Magnesium und die neuromuskuläre Endplattenfunktion

Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff, der eine wichtige Rolle in zahlreichen physiologischen Prozessen spielt, einschließlich der Funktion der neuromuskulären Endplatte. Die neuromuskuläre Endplatte ist die spezialisierte Struktur, an der ein motorisches Neuron mit einer Muskelfaser kommuniziert, um eine Muskelkontraktion auszulösen. Magnesium beeinflusst diesen Prozess auf verschiedene Weise, was seine Bedeutung für die normale Muskelfunktion unterstreicht.

Die neuromuskuläre Endplatte: Ein Überblick

Die neuromuskuläre Endplatte, auch motorische Endplatte genannt, ist die Synapse zwischen einem motorischen Neuron und einer Muskelfaser. Sie ermöglicht die Übertragung von Nervenimpulsen auf den Muskel, was zur Kontraktion führt. Der Prozess umfasst die Freisetzung von Acetylcholin (ACh) aus dem präsynaptischen Neuron, die Bindung von ACh an Acetylcholinrezeptoren (AChR) auf der postsynaptischen Muskelmembran und die anschließende Depolarisation der Muskelmembran, die ein Aktionspotenzial auslöst.

Aufbau und Funktion der neuromuskulären Endplatte

Die neuromuskuläre Endplatte besteht aus drei Hauptkomponenten:

  1. Präsynaptisches Neuron: Das motorische Neuron, das den Nervenimpuls zum Muskel leitet. Das Axon des motorischen Nervs verliert kurz vor der Endplatte seine Myelinscheide und teilt sich in mehrere Hauptäste auf, die sich weiter in feine Fasern mit kolbenartig verdickten Enden verzweigen. Diese Nervenenden sind reich an Mitochondrien, Kapillaren und Vesikeln.
  2. Synaptischer Spalt: Der schmale Raum zwischen dem Neuron und der Muskelfaser. Im 20-50 nm schmalen synaptischen Spalt befindet sich die extrazelluläre Matrix, die die neuromuskuläre Synapse gegen Verschiebung fixiert und so sicherstellt, dass Acetylcholin an die hochspezialisierte postsynaptische Membran gelangt.
  3. Postsynaptische Muskelmembran: Die Membran der Muskelfaser, die ACh-Rezeptoren enthält. Jeder Muskelfaser ist in der Regel genau eine motorische Endplatte zugeordnet, die sich im mittleren Drittel der Faser befindet.

Die Rolle von Acetylcholin

Acetylcholin (ACh) ist der Neurotransmitter, der an der neuromuskulären Endplatte freigesetzt wird. Es wird in den terminalen Nervenendigungen aus Cholin und Acetylkoenzym A gebildet und in Vesikeln gespeichert. Wenn ein Aktionspotenzial das präsynaptische Neuron erreicht, öffnen sich Kalziumkanäle, und Kalziumionen strömen in das Neuron ein. Dieser Kalziumeinstrom führt zur Freisetzung von ACh in den synaptischen Spalt.

ACh diffundiert über den synaptischen Spalt und bindet an nikotinische ACh-Rezeptoren auf der Muskeloberfläche. Diese Rezeptorproteine sind transmembranöse kanalbildende Ionophoren, die sich nach Aktivierung durch ACh öffnen und durch den dadurch initiierten Ionenstrom ein postsynaptisches Aktionspotenzial (Endplattenpotenzial) auslösen. Das Endplattenpotenzial depolarisiert die Muskelmembran und löst eine Muskelkontraktion aus.

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Beendigung der Signalübertragung

Nachdem ACh seine Wirkung entfaltet hat, wird es schnell durch das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) im synaptischen Spalt abgebaut. AChE hydrolysiert ACh in Cholin und Essigsäure, wodurch die Signalübertragung beendet wird. Cholin wird direkt nach Abspaltung durch die AChE im synaptischen Spalt über die präsynaptische Membran wieder aufgenommen und für die Synthese von neuem ACh verwendet.

Magnesium: Ein Regulator der neuromuskulären Funktion

Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff, der eine wichtige Rolle bei der Regulierung der neuromuskulären Funktion spielt. Es beeinflusst die Erregbarkeit der Nervenzellen, die Freisetzung von Neurotransmittern und die Empfindlichkeit der postsynaptischen Rezeptoren.

