Im Arbeitsalltag sind wir oft mit unterschiedlichen Persönlichkeiten konfrontiert. Nicht immer verläuft die Zusammenarbeit reibungslos. Es gibt Kollegen und Vorgesetzte, die uns frustrieren, ärgern oder gar stressen können. Umso wichtiger ist es, Strategien zu entwickeln, die uns helfen, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und effektiv zu arbeiten. Dieser Artikel bietet Ihnen praktische Tipps und bewährte Strategien, um mit "Nervensägen" im Job umzugehen, Konflikte zu entschärfen und ein positives Arbeitsklima zu fördern.
Die Ursachen von Unzufriedenheit erkennen
Bevor man sich mit konkreten Strategien auseinandersetzt, ist es wichtig, die Ursachen der eigenen Unzufriedenheit zu hinterfragen. Liegt es am Vorgesetzten, an über- oder Unterforderung, an mangelnder Organisation oder an fehlender Technik? Eine realistische Betrachtung der Situation und die Frage, was man selbst verändern und verbessern kann, sind entscheidende erste Schritte.
Die positiven Aspekte nicht ausblenden
Inmitten von Problemen und Herausforderungen neigen wir dazu, die positiven Aspekte unseres Arbeitsplatzes zu übersehen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass man einen Arbeitsplatz hat, eine angemessene Bezahlung erhält und vielleicht sogar Annehmlichkeiten wie einen Kaffeeautomaten genießen kann. Sich den eigenen positiven Beitrag bewusst zu machen und zu überlegen, was einem Spaß macht und wie man sich positiv im Betrieb einbringen kann, hilft, die Motivation aufrechtzuerhalten.
Probleme ansprechen und Ich-Botschaften verwenden
Wenn es Probleme mit Kollegen gibt, ist es wichtig, diese anzusprechen. Dabei sollte man jedoch Vorwürfe vermeiden und stattdessen Ich-Botschaften verwenden. Anstatt zu sagen "Du musst das ändern", formuliert man Wünsche und Bedürfnisse aus der eigenen Perspektive ("Ich würde mir wünschen, dass…"). Konkrete Verbesserungsvorschläge zeigen, dass man sich Gedanken gemacht hat und an einer Lösung interessiert ist. Umgekehrt ist es wichtig, selbst mit Kritik umgehen zu können und sich nicht direkt ungerecht behandelt zu fühlen.
Hilfe suchen und Wertschätzung außerhalb der Arbeit finden
Bei Problemen am Arbeitsplatz ist es wichtig, eine Vertrauensperson zu haben, an die man sich wenden kann. Das kann zum Beispiel der Betriebsrat sein. Gemeinsam kann man überlegen, was das Problem ist und was man selbst daran ändern kann. Es ist wichtig, Probleme nicht mit sich selbst auszutragen oder sich mit ihnen abzufinden. Arbeit sollte nicht der einzige Grund für Glück und Zufriedenheit im Leben sein. Glück definiert sich über drei Säulen: die Arbeit, die sozialen Beziehungen und Hobbies oder Freizeitaktivitäten.
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Stress reduzieren und Gefahren erkennen
Stress ist oft eine Kopfsache. Man darf nicht glauben, dass man perfekt sein muss, keine Fehler machen darf und alle einen mögen müssen. Autogenes Training und Entspannungstechniken können helfen, gelassener mit Stress umzugehen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Burnout und Unzufriedenheit. Wer beide Fragen mit einem "Nein" beantwortet, muss unbedingt etwas unternehmen. Das muss nicht immer direkt das Verlassen des Unternehmens sein, aber vielleicht gibt es ja zum Beispiel die Möglichkeit, sich in einer anderen Abteilung zu bewerben.
Die sieben Nervensägen-Typen und ihre Gegenstrategien
Coach und Buchautor Attila Albert hat sieben "Nervensägen"-Typen identifiziert und die besten Gegenstrategien entwickelt:
- Der Jammerer: Deprimiert mit Jammern und hoffnungsloser Weltsicht.
- Gegenstrategie: Nicht mehr trösten oder helfen. Wiederkehrende Klagen zusammenfassen und nach konkreten Plänen fragen. Keine Tipps geben!
- Der Besserwisser: Erschöpft mit Angriffslust und Besserwisserei.
- Gegenstrategie: Nicht einschüchtern lassen. Entspannt zustimmen, ohne die Ansichten zu übernehmen. "Eine interessante Perspektive!"
- Der Unentschlossene: Frustriert mit ewiger Unentschlossenheit und Passivität.
- Gegenstrategie: Akzeptieren, dass er trotz Nörgelns zufrieden ist. Keine Informationen oder Tipps geben.
- Der Aufdrängende Helfer: Erstickt andere mit aufgedrängter Fürsorge und Hilfe.
- Gegenstrategie: Für das Engagement bedanken. Fallweise entscheiden, welche Hilfsangebote man annimmt und welche man ablehnt.
- Der Aktionist: Stresst mit totaler Leistungsbereitschaft und Aktionismus.
- Gegenstrategie: Abschauen, was für einen selbst sinnvoll ist (Arbeitsmethoden, Organisationstechniken, Werkzeuge).
- Der Weltverbesserer: Verkündet hochfliegende Forderungen, wie die Welt sein sollte.
- Gegenstrategie: An den eigenen Ansprüchen messen und in die praktischen Schwierigkeiten und Folgen hineinziehen.
- Der Analytiker: Lässt andere mit analytischer Sichtweise und innerer Distanz frösteln.
- Gegenstrategie: Ermutigen, dem Urteil eigene praktische Konsequenzen folgen zu lassen.
