung. Diese Erfahrungen können Menschen helfen, ihre Angst vor dem Tod zu überwinden und ihr Leben mit mehr Sinn und Zweck zu leben.
Kritik und Kontroversen
Trotz der vielen Berichte über Nahtoderfahrungen gibt es auch Kritik und Kontroversen. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass diese Erfahrungen auf neurologischen Prozessen oder Halluzinationen beruhen, die durch den Sterbeprozess ausgelöst werden. Es gibt bisher keine wissenschaftliche Erklärung für Nahtoderfahrungen, aber es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die berichten, dass sie dieses Phänomen selbst erlebt haben.
Es ist wichtig, die wissenschaftlichen und spirituellen Aspekte von Nahtoderfahrungen kritisch zu betrachten und offen für verschiedene Interpretationen zu sein.
Der Umgang mit der Angst vor dem Tod
Nahtoderfahrungen können für Menschen, die Angst vor dem Tod haben, eine Quelle des Trostes und der Hoffnung sein. Sie können helfen zu verstehen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern möglicherweise ein Übergang in eine andere Form der Existenz.
Einer der besten Wege, um mit der Angst vor dem Tod fertigzuwerden, ist es, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und herauszufinden, was er wirklich bedeutet. Nahtoderfahrungen sind eine echte Möglichkeit, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Sie können uns helfen zu verstehen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern nur ein Übergang in eine andere Welt. Wenn wir lernen, unsere Angst vor dem Tod zu überwinden, können wir unser Leben viel besser genießen.
tags: #madchen #mit #nahtoderfahrung #meningitis