Einfluss auf die präsynaptische Funktion

Magnesium wirkt als Kalziumantagonist und kann die Kalziumkanäle in der präsynaptischen Nervenendigung blockieren. Da verschiedene Medikamente den Kalziumeinstrom und damit die neuromuskuläre Transmission vermindern, kann Magnesium die Wirkung von Muskelrelaxanzien verstärken. Durch die Blockierung der Kalziumkanäle reduziert Magnesium den Kalziumeinstrom in die Nervenzelle, was die Freisetzung von ACh verringert. Dies führt zu einer verminderten Erregbarkeit der Nervenzelle und einer reduzierten Muskelkontraktion.

Einfluss auf die postsynaptische Funktion

Magnesium beeinflusst auch die postsynaptische Funktion der neuromuskulären Endplatte. Es kann die Empfindlichkeit der ACh-Rezeptoren auf der Muskelmembran verringern, wodurch die Muskelzelle weniger empfindlich auf ACh reagiert. Darüber hinaus kann Magnesium die Ionenkanäle blockieren, die durch die ACh-Rezeptoren geöffnet werden, wodurch die Depolarisation der Muskelmembran und die Auslösung eines Aktionspotenzials verhindert werden.

Klinische Bedeutung von Magnesium für die neuromuskuläre Funktion

Ein Magnesiummangel kann zu einer Vielzahl von neuromuskulären Störungen führen, darunter Muskelkrämpfe, Zittern, Schwäche und Müdigkeit. In schweren Fällen kann ein Magnesiummangel sogar zu Krampfanfällen und Herzrhythmusstörungen führen.

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Magnesiummangel und neuromuskuläre Störungen

  • Muskelkrämpfe: Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelentspannung. Ein Magnesiummangel kann zu einer erhöhten Erregbarkeit der Muskelzellen führen, was Muskelkrämpfe auslösen kann.
  • Zittern: Magnesium ist wichtig für die Stabilisierung der Nervenzellen. Ein Magnesiummangel kann zu einer erhöhten Nervenaktivität führen, was Zittern verursachen kann.
  • Schwäche und Müdigkeit: Magnesium ist an der Energieproduktion in den Muskelzellen beteiligt. Ein Magnesiummangel kann zu einer verminderten Energieproduktion führen, was Schwäche und Müdigkeit verursachen kann.
  • Krampfanfälle: In schweren Fällen kann ein Magnesiummangel zu einer erhöhten Erregbarkeit der Gehirnzellen führen, was Krampfanfälle auslösen kann.
  • Herzrhythmusstörungen: Magnesium ist wichtig für die Aufrechterhaltung eines normalen Herzrhythmus. Ein Magnesiummangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen.

Magnesium als therapeutische Option

Magnesium wird häufig zur Behandlung von neuromuskulären Störungen eingesetzt, die durch einen Magnesiummangel verursacht werden. Magnesiumpräparate können oral oder intravenös verabreicht werden. In einigen Fällen kann Magnesium auch zur Behandlung von neuromuskulären Störungen eingesetzt werden, die nicht durch einen Magnesiummangel verursacht werden, wie z. B. Muskelkrämpfe bei Schwangeren.

Magnesium-Diasporal®: Ein Magnesiumpräparat

Magnesium-Diasporal® ist ein Magnesiumpräparat, das zur Behandlung von Magnesiummangelzuständen eingesetzt wird. Es ist in verschiedenen Dosierungen und Darreichungsformen erhältlich, darunter Injektionslösungen.

Anwendungsgebiete von Magnesium-Diasporal®

Magnesium-Diasporal® wird angewendet bei:

  • Magnesiummangel, wenn er Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist.
  • Schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck mit Flüssigkeitseinlagerungen und Eiweißausscheidung im Urin (Präeklampsie).
  • Schwangerschaftsbedingten generalisierten Krampfanfällen (Eklampsie).
  • Frühgeburtsbestrebungen.