Umgang mit Mikromanagement
Ein Mikromanager kontrolliert jeden Schritt seiner Mitarbeiter und möchte jede Stunde ein Update der Arbeit. Um mit einem solchen Chef umzugehen, ist es wichtig, sein Verhalten zu verstehen und ihm zu helfen, Vertrauen aufzubauen.
- Verständnis entwickeln: Beobachten Sie, in welchen Situationen der Kontrollzwang besonders stark ist.
- Kommunikation suchen: Hinterfragen Sie den Kontrollgang und klären Sie, wie es dazu kommt.
- Selbstreflexion: Überprüfen Sie, ob Sie durch Ihr eigenes Verhalten die Kontrollen auslösen.
- Vier-Augen-Gespräch: Bitten Sie Ihren Chef um ein Gespräch und beschreiben Sie die Situation aus Ihrer Sicht.
- Geduld haben: Geben Sie Ihrem Chef Zeit, sich an die neue Arbeitsweise zu gewöhnen.
- Neuorientierung: Wenn nichts mehr geht, ist die Neuorientierung oder Kündigung der letzte Ausweg.
Schwierige Mitarbeiter aus Sicht der Führungskraft
Auch Führungskräfte haben mit schwierigen Mitarbeitern zu kämpfen. Es ist wichtig, das Verhalten des Mitarbeiters zu analysieren und die Ursachen für sein Verhalten zu verstehen.
- Der ewige Kritiker: Stellt alles in Frage, ist aber engagiert und motiviert.
- Strategie: Wertschätzung zeigen, aber klar machen, dass Entscheidungen akzeptiert werden müssen.
- Der Unfehlbare: Weist jegliche Kritik zurück und schiebt die Schuld auf andere.
- Strategie: Vertrauen aufbauen und Feedbackregeln beachten.
- Der Resignierte: Blockt alles ab und ist demotiviert.
- Strategie: Vertrauen aufbauen und kleine Versprechen einhalten.
- Der Unwillige: Erledigt seine Aufgaben nicht richtig, obwohl er es könnte.
- Strategie: Ursachenforschung und gegebenenfalls Schonfrist gewähren.
Umgang mit unkollegialem Verhalten
Unkollegiales Verhalten kann sich in verschiedenen Formen äußern, wie z.B. Besserwisserei, Lästerei, Kontrollsucht, Drama-Queen-Verhalten, Sarkasmus oder Egomanie.
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- Der Besserwisser: Ist stets überzeugt, dass er über den richtigen Wissensstand verfügt und lässt dies andere spüren.
- Tipps zum Umgang: Einbinden, wenn seine Meinung zu spezifischen Themen erfragt wird. Höflich darauf hinweisen, dass Sie sich auch mit dem Thema beschäftigt haben und Ihre eigene Sichtweise haben.
- Die Läster-Schwester: Besitzt ein Talent, Klatsch und schlechte Stimmung zu verbreiten.
- Tipps zum Umgang: Positive Kommunikationskultur herstellen, die auf Offenheit und Wertschätzung basiert. Die Läster-Schwester freundlich konfrontieren, indem Sie sie darauf hinweisen, dass Klatsch und Tratsch langfristig nur schaden.
- Der Kontrolletti: Hat ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle, mischt sich in Ihre Aufgaben ein und überprüft alles, was Sie tun.
- Tipps zum Umgang: Eigene Emotionen im Griff behalten, um ruhig und sachlich zu bleiben. Regelmäßig Updates über Ihre Fortschritte anbieten, um Bedenken auszuräumen und das Vertrauen zu stärken.
- Die Drama-Queen: Bringt ständig persönliche Probleme ins Büro und benötigt viel Aufmerksamkeit für ihre Emotionen.
- Tipps zum Umgang: Zwischenmenschliche Grenzen schaffen. Hören Sie aktiv zu, aber ziehen Sie eine Linie, wenn es um die Arbeit geht.
- Der Sarkastische: Nutzt Sarkasmus und Ironie, um Witze zu machen, oft auf Kosten anderer.
- Tipps zum Umgang: Den Sarkastischen direkt auf die Auswirkungen seiner Kommentare aufmerksam machen. Positivität nutzen, um eine offene Kommunikation zu fördern.
- Der Egomane: Stellt stets seine eigenen Leistungen in den Vordergrund und ignoriert die Beiträge anderer.
- Tipps zum Umgang: Teamzusammenhalt fördern, indem Sie Gruppenerfolge feiern. Den Egomanen dazu bringen, auch die Arbeit anderer anzuerkennen.
Kommunikationsstrategien für den Umgang mit schwierigen Kollegen
Eine klare Kommunikation kann helfen, Spannungen zu reduzieren und Missverständnisse zu vermeiden.
- Gespräch unter vier Augen: Sprechen Sie Probleme direkt an. Seien Sie freundlich, aber bestimmt.
- Schriftliche Kommunikation: Halten Sie es kurz, sachlich und ohne Angriffsfläche.
- Humor als Schutzschild: Ein humorvoller Konter kann helfen, die Situation zu entspannen.
- Grenzen ziehen: Lassen Sie sich nicht in private Probleme hineinziehen.
Was tun bei Mobbing oder systematischer Ausgrenzung?
Wenn sich die Situation zuspitzt und das Verhalten systematisch wird, sprechen wir von Mobbing. In diesem Fall ist es wichtig, ein Tagebuch zu führen, Gespräche zu suchen (Betriebsrat, HR, externe Beratung) und gegebenenfalls rechtliche Schritte zu prüfen.
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