Dosierung und Anwendung von Magnesium-Diasporal®

Die Dosierung von Magnesium-Diasporal® ist abhängig vom Grad des Magnesiummangels und der Indikation. In der Regel werden 1 bis 2 Ampullen Magnesium-Diasporal® 2 mmol (entsprechend 2-4 mmol Magnesium) oder Magnesium-Diasporal® 4 mmol (entsprechend 4-8 mmol Magnesium) verabreicht. Bei Präeklampsie und Eklampsie werden 4-6 g Magnesiumsulfat (16-24 mmol Magnesium) i.v. in verdünnter Form mittels Perfusor oder Kurzinfusion über 15-20 Minuten verabreicht. Die Erhaltungsdosis beträgt 1-2 g Magnesiumsulfat/Stunde (4-8 mmol Magnesium/h) bis 24-48 Stunden post partum.

Magnesium-Diasporal® Injektionslösung soll intramuskulär oder intravenös injiziert werden. Die intravenöse Injektion von Magnesium-Diasporal® 4 mmol soll sehr langsam (1 ml pro Minute) am liegenden Patienten erfolgen.

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Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Magnesium-Diasporal® darf nicht angewendet werden bei:

  • Ausgeprägter Bradykardie (verlangsamter Herztätigkeit).
  • Myasthenia gravis (Muskelschwäche).
  • AV-Block (Unterbrechung des Reizleitungssystems im Herzen).

Besondere Vorsicht ist bei der Anwendung von Magnesium-Diasporal® erforderlich bei schweren Ausscheidungsstörungen der Nieren. Eine Dosis-Anpassung an den Grad der Ausscheidungsstörung ist nötig.

Überwachungsmaßnahmen bei hochdosierter Magnesiumsulfat-Therapie mit Magnesium-Diasporal®:

  • Die Patellarsehnenreflexe müssen erhalten bleiben. Sind sie nicht mehr auslösbar, ist die Dosis zu reduzieren.
  • Die Atemfrequenz soll 16 Atemzüge/Min. nicht unterschreiten.
  • Die Urinausscheidung soll mind. 25 ml/h betragen, ist sie geringer, besteht die Gefahr der Magnesium-Überversorgung.
  • Als Gegenmittel müssen Ampullen von Calciumgluconat 10% bereitgehalten werden.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Die Wirkung nachfolgend genannter Arzneistoffe bzw. Präparategruppen kann bei gleichzeitiger Behandlung mit Magnesium-Diasporal® beeinflusst werden:

  • Diuretika
  • Aminoglykosid-Antibiotika (wie Gentamycin, Tobramycin, Amphotericin B)
  • Immunsuppressiva (wie Cyclosporin A)
  • Zytostatika (wie Cisplatin)
  • Digitalisglykoside

Folgende Arzneimittel sollen nicht gleichzeitig gegeben werden:

  • Muskelrelaxantien vom Curaretyp
  • Barbiturate, Narkotika oder andere Hypnotika
  • Calciumsalze

Magnesium-Diasporal® soll - wegen möglicher Ausfällungen - grundsätzlich nicht mit Calcium-, Phosphat-, tetracyclinhaltigen oder alkoholischen Lösungen gemischt werden.

Nebenwirkungen

Bei der intravenösen Anwendung treten gelegentlich ein bedeutungsloses Wärmegefühl und ein Flush (Hautrötung) auf. Bei zu rascher parenteraler Gabe von Magnesiumsulfat kann es sehr selten vorübergehend, besonders bei vasolabilen Patienten, zu Nebenwirkungen in Form von Übelkeit, Kopfschmerzen, Kribbeln, Schwitzen, Erregung, Unruhe sowie Schläfrigkeit und Verlangsamung von Herz- und Atemtätigkeit kommen. Darüber hinaus kann es bei parenteraler Applikation von Magnesium sehr selten zu Bradykardien, Überleitungsstörungen und peripherer Gefäßerweiterung kommen.

Eine Magnesiumintoxikation ist mit intravenöser Calcium-Zufuhr - als Gegenmittel - zu behandeln (z. B. langsame i.v.-Gabe von 10ml Calciumgluconat 10%). Zusätzlich sollte der Cholinesterase-Blocker Neostigmin verabreicht werden, da er die Acetylcholin-Konzentration erhöht und die muskelrelaxierende Wirkung von Magnesium antagonisiert.

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